6.6.2017 - Pfingstsonntag
Voller Zuversicht standen wir an diesem Morgen also wieder einmal etwas früher auf, und Sandra machte sich zuerst einen Ingwer-Tee, um auch heute den Magen zu besänftigen. Der Wetterbericht verhiess aber Gutes, und so waren wir sicher, dass heute ein guter Tag würde.
Bereits um 8.30 fuhr die „Sailaway IV“ vom Hafen los, ein sehr modernes und schönes Segelschiff. Ein bisschen Alinghi-Feeling kam da schon auf bei uns.
Für 33 Passagiere hätte das Schiff Platz, heute waren wir aber nur 10; also viel Platz für uns! Die Fahrt zu den Low Isles war sehr ruhig, und auf dem Deck des Schiffes war der Wellengang ein einziger Genuss. Da es ein Segelschiff ist war auch kein Motorenlärm zu hören. Man konnte mit dem Blick in die Ferne schweifen und am Horizont die auftauchenden Inseln sehen. Der Leuchtturm wurde immer grösser, und nach gut einer Stunde waren wir schon am Anlegeplatz, wo wir mit einem kleineren Boot, das mit Glasboden zur Beobachtung der Tiere und des Riffs ausgestattet war, an den Strand gefahren wurden.
Eine einsame Insel, mitten im Ozean, grün bewaldet, mit Palmen, Gestrüpp und fast weissem Sand. In der Mitte ein grosser rot-weisser Leuchtturm. Ob hier wohl ein Schatz vergraben liegt? Um danach zu suchen hatten wir keine Zeit, denn rund um die Insel herum befindet sich das Great Barrier Reef mit seinen Tieren und Korallen.
Wir konnten eine geführte Schnorcheltour machen, das Wasser war sehr ruhig und so war auch die Sicht unter Wasser sehr gut. Wir sahen viele Fische, Korallen und riesige Muscheln. Leider ist das Riff aber auch sehr gezeichnet von Schäden. Es ist nicht mehr so farbig und gross, wie es einmal war. Der Mensch und die Klimaerwärmung haben ihre Spuren hinterlassen. Dies regte natürlich unsere Gedanken schon an. Wird die nächste Generation die Schönheit dieses Naturwunders noch bewundern können? Die übernächste?
Urplötzlich hörten wir von den anderen Schnorchlern einen erfreuten Aufschrei; Turtle! Die Schildkröten waren also hier; genau wie von Lilli versprochen. Kurz darauf haben wir sie auch entdeckt. Eine Meeresschildkröte in ihrer ganzen Pracht futterte vor unseren Augen, kaum einen Meter von uns entfernt, gemütlich an den Korallen. Immer wieder schwamm sie ein Stück weiter und schien von unserer Anwesenheit überhaupt nicht gestört.
Wir schwammen hinter ihr her, und konnten so ihre wunderbar elegante Weise durchs Wasser zu schweben bestaunen. National Geografic live! Was für ein Erlebnis! Einmal sogar kam sie direkt auf uns zugeschwommen und machte keine Anstalten, wegen uns einen anderen Weg einzuschlagen, also wichen wir natürlich aus. Wilde Tiere soll man wenn immer möglich nicht berühren.
Dieses Erlebnis konnten wir bei einem frisch zubereiteten Mittagessen auf dem Schiff verarbeiten. Die Diskussionen über das gesichtete Tier waren Hauptthema beim Essen. Unsere Gruppe war eine bunt durchmischte und wir verstanden uns gut. Eine St. Gallerin, die aber schon lange in Australien wohnt, war auch dabei. So schwankten wir zwischen Schweizerdeutsch und Englisch hin und her.
Nach dem Mittagessen, und wohl ohne die immer von unseren Mamis „gepredigte“ Stunde Pause einzuhalten, wurden wir zum zweiten Mal ins Riff hinausgefahren und konnten dort ein zweites Mal schnorcheln. Dieses Mal waren wir etwas weiter draussen, und konnten so auch etwas andere Fische sehen. Der grosse, blaue Napoleon-Lippfisch war auch dieses Mal wieder dabei. Der neugierige Fisch schwamm um uns Schnorchler herum, als würde er uns beobachten und nicht andersherum. Kurz darauf entdeckten wir auch noch einen Weissspitzen-Riffhai, der etwa 1,5 Meter gross war und direkt vor uns hindurchschwamm. Riffhaie sind für Menschen nicht einmal im Ansatz gefährlich, aber dafür umso schöner anzusehen. Genau wie der Weisse Hai in Port Lincoln war auch dieser Hai so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war.
Silvan entdeckte auch noch einen Stachelrochen, der sich im Sand vergraben hatte.
Und Sandra sah zum Schluss noch einen sehr kleinen, nervös herumschwimmenden "Nemo" Clownfisch :-)
Somit war dieser Tag mehr als nur ein Erfolg; er war auch eine Entspannung zugleich, und dies ohne Seekrankheit. Warum nicht immer so, lieber Poseidon? ;-)
Am Abend packten wir alle unsere Sachen so ein, dass wir am anderen Tag möglichst wenig Anzahl Gepäckstücke hatten, damit wir das Wohnmobil beziehen konnten ohne grosses Hin und Her.
Wir freuten uns auf dieses nächste Highlight unserer Reise.
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