Great Ocean Road (6. – 9.5.2017)
Am Samstagmorgen stand für uns die nächste, grosse Sehenswürdigkeit an. Die Great Ocean Road, oder kurz GOR. Abkürzungen lieben die Australier. Sie verwenden es für alles und jeden, und manchmal muss man echt weit studieren, um zu verstehen, für was welche Abkürzung nun wieder steht.
Zuerst aber besuchten wir noch die Chocolate Factory auf Phillip Island. Als Schweizer fast ein Muss. Fazit: die PI-Schoggi kommt fast, aber nur fast, an unsere gute Schweizer Schoggi ran. Die Ausstellung ist multimedial aufgebaut und man erfährt einiges über die Herstellung, Grundstoffe und Verwendung von Schokolade. (Wer schonmal die Möglichkeit hatte in Broc das „Maison Cailler“ zu besuchen, es ist praktisch dasselbe). Für die kleinen und grossen Kinder hat es zudem noch Geschicklichkeitsspiele, wo man sich Holzkugeln erspielen kann, die am Ausgang gegen Schoggikugeln eingetauscht werden können. Ein Heidenspass, 6:4 für Sandra ging unser interner Wettkampf aus. Zum Schluss der Ausstellung konnte man sich für 2 AUD noch eine persönliche Tafel Schoggi zusammenstellen. Wir entschieden uns für eine Tafel mit Erdbeer-CocaCola-Mischung. Das hätten wir besser nicht…. es schmeckt scheusslich! ;-)
Nun aber die GOR (wisst ihr noch was das heisst?). Sie beginnt in Torquay (ja, das gibt’s hier auch, nicht nur auf der kleinen Mutterinsel in England) und führt gut 250 km westwärts bis kurz nach Warrnambool. Natürlich auch in entgegengesetzter Richtung. Wir fuhren allerdings westwärts.
Am Vorabend entschieden wir uns, in Torquay in einer Jugendherberge ein Doppelzimmer zu buchen. Ein Versuch, um möglichst viele verschiedene Unterkunftsarten auszuprobieren.
Das Bells Beach Backpackers ist eine kleine Jugendherberge, die alles hat, was man braucht. Allerdings gehörten wir zu den ältesten Gästen. In Sandra kam sofort die Lagerleitungs-Mentalität auf, sie konnte sie aber wieder runterspielen. ;-)
Torquay gehört scheinbar zu DEN Surf-Mekkas Australiens. Da wir beide nicht wirklich Surfer sind, wussten wir das vorher nicht. Dort sind aber viele Surf-Sport-Marken entstanden, so zB RipCurl und Quiksilver. In einem der Fabrikläden vor Ort besorgten wir uns Schwimm-T-Shirts, die uns bei den Strandbesuchen vor Sonne schützen sollen. Sonnenschutzfaktor 50 bringen unsere T-Shirts mit, und wir freuen uns schon auf den ersten Einsatz (Doch wann wird das wohl nur sein? Das Wetter ist im Moment täglich zwischen 2 Grad am Morgen und gegen 17-19 Grad am Nachmittag, zudem ist im Ozean an der Südküste „next Stop Antarctica“…. kühl, kühl, kühl!)
In Torquay starteten wir am nächsten Morgen unseren Roadtrip über die GOR.
Gebaut wurde sie von Rückkehrern des ersten Weltkrieges. Sie diente quasi zur Arbeitsbeschaffung, da viele Soldaten keine andere Arbeit mehr fanden oder hatten.
Die Strasse ist sehr gut ausgebaut, unterhalten und wunderschön an den Klippen und abhängen gelegen.
Leider verfolgte uns das Wetterpech am ersten Tag etwas, und häufig regnete es dazwischen. Sodass es wenig Sinn hatte, an jedem „Lookout“ auszusteigen und leider nichts zu sehen. Zwischendurch schien Petrus aber doch noch ein wenig Mitleid mit uns zu haben und gönnte uns ein paar Sonnenstrahlen. Und was diese doch ausmachen… die Farben der Natur wechseln von mausgrau zu wunderbarem blau, gelb, grün. Es erhellt einfach das Gemüt und schenkt zudem noch Vitamin D! …und zudem, in keinem Reiseführer oder in Online-Suchmaschinen finden sich GOR-Bilder mit Regenbögen… wir haben sie aber! Viele sogar!
Der Wind blieb aber den ganzen Tag hartnäckig. Was zwar an einer Küste nicht sonderlich überrascht; er war aber besonders stark.
Bei den Twelve Apostles wollten wir den Sonnenuntergang beobachten. Tja, natürlich vermieste uns der Regen auch das etwas. Zudem blies der Wind so stark, dass wir fast nicht mehr vorwärtskamen. So entschieden wir uns, etwas früher ins am Tag vorher gebuchte B&B zu fahren, und uns dort zu wärmen.
Dass wir etwas off-season reisen (hier ist es Herbst) hat auch den Vorteil, dass viele Unterkünfte Zimmer frei haben, und wir uns nicht wahnsinnig viel früher darum kümmern müssen, wo wir schlafen möchten. Es lässt uns auch einige Freiheit in der Routenwahl.
Das „Arabella Countryhouse“ – B&B übertraf alle bisherigen Unterkünfte, war sehr liebevoll eingerichtet und Sean und Lynn, die Inhaber, beide über 70, waren sehr zuvorkommend.
Am Morgen früh, kurz nach 5 sind wir aufgestanden, um nochmals zu den Twelve Apostles zu fahren, und dort den Sonnenaufgang zu beobachten. So früh am Morgen standen aber noch die Sterne am Himmelszelt. Die kühle frische weckte uns, und vertrieb die letzte Müdigkeit.
Leider war Petrus auch heute noch nicht in Bestform, aber dennoch genossen wir es, wenn auch viele Wolken die Sonne beim Aufgang noch verdeckten.
Nach einer wärmenden Dusche kam der Hunger.
Wir waren die einzigen Gäste für diese Nacht, und trotzdem war für uns ein grosses Frühstücks-Buffet mit allem, was das Herz begehrt hergerichtet. Lynn kochte für uns Rühreier par excellence!
Ihr Mann Sean war ein gesprächiger Gastgeber und erzählte uns einiges über die GOR sowie über seine Arbeit bzw. sein Hobby, das Kälber-Tränken, für den Nachbarsbauern (wobei dieser Nachbar sicherlich 2-3 km weit weg ist). Lynn ist die perfekte Gastgeberin und wir fühlten uns einfach wohl bei den Zweien. Wir hatten etwas das Gefühl bei „Omi und Opi“ zu übernachten.
Der zweite GOR-Tag war alles in allem sehr viel freundlicher als der erste. Zudem war auch die Küste für uns sehr viel interessanter anzusehen.
Als erstes buchten wir aber einen Helikopterflug über die Küste. Das war schlichtweg grandios, aus der Vogelperspektive alle diese Felsformationen zu beobachten. Unser Pilot Tristan erklärte uns zudem, dass die Twelve Apostles gar nie 12 waren, sondern nur 8, von denen heute noch 7 stehen. Auch hier sahen wir wieder einige Regenbögen, von den gelegentlichen Wolkenbrüchen, an denen wir aber vorbeiflogen.
Der Küste entlang lagen immer wieder „Lookouts“, diesmal mit Wanderwegen, die zu den kürzlich von oben beobachteten Formationen führten. So konnten wir sie auch noch aus der Froschperspektive beobachten, und sogar wieder mit einer Portion Vitamin D!
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