29.-31.05.2017 Cairns
Den Tag bei Marlies und Bruno begannen wir wiederum etwas später. Etwas ausschlafen und entspannt in den Tag zu starten ist Ferien pur.
Ein wunderschöner Früchteteller mit exotischen Früchten, die alle hier in Tropical North Queensland wachsen, feines Müesli, richtiger Kaffee und frisches (gutes!) Brot waren eine kulinarische Wohltat; besser hätte dieser Tag nicht starten können.
Wir fuhren ins Stadtzentrum von Cairns (australisch ausgesprochen „Kheens“), um uns dort beim Tourismusbüro alles etwas zeigen zu lassen. Die Mitarbeiter waren sehr herzlich und haben sich viel Zeit für uns genommen. Wir erhielten gefühlte 100 Kataloge und machten uns daran, diese etwas zu sortieren, zu filtern und Favoriten zu küren. Schnell stellte sich heraus, dass wir eine Schnorcheltour zum Great Barrier Reef unternehmen wollten und den Daintree Regenwald nördlich von Cairns näher kennenlernen wollten.
Cairns ist Ausgangsort für viele Touren ins Great Barrier Reef. Da für die kommenden 7 Tage 5 harsche Regen- und Windtage angesagt waren stellten wir kurzerhand unseren Plan um und buchten bereits für den nächsten Tag eine Schnorcheltour zu einer Plattform, ca. 40 km vom Land entfernt im Moore Reef im äusseren Great Barrier Reef. Uns wurde stark davon abgeraten an einem anderen Tag zu fahren, da das Meer sonst sehr rauh sei. Und da wir „gebrannten Kinder“ immer noch die Schüttelfahrten aus Südaustralien im Hinterkopf hatten, wollten wir dieses Erlebnis nicht auslassen.
Dann war es auch wieder einmal an der Zeit unsere Wäsche zu waschen. Denn da war so einiges an rotem Sand nicht nur an unseren Schuhen sondern auch in unseren Kleidern hängengeblieben! Zum Glück lag gleich an der Hauptstrasse eine "Laundrette", wo es genügend Waschmaschinen und Tumbler gab. Und noch besser war, dass daneben gleich noch ein Vietnamesisches Restaurant lang. So konnte unsere Wäsche sauber und wir gleichzeitig satt werden. Zeit-Effizienz, wie wir sie gerne mögen ;-)
Zum Glück konnten wir im Kookas B&B bei Marlies und Bruno noch eine Nacht verlängern und mussten so nicht gleichzeitig auch noch eine neue Bleibe suchen.
Abends haben wir uns im „Nightmarket“ (in andern Städten würde dieser Stadtteil Chinatown genannt) in einem Fish-Spa von den kleinen Minifischen unsere Füsse maniküren lassen. Eine kitzlige Angelegenheit, aber wirklich sehr effektiv! Von Hornhaut an den Fersen war nachher keine Spur mehr zu spüren.
Ansonsten ist Cairns eine ziemlich „hippige“, sehr gemütliche und freundliche Stadt und hat viele asiatische Einflüsse. Auf der Collins Avenue im Norden der Stadt fährt man im Prinzip direkt durch den botanischen Garten hindurch. Wo anfangs noch ein Highway ist, sind urplötzlich Regenwald und Palmen direkt an und über der Strasse. Man könnte auch meinen, sich direkt im Filmset von "Jurassic Parc" wiederzufinden.
Am nächsten Morgen also erwartete uns das "Outer Great Barrier Reef". Sandra kochte Ingwer-Tee und beschwor die Meeresgötter. Mögen sie uns doch heute nicht die Laune verderben.
Um 9 Uhr legte der Katamaran „Reef Magic III“ vom Hafen ab, Ziel; eine Platform auf dem Moore Reef, „Marine World“ im äusseren Ring des Riffes. Diese Plattform hatte es in sich. Eigentlich ist sie ein einziger Wasservergnügungsplatz in Mitten des Riffs. Sie bietet alles, was das Schnorchler- und Taucherherz begehrt. Vom blutigen Anfänger bis zum Profi findet jeder das geeignete Equipment, um das Riff zu erkunden.
Wir entschieden uns zu schnorcheln und später eine geführte Schnorcheltour zu machen.
Zwischenstand Magen und Innenohr? Es schaukelt schon etwas…aber passt grad noch so.
Schon beim ersten Eintauchen verzauberte uns die farbenfrohe Unterwelt. Die vielen Fische, die farbigen Korallen und das tiefblaue Wasser lassen einem gar nicht glauben, dass das Riff offiziell als „tot“ erklärt wurde. Von der Wasseroberfläche aus sieht man diese vielen Fische gar nicht. Kaum taucht man ab, erkennt man, dass es aber direkt unter der Oberfläche von Leben nur so wimmelt.
Der Wind wurde etwas stärker, und man konnte auch deutlich erkennen, dass die kleineren Fische keine Chance gegen die Strömung hatten.
Leider wurde Sandra sogar IM Wasser etwas seekrank und sie musste eine Pause einlegen. Immerhin Silvan machte heute das Schaukeln nichts aus.
Gegen Mittag wurde ein grosses Selbstbedienungs-Buffet aufgebaut, mit Salaten, frischem Fisch, Fleisch und Gemüse. Ein Genuss für jedermann und im Tagesticket inbegriffen.
Wäre doch da das Schaukeln nicht noch stärker geworden…. ;-)
Zwischenstand Magen und Innenohr? Etwas Reis & Salat, in Mini-Portionen, verträgt der Verdauungstrakt gut.
Der Wind wurde allerdings immer stärker, und zwischendurch hat auch Regen eingesetzt. Auch Unterwasser bemerkte man diese Veränderungen, und einige Fische verschwanden in tiefere Gewässer.
Ein riesiger, blauer Fisch fühlte sich aber immer wohl und kam immer näher an die Schnorchler und Taucher heran. So nah, dass wir der Versuchung, den Fisch zu berühren, nicht widerstehen konnten, obwohl es eigentlich nicht in Ordnung wäre. Aber der Fisch ist so zutraulich, dass er fast danach verlangt, gestreichelt zu werden. Nachdem der Tauchguide den Fisch auch gestreichelt hat, haben wir uns ebenfalls getraut. Er fühlte sich ganz glatt an, nicht schuppig wie man das vielleicht erwarten könnte. Es ist ein Fisch, den jeder kennt und jeder sofort mit dem Great Barrier Reef in Verbindung bringt, aber niemand kennt seinen Namen. Deshalb hier: Napoleon-Lippfisch (Cheilinus undulatus) oder auf Englisch „Humphead Maori Wrasse“, Kosename „Wally“.
Auf dem geführten Tauchgang war leider weniger zu sehen, als von den Biologen gedacht. Die See war schlicht zu rau. Ab 20 Knoten würde die Fahrt etwas „bumby“, hiess es. Zwischendurch waren es über 35….
Die Rückfahrt nach Cairns wurde von sehr hohen Wellen begleitet, kleine Kinder hatten ihre wahre Freude daran; denn sie wurden praktisch schwerelos vom Boden gehoben.
Zwischenstand Magen und Innenohr? Sandra findets nicht mehr so lustig. Augen zu und durch gibt’s da nur.
Sicher wieder an Land, und dieses Mal ohne noch langes „nachschaukeln“ auf dem festen Boden, waren wir nicht unglücklich. Das Riff war wunderschön, die Wellen halb so. ;-)
01.06.2017 Tjapukai / Palm Cove
Das letzte Frühstück bei Marlies und Bruno war wieder hervorragend. Silvia, Marlies‘ Schwester, war diesmal da, da Marlies früh weg zum Golfen unterweg war. Der Früchteteller jeden Morgen, der war einfach ein Highlight!
Dann fuhren wir in die nahe Stadt und wechselten dort unseren kleinen Kia Cerato gegen einen Mitsubishi Pajero, wie wir schon einen im Red Centre hatten.
Die nächsten Tage möchten wir den Norden des Tropical North Queensland etwas erforschen. Leider verheissen die Wetteraussichten noch nichts Gutes, Regen, Regen, Regen. Aber wir sind halt im REGENwald ;-).
Und bei 28 Grad Regen ist schon etwas anderes, als was wir uns von zu Hause gewohnt sind.
Nicht weit von Cairns befindet sich eine Art Freilichtmuseum, das „Tjapukai“, mit dem passenden Slogan „where Australia begins“. Der Eintritt ist zwar nicht sehr günstig (62 AUD pP), doch es wird sehr viel geboten.
Eine cinematisch und choreographisch sehr gut inszenierte „Creation Story“ bildete den Auftakt einer Führung. Es wurde gezeigt, wie sich der hier heimische Aborigine-Stamm, Kuku Yalanji, die Entstehung der Welt vorstellt und dass es für sie nur zwei Jahreszeiten gibt: feucht und trocken.
Von Aborigine-Männern wurden wir dann in einer kleinen Gruppe von 6 Personen durch das Museum geführt. Wir lernten Boomerang-Werfen (sie kamen wirklich zurück!), Speerwerfen, Feuermachen, hörten Didgeridoo-Musik, konnten verschiedene Tänze bestaunen und lernten, welche Blätter z.B. zur Mundhygiene oder für die Wundversorgung gebraucht wurden. Interessant waren auch die Erzählungen und Vorstellungen über die Waffen der Aborigines. Da war so mancher „Knebel“ aus hartem Teak-Holz dabei, den wir ungern als Strafe auf unserem Rücken gespürt hätten, oder bei denen man sich nur zu gut vorstellen kann, dass sie tatsächlich funktionierten und tödlich waren.
Bei einem Känguru, das gerade in einer Lichtung grast, müsse man z.B. lediglich einen langen, harten dieser Knebel oder Wurf-Boomerangs auf die Beine werfen. Die Knochen brechen dann offenbar ganz schnell, und man kann das Känguru mit Leichtigkeit erledigen und den Frauen zur Weiterverarbeitung bringen. So die Erklärung eines älteren (und somit angesehenerem) Aborigine.
Wieder einmal ist uns die strikte Trennung von Männern und Frauen bei den Aborigines aufgefallen. Sie schätzen sich zwar gegenseitig sehr, aber man hört kein Wort über das jeweils andere Geschlecht bei einer solchen Präsentation. Wenn man nachfragt, wird einfach ausgewichen. Es scheint so, als wäre das tief verankert in der Kultur.
Tages-Fazit: höchstwahrscheinlich wären wir beide vor 10‘000 Jahren verhungert und verdurstet und schliesslich auch noch verfroren;-) Allerdings war es wirklich spannend, und beim Boomerang-Schiessen hat man schon Ansätze gesehen. Sandra hat fast (aber nur fast…) einen Schmetterling getroffen damit!
Eine kurze Weiterfahrt nach Palm Cove machten wir noch und übernachteten da in einem Hotel direkt am Strand. Gopf……ridli machte einfach Petrus mal wieder seiner Laune Platz, und liess das Meer und den Strand aussehen, als hätte er alle Farben weggenommen. So hatten wir allerdings gut Zeit um diesen Tagebucheintrag zu schreiben und unsere Föteli und Filme zu sortieren. Wir reisen mit dem Motto gute Miene zum schlechten (Petrus-)Spiel. Denn es sieht für die kommenden 3-4 Tage immernoch gleich (schlecht) aus. Wir sind gespannt.
zum nächsten Beitrag: Daintree Rain Forest