4.6.2017 - Bloomfield Track
Nach einem Frühstück in der Crocodylus-Lodge, es waren restliche Spaghetti vom Vorabend ;), fuhren wir weiter in Richtung Norden. Kurz nach Cape Tribulation endet die asphaltierte Strasse und der „Bloomfield Track“ beginnt. Eine 4WD-Strecke mit einigen Flussdurchfahrten. Genau dafür haben wir auf diesem Abschnitt wieder den 4WD gemietet. Und hier kam uns der Regen der letzten Tage zu Gute! Denn die Flüsse sind mehrheitlich ausgetrocknet; nicht so jetzt. Wir konnten so einige Flüsslein durchqueren, kein Problem für unseren Pajero!
Auch sonst hat dieser Bloomfield-Track einige Stellen, an dem wir froh über den 4-Rad-Antrieb waren, denn einige Male stieg die Strasse sehr steil an, oder schlängelte sich genauso steil wieder runter. Viele Schlaglöcher und holprige Stellen begleiteten uns bis Wujal Wujal, wo die Strasse wieder asphaltiert ist.
In Wujal Wujal waren wir noch beim Wasserfall, für den der Ort berühmt ist. Ein wirklich sehr schönes, gut verstecktes Fleck’chen Australien :).
Wujal Wujal, ein Aborigine Reservat, hat noch eine weitere Besonderheit. Und zwar ist es eines von 19 Dörfern in Queensland, in denen striktes Alkoholverbot herrscht. Sogar der Besitz von Alkohol ist strafbar. Das heisst, solange er im Auto bleibt, ist es ok, ausserhalb darf man ihn weder tragen, weiterverkaufen…und ganz sicher auch nicht an ihn denken ;).
Die Strafen sind drakonisch; bis zu 18 Monaten Gefängnis oder 75‘000 AUD Busse (= zZ ca. CHF 55‘000.-)
Unser Tagesziel war Cooktown, die nördlichste Stadt an Australiens Ostküste. Bis dorthin durchfuhren wir mehrere hundert Kilometer endlosen Regenwald.
Hier merken wir einmal mehr; dass uns diese endlosen Weiten kommen immer noch sehr ungewohnt vorkommen, aber sie sind wunderschön. Speziell in der Schweiz sind wir uns nur kurze Strecken gewohnt. Wenn hier in Australien jemand als Richtungsangabe „gleich nächste Rechts“ kann das gut heissen, dass die nächste Rechts erst in ca. 30 Kilometern folgt!
In Cooktown herrschte ein starker Wind und etwas Regen. Die Einheimischen beklagten sich, dass dies ein sehr kühler Herbst sei, man sei sich so etwas nicht gewohnt. Wir jedoch waren uns bei 25°C richtig wohl und trugen sogar kurze Hosen. Ein Indiz, dass wir definitiv „aus der Fremde“ stammen. Die Einwohner tragen alle mindestens lange Hosen und Pullover, wenn nicht noch eine Jacke dazu.
Das Hotelzimmer, das wir auf dem Hinweg gebucht haben, als wir kurz einmal ein wenig Empfang hatten, war erstaunlich gross, sauber und bequem! Ein grosser Unterschied zur Dschungel-Hütte von letzter Nacht. Also gönnten wir uns erst Mal eine warme Dusche und assen dann im Hotel-Restaurant.
5.6.2017 Cooktown
Da der Check-Out erst um 11 Uhr war, an anderen Orten üblicherweise 10 Uhr, konnten wir sogar eine Stunde länger schlafen. Das war ein Genuss im wirklich grossen und bequemen Bett.
Heute lag wieder eine längere Fahrt vor uns, 260 km südwärts Richtung Port Douglas über den Mulligan Highway, einen erst 2006 fertiggestellten Inland-Highway. Da nördlich von Cooktown nur noch schlechtere 4WD-Strassen liegen, und es empfohlen wird, mit einer Tour bis zum Nordende der Halbinsel zu fahren, entschieden wir uns ganz dagegen.
Bevor wir jedoch losfuhren, besuchten wir noch das Cook Museum und einen Lookout über die Buchten und die kleine Stadt. Cooktown an sich ist sehr klein, hat gerade mal knapp 2‘000 Einwohner und ist benannt nach Captain Cook, der 1770 hier mit seiner Endavour gelandet ist und fast zwei Monate an Australiens Great Barrier Reef verbracht hat.
Der Name „Cook“ ist allgegenwärtig; so im Namen der Stadt, und auch sonst gefühlt an jeder zweiten Ecke bis weit runter am Great Barrier Reef entlang, das sich doch über gut 2‘300 km erstreckt.
Im COOK-Town-Museum sind unter Anderem Tagebucheinträge von damals zu sehen. Sehr spannend sind die Beschreibungen der Aborigines, von Cook „Indianer“ genannt. Sie gingen aber, ganz im Gegenteil zu den späteren Entdeckern, sehr friedlich miteinander um. Auch eindrücklich fanden wir Cook’s Beschreibung von einem fremdartigen Tier, das wie ein Windhund („greyhound“) aussieht, aber auf zwei Beinen springen kann und dessen Nachwuchs aus dem Bauch raus schaut. Das Känguru muss einen unglaublich seltsamen Eindruck auf die damaligen Entdecker gemacht haben. Und wenn man sich ein Känguru ansieht, macht es das immer noch :)
Erst gut 100 Jahre nach Cook erlangte Cooktown wieder Berühmtheit, nämlich als man nahe der Stadt das grösste Goldvorkommen in ganz Queensland entdeckte. Zu dieser Zeit kamen fast 30‘000 Chinesen und Engländer nach Cooktown. Die vielen Chinesischen Einflüsse kann man heute noch in der Stadt erkennen. Viele Läden der auch die Zeitung sind teilweise mit chinesischen Schriftzeichen versehen.
Die weiteren Teile des Museums waren eher eine Ansammlung aus alten Gegenständen, eher unspektakulär. Für uns spannend waren noch die Briefe des „Welcome-Back-Clubs“. Alle Soldaten, die in den ersten oder zweiten Weltkrieg zogen, und wieder zurückkamen, wurden von diesem Club geehrt und willkommen daheim geheissen. Für uns, die nie auch nur annähernd einen Krieg erlebt haben, eine sehr ungewöhnliche Erscheinung, die aber zeigt, wie einschneidend diese Periode für alle sein musste.
Wie uns später noch ein Australier erzählte, hat Australien während dem ersten Weltkrieg prozentmässig, gemessen an der Einwohnerzahl, so viele Soldaten verloren wie kein zweiter Staat. Praktisch eine ganze Generation junger Männer wurde ausgelöscht. Das sitzt natürlich immernoch tief in den Knochen; auch wenn die Generationen jetzt gar nicht mehr am Krieg beteiligt waren. So wurden ihnen immer wieder diese Geschichten erzählt.
Übrigens zogen nach dem Krieg ausserordentlich viele Familien aus ganz Europa (nicht nur Grossbritannien) nach Down Under. So ist beispielsweise Melbourne die drittgrösste von Griechen bewohnte Stadt der Welt und die grösste ausserhalb Griechenlands.
Auf unserer Fahrt südwärts besserte das Wetter zusehends. In Port Douglas prüften wir die allseits angepriesene und von allen Touranbietern verwendete Wetter-Vorhersage „Seabreeze“, inkl. Anzeige vom Wellengang. Sie sagte uns für den Dienstag voraus, dass bestes Schnorchel-Wetter herrschte. Nichts wie los!
Während den langen Fahrten hören wir jeweils Hörbücher. Wir sind seit dem Start unserer Reise bereits beim dritten Hörbuch angelangt. Zugegeben, die Landschaft, die immer etwa gleich aussieht, bietet nicht allzuviel Gesprächsstoff. Da sind die spannenden Hörbücher unser guter Reisebegleiter.
Gegen Abend kamen wir in Port Douglas an, und bevor wir zum Apartment fuhren, fuhren wir zum Hafen und buchten dort einen Schnorchelausflug für den nächsten Tag mit der „Sailaway“ bei Lilli, die wir letzte Woche hier kennengelernt haben. Sie versprach uns fast, dass wir Schildkröten sehen werden. Wir durften also hoffen…. :-)
Da dies ein autoreicher Tag war haben wir praktisch keine Fotos geschossen. Jene aus dem fahrenden Auto werden einfach nicht gut; und Picknick-Areas gab es fast keine...
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