24.5.2017
Die MacDonnell Ranges „erfuhren“ wir am nächsten Tag. Durch die Ranges hindurch würde ein 220 km langer Wanderweg, der Larapinta Walk, führen. Diesen haben wir aber aussen vorgelassen. Dennoch erspähten wir hie und da einen Wegweiser für den Walk. Wie so üblich in einer Wüste war es morgens recht frisch, und wir mussten Pullover und lange Hosen tragen.
Einen ersten Halt legten wir bei der Schlucht „Standley Chasm“ ein. Dort kann man durch diese Schlucht hindurchgehen und die steilen Wände bestaunen. Da wir bis dahin noch nicht gefrühstück hatten, holten wir dies dort bei einem herzigen Picknickplatz nach.
Übrigens, die Thick and Creamy Joghurts von den Dairy Farmers sind der Hammer! Wir sind schon fast ein wenig "süchtig" danach. ;-) Zum Glück sind sie bisher landesweit erhältlich!
Weitere Stopps legten wir bei den zahlreichen „Gorges“ ein. Das sind jeweils Schluchten oder Wasserlöcher in der weiten Wüste, wo sich das Wasser das ganze Jahr hindurch hält. Man könnte in diesen Gorges baden, jedoch wird davon abgeraten, weil das Wasser sehr sehr kalt ist. Kaum vorstellbar bei dieser ständigen Hitze; doch wir können es bestätigen. Wie genau das geht, haben wir nicht erfahren.
Übernachtet haben wir in der Glen Helen Gorge Lodge. Eine kleine Oase mitten in der MacDonnell Ranges-Wüste. Das kleine Resort erinnert an ein Bilderbuch-Outback-Anwesen. Erstaunlich ist daher auch, dass in diesem wirklich abgelegenen Ort eines der besten Restaurants des Landes ist. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, und uns die Gaumenfreuden schmecken lassen. Das Känguru war vorzüglich.
Zum Känguru-Fleisch eine Bemerkung; mehrmals wurde uns bereits erklärt, dass die Kängurus eher eine Plage als eine Freude für die Anwohner seien. Sie vermehren sich sehr schnell und stellen eine Gefahr auf der Strasse dar. Daher wird hier überall Känguru gegessen ohne schlechtes Gewissen.
Die Glen Helen Gorge war die schönste von Allen, die wir tagsüber besucht haben. Das klare Wasser, die sich spiegelnden, feuerroten Hügel, die vielen Wasservögel und das umliegende Buschgras waren einzigartig anzusehen und ergaben so eine wunderschöne Harmonie. Da auch hier der Sonnenuntergang verhältnismässig früh (ca. 18 Uhr) war, kamen wir in den Genuss eines wunderschönen Tagesabschlusses bevor wir dann im erwähnten Restaurant zNacht assen.
25.5.2017 - Auffahrt
Eine äusserst freundliche Kiosk-Frau bei der Ormiston Gorge hatte uns am Vortag den Tipp gegeben, wir sollen den Sonnenaufgang beim Mount Sonder unweit der Glen Helen Gorge anschauen. An diesem Tag war der Himmel etwas bewölkt, weshalb es keine schönen Föteli oder Filmli gab.
Die einzige Tankstelle in den umliegenden 200 km war ebenfalls an der Glen Helen Gorge. Natürlich waren die Literpreise aufgrund der Abgeschiedenheit horrend (über AUD 1,85 / l). Dennoch wurde uns geraten, an jeder verfügbaren Tankstelle immer vollzutanken. Das haben wir dann, zugegeben etwas zähneknirschend, getan. Denn es wartete eine lange Fahrt auf einer unbefestigten Strasse auf uns. Telefonempfang gab es sowieso keinen, und da wollten wir keinesfalls das Risiko eines leeren Tanks eingehen.
Der „Larapinta Drive“, ein Teil des Mereenie Loops, der von und wieder nach Alice Springs mitten durchs Outback führt, ist eine richtige „Dräckstrasse“. Aufgrund der wenigen Regenfälle jedoch staubtrocken und ganz der Wüste getreu in allen Rottönen.
Da wir von Anfang an planten, diese Strasse zu befahren haben wir auch ein 4WD-Auto gemietet. Unser 3,2-Liter Mitsubishi Pajero tat sein Bestes. Jedoch ist 99,9% der Strecke bei diesen Wetterverhältnissen auch mit Hinterradantrieb befahrbar. Jedoch waren die Schlaglöcher und Unebenheiten der Strasse in unserem Pajero etwas angenehmer.
Bevor wir aber die gut 160 km lange „unsealed Road“ befuhren, machten wir noch einen Abstecher zum Gosse Bluff; einem Überbleibsel eines riesigen, über 500 Millionen Jahren alten Meteoritenkraters.
Ohne 4WD-Antrieb hätten wir dort nicht hinfahren können. Eine regelrechte Schotterpiste führte zum Aussichtspunkt. Die Hände am Steuerrad wurden gratis massiert. Und keine Powerplate in keinem Fitnesscenter wäre der „Rüttlerei“ nachgekommen, die wir während ca. 20 Minuten erlebten.
Wasser sollte man auch immer genügend mit sich führen, wenn man so abgeschieden in der Wüste unterwegs ist. Irgendwo haben wir gelesen, man soll so viel Wasser mitbringen wie man als „Normalo“ denkt, und dann noch etwas mehr. Für jede Stunde, die man ausserhalb des Autos verbringt mindestens einen Liter pro Person.
Da wir aber auch hier in der herbstlicheren Zeit unterwegs sind, sind die Tagestemperaturen nie über 32°C angestiegen. In Alice Springs haben wir uns aber mit genügend Wasser eingedeckt.
Ein „Bubentraum“ von Silvan ging an diesem Auffahrts-Donnerstag in Erfüllung, mit dem Befahren des Outbacks. Die Idee der Abgeschiedenheit und der endlosen, roten Wüste war auch der Ursprung unseres Reisewunsches zur „Terra Australis“.
Streckenweise waren wir die Einzigen in der weiten, nicht enden wollenden, flachen Wüste aus rotem Sand, vertrockneten Bäumen und Buschgras. Soweit das Auge reichte wiederholten sich diese in beliebiger Reihenfolge. Eine solche Landschaft war für uns komplett neu und einzigartig. In der kleinen Schweiz und im kleinen Europa wäre so etwas undenkbar. Selbst im Osten Kanadas erhebt sich alle paar Kilometer ein Hügel.
Diese Einsamkeit haben wir beide bisher noch nie erlebt. Einzig ein paar Vögel begleiteten uns auf unserem Trip. Gedanken an mögliche Unfälle, und wie lange eine Rettung dauern könnte verdrängten wir immer wieder.
Wie man bereits hier sehen kann ist das Rot der Erde je nach Sonneneinstrahlung sehr unterschiedlich. Dies wird sich dann beim Uluru noch viel "krasser" zeigen.
Tatsächlich erlaubte es uns die Abgeschiedenheit aber auch, dass wir mitten auf der Strasse anhielten und wunderschöne Bilder mit dem Quadrokopter (Köbi) von Silvan schiessen konnten. Solche, die genauso rauskamen, wie wir es uns vorgestellt haben. Ein Erfolgserlebnis durch und durch, dieser Wüstentag.
Der Mereenie Loop ist 160 km Schotterpiste. Je schneller man drüber fährt desto ruhiger fährt sich das Auto. Man kann also gut 80 km/h (die maximale erlaubte Geschwindigkeit) fahren ohne sich unsicher zu fühlen.
Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir dann beim Kings Canyon Resort an. Bei der eigens dafür eingerichteten Sonnenuntergangsplattform konnten wir die letzten Sonnenstrahlen des Tages beobachten und trafen dabei zufälligerweise auf Rosanne und Noel, die wir im Ghan Richtung Alice Springs kennengelernt hatten.
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