2.6.17
Nach einem nicht besonders guten Frühstück im Hotel (wir hatten halt noch den Früchteteller von Marlies und Bruno in Erinnerung…) fuhren wir weiter nordwärts in Richtung Port Douglas. Unterwegs auf dem Captain Cook Highway (einem Teil des Great Tropical Drive) machten wir als erstes beim Rex Lookout Halt. Bei diesem Wetter war die Aussicht nicht besonders prospektreif, dafür sahen wir den Start eines Deltaseglertandems, der dieses windige Wetter nur zu gut für seinen Flug einzusetzen wusste.
In Port Douglas fuhren wir ins Reef Marina, dem Startpunkt von allen Ausflügen ins Great Barrier Reef von Port Douglas aus. Dort trafen wir auf die Schweizerin Lili, die uns einen Segelausflug zu den nahegelegenen Low Isles empfahl. Wir merkten uns das vor, wollten es aber abhängig machen vom Wetter nächste Woche.
Etwas ausserhalb von Port Douglas liegt der Vorort Mossman und noch etwas ausserhalb die Mossman Gorge. Das ist eine Schlucht mitten im Regenwald. Dort hatten wir den "Dreamtime Gorge Walk" gebucht, bei dem man mit einem Aborigine durch einen privaten Teil des Regenwaldes wandert, um Näheres zum lokalen Stamm zu erfahren. Es ist derselbe Stamm, wie bereits in Tjapukai, die Kuku Yalanji. In einem Rauchritual am Feuer mit speziellen Kräutern wurden wir symbolisch in den Stamm aufgenommen. Ausser uns war niemand anderes bei diesem Walk dabei, wir hatten also Glück und genossen quasi eine Privatführung.
Der junge Aborigine, der uns führte, erzählte uns von Traditionen und speziellen Orten dieses Stammes. Eine Geschichte blieb uns besonders: Junge Buben werden mit 8 Jahren für einen Test mit einer kleinen, roten Frucht unter Drogen gesetzt, d.h. sie verursacht leichte Halluzinationen. Mit diesen Halluzinationen und ohne Wasser müssen die Buben dann in einem Baum eine Nacht überleben, um im Kreis der Männer aufgenommen zu werden. Dieser Baum ist riesig und uralt. Man erzählt sich, er sei über 1'000 Jahre alt, und die Seelen der verstorbenen Männer wohnen nach dem Tod dort drin. In diesen Halluzinationen erscheinen dann die Vorfahren den Buben, und geben Ihnen Weisheiten fürs Leben weiter, die sie nie jemandem verraten dürfen. Der Aborigine zeigte uns die Stelle, wo sich die Dorfältesten versteckt hielten, damit sie den Jungen helfen konnten, falls bei diesem Test etwas schief laufen sollte. Das wussten die Buben vorher natürlich nicht und dachten, sie seien komplett auf sich alleine gestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind Mädchen und Buben gleich behandelt bei den Kuku Yalanji und sie leben bei den Frauen. Ab dann lernen die heranwachsenden Männer in einer Art Lehre verschiedene Berufe, die sie selbst wählen können. Einzig die Medizinmänner werden in diese Blutreihe geboren. Heute werden diese Rituale nicht mehr vollzogen, aber unser Guide hat diese Frucht auch ein einziges Mal probiert, um das „Feeling“ zu haben. Sie sei sehr süss, und es wäre sehr lustig, diese Halluzinationen zu haben. Jedoch habe ihm ein einziges Mal gereicht.
Wir haben uns dann doch nochmal getraut zu fragen, warum Männer und Frauen bei den Aborigines offenbar so strikte getrennte Lebensformen haben. Unser Guide hat uns dann erklärt, dass sie das schon immer so hatten, aber keinesfalls ein Geschlecht dem anderen unterstellt ist. In Ihrem Stamm habe es sogar öfters Frauen, die Stammesführer waren. Es sei einfach aufgrund der biologischen „Differenzen“ die Folge, dass Frauen und Männer andere Aufgaben hatten und erledigten. Geschichten erzählen, darf man nur, wenn man vom Stamm die ausdrückliche Erlaubnis dafür habe. Eine Frauen-Geschichte dürfe er uns erzählen; Jene die davon handelt, wenn Frauen die Monatsblutung haben, und das haben immer alle zur selben Zeit, dieses Phänomen gibt es übrigens überall, wo Frauen lange zusammen leben. Früher war es dann so, dass alle Männer für 4-5 Tage aus dem Lager verschwinden mussten, dies zum Wohle des „Friedens“. Frauen waren also schon immer Frauen… schön zu wissen! ;-) Zudem zeigte er uns eine Pflanze, eine Art Farn, die ganz kleine Dornen an den Blatträndern hat. Diese banden sich die Frauen während er Menstruation um den Kopf, sie hatte eine heilende Wirkung, eine Art Akupunktur. Sehr interessant also, vielleicht mal ausprobieren?
Nach dem Walk fuhren wir zu unserer Unterkunft Daintree Wild Bed & Breakfast. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um einen Zoo, der nebenbei ein B&B betreibt. Als Gäste des B&B durften wir ausserhalb der Öffnungszeiten in den Zoo. In der Nacht in einen Zoo ganz alleine war ein sehr schönes und interessantes Erlebnis, auch wenn wir nicht alle Tiere gesehen haben. Es hatte zwei Krokodilgehege mit Süsswasser- und Salzwasserkrokodilen, aber beide versteckten sich sehr gut im Sumpf. Freilaufende Wallabys hatte es sehr viele und sie waren sehr zutraulich. Nachts hörten wir die vielen Stimmen des Zoos, gemischt mit jenen vom nahen Regenwald.
Die einen Fotos sind extra als Suchbild aufgenommen. Wo stecken nur die gut getarnten Tiere?
3.6.17
Am nächsten Morgen hatten wir das Frühstücks-Buffet im Zoo-Restaurant fast für uns alleine. Nach dem Zmorgen konnten wir nochmals durch den Park schlendern. Diesmal sahen wir mehr Tiere. Endlich sahen wir einen Wombat. Leider war dieser nicht besonders gut drauf und fauchte uns in einer Lautstärke und Intensität an die man dem Tier von Aussen her gar nicht zutrauen würde. (Im Video ab 1:20 sichtbar).
Gegen Mittag hatten wir in Daintree ein "Date" mit den gefürchteten Salzwasserkrokodilen. Wir machten eine Flussfahrt durch ihrem natürlichen Lebensraum. Salzwasserkrokodile (oder „Salties“) sind die grössten Krokodile der Welt und gelten als sehr gefährlich, nicht für den Menschen. Immer wieder kommt es zu Unfällen, weil Touristen die Warnschilder nicht sehen oder noch öfter, sie einfach nicht ernst nehmen.
Es hat viele Anbieter, die solche Flussfahrten betreiben. Unser Anbieter „Solar Whisper“ verwendet ein Boot mit Solarpanels, die zwei Elektromotoren antreiben. So bleibt das Boot leise und stört die Tiere weniger bis gar nicht. „Solar Whisper“ hat zudem auch noch eine Eco-Zertifizierung, welche nur Unternehmen erhalten, die auch sparsam mit den Ressourcen umgehen. Auf dem Boot ist eine Kamera montiert deren Live-Bild direkt auf einem grossen Monitor anzeigt wird. So kann der Skipper auf Dinge zoomen, die man von blossem Auge nicht gut erkennen kann. Auf dem Daintree River hatte es ganz viele andere Boote, die praktisch dieselbe Route nahmen, um Krokodile zu sehen. Es spielt also kaum eine Rolle, welchen Anbieter man nimmt, wenn es nur darum geht, Krokodile zu sehen.
Im Warteraum von Solar Whisper gab es einige lustige Heftli zu lesen. Da wir etwas zu früh dran waren, konnten wir uns noch einige lustige Krokodil-Witze ansehen.
An diesem Tag waren wir nur sechs Touristen auf dem Boot. Kurz nach dem wir abgelegt hatten, sahen wir bereits das erste Krokodil. Ein Prachtexemplar, das mit offenen Augen zu schlafen schien. Jedoch erklärte uns der Skipper, dass das Krokodil alles andere als schläft. Es beobachtet. Ein Krokodil zu überraschen sei ein Ding der Unmöglichkeit. Wie Wale und Delfine schläft es immer nur mit der einen Hälfte des Gehirns, währenddessen die andere Hälfte hellwach und immer auf der Lauer ist.
Wir sahen auch ein Krokodil, das gerade ein Bad nahm, und ein ca. dreimonatiges Baby-Krokodil. Das dreimonatige ist kurz nach seiner Geburt, kaum 30 cm lang, schon auf sich selbst gestellt. Während ca. 2 Monaten „duldet“ die Mutter die kleinen noch, und gibt ihnen Schutz. Ab dann müssen sie selbst auf die Jagd nach kleinen Makrelen und Fischen. Bis zu ihrem 6. Lebensjahr seien die Krokodile in ständiger Gefahr, und noch nicht „on top“ der Nahrungskette. Kaum 20% schaffen es bis dahin. Aber wenn sie einmal dieses Alter erreicht haben, können sie nur noch von der Spezies Homo sapiens aufgehalten werden…. Umgekehrt jedoch auch, hier ist die Natur mal fair ;). Viele Krokodile können ein Alter von bis zu 80 Jahren erreichen. Die Lebensphasen können mit jenen eines Menschen verglichen werden.
Im Fluss, auf gut 10 Kilometer Flusslänge, hat es 2 Männchen, und viele, viele Weibchen. Zwischen den Männchen herrscht ein immer wieder aufkommender Machtkampf, der beiden Tieren schon einige Narben eingebracht hat. In den jüngeren Jahren wachsen Zähne immer wieder nach, beim älteren Männchen jedoch nicht mehr. Dies deutet darauf hin, dass es sich bald „pensionieren“ lassen müsse, so der Skipper.
Auf unserer Fahrt haben wir jedoch nicht nur Krokodile gesehen, auch andere Tiere wie eine Baumschlange, einen giftgrünen Frosch und einen Adler konnte der Bootsführer uns zeigen.
Die Reise ging danach weiter über die Fähre in Richtung Norden. Die Überfahrt mit der Fähre dauert nur wenige Minuten ist aber recht teuer mit 26 AUD. Danach fuhren wir am Daintree Discovery Centre vorbei, wo man ein Prähistorisches Museum und einen Regenwaldpark besuchen könnte. Gleich nebenan ist der Jindalba Walk, bei dem man nur einen kurzen Boardwalk oder einen längeren Rundgang durch den Wald machen kann. Natürlich entschieden wir uns für den anstrengenderen Waldpfad. Es hatte viele, mächtige Bäume und der Weg war von deren Wurzeln gesäumt. Ohne gute Schuhe wäre man ständig gestolpert. Nach kurzer Zeit tauchte vor uns ein kleines Wildsoili auf und wir hörten noch weitere im Wald. Da es immer noch mehrmals täglich regnete, und der Boden stellenweise sehr matschig war, waren innert kürzester Zeit unsere Schuhe und Hosen bis zu den Knien voll Schlamm, voll rotem Schlamm, da auch hier die Erde ganz rot ist.
Die Übernachtung hatten wir in der "Daintree Crocodylus Lodge" mitten im Regenwald, in Cow Bay, gebucht.
Hier trifft der Regenwald wortwörtlich auf das Riff. So auch der Werbeslogan dieser Region.
"Where the forest meets the reef"
Dort wird ein Night Walk angeboten, bei dem uns der aufgestellte Guide und gleichzeitig Leiter der Lodge interessante Einblicke in das Nachtleben des Regenwaldes gab. Wenn er nicht hie und da abgekürzt hätte, wären wir sicherlich jetzt noch dort, und würden alle Bäume der Reihe nach kennenlernen. Es war jedoch zu keiner Zeit langweilig! An einem Baum entdeckten wir eine Echse mit dem klingenden Namen „Red Dragon“. Spinnen und andere Kriechtiere warteten an wirklich jeder Ecke. Entdecken konnte man sie aber nur mit gezieltem Hinzeigen mit seiner Taschenlampe. So wussten wir, eigentlich sind wir von all diesen Tieren ständig umgeben, und ganz sicher auch beobachtet, aber wirklich sehen kann sie nur das aufmerksame und geschulte Auge.
Die Crocodylus Lodge war zweifellos die abenteuerlichste Unterkunft, die wir auf unserer bisherigen Reise hatten. Es waren grosse Hütten mit superbequemen Betten, die Wände aus Holz, aber die Decken und oberen Wände nur aus Netz und Blachen. So kam man sich etwas vor, als würde man direkt im Wald liegen. Die Lodge ist auch wirklich inmitten des Waldes gebaut. Dadurch, dass die Hütte kein fixer Raum war, konnte vieles Ungeziefer rein- und rausspazieren. So auch dieser nette, handflächengrosse Kerl.
Er wollte jedoch schneller raus, als wir überhaupt in der Lage waren die Türe zu öffnen. Keine Panik also ;-). Dennoch waren wir froh über den Baldachin über unserem Bett. Denn es flogen auch lästige und hungrige Moskitos durch die Luft. In der Nacht regnete es immer mal wieder, wir wurden sogar aufgeweckt durch den Lärm. Jedoch konnten wir nicht einordnen, ob es wirklich so sintflutartig geregnet hat, wie es tönte, oder ob es durch den Wald, die Blachen und den Wind einfach so verstärkt tönte. Wir konnten teilweise unser eigenes Wort nicht hören, so laut war es. Einmalig, dieser Regenwald.
Überhaupt gefällt uns dieser über 130 Millionen Jahre alte Wald unglaublich gut. Das satte Grün überall, die vielen Vögel und die Bächlein. Unsere Schweizer Wälder sind aufgeräumter, hingegen hier im Regenwald wächst einfach alles dort, wo es gerade wachsen will, und auch soweit es wachsen will. Mit dem urzeitlichen Farn und ineinander verwachsenen Bäumen erinnert es uns wiedereinmal an Szenen aus Jurassic Park und lässt erahnen, wie es zur Zeiten der Dinosaurier wohl auf der Welt ausgesehen haben muss.
zum nächsten Beitrag: Bloomfield Track und Cooktown (Far North Queensland)