Schon um 8 Uhr fuhren wir los, um die Fähre um 9 Uhr zu erwischen. Unsere Unterkunft lag nur gerade 3 km vom Hafen weg. Seitens Fährbetreiber verlangte man, dass wir mindestens 30 Minuten vorher eingecheckt haben sollten. Ja richtig, ein Check-In, fast wie an einem Flughafen, nur ohne Sicherheitsdetektoren.
Und ganz in Schweizer Manier, wollten wir natürlich nicht erst zur „spätesten Zeit“ anreisen. So hatten wir im Terminal und dann auch an Bord noch genügend Zeit für einen gemütlichen Kaffee und eine ausgiebige Erkundungstour über die A3-grosse Karte von Kangaroo Island.
Da die Fähre wirklich sehr teuer ist, solle man sich die Zeit auf der Insel gut einteilen (das ist der Slogan der Insel). Gesagt getan.
Einige Reisende in den üblichen Online-Portalen schreiben sogar von der verhältnismässig teuersten Fähre der Welt. (382 AUD, retour, mit 1 PW, geschenkt also ganz und gar nicht)
Die Quarantänebestimmungen der Insel schreiben vor, dass man keine Füchse, keine Bienen, keinen Honig und keine Kartoffeln auf die Insel mitbringen darf. Man könnte sich nun kopfkratzend fragen „Hä?“
Auf der Insel sind ligurische Bienen zu Hause, diese sollen geschützt werden, und nicht von andern Bienenvölkern „durchmischt“.
Warum keine Füchse und Kartoffeln, das wissen wir leider auch nicht… Füchse höchstwahrscheinlich wegen der Wildtiere… Kartoffeln? Weil die KI-landers keine Rösti mögen?? Mögen wir es herausfinden….
Nach gut 50 Minuten Überfahrt waren wir auf der drittgrössten Insel Australiens angekommen und fuhren sogleich los. Los zur Honey Farm, wo wir verschiedene Honige der ligurischen Bienen probieren konnten, und auch noch verschiedene andere Honig-Produkte, so z.B. ein Honig-Glacé. Da das Wetter in den letzten Tagen immer besser wurde war dieses Glacé sehr willkommen. Das Glacé fanden wir fein, aber nicht „must have“ fein, wie das in einigen Reiseführern beschreiben ist.
Kangaroo Island hat nur sehr wenige asphaltierte Strassen, für unseren Toyota Kluger aber kein Problem. Einzig das Navi erkundigt sich regelmässig, ob uns die Fahrt über diese „unsealded roads“ denn auch wirklich genehm ist? Ein fürsorgliches Ding, unser Navi ;-).
Weiter auf einer dieser unbefestigten Strassen fuhren wir zur Emu Ridge Eucalyptus Oil Distillery. Wie der Name schon verrät gibt es dort Eukalyptusöl zu kaufen. Eukalyptusöl wird heute zum grössten Teil ausserhalb Australiens hergestellt, erfahren wir dort. Dabei stellte dieses Öl einst das erste echte Exportgut des Kontinents dar. In dieser Destilliere wird das Öl aber noch nach traditioneller Weise von Hand hergestellt. Eukalyptus wächst natürlicherweise in Australien, also muss sich die Firma nie um Nachschub Sorgen machen.
Nach einem kleinen Umweg über die grösste Stadt auf der Insel, Kingscote, wo wir den Einkauf für die nächsten beiden Tage erledigten, fuhren wir weiter zur Seal Bay im Süden der Insel. Dort konnten wir mit einer Führung an den Strand gehen, und von ganz nah die sich ausruhenden Seelöwen beobachten. Läck, sind die härzig!
Seelöwen jagen oftmals mehrere Tage im offenen Meer nach Nahrung und erholen sich dann am Strand. Von weiten sehen sie aus wie in einem komatösen Schlaf, und sie bewegen sich nur, um dann auf der anderen Körperseite weiterzuschlafen. Verdient haben sie‘s ja alleweil nach den langen Jagdausflügen. Wir hatten das grosse Glück, dass sich ein ganz junges Tier direkt neben uns den Weg ans Meer suchte, und vor unseren Augen in der Sonne wärmte. Ein Anblick, den man ganz einfach nur mit „jööööö!“ betiteln kann.
Da dann die Uhr schon 16 Uhr anzeigte, machten wir uns auf den Weg zum „Raven Cottage“ nahe der wunderschönen Vivonne Bay. Dort sahen wir dann auch noch den wunderschönen Himmel im Sonnenuntergang, und hatten ein angenehmes Gespräch mit einem Briten, der 1968 nach Australien ausgewandert ist.
Überhaupt hatten wir während unserer Reise schon oft kürzere und längere Gespräche mit den „Aussies“; und dies fast ausnahmslos angenehm und lustig und offen. Ein herzliches Volk.
Viele von unsern Gesprächspartnern waren auch schon mal in der Schweiz; am häufigsten in Luzern. Unsere schönen Berge und Landschaften machen das Land für viele sehr sympathisch und diese Sympathie wird offenbar automatisch auf uns übertragen. Von diesen Lorbeeren profitieren wir sehr, und wir möchten sie natürlich weitertragen und freuen uns auf weitere Begegnungen auf dieser Reise.
Am Montagmorgen standen wir ein weiteres Mal sehr früh auf, diesmal um nach dem Sonnenuntergang auch noch den Sonnenaufgang bei der Vivonne Bay zu beobachten und einige schöne Föteli zu schiessen. Diese Zeitrafferaufnahme ist mit einem Intervall von 5 Sekunden entstanden.
Weiter ging’s zum Flinders Chase National Park im Westen der Insel. Auf dem Weg dorthin fanden wir ein totes Känguru mitten auf der Strasse und mussten es zuerst von der Strasse schaffen :(
Beim Flinders Chase NP fährt man zuerst in einen Parkplatz, geht in das Visitor Centre und kauft eine Art Parkbilett, damit man weiter zu den Attraktionen fahren kann. Zuerst erkundigten wir uns, auf welchem Wanderweg wir am meisten Tiere sehen könnten. Die Dame empfahl uns den Heritage Walk, da man dort sicher Koalas sehen kann. Die härzigen Koalas versteckten sich aber sehr gut zuoberst auf den Eukalyptusbäumen und nur mit sehr viel Glück konnten wir einige erspähen.
Einige Kilometer südlich erreicht man die beiden Hauptattraktionen vom Flinders Chase NP. Der Admirals Arch ist ein durch Wind und Wasser geformter Bogen aus Stein direkt am Meer, der unten ganz schwarz ist. Um den Arch herum tummeln sich neuseeländische „Fur Seals“, also Robben mit dickem Fell. In diesen Gewässern finden sich anscheinend manchmal auch Weisse Haie. An diesem Tag war der Wind direkt am Meer so stark, dass es uns fast von den Socken gehauen hat. Die Holzstege, die zu all diesen Sehenswürdigkeiten führen (behindertengerecht), sind vom Wind und Salz schon richtig korrodiert (falls man das bei Holz auch so nennt).
Die andere Hauptattraktion in diesem National Park sind die Remarkable Rocks, riesige fast ausserirdisch wirkende Stein- und Felsformationen. Sie liegen einige Kilometer der Küste entlang nach Osten vom Arch gesehen. Trotzdem es bewölkt war, waren die Rocks sehr schön und beeindruckend. Zwischen und unter den Felsen könnte man super Vesteckis spielen, es hat überall Ritzen und Gänge. Hinter den Rocks hat es steile Abhänge direkt zum Meer. Wenn es stürmt, können Winde oder Welle Personen, die sich zu weit zu den Abhängen wagen hinunterspülen.
Auf dem Rückweg sahen wir noch einen Ameisenigel (Echidna) am Strassenrand, der jedoch sofort davonhuschte. Um noch einige Koalas mehr zu sehen, fuhren wir zur Hanson Bay für den Koala Walk. Das ist ein Waldstück mit vor allem Eukalyptusbäumen, durch den einige Pfade führen. Auf diesen Bäumen leben viele Koalas. Aber selbst als wir wussten, dass in diesem Baum ein Koala sein musste, war er schwierig zu finden. Meistens halten sich die Koalas in Gabelungen weit über dem Boden auf und sind sehr gut getarnt. Erschwerend dazu kommt, dass sich die Koalas fast nie bewegen, weil sie 20 Stunden am Tag schlafen. Sie sind nicht faul, sie leben nur sehr energiesparend. Koalas sind Beuteltiere, „Koala-Bär“ wäre also nicht richtig, obwohl der Koala die Erscheinung eines Teddy-Bären hat. Vom Personal in der Hanson Bay lernten wir, dass wir bei toten Tieren immer nach „Joeys“ (so werden Babies bei den Beuteltieren genannt) schauen sollten. Diese können noch einige Zeit überleben, aber natürlich nicht ewig.
Leider sahen wir in dieser Gegend aber auch noch einen toten Koala am Strassenrand.
Der nächste Tag war bereits der letzte Tag auf KI. Wir hinterliessen einen Gästebucheintrag im Raven Cottage und machten uns auf den Weg. Da das Wetter sehr bewölkt war, überlegten wir uns, ob wir wohl eine Indoor-Aktivität finden sollten, entschieden uns aber dann dagegen. In der Nähe von Vivonne Bay liegt die Little Sahara, eine natürliche Sandwüste mit grossen Dünen. Wegen dem gruusigen Wetter gab es nicht die besten Fotos, dafür waren wir ganz alleine. Die steilen Dünen hinaufzusteigen ist etwa gleich, wie wenn man Schneehänge hinaufgeht, recht mühsam, und man bekommt Lust gleich mit Brettern da runterzufahren. Dies wäre tatsächlich auch möglich, man könnte Schlitten und Sandboards mieten. Bei Petrus‘ Launen sei dies jedoch nicht empfehlenswert, hat man uns dort gesagt.
In der Mitte der Insel liegt der Wildlife Park. Eigentlich hatten wir uns davon eine Art Tierpark Langenberg oder Goldau vorgestellt. Es waren aber lediglich kleine Gehege oder Käfige für einheimische von Hand aufgezogene Tiere. Diese Tiere sind als Joeys-Waisen zum Wildlife Park gekommen oder dort geboren. Im Park kann man Wallabies und Kängurus selber füttern und auch Koalas halten und streicheln. Da die Tiere von Hand aufgezogen sind, haben sie sich an den Menschen gewöhnt. In freier Wildbahn wären diese Aktivitäten nicht möglich gewesen, weshalb wir uns auch nicht ganz wohl fühlten dabei. Was jedoch wirklich „härzig“ war, ist die Begegnung mit dem Koalamännchen Alfie. Wir konnten ihn halten, wie ein Baby. Der Eukalyptus-Mähdrscher wog jedoch gut 12-13 Kilo, weshalb dies nach ein paar Minuten dann schon schwer wurde. Da er von Menschenhand aufgezogen wurde, sieht er offenbar jeden Menschen als Mutter an, und fühlt sich daher wohl.
Der Park beherbergt auch mehrere Albino-Wallabies und -Kängurus, welche in der Wildnis womöglich nicht überlebt hätten. Insgesamt eine eher enttäuschende Erfahrung, ausgenommen die Session mit Koala Alfie.
Nach dem Wildlife Park fuhren wir nach Kingscote, der Haupt“stadt“ von KI, weil wir hofften, dort etwas zu beissen zu kriegen. Tatsächlich fanden wir ein Restaurant, bei dem wir aber die einzigen Kunden waren. Danach wurde es bald schon Zeit für die Fähre zurück zum Festland. Das Wetter wurde noch um einiges schlechter und die See war sehr rau. Es vergingen nur wenige Minuten bis wir beide mit der Seekrankheit zu kämpfen hatten. Die ganze Tortur dauerte wieder 50 min. Danach ging es über kurvige Landstrassen und Industrie-Vororten bis nach Adelaide. In der Nacht zu fahren, und das auch noch bei Regen, das war uns nicht ganz „geheuer“, und wir drosselten auch das Tempo. Ein Rencontre mit einem Wildtier konnten wir aber so verhindern.
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