23.5.17 Alice Springs
Alice Springs selbst ist eine kleine Stadt, hat aber einen wirklich sehr schönen und sehenswerten Park, den Alice Springs Desert Park. Der Eintritt ist mit 32 AUD pP nicht gerade günstig, bietet jedoch viele Attraktionen und heimische Tiere und Pflanzen. Der Park ist aufgebaut in drei Teile, die sich landschaftlich komplett unterscheiden. Die verschiedenen Gesichter der Wüste des roten Zentrums in Australien werden aufgezeigt. Zum einen ist das Woodland, eine Grassteppe, wo Dingos und Emus hausen. Dort hat es auch ein kleines Amphitheater, wo mehrmalst täglich in ‚Bird of Prey‘-Shows die Vögel gezeigt werden. Dabei werden einheimische Raubvögel und deren Fähigkeiten anschaulich demonstriert. Im hinteren Teil des Woodland finden sich Kängurus, dieses Mal aber waren es viel grössere Exemplare als auf Kangaroo Island. Diese hier lagen faul in der Mittagshitze im Schatten unter Bäumen. Ganz allgemein sind Kängurus eher zu dem Dämmerungszeiten aktiv.
Im Sand Country werden die verschiedenen Felsformationen in der Wüste gezeigt. Dort sind tagsüber mehrheitlich die Vögel aus den anderen Teilen des Parks zu sehen. In den Dämmerungsstunden wären auch noch Schlangen und Echsen zu sehen.
Der Teil Desert Rivers ist eine leicht sumpfige Landschaft. Dort hat es auch ein Haus, in dem nur nachtaktive Tiere wohnen. Schlangen, Skorpione, Spinnen und nachtaktive Beuteltiere sind so auch tagsüber für den Besucher sichtbar.
Sie waren unsere bisher einzige Begegnung mit den berüchtigten gefährlichen Tieren in Australien. Einzig eine 5 cm grosse Ameise ist uns an diesem Tag noch über den Weg gekrochen.
Zu gewissen Zeiten finden an verschiedenen Treffpunkten Führungen statt. Wir nahmen zuerst an einer Führung teil, wo uns von einer halb-Aborigine gezeigt wurde, wie Aborigines in der Wüste überlebt und welche Werkzeuge sie dafür verwendet haben. Sehr eindrücklich fanden wir die strikte Trennung zwischen Mann und Frau in Sachen Nahrungszubereitung und Jagd. Die vortragende Frau wusste keine Details von Männerarbeiten und umgekehrt. Die Geschichten aus der sogenannten „Dreamtime“ (Entstehungsgeschichte) werden nur an das jeweils gleiche Geschlecht der übernächsten Generation weitergegeben; Grosseltern an Grosskinder, egal ob leiblich oder nicht.
Die nächste Führung war durch das Haus mit den nachtaktiven Tieren. Der Leiter der Führung, ebenfalls halb-Aborigine, hatte eine Taschenlampe mit einem Rotlicht, welches die Tiere scheinbar weniger stört. Zuerst erklärte er uns, dass bei Reptilien der Begriff „solarbetrieben“ treffender sei als „kaltblütig“.
Wir erfuhren, dass es Schlangenarten in Australien gibt, die so giftig sind, dass eine Dosis von einem einzigen Schlangenbiss so letal ist, dass mehrere erwachsene Menschen davon sterben könnten. Eine andere Schlange wartet hingegen tage- oder wochenlang, bis ihre Beute vor ihrem Hinterhalt vorüberkommt und raschelt dann mit ihrem Schwanz, der dann so aussieht, als wäre es ein Insekt oder Wurm. Wenn das Beutetier seine vermeintliche Beute näher inspiziert, wird es selbst angegriffen und hat aufgrund der Giftmenge einen schnellen Tod zu erleiden. Spasseshalber wurde diese Art der Jagd als „Home Delivery“ bezeichnet.
Die Schlangen selbst sind nur gegen ihr eigenes Gift immun. Viele Schlangen haben als Hauptbeutetier andere Schlangen. Eine spezielle Gecko-Art allerdings ist gegen fast jedes Schlangengift immun und frisst daher alle möglichen Schlangenarten.
Ein weiteres einzigartiges Tier in Australien, der Dornteufel, kann mit einem Trick Wasser aus einer Pfütze über seine Beine zum Mund transportieren und so trinken.
Als nächstes erfuhren wir in einer weiteren Führung von ‚Bush Food‘, also essbare Dinge, die man in der Wildnis findet. Sandra war wenig angetan von ‚Witchetty Grubs‘. Das sind fingergrosse (oder noch grösser…) Larven, die sich von Holz ernähren und sich in den Wurzeln von einer bestimmten Akazien-Art, dem Wittchetty-Strauch, finden. Bei den Aborigines gelten diese lebendig oder gedünstet als Delikatesse, da sie sehr eiweisshaltig sind. Bei Sandra tauchten sie nachts noch im Traum auf! Die Vorstellung, diese Tierchen zu geniessen vereinbart sich einfach nicht mit ihrem Gaumen. Silvan erkundigte sich, ob diese Tiere irgendwo gezüchtet werden, was aber nicht der Fall war. Somit können wir leider nicht über den erlesenen Geschmack einer lebendigen Made berichten. :)
Eine weitere Delikatesse der Aborigines sind die Honig-Ameisen. Der quasi zweite Magen (Fachbegriff Gaster) der Honig-Ameise ist gefüllt mit Nektar, ähnlich einem Honig. Diesen kann man von der Ameise abbeissen und das schmeckt dann sehr süss. Sie seien die einzigen Süssigkeiten, welche Kinder bei den Aborigines erhalten haben. Auch diese gab es aber leider nicht zu degustieren.
Wunderschön gelegen ist der Park zudem in den östlichen MacDonnell Ranges, eine Hügelkette, die sich viele hundert Kilometer weit hinein ins rote Zentrum zieht und die immer wieder die Farbe des Sandes bzw. der Erde in verschiedene Rottöne wechselt.
zum nächsten Beitrag: Mereenie Loop