In Kapitel 9 («Technology and ILP») widmet sich Ratcliffe der Rolle von Technologie. Er beschreibt die «digitale Explosion» und Chancen wie Predictive Policing oder Big Data Mining. Er warnt jedoch eindringlich: Technologie ist nur ein Werkzeug (Enabler), niemals die Strategie selbst. Ein schlechter Prozess wird durch Computer nur schneller schlecht.
Die PolLageCH-Studie nimmt dies im Handlungsfeld 5 auf. Sie konstatiert einen Wildwuchs an IT-Lösungen in den Kantonen. Viele Korps haben eigene Insellösungen gebaut, was den Datenaustausch technisch erschwert.
Die Studie fordert eine Konsolidierung des IT-Portfolios und empfiehlt explizit die Erweiterung des Partnerverbunds rund um das «Integrierte Lagebild» (ILB). Das ILB soll als technisches Rückgrat dienen, das die verschiedenen Lagezentren verbindet.
Für den Lagespezialisten hat dies konkrete Auswirkungen:
Datenhoheit: Er muss lernen, das ILB nicht nur als Konsument, sondern als Produzent zu nutzen (Einspeisung von Daten).
Interoperabilität: Die Systeme müssen technisch harmonisiert werden, damit Datenflüsse automatisiert werden können (Verringerung manueller Arbeit).
Data Literacy: Ratcliffe spricht von der Notwendigkeit des «High Speed Data Mining». Schweizer Spezialisten müssen Kompetenzen im Umgang mit großen Datenmengen entwickeln, um aus dem Rauschen (Noise) die relevanten Signale zu filtern.
Ratcliffe diskutiert auch Predictive Policing. Während die Technik (Algorithmen) bereitsteht, scheitert es oft an der Datenqualität. Die PolLageCH-Studie ist hier pragmatisch: Bevor wir über KI-gestützte Vorhersagen reden, müssen wir sicherstellen, dass die grundlegenden Lagedaten (Wer, Wo, Wann, Was) sauber und standardisiert im ILB erfasst werden. Handlungsfeld 5 ist somit die technische Voraussetzung für alles, was in den Handlungsfeldern 1 (Lageführung) und 2 (Verbund) prozessual definiert wurde.