Ein wiederkehrendes Thema bei Ratcliffe ist der Mangel an qualifiziertem Personal. Oft wird Intelligence von Polizisten erledigt, die temporär in die Abteilung versetzt wurden («light duty») oder von zivilen Analysten, die die Polizeikultur nicht verstehen. Ratcliffe fordert eine Professionalisierung: Intelligence Analysis ist ein Handwerk, das erlernt werden muss.
Die PolLageCH-Studie bestätigt dieses Defizit für die Schweiz: Es fehlt an einem einheitlichen, anerkannten Ausbildungsweg. Handlungsfeld 3 widmet sich daher der «Aus- und Weiterbildung».
Die Studie empfiehlt eine mehrstufige Ausbildung in Kooperation mit dem Schweizerischen Polizeiinstitut (SPI).
Stufe 1 (Basis): Grundlagen der Lagearbeit, Verständnis des 3-i-Modells, einfache Analysemethoden.
Stufe 2 (Advanced): Vertiefte Analysemethoden (Netzwerkanalyse, Hypothesenbildung), Erstellung komplexer Produkte, Umgang mit IT-Tools.
Stufe 3 (Führung): Für Leiter von Lagezentren – Management von Intelligence, Führung im Lageverbund.
Diese Formalisierung hat zwei Effekte, die Ratcliffes Forderungen entsprechen:
Qualitätssicherung: Jeder Lagespezialist in der Schweiz verfügt über dasselbe methodische Rüstzeug (AEK, DIKI). Dies erleichtert die Zusammenarbeit im Verbund enorm (Handlungsfeld 2).
Karrierepfad: Es entsteht ein Berufsbild mit Entwicklungsmöglichkeiten. Dies erhöht die Motivation und hilft, Talente zu halten. Ratcliffe warnt davor, dass Analysten oft frustriert kündigen, weil sie keine Aufstiegschancen sehen.
Für den Lagespezialisten bedeutet dies: Ausbildung ist keine lästige Pflicht, sondern der Schlüssel zur Anerkennung. Wer die Methoden beherrscht, argumentiert fundierter, analysiert schärfer und beeinflusst wirksamer. Die Empfehlung 3.01 der Studie (Partnerschaft mit SPI) ist somit der Grundstein für die Zukunftsfähigkeit der Schweizer Polizeianalyse.