In seinem Schlusskapitel (Kapitel 11) blickt Ratcliffe auf die Herausforderungen der Zukunft. Er nennt ethische Fragen (Datenschutz, Bias), die Gefahr der Militarisierung und das Risiko, dass ILP durch Budgetkürzungen ausgehöhlt wird.
Die PolLageCH-Studie blickt ebenfalls nach vorn. Sie sieht die Polizei nicht als isolierten Akteur, sondern als Teil des Sicherheitsverbundes Schweiz (SVS). Die Empfehlung 5.03 fordert, dass sich die Polizei aktiv in weitere Lageprojekte des SVS einbringt (z.B. Vernetzung mit Armee, Bevölkerungsschutz, Grenzsicherung).
Die Umsetzung der PolLageCH-Empfehlungen ist ein massives Change-Management-Projekt. Es geht nicht nur darum, neue Software zu installieren (HF5) oder ein Organigramm zu zeichnen (HF2). Es geht um einen Kulturwandel.
Weg vom Kantönligeist: Hin zu einer Kultur des Teilens («Need to Share» statt «Need to Know» ).
Weg von der Reaktivität: Hin zur Antizipation von Lagen.
Weg vom Bauchgefühl: Hin zur methodisch gestützten Analyse (AEK).
Der Lagespezialist der Zukunft ist ein Hybrid: Er ist Analytiker (Interpret), Kommunikator (Influence) und Netzwerker. Er arbeitet in einem professionellen Lagezentrum (X2), ist vernetzt über Kantonsgrenzen hinweg (Y2), nutzt harmonisierte IT-Tools (ILB) und wendet wissenschaftliche Methoden an (AEK).
Die Studie PolLageCH liefert den Bauplan für diese Zukunft. Ratcliffes Intelligence-Led Policing liefert die theoretische Statik. Es liegt nun an den Lagespezialisten und ihren Kommandanten, dieses Gebäude zu errichten. Wenn dies gelingt, wird die Schweizer Polizei in der Lage sein, den «Crime Funnel» nicht nur zu verwalten, sondern ihn aktiv zu gestalten – durch Prävention, Disruption und intelligente Führung. Dies ist das ultimative Versprechen von Intelligence-Led Policing: Eine sicherere Gesellschaft durch klügere Polizei.