Ratcliffe postuliert, dass ILP nur funktioniert, wenn die organisatorischen Strukturen die Intelligence-Funktion unterstützen. Ein einzelner Analyst, isoliert in einer Fachabteilung, kann keinen strategischen Einfluss ausüben. Die Studie PolLageCH nimmt dieses Problem im Handlungsfeld 2 auf und entwickelt konkrete Organisationsmodelle (Varianten X), die sich an der Größe und den Ressourcen der Polizeikorps orientieren.
Die Studie kategorisiert die Korps in drei Größenklassen und leitet daraus Empfehlungen ab. Dies ist eine pragmatische Anwendung der ILP-Theorie auf die föderale Realität.
Variante X1: Kein eigenes lagebewirtschaftendes Element.
Beschreibung: Die Lage wird «nebenbei» erledigt.
Bewertung: Von PolLageCH nicht empfohlen. Es besteht ein hohes Risiko von Informationsverlust und Ineffizienz. Aus ILP-Sicht ist dies ein «Blindflug».
Variante X2: Eigenes Lagezentrum (Inhouse).
Empfehlung: Für mittlere und große Korps (> 400 Mitarbeitende) sowie zwingend für das fedpol.
Vorteil: Maximale Integration in die eigene Führung, direkte Einflussnahme (Influence), maßgeschneiderte Produkte. Dies entspricht dem Idealbild eines ILP-gesteuerten Departments nach Ratcliffe.
Variante X3: Gemeinsames Lagezentrum mehrerer Korps.
Empfehlung: Für kleine bis mittlere Korps (100 - 400 Mitarbeitende).
Konzept: Mehrere Kantone legen ihre Ressourcen zusammen. Dies generiert Synergien und ermöglicht eine Professionalisierung, die ein kleines Korps allein nicht finanzieren könnte. Es überwindet die Ressourcenknappheit, die Ratcliffe oft als Hindernis für ILP nennt.
Variante X4: Ein Lagezentrum pro Konkordat.
Status: Visionäre Variante. Maximale Effizienz, aber politisch anspruchsvoll.
Sonderfall Kleinstkorps (< 100 Mitarbeitende):
Empfehlung: Delegation der Lagebewirtschaftung an ein größeres Korps (Form von X3/Delegation).
Für den Lagespezialisten sind diese Varianten entscheidend für sein Arbeitsumfeld.
In einem X2-Modell (z.B. Kapo Zürich) ist er Teil eines großen Teams, kann sich spezialisieren (z.B. auf Cyber-Lage) und hat direkte Wege zum Kommandanten.
In einem X3-Modell (z.B. Zentralschweiz) muss er als Dienstleister für mehrere Herren dienen. Dies erfordert hohes diplomatisches Geschick und standardisierte Produkte, damit alle Partnerkorps die Intelligence gleich verstehen.
Die Studie setzt hier klare Standards: Ein Lagezentrum ist definiert als physischer oder virtueller Raum für die Informationshoheit. Damit wird der «Intelligence» ein fester Platz in der Organisation zugewiesen, weg vom «Hinterzimmer» hin zur Kommandozentrale. Dies ist der strukturelle Schritt, den Ratcliffe fordert, um ILP von einer Idee zu einer Arbeitsweise zu machen.