3.3 Grenzen und Probleme

Die aktuelle Punktewertung ist seit mittlerweile 26 Jahren gültig, dennoch hat sie, übrigens genauso wie ihre Vorgänger, einen entscheidenden Nachteil: Leistungen, die durch äußere Einflüsse wie z.B. Wind, Temperatur oder Niederschlag begünstigt oder benachteiligt werden, ergeben die gleichen Punktzahlen wie Leistungen ohne nennenswerte Beeinträchtigungen. Speziell bei Zehnkämpfen mit wechselnden Wetterbedingungen, bei denen viele Teilnehmer in mehreren Läufen starten, entstehen so automatisch unausgeglichene Wettkampfbedingungen, die sich wettkampfentscheidend auswirken könnten. Aber auch wettkampfübergreifende Konsequenzen sind vorprogrammiert. So kann beispielsweise beim Betrachten einer Zehnkampfbestenliste, in der einige Kontrahenten bei verschiedenen Zehnkämpfen nur durch wenige Dutzend Punkte getrennt sind, nicht sicher schlussgefolgert werden, dass dort tatsächlich der beste Zehnkämpfer vorne aufgelistet ist. Weiterhin ist ein Athlet, der um die eigene Benachteiligung durch genannte Umstände in einem Zehnkampf weiß, geneigt zu sagen, dass er beispielsweise „bestimmt 200 Punkte besser abgeschnitten hätte“. Dies kann besonders dann ärgerlich sein, wenn es um eine Qualifikationsleistung geht. Scheitert z.B. ein Athlet wegen ungünstiger äußerer Verhältnisse denkbar knapp an einer Zehnkampfnorm für olympische Sommerspiele von 8000 Punkten, folgt daraus nicht automatisch, dass derjenige zu Recht nicht bei den Spielen antreten darf. Genauso kann natürlich auch in die andere Richtung argumentiert werden. Sportler, die bei gewaltigem Rückenwind ihre Zehnkampfnorm erreichen, sind mehr oder weniger vom Glück gesegnet. Dieses Problem wird auch nicht dadurch gelöst, dass die IAAF Zehnkämpfe, bei der eine Leistung bei 4m/s Rückenwind oder mehr erbracht wurde, nicht in ihre Bestenlisten aufnimmt[1]. Allein daraus lässt sich eine gewisse Hilflosigkeit herauslesen. Scheinbar willkürlich und ohne handfeste Fundierung wurde eine Obergrenze festgelegt, ab der die Punktzahl in einem Zehnkampf nicht mehr aussagekräftig sein soll, knapp darunter soll sie aber noch aussagekräftig sein. Im folgenden Gliederungspunkt präsentiert der Autor eine Lösung für diese Problematik. Die grundlegende Idee besteht darin, positive oder negative äußere Einflüsse, für die die Athleten nicht verantwortlich sind, in der Punktewertung zu berücksichtigen.


[1] vgl. [20], IAAF Top Lists

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