3.1.6 1985er Wertung

Es dauerte nicht lange, da wurde auch gegen diese Punktetabelle Kritik laut. Sogar in einer Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom Mai 1969 beschwerte sich Koenig (1969) über die nicht durchschaubaren Gründe, sowohl progressive, als auch regressive Strukturen in einer Punktetabelle zu verwenden[1]. Die Hauptgründe für die Einführung der bis heute und seit 1985 gültigen Wertung waren die folgenden:

Ø Die Entwicklung von Fiberglasstäben und die damit verbundene Leistungssteigerung führten zu einem enormen Ungleichgewicht zugunsten des Stabhochsprungs. Delay Thompson bekam z.B. für seine 5,10 Meter 1075 Punkte, wofür er die 100 Meter in 9,99 Sekunden hätte sprinten müssen.

Ø Die Bewertung des 1500-Meter-Laufs wurde viel zu niedrig angesetzt, weil man sich zu stark an den Spezialisten orientierte. Für eine Zeit von genau fünf Minuten, was für einen Zehnkämpfer keineswegs eine schlechte Leistung darstellt, gab es beispielsweise nur knapp über 400 Punkte.

Ø Die Tatsache, dass durch die Regressivität in den technischen Disziplinen Leistungssteigerungen im Spitzenbereich mit weniger Punktezuwachs belohnt wurden, als im niedrigen Leistungsbereich, war aber wie erwähnt der Hauptkritikpunkt.

Eine Expertengruppe des IAAF um den Tschechen Trkal orientierten sich bei der Entwicklung des neuen Wertungssystems an folgenden Gesichtspunkten[2]:

Ø Die Punktetabelle sollte nur in Mehrkämpfen eingesetzt werden.

Ø Die Ergebnisse in unterschiedlichen Disziplinen, die mit der gleichen Punktzahl gewürdigt wurden, sollten auch in etwa gleich schwierig zu erreichen sein.

Ø In allen Disziplinen sollte die Punktewertung

o    eine Modifikation der derzeit gültigen Punktewertung

o    möglichst geradlinig

o    leicht progressiv

sein.

Ø Die Wertung muss für Weltklassemehrkämpfer, Anfänger und jugendliche Athleten einsetzbar sein.

Ø Es wird getrennte Punktetabellen für Männer und Frauen geben.

Ø Die Punktewertung basiert auf Zehnkampfstatistiken, wobei auch die Ergebnisse der Spezialisten aus den einzelnen Disziplinen Berücksichtigung finden sollten.

Ø Die Tabelle sollte jetzt und in der Zukunft eingesetzt werden können.

Ø Die Summe der Punkte, die von Weltklasseathleten erzielt wird, sollte ungefähr gleich bleiben.

Ø Die Möglichkeit, dass diese Wertung Athleten begünstigt, die sich auf einige wenige Disziplinen spezialisieren, um ihre schwächeren Disziplinen zu kompensieren, sollte so gering wie möglich gehalten werden.

Auch wenn es niemals möglich sein wird, eine gleich gute Leistung disziplinübergreifend mit Punkten abzuschätzen, so stellt die aktuelle Punktetabelle von allen bisherigen die fairste dar. Sie hat sich in den vergangenen 26 Jahren im Zehnkampf bewährt und stellt eine hervorragende Basis dar, um sie gemäß der Rieger-Punktewertung geringfügig zu modifizieren.


[1] [28], Koenig (1969)

[2] vgl. [43], Trkal, S.18

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