3.2.2 Gesamheitliche Analyse

In diesem Abschnitt wird nur die 1985er-Wertung behandelt, weil diese für die spätere Standardisierung als Basis genommen wird und damit eine genauere Betrachtung der Größenverhältnisse angebracht ist. Vorbild ist eine (allerdings nicht mehr ganz aktuelle) Betrachtung von Schenk & Wentz[1].

Abbildung 11: Disziplinübergreifende Ausgeglichenheit der Punktevergabe unter Berücksichtigung des jeweiligen Weltrekords und verschiedener Zehnkampfbestenlisten.

In Abbildung 11 ist gut erkennbar, dass die bayerischen Zehnkämpfer überwiegend in den Sprints über 100m, 110m Hürden und 400m die meisten Punkte erzielen, während die weltbesten Zehnkämpfer noch zusätzlich den Weitsprung und den Stabhochsprung als wichtigste Punktelieferanten nutzen. Die durchschnittliche Punktzahl der weltbesten Zehnkämpfer liegt bei diesen Disziplinen bei knapp über 900, die besten deutschen erreichen etwa 830 und die besten bayerischen etwa 730 Punkte. Obwohl die Weltrekordleistung insbesondere beim Diskus- und Speerwerfen weit über die 1300 Punkte ragt, verlieren alle Zehnkämpfer bei den Wurfdisziplinen im Vergleich zu allen anderen Disziplinen Punkte und das, obwohl die Punktevergabe bei den Wurfdisziplinen im Vergleich zu den restlichen beinahe linear ist. Die weltbesten erreichen nur noch etwa 750, die besten deutschen knapp über 700 und die besten bayerischen sind mit 600 Punkten gut bedient. Dies ist unter anderem dadurch begründet, dass die meisten Wurfspezialisten erheblich mehr Masse besitzen, als Zehnkämpfer, und diese bei der Beschleunigung des Wurfgeräts einsetzen können. Bei den weltbesten Zehnkämpfern ist zusätzlich der 1500m-Lauf als „Punktezerstörer“ gefürchtet, bei dem sie mit einer Punktzahl von durchschnittlich knapp über 700 den Wettkampf abschließen. Des Weiteren ist auffällig, dass deutsche Zehnkämpfer im internationalen Vergleich sehr gute Kugelstoßer, Speerwerfer und 1500m-Läufer sind, während bayerische Zehnkämpfer im deutschen Vergleich beim Speerwerfen, Diskuswerfen und beim Weitsprung relativ gesehen am meisten verlieren. Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass dies technisch besonders anspruchsvolle Disziplinen sind, die nur bei einem enormen Trainingsaufwand beherrscht werden können. Weil die Leichtathletik im Leistungsbereich der bayerischen und der meisten deutschen Zehnkämpfer Amateursportart ist, ist auch die Zeit für das Training begrenzt und somit der Rückstand zur Weltspitze entsprechend groß.


[1] vgl [37], Schenk & Wentz (1992), S.74

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