2. Einleitung

Der Zehnkampf ist seit mittlerweile 100 Jahren fester Bestandteil der Leichtathletik. Bei den olympischen Spielen in Stockholm im Jahr 1912 wurde er das erste Mal in der heutigen Form ausgetragen[1]. Nach dem Prinzip Lauf-Sprung-Wurf-Sprung-Lauf am ersten Tag bestehend aus dem 100m Sprint, dem Weitsprung, dem Kugelstoß, dem Hochsprung und der Stadionrunde über 400m und Lauf-Wurf-Sprung-Wurf-Lauf am zweiten Tag mit dem Hürdenlauf über 110m, dem Diskuswurf, dem Stabhochsprung, dem Speerwurf und dem abschließenden 1500m Lauf wurde ein Wettbewerb für Männer eingeführt, bei dem in jeder Disziplin Punkte vergeben werden und der, wie kaum ein anderer, die Vielseitigkeit der Athleten forderte. Daher bezeichnen ihn nicht wenige als Königsdisziplin der Leichtathletik. Vor knapp sechs Jahren wurde ich durch meinen ersten Zehnkampf selbst in den Bann dieser Disziplin gezogen und opfere seitdem einen Großteil meiner Freizeit, um meinen persönlichen Punkterekord von derzeit 6410 Zählern immer weiter zu verbessern. Da ich durch mein Mathematikstudium auch mathematisch interessiert bin, interessiert mich schon länger das Verfahren der Punkteberechnung der einzelnen Zehnkampfdisziplinen. Die Frage, ob die momentan gültige Wertungstabelle fair und ausgeglichen ist, stellten sich in den vergangenen 100 Jahren viele. Dass es die perfekte Wertungstabelle nicht gibt, wird alleine schon dadurch deutlich, dass mittlerweile die sechste offizielle Punktetabelle für den heute ausgetragenen Zehnkampf eingesetzt wird. Zwar haben sich die Zeitabstände bei der Einführung neuer Tabellen vergrößert[2], dennoch scheint kein endgültiges Wertungssystem gefunden.

Bei der Analyse eigener Zehnkampfergebnisse in einer Tabellenkalkulation fiel mir eines Tages auf, dass nicht nur eine außerordentlich gute körperliche Verfassung, sondern auch die äußeren Bedingungen die Voraussetzung für einen neuen Punkterekord sind. Hat ein Athlet das Glück, über 100 Meter gleich zu Beginn einen spürbaren Rückenwind ausnutzen zu können, hat man unweigerlich einen Vorteil gegenüber einem Zehnkampf, der bei Gegenwind seinen Anfang nimmt. Die einzige Tatsache, die alle sechs bisherigen Punktewertungen gemeinsam haben, ist die folgende: Die Problematik der Variabilität der äußeren Verhältnisse ist in keinem Punktesystem verankert. Auf diese Weise können sich sowohl innerhalb eines Wettkampfs, als auch saisonverteilt, wie etwa beim Kampf um einen vorderen Platz in einer Bestenliste, Vor- oder Nachteile für einzelne Athleten ergeben. Inwieweit diese äußeren Einflüsse Auswirkungen auf die Leistung in den einzelnen Zehnkampfdisziplinen haben und wie dies in einer neuen Punktewertung berücksichtigt werden kann, die Punktewertung also zu standardisieren, ist die zentrale Motivation bei der Erstellung dieser Zulassungsarbeit.


[1] vgl. [37], Schenk & Wentz  (1992), S.9

[2] [43], Trkal, S.11-18

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