4.1 Vorgehensweise

Als Basis für die neue Rieger-Punktewertung dient die 1985er Punktewertung, um sie zum momentan gültigen System bestmöglich vergleichbar zu machen. Zudem hat sich die bestehende Wertung bewährt und ist der bisher fairste Versuch, die Leistungen von Zehnkämpfern in Punkte umzuwandeln. Die disziplinspezifischen Schwächen des 1985er Systems sollen an dieser Stelle nicht diskutiert werden, weil sonst vom Kern der Rieger-Punktewertung abgewichen wird. Dieser besteht darin, äußere Verhältnisse mit in die Punktewertung zu integrieren. Da die 1985er Wertung nun systematisch modifiziert wird, ist es sinnvoll, ihre beiden grundlegenden Formeln zu betrachten[1]. Unter der jeweiligen Formel sind die kompatiblen Excel-Formeln zu finden. Diese gewährleisten auch bei einer Eintragung eines einfachen Bindestrichs anstelle der erzielten Leistung (z.B. drei ungültige Versuche in einer technischen Disziplin, Disqualifikation, vorzeitiges Beenden des Laufs, usw.) eine Ausgabe von null Punkten.

 
Ø Läufe

=WENN(ODER(M>b;M=″-″);0;ABRUNDEN(a*(M-b)^c;0))

Ø Sprünge und Würfe

 =WENN(ODER(M<b;M=″-″);0;ABRUNDEN(a*(M-b)^c;0))
 

Gesamtpunktzahl, abgerundet auf ganze Zahl

M = erreichte Leistung [s] (Läufe) / [cm] (Sprünge) / [m] (Würfe)

a = Skalierungskonstante

b = 0-Punkte-Grenze

c = Grad der Progressivität

 und  sind hierbei Konstanten und werden in Tabelle 1 aufgelistet. Aus mathematischer Sicht sollte darauf hingewiesen werden, dass die Progressivität einer disziplinspezifischen Punktevergabe mit dem Abstand der Konstante  von der Zahl 1 wächst. Demzufolge stellt, wie bereits in den vorangegangen Abbildungen 3 und 6 erwähnt, der Kugelstoß die linearste und der 110m-Hürden-Lauf die progressivste Bewertung dar. Die Progressivität bei den Wurfdisziplinen liegt insgesamt zwischen 1,05 und 1,1 und ist damit kaum vorhanden. Die Sprungdisziplinen (1,35 bis 1,42) sind bereits progressiver und bei den Läufen sind am schnellsten Punktzuwächse zu erreichen (1,81 bis 1,92). Der auffällige Progressivitätsunterschied dieser Disziplingruppen ist eine Folge davon, dass der relative Leistungsunterschied von Zehnkämpfern zu den Spezialisten 3.2.1 zufolge bei den Wurfdisziplinen sehr groß, bei den Sprungdisziplinen moderat und bei den Laufdisziplinen am kleinsten ist. Ist eine erreichte Leistung jeweils schlechter als die Konstante , würde sich ein mathematisches Problem beim Potenzieren einer negativen Zahl mit einem Dezimalbruch ergeben, daher werden auch alle schlechteren Leistungen mit null Punkten bewertet.

Tabelle 1: Konstanten zur Berechnung der jeweiligen Punktzahlen bei der 1985er Wertung[2].

Aufbauend auf diesen Formeln werden für das neue Punktesystem nun jeweils Korrekturterme addiert. Diese Korrekturterme basieren auf den gemessenen bzw. beobachteten äußeren Bedingungen. Nach langer Abwägung entschied sich der Autor für vier natürliche Hauptfaktoren, die Leistungen messbar beeinflussen: Den angesprochenen Wind, die Temperatur, den Niederschlag und die Höhe der Wettkampfstätte über dem Meeresspiegel. Welche Größenordnung die Korrekturterme je Disziplin bei der Betrachtung der Weltklasseathleten annehmen sollen, wird im folgenden Abschnitt erläutert. Zusätzlich werden diese Korrekturterme bei den technischen Disziplinen skaliert, sodass diese in jedem Leistungsbereich ausgewogen sind (siehe 4.3.1).


[1] [43] Trkal, S.24

[2] [43] Trkal, S.24

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