Audiologie in Deutschland aus südafrikanischer Sicht
Quelle: pro.meinhoergeraet.de 01.02.23
Einmal jährlich führt die Bundesagentur für Arbeit eine Engpassanalyse durch. Anhand dieser bewertet sie die Fachkräftesituation am Arbeitsmarkt. Betroffen sind davon vor allem Handwerks- und Gesundheits-Berufe. Die Hörakustik, der man beide Kategorien zuschreiben könnte, liegt auf Platz 23.
Diese Engpässe könnten schon bald zu einem großen Problem werden, wie ein Artikel des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) nahelegt: Fast jeder vierte Beschäftigte in Deutschland ist über 55 Jahre alt. Das heißt, dass in den nächsten 10 Jahren insgesamt 7,3 Millionen Menschen durch Renteneintritt aus dem Arbeitsleben ausscheiden. 2 Millionen von ihnen arbeiten in Berufen, in denen bereits heute Fachkräfte fehlen.
Lösungen
Eine einfache Lösung scheint auf der Hand zu liegen: Ein größeres Ausbildungsangebot sichert den Nachwuchs – so die Theorie. In der Praxis bemühen sich Branchen wie die Hörakustik bereits, intensiver auszubilden. Ob das genügt, stellt das KOFA in Frage. Blickt man auf die Hörakustik als Teil des Einzelhandels, schneidet sie nicht besonders gut ab: Im August 2022 stufte das KOFA die Branche als Top-5-Beruf nach Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen ein. 26,5 Prozent dieser Stellen waren im Zeitraum von Juli 2021 bis Juli 2022 nicht besetzt. Ein weiteres Problem, von dem in der Branche oft berichtet wird: Viele junge Gesellen wechseln nach der Ausbildung in die Industrie oder beginnen eine andere Lehre.
Ein künftig flexibles Rentenalter beispielsweise könnte den bevorstehenden Fachkräftemangel deutlich mildern.
Die Bundesagentur für Arbeit schlägt weitere Modelle vor, beispielsweise eine Verlängerung der Arbeitszeiten von Menschen, die in Teilzeit oder weniger arbeiten sowie ein flexibles Fortbildungsprogramm für bereits Berufstätige. Gleichzeitig müsse für berufstätige Eltern selbstverständlich auch das Betreuungsangebot ausgebaut werden.
Nicht zu vernachlässigendes Potenzial schlummert außerdem in der Aus- und Weiterbildung von Quereinsteigern. Insbesondere Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung sind knapp und bereits heute stellen viele Hörakustik-Betriebe Menschen ein, die zuvor in anderen Berufsfeldern beschäftigt waren. Quereinsteiger können Tätigkeiten übernehmen, für die keine klassische Ausbildung vonnöten ist und stehen dann beispielsweise an der Kasse oder nehmen Reparaturen an, während die Hörakustik-Fachkraft Anpassungen durchführt.