Sozialisation kann als „Prozess sowie Ergebnis des Hineinwachsens des Menschen in die Gesellschaft“ verstanden werden. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Sozialisation mit „Menschwerdung“ in Bezug auf die Entwicklung und Formung einer Persönlichkeit bezeichnet. Melzer bezeichnet Sozialisation als „Prozess, in dessen Verlauf sich ein Individuum den sozialen Erfordernissen der Umwelt gegenüber allmählich anpasst oder dazu veranlasst wird, indem es sich die Normen der sozialen Umwelt zu eigen macht und lernt, diesen Normen entsprechend zu handeln“.
Der Sozialisationsprozess kann nach Rolff als ein Prozess, der zwischen gesamtgesellschaftlichen Strukturen und der individuellen Entwicklung vermittelt, verstanden werden.
Der Prozess der Sozialisation endet nicht mit einem gewissen Alter oder einer gewissen „Reifestufe“ des Individuums, sondern wird als lebenslanger Prozess verstanden, der in bestimmte Phasen eingeteilt werden kann. Nach den Ausführungen von Rolff „dauert der Sozialisationsprozess so lange an, wie neue Motive und Verhaltenserwartungen erlernt werden müssen“.
In den einzelnen Phasen sind wesentliche Sozialisationsinstanzen wie Familie oder Schule für den Prozess von zentraler Bedeutung. Die Phase der „primären Sozialisation“, durch die grundlegende Verhaltensweisen und Grundstrukturen im kognitiven und emotionalen Bereich ausgebildet werden, erfolgt zumeist in der Familie. Die „sekundäre Sozialisation“ findet häufig in der Institution Schule statt und soll die Heranwachsenden mit den verschiedensten Fähigkeiten und Fertigkeiten sowohl im fachlichen als auch im Persönlichkeitsbereich ausstatten und so auf das weitere Leben vorbereiten. Diese allgemeine Auffassung von der „sekundären Sozialisation“ teilt auch Melzer, der Schule als Sozialisationsinstanz sieht, die wesentliche Verhaltensmodelle und vor allem soziale Verhaltensweisen vermittelt, die notwendig sind, damit sich das Individuum in die Gesellschaft eingliedert und „funktioniert“.
Literatur
Melzer, G. (1976). Sozialisation in der Schule. Sozialpädagogik hilft Lern- und Verhaltensstörungen heilen. Freiburg: Herder.
Rolff, H. (1997). Sozialisation und Auslese durch die Schule. Weinheim und München: Juventa.