16.01. Ankunft
Nach guten, aber doch ermüdenden Flügen landen wir zu mitternächtlicher Stunde in Panama und müssen gleich feststellen, dass hier die Uhren anders ticken! Wir wollen unser reserviertes Mietauto entgegennehmen, der Schalter ist zwar offen, sehr einladend stehen persönliche Dinge im Raum, doch vom zuständigen Mann fehlt jede Spur. Nach einer 3/4 Stunde geben wir die Hoffnung auf und fahren mit Mike zur Lodge, die sehr schön etwas außerhalb der Stadt in den Hügeln liegt. Wir bekommen noch einen Eindruck von der schönen tropischen Landschaft, wechseln die winterliche Kleidung gegen Leichtes und genießen zum Ausklang ein Bier auf der Terrasse.
Nach einem herrlichen Frühstück, das die Geister wiederbelebt, brechen wir auf in die Stadt um das Problem "Auto" zu beseitigen. Danach beginnt jedoch die Rückfahrt durch die Stadt, ein wahres Abenteuer ist zu bewältigen. Wir kämpfen uns bis 2 km vor unsere Lodge tatsächlich durch, dann ist endgültig die Verwirrung perfekt! Durch die Hügel zieht sich ein weitverzweigtes Wegesystem, das wir nicht mehr durchblicken. Abhilfe schafft ein Einwohner, er ruft sofort nach unserer Wirtin, sie kommt zum vereinbarten Ort und eskortiert uns zurück. Ein erfrischendes Bad im Pool bringt die Lebensgeister zurück und jetzt freuen wir uns auf ein schönes Dinner auf der Terrasse zum Tagesabschluss.
23.01. Panama City - Kuna Yala
Einiges haben wir jetzt bereits erlebt, die Zeit fehlt entweder für den Bericht oder Internet ist nicht vorhanden. Aber der Reihe nach:
Panama City ist bezüglich Orientierungsmöglichkeit bestens zu vergleichen mit Havanna, nur mit XXX-fachem Verkehrsaufkommen! wir geben w.o. und machen die wichtigen, mit Ausflügen verknüpften Termine per Taxianreise, somit weit entspannter denn als zerfleischte Teilnehmer...
Eine nicht nur interssante sondern für uns sehr beeindruckende Tour ist die Durchfahrt durch den Panamakanal, die wir zur Gänze bestreiten. Am frühen Vormittag beginnt die Reise an der Marina, kurz befährt man den Pazifik und danach den Kanal. Bald ist erstes Warten an den Schleusen angesagt, wir teilen sie mit einem Riesenfrachter und einer Segeljacht. Weiter geht es durch den Kanal bis zur nächsten Doppelschleuse und danach auf den offenen See. Vor der letzten Schleuse, einer dreifachen, müssen wir einem riesengroßen Frachter Vortritt lassen, wir finden keinen Platz mehr darin. Während der erforderlichen Wartezeit gibt es viel zu beobachten, was sich hier so alles an Frachtern aus der gesamten Welt tummelt. Als wir an der Reihe sind, kommt auch noch ein Riesenfrachter mit uns in die Dreierschleuse, man bekommt fast Platzangst, wenn man hinaufblickt. Zuguterletzt müssen wir noch im Hafen von Colon länger drauf warten, dass auch unsere "Fracht" gelöscht werden kann, per Bus werden wir zurück nach Panama City gebracht. Alles in allem ein wirklich ereignisreicher Tag.
Ein weiterer Tag dient einfach der Orientierung rund um die Stadt und natürlich verbringen wir einen Tag auch in der Altstadt. Auch sie erinnert an Havanna - nicht nur äußerlich - Verfallenes und Renoviertes stehen dicht beisammen. Die Wolkenkratzer der City stehen im Gegensatz dazu, stellen natürlich das moderne, aber vor allem das kapitalstarke Element dar. Die Gegensätze scheinen groß, doch hat man auch den Eindruck, die Menschen nehmen es gelassen.
Der nächste Abschnitt bringt uns zu den Kunas, einem ethnischen Stamm an der Karibikküste. Ihre Gebiete können nur per Flugzeug oder Schiff erreicht werden, der Flug in der Kleinmaschine ist Fliegen in seiner reinsten Form! Lange schon konnten wir nicht einen solch schönen Flug genießen, auch wenn man durch die Türritze blicken kann... Neben dem Flugfeld wird Fußball gespielt, der Schalter des "Terminals" besteht aus einem Holzverschlag und An- und Abflug gestalten sich als Horrorszenario für alle Sicherheitsleute, unvorstellbar bereits auch für uns, die wir uns inzwischen sosehr an Bürokratie und Sicherheitswahn gewöhnt haben. Dafür wird nicht nur das Gepäck gewogen, sondern auch die Passagiere!
Die Insel mit unseren Unterkünften läßt Südseefeeling aufkommen, die Kabinen sind in traditioneller Art z.T. ins Meer, z.T. gleich an das Ufer gebaut. Die Lebensweise der Kunas fließt ein, unnötiger Ballast wird gar nicht erst angeboten - so gibt es auch keine direkte Verbindung zur Außenwelt - richtig erholsam. Eine Führung durch das Dorf auf der Hauptinsel, die z.Zt. ca. 3000 Menschen auf engstem Raum beherbergt, gibt einen Eindruck ihrer Lebensweise, die sie selbtbestimmt ausüben, es besteht weitgehende Selbständigkeit in allem, Panama übt wenig Einfluss aus. Landgewinnung auf der Insel des Dorfes erfolgt durch systematische Anhäufung und Planierung von Müll, Maschinen kommen kaum zum Einsatz. Tracht in unserem Sinne wird von den Frauen erzeugt und getragen, sie ist mit Motiven bestickt und wird "Mola" genannt. Wiewohl sie sich nicht komplett abkapseln können und auch der "sanfte" Tourismus seine Spuren hinterläßt. Auch eine Führung durch ihre Felder, die in den Wäldern anderer Inseln und am Festland angelegt sind, machen wir mit und lernen so nebenbei, dass auch hier gegen jedes Wehwehchen ein Kraut gewachsen ist, man vertraut nicht nur dem "weißen Doktor"! Es beeindruckt uns sehr, wie sie an ihren Traditionen festhalten, eine sehr schöne ist, dass jeder Kune zur Geburt eine Hängematte bekommt, die ihn symbolisch durch sein Leben mit allen Höhen und Tiefen begleitet und schlussendlich als das eigene Totentuch dient.
Die beiden Tage in dieser fast unwirklichen Landschaft vergehen im wahrsten Sinne wie im Flug und rasch hat uns die Realität der Großstadt wieder eingefangen.
Diashow: PanamaCity_KunaYala
25.01. Pedasi
Jetzt kehren wir aber der Stadt den Rücken zu und reisen weiter nach Pedasi auf der Halbinsel Azuero. Wir sind im Hostal "Los Vientos" untergebracht, Nomen est Omen, es bläst trotz herrlichem Sonnenschein und heißen Temperaturen ordentlich durch und durch. Die Region ist landwirtschaftlich geprägt, Farmer- und Rancherland, der Tourismus steckt noch in den Kinderschuhen und wird an der Küste nur langsam aufgebaut, die schönen Strände sind weitgehend noch unverbaut. Die heutige Fahrt entlang der Küste und durch die zentrale, sehr hügelige Halbinsel zeigt, dass viel Land zum Verkauf steht, die weitere Entwicklung ist absehbar, vor allem, da sich große und bekannte Investoren, wie z.B. der Prinz von Liechtenstein, einkaufen. Aber auch viele nordamerikanische und europäische Aussteiger versuchen hier, wie in ganz Panama ihr Glück.
Zwei Tage an fast unberührten, naturbelassenen Buchten und Stränden in der Umgebung von Pedasi, schattensuchend, genießen wir die panamesische Gelassenheit, weitab der Hektik der Großstadt. Auffallend viele Pelikane ziehen knapp über den Wellen die Küste entlang. Das Abendessen genießen wir bei einem jungen Paar aus Genua, das sich hier eine Existenz aufbaut. Die Dunkelheit bricht rasch herein, auf dem Heimweg zeigt sich ein grandioser Sternenhimmel und so ganz flink kreuzt ein kleiner Skorpion die Lichtquelle unserer Taschenlampe. Morgen ziehen wir weiter in die Region von Chica Boca.
Diashow: Pedasi_PacificBay
29.01. Paradies all inclusive
Frühmorgens starten wir unsere Fahrt nach David, nichtsahnend, welch Höllenritt vor uns liegt. Wir befolgen die Hinweise auf Umfahrungen von zwei Städten, doch ein Missverständnis bringt uns in Verlegenheit, wir landen in der tiefen Pampas. Kommando zurück und rauf auf das Gaspedal ist ab nun die Devise, ohne Rücksicht auf die streckenweise in sehr schlechtem Zustand befindliche Panamericana. Nur mit Übertretung aller Geschwindigkeitsrichtlinien und -beschränkungen erreichen wir noch rechtzeitig die Mietwagenrückgabestelle in David, zuhause wäre der Führerschein mindestens für 3 Jahre passe gewesen... GsD war wenig Polizei präsent.
Unser Transfer nach Boca Chica fällt dann im Gegensatz dazu sehr gemächlich aus. Dort steigen wir auf ein Boot um, das uns nach Punto Bejoco bringt, einem wirklichen Paradies am Pazifik. Wunderschöne Palmenstrände, Kabinen am Hang mit herrlichem Blick über die Bucht und ein offenes Restaurant auf dem Gipfel des Hügels. Brüllaffen sorgen für den morgendlichen Weckdienst - ohne zusätzliche Kosten - und da ein Paradies nicht ohne Schlange auskommt, fällt beim Lunch eine Boa Constructa vom Dach, nach einer Schreckminute reckt sie ihren Kopf und wird vom Chef persönlich in den nahen Wald verbracht, nicht ohne dass sie von allen ordentlich bewundert und fotografiert wird. Am Strand gibt es eine Hundertschaft an Einsiedlerkrebsen zu den ganz normalen, sogar in azurblau. Auf dem nächtlichen Rückweg zur Kabine begleitet uns ein ziemlich großes Exemplar Skorpion, wir betrachten ihn mit Abstand... Leguane sind natürlich auch hier zuhause und ein sehr zahmes Rotwildpaar, Kolibris, Papageien und Seevögel ebenso.
Weil aber paradiesische Zustände nicht lange verkraftbar sind und der Reiseplan seinen Tribut verlangt, müssen wir weiterziehen, es geht zu einer Lodge in die Berge. Nahe an der Grenze zu Costa Rica liegt dieser Privatpark Mount Totumas im Regen- und Nebelwald auf 1900 m, ein komplettes Kontrastprogramm. Schon die Anfahrt ist ein Abenteuer, im Grunde genommen eine Buckelpiste, wir sind erwartungsvoll für die nächsten Tage.
04.02. Berge und Ozean
Am Morgen halten wir unter Anleitung von Jeffrey Ausschau nach dem Göttervogel Quetzal, der zu dieser Jahreszeit von der karibischen zur pazifischen Seite des Landes wechselt, um hier zu brüten. Einige dieser wunderschönen Vögel erspähen wir in einer Baumgruppe, gut getarnt im Blätterwerk. Wie üblich sind die Männchen schön herausgeputzt, lange Schwanzfedern sind ihr zusätzlicher Schmuck. Danach begeben wir uns auf einen schönen Rundweg, um den Wolkenwald zu durchstreifen und sind verschiedenen schönen Vögeln auf der Spur, die die Vorzüge des Klimas hier in dieser Höhe nützen. Jeffrey zeigt uns eine endemische Orchideenart, die auf abgestorbenem Holz gedeiht, die Blätter sind nur ca. 2 cm und die Blüte sei sogar nur 2 mm groß. Wenn auch die wilden Orchideen jetzt nicht ihre Blütezeit haben, so finden wir andere wunderschöne Blumen. Bei der Lodge selbst locken einige "Kolibritankstellen" diese entzückenden Vögel an, man kann ihnen stundenlang zusehen, wenn sie hinter dem Zuckerwasser her sind. In unterschiedlicher Größe und Farben, die Männchen erzeugen Töne wie schwere Trucks auf dem Highway, flitzen sie flink von Strauch zu Strauch und zwischendurch zur Zuckertankstelle.
Während und nach dem Abendessen ergeben sich gute Gespräche mit Alma und Jeffrey, die sich hier ein wunderbares Refugium schaffen.
Für den nächsten Tag steht ein Ausflug in die hauseigene Kaffeeplantage auf dem Plan, die sich gerade im Aufbau befindet. Die jetzt dreijährigen Pflanzen tragen zum ersten Mal Früchte, wir sind an der ersten Ernte beteiligt, dieser Hochlandkaffee wird ein ganz besonderer werden, wir haben uns bereits eine Reserve gesichert... Zukünftig werden wir ganz besonders beim Kauf darauf achten, dass der Kaffee aus den Hochlagen Panamas kommt.
Eine weitere Wanderung durch das Tal zeigt, wie wichtig eigentlich die Erhaltung dieses biologischen Reservates ist, das sich am Rande des Almsted Nationalparks im Norden des Landes befindet.
Zeitig am Morgen werden wir ins Tal und zur Grenze nach Costa Rica gebracht, der Anschlussbus sollte erreicht werden. Der Schock bei der Ankunft ist groß, mindestens Passagiere von vier Überlandbussen mit einer Unmenge Gepäck warten auf Abfertigung, wobei die Gepäckskontrolle eine nicht einschätzbare Dauer beanspruchen wird, wir sehen uns schon an der Grenze übernachten. So spreche ich einen Beamten an, doch er ignoriert mich. Der nächste Versuch - ich dringe in das Allerheiligste vor und schildere dem dortigen Beamten unser Problem, die Übersetzung eines weiteren Beamten kombiniert mit dem Ausdruck meiner Verzweiflung in dem einen Auge und (vielleicht) Vertrauenswürdigkeit im anderen, lassen ihn die gute Tat des Tages tun und uns von der Zollkontrolle entbinden. Wir dürfen sofort zum Ausreiseschalter weitergehen und danach weiter zur Einreise nach Costa Rica. Und das ganz ohne Passeinlage... Dann noch schnell zum Bus nach Palmar, buchstäblich im letzten Augenblick schaffen wir das unmöglich scheinende. Somit erreichen wir auch unser Transferboot zur Drake Bay rechtzeitig, unsere erste Station in Costa Rica. Ein kühles Blondes wird zur eigenen Belohnung geöffnet und danach gönnen wir uns noch eine angenehme Erfrischung im Ozean. Unsere Kabine liegt ganz oben am Hang mit schönem Blick über die Bucht, wir können unser Glück kaum fassen, wo wir uns schon an der Zollstation nächtigen sahen...
Für den nächsten Tag steht eine ziemlich schwierige Tour im Corcovado Nationalpark auf dem Programm, wir haben das Glück viele unterschiedliche Tiere beobachten zu können, unser Guide hat ein ausgezeichnetes Auge und Wissen, das uns zugutekommt. Nur die scheuen Raubkatzen wie Puma und Jaguar zeigen sich nicht, dafür sind auch sicher zu viele Touristen auf den Pfaden unterwegs. Affen sind ja sehr neugierig, sie wollen auch Touristen gucken, das kommt uns ebenfalls zu gute... Einige der zahlreichen Vogelarten finden wir vor, viele Kriechtiere, ein Faultier hängt in einer Astgabel und beäugt uns. Der Tapirmann - Männchen kann man unschwer zu einem kalbgroßen Tier sagen - verschläft als nachtaktiver Jäger den Tag im Gebüsch. Ein Fischadler verspeist gerade seine Beute auf dem Baum, Riesenheuschrecken sitzen auf Bäumen und ein Raupenschwarm aus mehreren Hunderten bevölkert einen Baum, die, die bereits die Metamorphose hinter sich haben, tanzen in allen Farben und Größen durch die Lüfte. Der Weg selbst führt kreuz und quer durch das Unterholz des Sekundärregenwaldes, über Stock, Stein und Gehölz sowie durch Flüsse und Bäche. Zum schönen Abschluss begleitet ein Delphin unser Boot auf der Rückfahrt und zeigt seine Sprungkünste, dieser Tag hat uns viel geboten.
Dem Tauchausflug schließen wir uns nicht an, wir erkunden dafür am nächsten Tag die nähere Umgebung der Lodge, eine Aragruppe zeigt sich in ihrer bunten Pracht. Ein schönes Bad in unserer Bucht bringt etwas Erfrischung in die schwüle Stimmung, die sich in mehreren nächtlichen Tropengüssen entlädt.
Ein Kleinflugzeug bringt uns zurück ins Zentrum des Landes, der Flug war wieder ein Highlight mit wunderbaren Ausblicken, u.a. auf die Walflosse der Halbinsel um Uvita, das auch ein Ziel dieser Reise sein wird. Nunmehr sind wir bis zum Ende der Reise wieder per Auto unterwegs, wir harren der Irrfahrten die vor uns liegen, denn angeblich gibt es auch in diesem Lande wenige Hinweisschilder... so lernt man vieles kennen, das gar nicht auf dem Plan steht!
Fotoanzeige für Mobilgeräte: Mt.Totumas_DrakeBay
08.02. im Orosital
Angesagte Katastrophen finden nicht statt, durch das Chaos der Hauptstadt San Jose leitet uns die segensreiche Erfindung "Navigationsapp" des Handys sicher zum Ziel Orosi, im gleichnamigen Tal gelegen, das einen ausgezeichneten Ruf unter Kaffeekennern genießt. Für die Fruchtbarkeit der Böden in der gesamten Region sind die beiden Vulkane "Irazu" und "Turrialba" verantwortlich, es gedeiht alles bestens. Da jetzt Trockenzeit herrscht, werfen viele Laubbäume ihre Blätter ab, um dann nach und nach Blüten auszutreiben, wie gerade jetzt der "...baum", eine Akazienart, die in kräftigem Orange erstrahlt und das Tal verwandelt, aber leider vergesse ich, den Namen zu notieren. Die Städte und Dörfer sind in der für Lateinamerika typischen Art angelegt, vor der Kirche befindet sich der Dorfplatz, in manchen Ortschaften stattdessen der Fußballplatz, die Häuser sind meist eingeschossig und was in Costa Rica ganz besonders auffällt, sie sind meist schwer vergittert. Das hat uns zur Frage der Sicherheit bewogen, ist aber lt. glaubwürdiger Aussage zum einen ein Statussymbol und gefällt den Menschen, gleichzeitig aber auch ein Wunsch nach Abgrenzung. Die Kirche Orosis ist ein wirkliches Juwel, besitzt sie neben dem Hauptaltar auch noch einige wunderschön geschnitzte Seitenaltäre.
Ein Ausflug zum Vulkan Irazu, der gleichzeitig mit 3432 m der höchste Berg des Landes ist, zeigt uns deutlich die Spuren seiner Tätigkeit, zuletzt war er 1994 aktiv, sein Pendant ist gerade jetzt etwas rührig! Wir haben großes Glück mit dem Wetter, er verhüllt erst nach unserer Abfahrt den Gipfelbereich, so haben wir einen guten Blick in den Krater. Die Hänge werden landwirschftlich genutzt und bringen reiche Ernte, wenn auch unter meist schwerem körperlichen Einsatz.
Auf dem Rückweg bietet sich der Besuch des botanischen Gartens in Paraiso an, der eine einzigartige Orchideensammlung beherbergt. Wenn auch viele davon z.Zt. nicht blühen, aber einige lassen sich doch nicht davon abhalten, so können wir einmalige Exemplare bewundern, darunter auch die winzig kleine Orchidee mit einer Blüte von 2 mm, wir sind unheimlich beeindruckt von diesen Schönheiten. Natürlich bietet der Park noch vieles mehr.
Ebenfalls bei gutem Wetter starten wir den Ausflug in das Nachbartal Ujarres mit seiner Kirchenruine und den üppigen Naturschönheiten an den Bächen und Seen. Dort wo das Tal enger und enger wird und auch kein Kaffee mehr angebaut wird, beginnt der Tapanti Nationalpark, eine große Wilderniss aus Nebel- und Regenwald. Davor steigt die Straße holprig und in steilen Windungen an bis zu einer einfachen Unterkunft mit herrlichem Blick über das Tal. Dort führen wir mit Gästen beim Café eine gute Unterhaltung, erst als erste Anzeichen von Regen aufkommen, müssen wir wieder ins Tal, unser 4WD Jimny meistert die Strecke wieder perfekt.
Leider ist dem letzten Tag in dieser Region der Wettergott nicht hold, die Morgennebel lichten sich nicht. Trotzdem entschließen wir uns zur Fahrt zum Nationalpark des Vulkans Turrialba, die Hoffnung stirbt zuletzt, vielleicht stoßen wir durch die Wolken. Wieder zeigt sich, wie unendlich wichtig die Vulkantätigkeit und wie abhängig die Umwelt davon ist, es gedeiht so vieles und ist für die Menschen die beste Lebensgrundlage. Noch in großer Höhe werden Kraut und Karotten geerntet, erst dann beginnt der Regenwald mit Farnbäumen und sonstigen bekannten Gewächsen. Als wir bei der absoluten 4WD Strecke ankommen, entschließen wir uns zur Umkehr, Regen und keine Aussicht auf Besserung bedingen es. Nichtsdestotrotz bewundern wir Mountainbiker, die sich hier bei diesen Bedingungen herauf kämpfen um einen wilden Ritt ins Tal. Erst ganz im tiefen Tal - auf ca. 1000 m - beruhigt sich die Wetterlage etwas.
Trotzdem dürfen wir nicht ungerecht sein, es ist der erste nicht ganz begünstigte Tag unserer Reise - nach mehr als 3 Wochen! Das nächste Ziel liegt wieder in den Bergen, also wünschen wir uns wieder besseres Wetter - mal sehen - dann geht es wieder zur Pazifikküste.
Diashow: Orosital
16.02. vom Cerro del Muerte bis NP Palo Verde
Die Anfahrt verspricht noch gute Sicht, doch auf 2650 m, wo sich unsere Unterkunft Paraiso Quetzal befindet, wird das Wetter dem Regenwaldklima gerecht. Der Erkundungsrundweg führt tief hinein, die Stimmung kommt der in Harry Potter Filmen gleich, einschließlich beachtlicher Farnbäumen. Man prophezeit uns einen wunderbaren Sonnenuntergang, dem schenken wir nicht wirklich Glauben... Aber schon in unserer Kabine mit Rundumsicht über die Riesen des Regenwaldes und neben 3 m hohen Distelgewächsen mit großen roten und gelben Blüten gewinnen wir Zuversicht, die Wolken und Nebelschwaden verziehen sich, die Sonne bricht durch und macht die Versprechungen wahr, eine ganz phantastische Stimmung liegt über dem Wald und sie inszeniert ein Schauspiel, das dem Sonnenuntergang am Meer in nichts nachsteht.
Der frühe Vogel fängt den Wurm, für uns trifft das auf den Quetzal zu, der in der Umgebung ein gutes Angebot von wilden Avocadobäumen vorfindet, seine bevorzugte Nahrungsquelle. Dort dürfen wir ihn dann auch beobachten, das Männchen bereitet den Nestbau vor. Nicht nur sein buntes Gefieder sondern vor allem die langen Schwanzfedern machen ihn so attraktiv, schöne Fotos gelingen.
Danach geht es durch verschiedene Vegetations- und Klimazonen wieder zum Pazifik, es ist erstaunlich, wie gebirgig das Land ist, die einzelnen Ketten der Kordilleren reichen bis ans Meer. Leider zeigen sich bei unserem Mietauto einige Mängel, die Besitzer unserer Lodge in Uvita sind uns sehr behilflich, sodass am nächsten Tag trotz anfänglichem Widerstand der Verleihfirma das Auto getauscht wird. Ein Badetag in der schönen Bucht von Hermosa läßt den Ärger wieder vergessen und die Temperaturen gut ertragen. Parque Nacional Marino Ballena.
Der Küste entlang fahren wir weite Strecken durch Palmölplantagen, bis auf die Ausnahme bei Sierpe bislang der erste Hinweis auf exzessiven Anbau von Monokultur. In Jaco gönnen wir uns eine wohlverdiente Kaffeepause am wunderschönen Strand, uns scheint es hier trotz des ausgeprägten Tourismus nicht ganz so überlaufen wie es in vielen Orten am Mittelmeer der Fall ist. Der Kaffee ist vorzüglich, vor allem erstaunlich in meist von Amerikanern frequentierten Lokalen, so wie man sich Kaffee aus Costa Rica erwartet, aber hier selten bekommt. Bald darauf queren wir die "Crocodilebridge" und erreichen unsere nächste Unterkunft.
Erst am nächsten Morgen bemerken wir unsere Mitbewohner unter dem Vordach, drei Fledermäuse sind hier auch zu Hause. Das Frühstück auf der Terrasse des Haupthauses bietet einen wunderbaren Überblick über die mäandernde Flußlandschaft bis hin zur Mündung in das Meer und den dahinter liegenden Nationalpark Carara. Dieser ist das Ziel des Tages, er liegt an der klimatischen Grenze der trockenen Gebiete des Nordpazifiks und der feuchten des südlichen Pazifiks, entsprechend vielfältig sind Flora und Fauna. Doch davor werden noch die bestens genährten Krokodile im Fluß bestaunt, viele tummeln sich in dem fischreichen Gewässer. Die ineinander greifenden Rundwege durch den Park bieten einen sehr guten Querschnitt, nur die angekündigten Tucane erspähen wir nicht. Den Ausgang bewacht der "Hausleguan", wir machen sicherheitshalber einen Bogen um ihn. Auf der Rückfahrt kehren wir bei einem "Soda" ein, so heißen hier die unzähligen kleinen Restaurants an der Straße, wo man sehr preiswert und gut isst, sie besitzen jedoch keine Alkohollizenz. Eine herrliche Reisplatte mit Meeresfrüchten wird günstig angeboten, sogar Langustinos und Krebschen sind dabei... Am Abend genießen wir am Pool Wein und den fast vollen Mond, eine perfekte Mischung!
Von hier geht es weiter auf der Panamericana, die den gesamten Verkehr durch das Land aufnehmen muss und zum großen Teil nur als Bundesstraße existiert, eine wahre Verkehrsflut, vor allem an LKW's, für uns, die wir an Autobahnen schon sosehr gewöhnt sind, unvorstellbar. Endlich zweigen wir ab in Richtung Tenorio Volcano Nationalpark und befahren wieder ruhiges Terrain. Die letzten neun Kilometer zur Lodge sind eine echte Herausforderung an Mensch und Maschine, dafür entschädigt die rustikale Anlage derselben, eine sehr gelungene Symbiose von Mensch und Natur, hier sind wir bestens aufgehoben. Vor der Terrasse des Restaurants sind Bananenstrunke ausgelegt, diese ziehen die Vögel an wie Motten das Licht. So erblicken wir u. a. auch den ersehnten Tucan, und das gleich in mehrfacher Ausführung. Ein Rundgang durch die Anlage zeigt, wie sehr Bedacht auf die umgebende Natur genommen wird. Es wird nur in ganz wichtigen Bereichen Strom verwendet, einige Steinkamine sorgen für abendliche Gemütlichkeit und Kerzenlicht ebenso.
Leider hat sich Siegi den berühmt-berüchtigten Virus "Montezumas Rache" zugezogen, das hält ihn ganz schön auf Trab... Das Gegenmittel greift aber doch einigermaßen bald, Tee und Vodka spülen durch, sodass am nächsten Tag wieder ein kleines Programm möglich ist. Alejandro führt uns durch die weitere Umgebung der Lodge und wir selbst erkunden am Nachmittag die nahe Ortschaft San Miguel mit Bar, Kindergarten und Kirche.
Eine längere Fahrt, zwar nicht nach Kilometern aber nach 4WD Strassenqualität gerechnet, erfordert die Weiterfahrt zur biologischen Forschungsstation des Palo Verde Nationalparks. Hier herrschen im Gegensatz zur Umgebung der Vulkane, von denen sich keiner blicken läßt, Hitzerekorde, die zusätzlich von heißen Winden angefacht werden, Erinnerungen an Arizona im Juni werden wach (auch kühlen wir hier das Bier auf die gleiche Art...). Siegis erste hiesige Video-Beute sind ein Riesenleguan und ein Ameisenbär, dieser läßt sich nach eingenommener Mahlzeit auf einem Baum zum Schläfchen nieder. Als die Tageshitze etwas nachlässt, begeben wir uns auf den ersten Rundgang, wir kommen gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang nahe an das Sumpfgebiet heran, das hier in krassem Gegensatz zur Umgebung steht und eine Vielzahl von Tieren anlockt. Und wieder bestimmt eine phantastische Stimmung das Geschehen rundherum, die Bilder werden es hoffentlich wiedergeben. Für morgen Früh ist eine Führung angesagt.
Diashow: CerroMuerte_PaloVerdeNP
23.02. vom NP Palo Verde über den NP Rincon de la Vieja nach Samara
Dem NP Palo Verde ist eine Forschungsstation angeschlossen, diese bietet Biologiestudenten, die im Rahmen von Projekten Forschung unter tropischen Verhältnissen anstellen, die Möglichkeit von praxisnahen Bedingungen. Der Park selbst ist nach dem Baum "Palo Verde" benannt, der auch in der Sonorawüste von Arizona beheimatet ist und dort als nationaler Baum gilt, er hat sich bestens den Halbwüsten angepasst und trägt kleine gelbe Blüten.
Auch wenn die Führung bereits um 8 Uhr beginnt, sengt sich die Sonne schon gehörig über die Ebene des noch vorhandenen Sumpfes, der in einem Monat zur Gänze ausgetrocknet sein wird. Tiefe Risse am Rande zeugen bereits jetzt davon, wir können uns daher den Wasservögeln ein schönes Stück zu Fuß nähern. Unvorstellbar, dass in der Regenzeit die Straße streckenweise nur per Boot zu befahren ist! Dieses Gebiet wird nur vorübergehend von den Tieren genutzt, die im nordamerikanischen Winter gegen Süden ziehen. Verschiedene Enten und Wildgänse, viele Reiher und rosa Löffler gesellen sich zu Krokodilen, die hier ihre Kinderstube genießen, bevor sie zu den Erwachsenen ihrer Zunft ans andere Ufer übersiedeln. Wasserhyazinthen blühen zahlreich in den verbliebenen Rinnen und Tümpeln. Die Sträucher am Rande und der angrenzende Trockenwald sind Heimat zahlloser Vögel sowie einiger Wildtiere wie Puma und Ozelot, die jedoch schwer vor die Kamera zu kriegen sind... Nach diesem Rundgang reisen wir weiter zum NP Rincon de La Vieja. Das Tal, das wir durchqueren, wird landwirtschaftlich intensiv genutzt, ein Netz von Kanälen macht es möglich, dass Reis und Zuckerrohr gedeihen. Mit geerntetem Zuckerrohr schwer beladene LKW's sind die Herren der Landstraße, wenn sie sich so richtig durchbiegen, flößen sie den anderen Verkehrsteilnehmern gehörigen Respekt ein!
Der Nationalpark Rincon de La Vieja ist durch Vulkanismus geprägt. Ein interessanter Rundwanderweg führt zu Zeugen dieser Tätigkeiten wie Fumerole, Schwefeldämpfe und bis 106 Grad heiße Quellen, verschiedene Mineralien hinterlassen schöne Farben im Gestein. Im Wald zeigt sich der Agouti, ein Nagetier, eher ähnlich dem Biber als dem Hasen, doch ohne den charakteristischen Schwanz. In der Trockenzeit sind Wasserfälle nicht gerade attraktiv, diesen Umweg sparen wir uns. Am Nachmittag zeigt sich erstmals der Vulkan ohne Bewölkung, bis dato ein Novum auf dieser Reise, obwohl wir nur zwei nicht perfekte Tage in nunmehr fünf Wochen hatten, die Vulkane verbergen sich stets!
Der trockenheiße Norden des Landes unterscheidet sich in vielem vom tropischen Süden und lt. Aussage der Bewohner fällt auch die Regenzeit nicht so extrem wie dort aus. Zur Zeit lassen viele Bäume ihre Blätter fallen, um erst wieder mit Beginn der Regenzeit neu auszutreiben. Manche erblühen gegen Ende der Trockenzeit in fantastischen Farben, bereits jetzt bekommt man Ahnung davon, wenn sie rosa, gelb und weiß erstrahlen.
Samara, auf der Halbinsel Nikoya gelegen, ist unser nächstes und zugleich letztes Ziel am Pazifik, hier entspannen wir einige Tage. Der Ort, obwohl vom Tourismus abhängig, ist doch einigermaßen ursprünglich geblieben. Eine schöne Bucht, bei Ebbe unheimlich breit, mit schattenspendendem Baumbewuchs, macht ihn wirklich attraktiv, alles ist irgendwie überschaubar, auch die Touristen! Bis dato erhebt sich nur ein Hotel über die Palmenhöhe, alle anderen ducken sich darunter, mal abgesehen von den Handymasten, die hier nicht als Palmen getarnt sind... Den letzten Sonnenuntergang dieser Reise genießen wir in der Bucht von Carillo, er erfüllt alle Erwartungen und mich mit der üblichen Wehmut am Ende einer Reise.
Auf der Rückfahrt in Richtung Flughafen herrscht das hier übliche Verkehrschaos, genug Zeit ist einzuplanen, um rechtzeitig anzukommen. Selbst am Sonntag sind die Könige der Landstraße ungehemmt unterwegs, sie herrschen absolut... Wir schaffen es, können nochmals unsere Blicke über die schönen Landschaften schweifen lassen und bereiten uns nunmehr für den kurzen Mexikoaufenthalt vor, danach ist auch diese Reise endgültig zu Ende.
Diashow: PaloVerde_Samara
28.02. Mexico City und Guadalajara
Der Flug von San Jose nach Mexico City ist ein echter Höhepunkt, unzählige Vulkane aneinandergereiht prägen die Landschaft des zentralamerikanischen Hochlandes von Nicaragua bis Mexiko und sind Bestand des pazifischen Feuerringes. Zuguterletzt haben wir noch perfekte Sicht auf die Zwillingsvulkane Popocatepetl - dieser gibt Rauchzeichen - und Iztaccihuatl, die sich im Vorjahr nicht gezeigt haben.
Die Zollkontrolle bei der Einreise ist eine sehr intensive und abgetrennt vom normalen Bereich, mehrere Drogenspürhunde sind im Einsatz und prüfen das Gepäck Stück für Stück, Geduld ist gefragt, fast zwei Stunden dauert diese Prozedur. Wir befinden uns auf einer der Hauptrouten des internationalen Drogenhandels, dies ist uns seit dem Grenzübergang Panama/Costa Rica bewusst, obwohl sonst nichts darauf hindeutet.
Und nun passiert, was bei jeder Reise in irgendeiner Form vorkommt, alles ist gut durchdacht aber ich habe nicht gecheckt, ob das Nationalmuseum für Anthropologie einen wöchentlichen Schließtag auf dem Plan hat. Somit stehen wir vor verschlossenem Tor, vielleicht soll das ein Zeichen für eine Wiederkehr sein? Wie auch immer, der Ärger über mich selbst ist groß und verfliegt nur langsam. Ein netter älterer Taxifahrer bietet günstige Dienste an, wir vereinbaren eine Stadtrundfahrt mit Fotostopps und anschließender Fahrt zum Flughafen, so ist die Zeit doch ein wenig sinnvoll genutzt. Und erstaunt sind wir, wie gut wir uns doch schon in dieser Megastadt so ganz ohne Stadtplan orientieren können, es ist viel haften geblieben von der Vorjahresreise.
Am Abend fliegen wir nach Guadalara, hier können wir unser Vorhaben umsetzen und das sehr interessante Museum Instituto Cultural de Cabanas mit den berühmten Deckengemälden des Malers Orozcos und andere Ausstellungen besichtigen. Der Nachmittag und nächste Vormittag steht ganz im Zeichen des Wiedersehens mit lieben Freunden, die wir im Vorjahr kennen lernten und sich reger Kontakt entwickelte. Eigenartigerweise ist der Abschied auf dem Flughafen nicht traurig sondern nur emotionell, alle sprechen bereits vom Wiedersehen... Langsam glaube ich auch daran, denn Mexiko ist uns ans Herz gewachsen.
Diashow: Guadalajara
Abschluss:
Eine sehr abwechslungsreiche Reise in schöner Natur ist zu Ende und wir danken Frau Häßel und Herrn Kamphusmann von Neue Welt Reisen – Individualreisen in Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, und Panama, die uns wieder eine interessante Reise zusammengestellt und so einen neuen Bereich Zentralamerikas näher gebracht haben.