Ahornbrett für Griff und Sal. Quelle: delignoAG, Walkringen (Brett 5100 mm x 230 mm x 40 mm mit liegenden Jahresringen. CHF 86.25)
Robinienholz für Siyahs. Quelle: Gian-Luca Bernasconi
Ulmenholz für Griff. Quelle: Gian-Luca Bernasconi
Birkenrinde für die Verkleidung des Bogens. Quelle: Sagaan.de (ca. € 25 pro Kg.)
Platten aus Wasserbüffelhorn. Quelle: Noorbabasore, Indien (vorgefertigte Hornplatten à 55 - 60 x 4 cm; 5 Paar für US$ 321.77 inkl. Versand)
Hasenleim-Granulat (getrocknet). Quelle: dictum, Deutschland (1 kg für EUR 12.60)
Straussen-Sehnen. Quelle: Qualipet (Hunde-Leckerli); 3 Stück für CHF 13.90; für eine vollständige Sehnenlage werden 8 - 10 einzelne Sehnen benötigt.
Markbein, ausgekocht und mehrfach in der Spülmaschine gespült zum Entfetten. Quelle: Fleischhandel
Bandsäge
Holz- und Hufraspeln
Feilen
Schweifhobel
Ziehmesser
Japan-Sägen
Steichbeitel
Einhand- oder Schraubzwingen
Schraubstock
Heissluftföhn
Für den Bau eines Kompositbogens braucht es etliche Hilfswerkzeuge und -Einrichtungen. Diese werden hier am Beispiel meiner eigenen Varianten vorgestellt. Gute Vorlagen mit Massangaben von M. Wolf sind unter [B6] zu finden. Mehr Bilder der Hilfsgeräte sind hier zu finden.
Für das Einarbeiten der Verzahnung in Holz und Horn. Als Grundlage dient eine Säge mit scharfen, nicht verschränkten Zähnen, die eine Tiefe von 1 - 2 mm haben. Zusätzlich ist eine Führung hilfreich, um das Sägeblatt immer wieder an derselben Stelle über das Material zu ziehen. Dies wurde so gelöst, dass am Sägeblatt ein Winkeleisen angeklemmt wurde. Die Säge wird so lange über das Material gezogen, bis die gewünschte Tiefe der Rillen erreicht ist.
Damit Holz oder Horn gebogen werden kann, muss es zuerst erhitzt werden. Dies geschieht am schonensten mit Dampf (der Einsatz eines Heissluftföhnes ist auch möglich, birgt jedoch die Gefahr einer unregelmässigen oder zu starken Erhitzung).
Die Biegeform wurde aus einer 4 cm dicken Tischlerplatte hergestellt. Als Vorlage für die Biegezone dienete die Zeichnung von M. Wolf in [B6]. Das zu biegende Material wird mit Schraub- oder Einhandzwingen am Holz befestigt, während die Form in der Werkbank eingespannt ist. Diese Variante der Form erlaubt das gleichzeitige Biegen von zwei Werkstücken. Die Werkstücke werden nach dem Dämpfen in die From eingespannt bis sie erkaltet (Horn) und getrocknet (Holz) sind.
Falls die Siyahs mit Hilfe von gebogenen und verleimten Leisten konstruiert werden, kann eine solche Form verwendet werden. Sie besteht aus verleimten Tischlerplatten mit einer Gesamtdicke von 5 cm. Der untere "Fortsatz" dient zur Fixierung der Form in einem Schraubstock. Die Leisten werden mit Hilfe von Schraub- oder Einhandzwingen an der Form befestigt. Eine Vorlage für die Form ist bei M. Wolf in [B6] zu finden.
Hautleim wird als getrocknetes Granulat geliefert. Dieses muss in Wasser aufgequellt und bei ca. 40° C gelöst und für die Verarbeitung wam gehalten werden. Bei einer Abkühlung unter 30° C beginnt der Leim zu gelieren. Leimkocher kann man z.B. bei dictum kaufen, diese sind aber teuer (ca. EUR 280.-). Eine DIJ-Variante kann leicht selber produziert werden und ist billiger. Es werden zwei Weckgläser eingesetzt, weil meistens Hautleim in unterschiedlichen Verdünnungen gebraucht wird. Das Termometer dient zur Überprüfung der Temperatur; der Leim sollte nicht mehr als 50 - 60° C warm werden [B6, B7].
Der Kompositbogen-Rohling muss in verschiednen Phasen aufgespannt werden (Verleimung Holz-Horn; Auflegen der Sehne; Trocknung der Sehne). Hierzu dient diese Leiste, die es ermöglicht, den Rohling mit Hilfe von Schraub- oder Einhandzwingen mit unterschiedlich starkem Reflex einzuspannen. Vorlage bei M. Wolf in [B6].
Während die Sehe aufgelegt wird, ist es von Vorteil, wenn der Hautleim nicht zu schnell geliert (so bleibet die Sehenelage formbar). Um den Leim warm zu halten dient ein Heizstrahler, der mit Hilfe eines Gestelles nach Bedarf ausgerichtet werden kann.
Ein Kompositbogen ist u.U. anfangs noch so stark, dass er nicht mit Hilfe einer Spannschnur gespannt werdern kann. Eine Biegebank schafft hier Abhilfe. Der Bogen wird mit dem Griff auf die Halterung aufgesetzt und die Arme können dann abwechslungsweise und schrittweise weiter aufgespannt werden, bis die Sehene eingehängt werden kann. Es ist auch Hilfreich auf der Unterseite der Biegebank leisten zu fixieren, die das Einspannen in eine Werkbank ermöglichen. Vorlagen bei M. Wolf und A. Karpowicz [B6, B7].
Tillern bezeichnet den Vorgang, bei dem ein Bogen so bearbeitet wird, dass sich die Wurfarme regelmässig biegen, sodass das gewünschte Auszugsgewicht bei der richtigen Auszugslänge erreicht wird. Hierzu ist eine Tillerwand sehr hilfreich. Der Bogen wird auf einem Winkeleisen an der Wand aufgelegt. Über ein Seil, das via Umlenkrolle an der Sehne angebracht wird, kann der Bogen ausgezogen werden. Um gleichzeitig das Gewicht festzustellen, wird zusätzlich eine Waage (ca. CHF 130.-) eingehängt. Die Saklierung an der Wand zeigt die Auszugslänge in Zoll.
Ein Bogen sollte möglichst so aufgespannt werden (um die Sehene einzuhängen), dass sich beide Arme gelichmässig biegen; ansonsten drohen Schäden am Bogen oder Verletzungen des Schützen; dies gilt besonders bei Recurve- und Kompositbögen. Eine sichere Möglichkeit bietete hier eine Spannschnur, die an den Tips des Bogens befestigt wird. Man stellt sich mit einem Fuss auf die Spannschnur und zieht den Bogen soweit auf, dass die Sehene in die Nocken eingehängt werden kann. Vorlage bei V. Hübschmann in [B8].
Masse der Bogenabschnitte, Masse der benötigten Holzteile für den Kern
(Längenmasse in Zoll)
Folgende Ziel-Masse wurden festgelegt:
Gesamtlänge: 46 Zoll; Breite der Wurfarme: 1.18 Zoll;
Gewicht: 40 - 50 Pfund; Winkel im Siyah: 150°.
Da sich Griff-, Sal- und Siyah-Teile des Holzkerns durch die Spleissverbingungen überlappen, wurden für die enstprechenden Holzstücke folgende Längenmasse benötigt:
Griff: 12 Zoll; Sal: 17 Zoll; Siah: 9 Zoll.
Weitere Mass-Angaben sind im nächsten Abschnitt dokumentiert.
Griff: Ahorn mit liegenden Jahrringen für optimale Stabilität. Nur der mittlere Teil dient später als Griff, die beiden Keile auf der Seite werden mit dem Sal verspleisst.
Siyahs: Robinie mit stehenden Jahrringen an der Stirnseite. Dies ist nötig, damit die Sehne später den Siyah unter Zugspannung nicht spalten kann.
Sal: Ahorn mit liegenden Jahrringen. Der Sal wird später mit Griff und Siyah verspleisst.
Planskizzen mit Massangaben sowie Fotos der Rohlinge finden sich in den nebenstehenden Abbildungen.
Die Hornplatten wurden vorgefertigt (ca. 600 x 45 x 7 mm) bei Noorbabastore (Indien) gekauft.
Die Platten wurden zuerst mit dem Schweifhobel, auf die Masse 600 x 35 mm abgepasst und anschliessend mit einer Hufraspel (grob) und Ziehmesser (fein) auf 3 mm Dicke gebracht.
Es ist erstaunlich, wie flexibel und elastisch der Hornstreifen wird, wenn er dünner gemacht wird (siehe nebenstehende Abbildungen).
Holz und Horn werden miteinander verleimt. Um eine grösstmögliche Klebefläche zu erreichen, die den grossen Kräften standhält, werden mit Hilfe eines Zahschabers Rillen in beide Teile geritzt, die ineinandergreifen.
Tiefe der Verzahnung: 1 - 2 mm
Ein Winkeleisen, das am Sägeblatt festgeklemmt wurde erleichterte das regelmässige Führen der Säge.
Die Rillen wurden vor dem Aussägen des Spleisses eingearbetet.
Vor dem Verleimen wurden die Holz-Salrohlinge sowie die Hornstreifen gedämpft um sie in eine gebogene From zu bringen. Dies dient dazu, dem Bogen einen Reflex zu verleihen, der später zu einer Vorspannung wird, welche mehr Kraft speichern kann.
Dämpfen: 15 Minuten
Fixieren der Teile auf der Biegeform
Auf der Biegeform auskühlen und trocknen lassen. Das Horn ist sofort nach dem Auskühlen stabil. Holz muss zusätzlich noch trocknen; je nach Temperatur und Feuchtikeit: ca. 1 Stunde bis über Nacht.
Anzeichnen der genauen Masse (Länge, Breite und Mittellinie der späteren Wurfarme) sowie der Spleisse
Aussägen der Spleisse mit einer feinen Japansäge. Da der Rohling sehr dünn ist (5 mm) ist es wichtig, die Säge flach zu führen um ein Einreissen zu verhindern.
Ausarbeitung der genauen Passung zwischen den zusammengehörenden Spleiss-Verbindungen mit der Feile.
Anzeichnen der genauen Verleimungsstelle auf den Rohlingen.
Hasenleim-Granulat (dictum) in Wasser quellen lassen. Zwei Verdünnungen: 15% und 35% (w/v); anschliessend im Wasserbad auf 40° C erwärmen - Leim wird flüssig.
Leimstellen mit Aceton entfetten
Leimstellen 2 mal mit 15%-Leim einpinseln, damit sich die Holzporen vollsaugen können und die Leimfuge später nicht "verhungert".
Leimstellen mit 35% Leim einpinseln; Spleisse zusammenfügen und mit Klemmen fixieren.
Kleine Lücken im Spleiss können anschliessend mit 35%-Leim aufgefüllt werden.
Fixation beibehalten, bis Leim vollständig geliert ist.
Bauchseitig überstehendes Holz an Griff und Siyahs absägen und -raspeln (für einen durchgehenden Bauch.
Einarbeiten der Verzahnungsrillen in Griff und Siyahs.
Fomen des Griffes mit auslaufenden Spleissen.
Formen der Siyahs mit auslaufenden Spleissen.
Überprüfen der Passung zwischen Horn und Holz; Anpassen der Länge der Hornplatten.
Zweimaliges Einpinseln von Holz und Horn mit 15%-Leim. Die erste Leimschicht zieht (auch beim Horn!) rasch und vollständig ein. Nach der zweiten Schicht glänzt die Oberfläche leicht, was anzeigt, dass die Poren mit Leim gefüllt sind.
Einspannen des Holzkerns in die Geradleiste (Bauch nach oben).
Grosszügiges Einpinseln des Holzkerns mit 35%-Leim. Auflegen der Hornlage.
Festbinden der Hornlage mit einer Schnur (sehr straff - diese Arbeit haben wir zu zweit gemacht). Es ist ein gutes Zeichen, wenn dabei Leim aus der Fuge tropft - dann war genug Leim vorhanden. Allfällige Lücken können später noch mit Leim gefüllt werden (auch nach dem Trocknen).
Straussensehnen mit einem Hammer auf harter Unterlage (z.B. kl. Amboss) "weichklopfen".
Sehnen in dünne Fäden von ca. 1 mm Dicke zerfransen.
Sehnen zu Bündeln gleicher Länge à 2 g verschnüren (lange, mittlere, kurze)
Aus drei Straussensehen (Verpackungseinheit im Tierhandel) mit einem Gewicht von 140 g können ca. 30 g Sehnenfäden produziert werden. Für den Bogen (drei Sehenlagen) wurden ca. 90 g Sehne benötigt.
Die Abfälle können zur Produktion von Leim verwendet werden.
Prinzip: Es werden drei Sehnenlagen aufgeleimt. Jede Lage muss mindestens 2 Wochen trocknen, bevor die Nächste darüber kommt. Anschliessend lässt man die fertige Sehenlage mindestens 3 Monate vollständig austrockenen. Pro Arm und Sehnenlage werden 15 g (trockene) Sehenfäden verwendet.
Bogenrücken mit Aceton entfetten und anschliessen 2 x mit 15%-Leim eingepinseln.
Sehnenbündel in kaltem Wasser aufweichen, auskämmen, glattstreichen und auf einem nassen Tuch für den Gebrauch bereitlegen.
Bogen während dem Auflegen der Sehne mit Heizstrahler warm halten (ca. 30° C)
Sehnen bündelweise in 35%-Leim tunken, abstreifen, auf den Bogen auflegen und glattstreichen (Verlegeplan siehe nebenstehende Abbildung).
Sehne wird auch über den Rand bis ca. 5 mm auf den Bauch des Bogens verlegt.
Die Siyahs werden am Siyah-Knick rückenseitig auf 2 cm und bauchseitig auf 0.5 cm verschmälert, sodass ein dreieckiger Querschnitt entsteht. Zum Siyah-Ende hin wird dieser zu einer schmalen Spitze (ca. 0.5 cm) verjüngt.
2 cm unterhalb der Siyah-Spitze werden mit Säge und Stechbeitel Nocken von 8 x 8 mm eingearbeitet, leicht schräg in Zugrichtung (1 mm Versatz).
Da beim Einarbeiten der Nocken ein Stück des Siyahs abgeborchen war, musste noch eine Sehenwicklung am Siyah angebracht werden. Diese wird bei sehr starken Bogenmodellen auch "vorsorglich" angebracht. Sie verhindert ein Aufspalten des Siyahs durch den Druck der Sehne.
Auf der Bauchseite des Griffes wird zwischen die Hornstreifen ein Knochenstück (Tschelik) eingeleimt.
Sehnensättel werden aus Rinderknochen (25 x 25 x 15 mm) grob geformt und am Siyah-Knick in direktem Kontakt zum Horn aufgeklebt (35%-Leim). Anschliessend werden die Sättel mit der Feile fertig ausgeformt.
Auf der Biegebank wir der Bogen schrittweise so weit eingebogen, dass eine Sehne eingehängt werden kann. Hierfür ist ein Auszug von 16 cm erforderlich.
Um das zu erreichen, wird auf der Bauchseite (beim Horn) auch wiederholt Material abgetragen (mit dem Zieheisen), bis die Wurfarme "mit vernünftigem Krafteinsatz" gebogen werden können und sich möglichst gleich und gleichmässig biegen.
Anfangs war die Spannung im Bogen noch so stark, dass wir hier zu zweit zusammenarbeiten mussten: Eine Person bog den Arm (unter Aufwand der Kraft beider Arme) und die zweite Person steckte jeweils den Haltebolzen ein. Wir schätzten das anfängliche Zuggewicht auf 70 - 80 Pfund.
Nachdem wir den Bogen und uns auf diese Weise "geplagt" hatten, konnte dann eine Person alleine die Wurfarme bis auf 16 cm (einhändig) ausziehen und schlussendlich die Sehne einhängen.
Prinzip: Beim Vorgang des Tillerns wird der Bogen auf der Tillerwand ausgezogen, wobei der Auszug immer nur bis zum gewünschten Gewicht geht. Die horizontalen Linien der Tillerwand verdeutlichen wie und wie weit sich die beiden Wurfarme biegen. Durch Materialabnahme am Bauch des Bogens (dort, wo sich die Arme noch zu wenig biegen), wird eine gleichmässige Krümmung (und damit Kraftverteilung auf den Wurfarmen) erreicht. So wird der Bogen laufend mehr geschwächt, bis beim gewünschten Auszuggewicht, die benötige Auzuglänge erreicht wird.
Verdrehungen der Arme werden beim Kompositbogen durch punktuelle Erhitzung der Hornlage (Heissluftföhn) und Fixierung des Bogens (geht auch von Hand) in der gewünschten Lage, ausgeglichen. Nach dem Abkühlen bleibt das Horn in der neuen Lage stabil.
Angestrebtes Zuggewicht: 40 - 50 Pfund bei 26 Zoll Auszug.