Nach diesem Grundsatz bereiten wir unsere Klassen im Schwerpunktfach Biologie-Chemie gezielt auf eine Maturaarbeit vor. Bei nicht vorbereiteten Schülerinnen und Schülern stellt sich für uns als Betreuer immer die Frage, wie stark wir auf den inhaltlichen und strukturellen Teil einer Maturaarbeit Einfluss nehmen sollen und müssen. Bei einer intensiven Betreuung muss man sich zudem die Frage gefallen lassen, ob man nun die Schülerinnen und Schüler bewertet oder sich selbst als Betreuer. Auf der anderen Seite kann eine schlechte Arbeit einer nicht vorbereiteten Schülerin oder Schüler ein Hinweis darauf sein, dass die Betreuungsperson ihre Aufgabe zu wenig gut wahrgenomman hat. Das war für uns die Motivation, unsere Schwerpunktfach-Klassen ab 2003 gezielt auf eine Maturaarbeit vorzubereiten.
Im naturwissenschaftlichen Unterricht wird häufig zuerst eine Theorie erarbeitet (abstrakte Ebene) und danach exemplarisch im Labor angewendet (konkrete Ebene) oder umgekehrt anhand eines praktischen Beispiels die theoretischen Grundlagen unterrichtet.
Dabei fehlt der zentrale Aspekt einer Maturaarbeit: eine Diskussion (Reflexion), die ein konkretes Beispiel mit der allgemeinen Theorie verknüpft.
Um diesen Aspekt zu üben, müssen unsere Schwerpunktfach-Klassen drei grössere Projekte als PBL-Fall lösen (PBL: problem based learning). Tipps erhielten wir von Dr. Barbara Stadelmann und Dr. Banu Yürüker, die an der medizinischen Fakultät der Universität Bern die ersten beiden Studienjahre koordinieren.
Weitere Ideen erarbeiteten wir vorgängig im Rahmen einer Weiterbildung an der PH Bern bei Prof. Peter Labudde und Prof. Peter Heiniger zum Thema "Beurteilen im fächerübergreifenden Unterricht".
Die drei Projekte werden immer als Gruppenarbeit durchgeführt, wobei die Gruppenzusammensetzung nie identisch sein darf. Die Arbeitsaufträge sind dabei so umfangreich, dass nicht jedes Gruppenmitglied alle Aufträge erledigen kann. Eine gute Absprache, Zusammenarbeit und gegenseitige Verknüpfung des gelernten Stoffs ist deshalb unabdingbar und erfolgt in begleiteten Gruppentreffs (Tutorien).
Im Rahmen des Projekts "selbst organisiertes Lernen" im Kanton Bern wurden die Projekte mit einem Portfolio ergänzt, das die Schülerinnen und Schüler nach dem ersten Projekt erhalten.
Die Note setzt sich aus einer für alle Gruppenmitglieder identischen Gruppennote und einer gleich gewichteten individuellen Note zusammen. Die Gruppennote basiert auf einem Bericht (erstes Projek), einem Vortrag (zweites Projekt) oder einem Poster (drittes Projekt). In den letzten Jahren musste das Poster zusätzlich durch eine Internetseite ergänzt werden. Als Bewertungsgrundlage dient dabei der Leitfaden für die Maturaarbeit unserer Schule und der Leitfaden der ETH zur Gestaltung von Postern über Maturaarbeiten. Die individuelle Note wird an einer mündlichen Prüfung, die eine mündliche Maturprüfung simuliert, ermittelt. Entsprechend der Teilnahme an den Tutorien kann bis zu einer halben Note auf- bzw. abgerundet werden.
Dieses Unterrichtskonzept wurde bereits mehrfach präsentiert und auch dokumentiert.
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