Bildschirmfoto der Seminarsitzung am 19. Februar 2021. Foto: Anke Rees

Zur Entstehung dieser Online-Ausstellung

Diese Webseite ist das Ergebnis des Projektseminars „Curating the Invisible: Lagerhaus G. Eine digitale Ausstellung zu den Wissenspotentialen des Dessauer Ufers“. Es hat im Arbeitsfeld „Public History“ an der Universität Hamburg unter Corona-Bedingungen als Webinar im Wintersemester 2020/21 stattgefunden. 13 Bachelor- und Masterstudierende aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die meisten aus den Geschichtswissenschaften, haben die Inhalte mit großem Engagement erarbeitet. Sie haben nicht nur inhaltlich recherchiert, sondern die Inhalte auch für dieses Ausstellungsformat kuratiert und redaktionell ausgearbeitet.

Die Seminarteilnehmenden haben dabei selbst entschieden, welche Aspekte ihnen zum Thema Lagerhaus G wichtig sind und in welcher Form sie diese vermitteln möchten. Immer wieder wurden dabei die Fragen diskutiert: Wie schreibt man Geschichte? Wie wollen wir für die Online-Ausstellung die Geschichte dieses Ortes und der mit ihm verbundenen Menschen (weiter)schreiben? Was soll dokumentiert und was analysiert werden? Sollen (politische) Haltungen explizit eingebracht werden oder passiert das ohnehin bereits durch die Auswahl der Themen und der gewählten Darstellungsform? Die Vielstimmigkeit der Antworten auf diese Fragen soll hier lesbar werden. Daher unterscheiden sich die Beiträge der Online-Ausstellung nicht nur in ihren Herangehensweisen und Umsetzungen, sondern auch formal.

So haben die Studierenden zum Beispiel beschlossen, nicht die Erwartungshaltungen zu bedienen, die visuell mit bestimmten Themen verknüpft sind. Mit ihrer Art der Präsentation brechen sie daher bewusst mit vielerorts geläufigen Sichtweisen auf die Zeit des Nationalsozialismus, zum Beispiel mit der Reproduktion von Opferdarstellungen. Statt Abbildungen von Häftlingen in blau-grau gestreifter Kleidung finden sich deshalb Fotografien von Überlebenden in Alltagssituation in ihrem Leben vor ihrer Inhaftierung oder nach 1945, zum Beispiel bei ihrem Engagement für Aufklärung und Frieden in der Gedenkstättenarbeit. Auch haben die einzelnen Seminarteilnehmenden jeweils die Art von geschlechtergerechter Sprache gewählt, die sie als die beste Variante für ihre virtuelle Darstellung ansehen. Um zum Weiterdenken anzuregen, präsentieren sie dazu übrigens zwei durchaus unterschiedliche Sichtweisen, zu finden in der Rubrik "Geschichte und Gender".

Auf diese Weise werden in dieser Online-Ausstellung nicht nur die Facetten der Geschichte des Lagerhaus G sichtbar, sondern auch die Perspektiven der jeweiligen Autorinnen und Autoren.

Die Kursteilnehmenden und ich wünschen Ihnen und Euch interessante Erkenntnisse beim Entdecken dieses größtenteils noch unbekannten Stücks Hamburger Geschichte.

Dr. Anke Rees

Lehrbeauftragte, Public History

Fachbereich Geschichte | Universität Hamburg