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Haupthangar

Vom Hangar 1 zum Terminal des Airport Weeze
Fast 20 Millionen Passagiere und weitaus mehr Besucher haben das Terminal des Airport Weeze seit der Eröffnung des Flughafens im Jahre 2003 durchschritten.

Die wenigsten von ihnen wissen allerdings über die Geschichte des großen Gebäudes, das einen interessanten historischen Hintergrund hat, Bescheid.









Hangar 1 - Royal Air Force Laarbruch

Auf dem Royal Air Force Flugplatz Laarbruch diente der Hangar 1 seit Januar 1955 (formelle Eröffnung der Basis war am 15.10.1954) als Wartungshangar für die Flugzeuge des britischen Stützpunktes und besuchender NATO-Partner.

Keine 50 km vom Flughafen entfernt, wurde das Stahlgerüst von Stahlbau Rheinhausen (später Krupp) gefertigt und in Bremen auf dem Gelände der Weser-Flug-Bremen errichtet. Im Außenwerk der Weser AG Werft wurde die Flugzeughalle als Gebäude 210 gebaut. Das Datum des Konstruktionsplanes weist den 25.11.1936 aus.


Datum 25.11.1936   Stahlbau Rheinhausen 
Flugzeughalle Bremen Weser-Flug-Bremen
Gebäude 210

127 m lang – ca 76 m breit

Obwohl Bremen und das Werftgelände während der Kriegsjahre von heftigen Bombardements durch die Alliierten betroffen waren, blieb diese Halle relativ unbeschädigt. 
Eine Karte zeigt, dass das Werk Bremen der Weserflug AG  durch einen Bombenteppich stark zerstört wurde. Die Halle 210 wurde jedoch lediglich durch 3 Bombeneinschläge in Mitleidenschaft gezogen.
Bombenangriff vom 5.9.1942

Auf den alliierten Luftaufklärungsfotos vom 7. April 1945 ist Halle 210 markiert und zeigt keine Beschädigungen.
 
In der Halle 210 im Außenwerk im Industriehafen fand hauptsächlich die Endmontage des Sturzkampfbombers STUKA Ju 87 statt.  Im Sommer 1944 wurde die Produktion eingestellt, da das Modell mittlerweile veraltet war. Die Produktion wurde umgestellt auf das Jagdflugzeug Focke-Wulf FW 190. Wahrscheinlich wurden ab Sommer 1944 Rümpfe oder Komponenten der FW 190 im Hangar 210 hergestellt. (noch keine Fotos vorhanden)
https://lh4.googleusercontent.com/-QS9ZnYJo_4k/VD_NAGoJpeI/AAAAAAACIAk/70KfjJEatfs/w1241-h794-no/Weserflug_Ju-87-Stuka_vor_Halle-210.jpg
Endmontage der Ju 87 B im Werk Bremen

 Hangar 210 stand im Hafengelände ohne direkte Verbindung zu einer Startbahn. Nach Fertigstellung der Flugzeuge wurden diese daher auf einen Fährprahm verladen und quer über die Weser zum benachbarten Weserflug -Werk Lemwerder gebracht. Dort gab es eine ebenfalls in den 30er Jahren eingerichtete Start- und Landebahn.  

Text aus www.relikte.com 
Die Platzverhältnisse auf dem eigentlichen Werftgelände in Bremen ließen den Aufbau eines Flugzeugwerkes nicht zu. Die A.G. "Weser" verfügte im Industriehafengebiet zwischen den Becken C (Kohlenhafen) und D (Kalihafen) über eine nutzbare Fläche, das sogenannte Außenwerk. Das Reichsluftfahrtministerium legte fest, auf diesem Areal ein Schattenwerk für den Flugzeugbau zu errichten. Als Betreiber gründete die Deschimag die Firma "Weser"-Flugzeugbau GmbH (WFG), kurz auch Weserflug genannt. Am 14. April 1934 ist sie in das Handelsregister eingetragen worden. ...
Am 13. Februar gleichen Jahres ordnete Hermann Göring an, daß Weserflug ein weiteres Werk mit eigenem Flugplatz bauen sollte, damit auch die Endmontage von Flugzeugen inklusive anschließendem Einfliegen durchgeführt werden konnte. Gleich hinter der Stadtgrenze von Bremen fand sich am Südrand der Ortschaft Lemwerder eine geeignete Fläche. Dort, am Westufer der Weser, konnte ein Werk mit angeschlossenem Flugfeld errichtet werden. Für den Transport von Flugzeugteilen oder ganzen Flugzeugen über den Wasserweg wurde im Januar 1937 ein Fährprahm in Betrieb genommen, der zwischen Außenwerk und Lemwerder pendelte.
Ende 1936 erhielt die "Weser"-Flugzeugbau GmbH den Lizenzbauauftrag für den Sturzkampfbomber Junkers Ju 87. Die erste Maschine konnte im Dezember des Folgejahres fertiggestellt werde. Da die Firma Junkers mit Aufträgen überlastet war, übertrug das Reichsluftfahrtministerium Ende 1938 die komplette Programmverantwortung für die Ju 87 auf Weserflug. Im Standort Bremen, mit Einflug in Lemwerder, sind 3.720 Maschinen dieses Typs gebaut worden. 
Auf Veranlassung durch das Reichsluftfahrtministerium wurde im Sommer 1944 die Produktion der inzwischen veralteten Ju 87 eingestellt. Weserflug erhielt nun Bauaufträge für ein anderes Muster. Bis zum Kriegsende wurden daraus 224 Jäger Focke-Wulf Fw 190 abgeliefert. Daneben lief die Fertigung von weiteren 898 Fw 190-Rümpfen, sowie weitere Komponentenherstellung.

Heute sieht das Hafengelände vollkommen verändert aus. In den Jahren nach dem Krieg wurden nach und nach alle Trümmer und Restgebäude abgerissen. Auf dem Platz, wo unser Hangar 210 sich befand, steht ein modernes Kraftwerk.
 
Ein englischer Text aus dem Laarbruch Listener (Januar 1977), der kostenlosen Monatszeitschrift von RAF Laarbruch, beleuchtet ebenfalls die Herkunft und Bedeutung des Hangars.

“Bremen” Hangar
…. Built originally in the mid-1930s at Bremen, North Germany, it spent its early life there, until along came 1954 and the contractor Herr Krupp, who set about the task of dismantling the hangar and transporting it by road to its present location at RAF Laarbruch. Although the assignment did not include the last brick, the metal superstructure was certainly dismantled at Bremen and re-erected here, which is why to some of our "Deutsche" partners it is known as the Bremen Hangar. ….

Der Bau des Flugplatzes Laarbruch war der letzte, der unter Reparationsbedingungen stattfinden konnte. So wurde auch die Halle 210 in Bremen demontiert und auf Laarbruch wieder errichtet. Natürlich wurde nicht jeder Stein von Bremen nach hier transportiert, aber das stählerne Gerüst wurde von Krupp ab- und auf Laarbruch wieder aufgebaut. Leider hat das Krupp-Archiv keine Unterlagen mehr zu dieser Aktion.
 
Seitenansicht des Plans 1954

 


Die formelle Inbetriebnahme des Flugplatzes war am 15.Oktober 1954. Zu diesem Zeitpunkt war der Haupthangar 1  noch im Bau. (s. Fotos vom Oktober 1954) Die Inbetriebnahme erfolgte dann verspätet im Januar 1955.
Die Benennung des Hangars änderte sich von Zeit zu Zeit. Anfangs war vom Tech Wing Hangar die Rede (technische Abteilung).
Kurze Zeit arbeitete in den späten 50er Jahren auch die Modification Unit im Hangar (Änderungs-/Umbaueinheit). Flugzeuge anderer RAF-Basen wurden hier modifiziert bzw. modernisiert.
Zwei Hawker Swifts und eine Hawker Hunter - Flight Foto 1959

Später war es der MEAS Hangar, bevor die Bezeichnung ASF Hangar oder auch VASF Hangar gebraucht wurde.
MEAS = Mechanical Engineering Aircraft Service – Flugzeug-Mechanik-Service
ASF = Aircraft Servicing Flight – Flugzeugwartungseinheit
VASF = Visiting Aircraft Servicing Flight - Wartung für besuchende Flugzeuge


Einige frühe Fotos aus dem Innern des riesigen Gebäudes zeigen z.B. die Verleihung einer neuen Standarte an die 31. Staffel (Sept. 1956).
  
Air Chief Marshal Sir W. Alec Coryton …                Im Hintergrund eine English Electric Canberra PR7
                                                                                     (Aufklärer der 31 Sqn – „The Goldstars“ )
 

 
1958 - Canberras im Hangar 1                             Auch die Canberra PR3 (69 Sqn) mit der Registration  
                                                                         WE 139 wurde im Hangar 1 gewartet.  Dieses Flugzeug
                                                                         war der Gewinner eines Rennens von Großbritannien 
                                                                         nach Neuseeland im Jahr 1953.
                                                                         (Dieses Flugzeug steht nun im RAF Museum  Hendon.)
 
Renovierung

Im Jahre 1987 stand eine mehrere Monate dauernde größere Renovierung des Hangars an, die auch den Boden und das Dach umfasste. Die Gelderner Bauunternehmung Fonteyne zeichnete verantwortlich. 
Der Artikel im Laarbruch Listener vom März 1988 beschreibt die Wiederinbetriebnahme nach elf Monaten intensiver Arbeit. 4 Millionen DM wurden verbaut und in die Moderniserung von u.a. Dach und Boden investiert.  
Wie bereits in mehreren Veröffentlichungen vorher wurde auch hier fälschlicherweise von einem ehemaligen U-Boot-Hangar gesprochen. Diese Mär wird bis heute bei Führungen verbreitet.
Recherchen des Royal Air Force Museums konnten nun nachweisen, dass der Hangar zwar aus Bremen stammt, aber dass in ihm Flugzeuge und keine U-Boote gebaut wurden.

 
1973 Buccaneer S2B – XV Squadron                     1980 Hawker Hunter und Búccaneer


Vor dem 1. Golfkrieg berichtet der Laarbruch Listener von den notwendigen Umbau- und Wartungsarbeiten an den Tornados der 4 Laarbrucher Staffeln, die alle im Januar 1991 nach Saudi-Arabien verlegt wurden und von dort am Feldzug gegen Saddam Hussein teilnahmen.

Im November 1990 ist außerdem die britische Königin Queen Elizabeth II, wie schon etliche Royals zuvor, zu Besuch auf Laarbruch. Im Hangar 1 besucht sie die Soldaten der Basis und inspiziert die Waffensysteme.
 

1992 - 1999

Die Phase nach dem Golfkrieg sieht den Abzug aller Tornado-Staffeln.
Harrier und Hubschrauber gehören nun zum gewohnten Bild über Weeze und im Hangar 1.
  
 


Abzug der Briten

Während des Abzugs der Briten bis zum Jahre 1999 finden Abschiedsparaden statt, ...
 
... bevor das Gebäude besenrein an die deutschen Behörden übergeben wird. 

Entkernung - Neugestaltung
In den folgenden Jahren findet der Umbau zum modernen Terminal des Airport Weeze statt.
  
 
 

Und so sieht es heute aus:
 
 

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Wen es interessiert: Es gibt einen weiteren Hangar auf dem Gelände des Airport Weeze, der mit einem norddeutschen Spitznamen versehen wurde, der Hamburg Hangar, das Gebäude 102, das jetzt von der Firma GASCO genutzt wird. Hier sind noch weitere Recherchen notwendig.
 


Quellen:
Archiv und Pressefotos Airport Weeze 
www.airport-weeze.de

Archiv Royal Air Force Museum Laarbruch Weeze
www.laarbruch-museum.net
www.laarbruch-museum.de

Wenz, F.-Herbert 
Chronik des Lemwerder Flugzeugwerkes 1935 - 1963 
Stedinger Verlag, Lemwerder; 1. Auflage 1995; ISBN: 3 - 927 697 - 14 - 1 

Kurze, Peter 
Geschichte der Luftfahrt in Bremen, Flughafen, Flieger und Flugzeuge, Focke-Wulf, Weserflug und Raketengesellschaft 
Bogenschützverlag Bremen, 1. Auflage 1995; ISBN: 3 – 927 485 – 03 – 9 

Stand: 19.10.2014





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Heinz-Willi Knechten,
19.10.2014, 07:31
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