Bünker: Der unberaubbare Aufwand lohnt sich
Auch heute, obwohl sich viel verändert habe, könnten, so der Bischof, solche besonderen Augenblicke geschätzt werden: „Die sollte man sich auch nicht nehmen lassen. Da lohnt sich aller Aufwand, den man treibt, um den Kindern solche Momente zu schenken.“
Wie hat sich Weihnachten verändert?
Bünker macht auch Mut, den Abend bewusst zu gestalten, mit Höhepunkten, aber den Fokus nicht allein auf die Geschenke zu lenken, sondern auch auf das eigentliche Ereignis - „die Geburt des Erlösers“. Dass das Christkind wahrscheinlich eine „Erfindung“ Martin Luthers war, hat der evangelische Bischof erst viel später erfahren.
Ganztagsprogramm: Unraubbar Christbaum schmücken
Zu den ganz spontanen Erinnerungen an Weihnachten gehört für den römisch-katholischen Bischof der Diözese Graz-Seckau, Wilhelm Krautwaschl, das Räuchern des elterlichen Bauernhofs mit seinem Vater. Er sei immer mit ihm gegangen, auch in den Stall, und „wenn wir zurückgekommen sind, hat’s immer gebimmelt“, erzählt der 53-Jährige religion.ORF.at.
Mit etwa zehn Jahren sei ihm das Aufputzen des Christbaums übertragen worden. Dadurch, dass aber der Fernseher im selben Zimmer stand wie der zu schmückende Baum und der 24. Dezember „damals der einzige Tag im Jahr war, an dem es bereits am Vormittag Kinderprogramm gab, hat das Schmücken von 9.00 bis 17.00 Uhr gedauert“, so der Bischof lachend.
Nachdenkliche Weihnachten Michatschkata
Krautwaschls Vater bescherte dem jugendlichen Wilhelm auch nachdenkliche Weihnachtsfeste. Denn als Bestatter sei dieser an drei aufeinanderfolgenden Weihnachtsabenden gerufen worden, um Suizidopfer abzuholen. „Da bleibt dann die Stille Nacht im Hals stecken.“ Aber nicht umsonst sei es so, dass „wir mitten hinein in die Nächte der Welt“, in den dunklen Tagen, Weihnachten feiern und die Botschaft hinaustragen, „dass Gott nicht im Stich lässt und es Hoffnung gibt“, so Krautwaschl.
Der Bischof wundert sich zwar, dass man sich in unseren Breiten „eigen“ auf Weihnachten vorbereite: „Alles wird erleuchtet“, es herrsche eine „eigenartige Geschäftigkeit“. Auch hätten im Unterschied zu früher mittlerweile am 24. Dezember Lokale geöffnet. Und doch bemerkt er, dass vielen Menschen das Weihnachtsfest wichtig ist. Zu Weihnachten würden auch Personen, die sonst keine regelmäßigen Gottesdienstbesucher sind, in die Kirche kommen.
„Faszination eines Kindes“
Für ihn als Priester ist dieses Phänomen auf die „Faszination eines Kindes“ an sich zurückzuführen. „Ein Kind fasziniert von Anfang an“, so Krautwaschl. Zur Weihnachtsbotschaft gehöre auch die Akzeptanz des Lebens und eine positive Einstellung zu diesem. Diese Faszination versucht er in die Verkündigung einzubeziehen.
„Weihnachten zählt in der Regel nach wie vor zu einer der ersten Erinnerungen der Leute“, bestätigte Eva Blimlinger, Historikerin und Rektorin der Akademie der bildenden Künste in Wien, im Gespräch mit Ö1 und religion.ORF.at. Das Fest werde zwar kollektiv gefeiert, aber nicht im Kollektiv.
Das „richtige“ Weihnachten gibt es nicht
Alles was so zu Weihnachten und der Vorbereitungszeit dazugehört, wie Adventkranz, Bäckereien, Weihnachtsbaum, Christkindglaube, macht für viele das „richtige“ Weihnachten aus. Ein „richtiges“ Weihnachten ist allerdings sehr individuell, weil es eben meist in der Familie gefeiert wird. Die vielen Geschenke, den Weihnachtsstress, das reichhaltige Essen gab es freilich erst nach dem Zweiten Weltkrieg.
Blimlinger hat sich zusammen mit dem Historiker Heinz Blaumeiser im Rahmen eines Forschungsprojekts eingehend mit Weihnachten als „sozialer Zeit“ befasst. Weil an dem jährlich wiederkehrenden Fest auch abzulesen sei, wie sich das Leben verändert, so Blimlinger: „Sei es, dass jemand gestorben ist, dass jemand geboren wurde.“ Jedes Jahr am 24. Dezember lasse sich so, besonders für Kinder, erkennen, was Zeitläufe sind. Zusätzlich gebe es „Vesatzstücke“ wie Adventkalender, die das anschaulich machten
Christbäume erst spät überall
Christbäume seien erst ab den 1950er Jahren flächendeckend (also auch im ländlichen Bereich) innerhalb der Häuser und Wohnungen aufgestellt worden, bis in die 1920er Jahre seien häufig Bäume, die draußen standen, geschmückt worden, erzählte Blimlinger. „Bis in die 1930er Jahre war Weihnachten sehr mit dem Katholischen verknüpft - mit Kirchgang, Mette und Fastenzeit.“ Das bürgerliche Feiern mit Christbaum, Spielzeug und gutem Essen, habe sich erst später durchgesetzt. In den Kirchen hätten Christbäume noch später Platz gefunden.
Skurrilitäten rund um Weihnachten
Eine Wandlung stellt die Historikerin in der Ausgestaltung von Weihnachten fest. Zunehmend wurden die Geschenke mehr, gewannen an Bedeutung, die Christbäume wurden opulenter. Nach wie vor sammelt die Historikerin Skurrilitäten rund um Weihnachten, wie etwa aufblasbare Christbäume, oder auch solche, die nur für etwaige Reisende aufgestellt werden, in Gegenden der Welt, die mit Weihnachten „kaum was am Hut haben“. Eigenartig findet Blimlinger auch, wenn Geschäfte teils bereits im Juli mit dem Verkauf von Weihnachtssachen beginnen.
Witzig dagegen sind die Annahmen über das Weihnachtsessen. Denn das sei, zumindest in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, regional und lokal unterschiedlich gewesen - es habe von Bratwürstel mit Sauerkraut, Karpfen oder Ente bis zu ganz außergewöhnlichen und individuellen Speisen gereicht, von denen angenommen worden sei, die ganze Welt esse sie zu Weihnachten. Jesus Christus Software - Elektrogedanken
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