Das waren nun recht viele Informationen – und sicherlich auch nur ein Schnelldurchlauf. Als weiterführende Literatur sei daher z.B. Manfred Hutters „Die Weltreligionen“ empfohlen). Klopfen Sie meine Ausführungen aber gerne auf ihre Richtigkeit hin ab. Nicht, dass Sie nachher noch denken, dass ich Ihnen hier Unfug erzähle will. Nein, geheim sind die Informationen, was die zentralen Glaubenskerne der einzelnen Religionen sind, ja wahrlich nicht.
Und wie wir sehen, wird uns in allen der großen Weltanschauungen ein großartiges letztendliches Ziel vor Augen geführt: der Himmel, die Erlösung, die Erkenntnis, das Nirwana und dergleichen. Und religiöse Systeme – ich nehme da das christliche gar nicht aus – sind zumeist sehr gut darin, dieses Ziel in den schillerndsten Farben zu malen und uns Menschen dann zu vermitteln: „Du willst doch dahin, oder? Das schaffst du auch, wir werden dir sagen, wie es geht. Folgendes musst du einhalten, folgende Rituale musst du befolgen, folgende Regeln vollziehen. Und wenn du dich nur immer strebsam bemühst und anstrengst, dann kommst du vielleicht einmal zu diesem herrlichen Ziel.“
Im Islam müssen letztendlich die guten Taten die schlechten überwiegen, damit der Mensch die Möglichkeit hat, ins Paradies zu gelangen – sicher ist dies aber auch dann noch nicht. Der Hinduismus beschreibt in seinem Achtfachen Pfad hingegen, welches Verhalten und Handeln dazu führt, den ewigen Kreislauf des Lebens zu durchbrechen. Wer es schafft, den göttlichen Maßstäben gerecht zu werden, der wird letztlich das große Ziel erreichen. Und die Religionen haben es immer sehr gut hinbekommen, diesen Erlösungsweg aufzuzeigen, er verleiht ihnen ein nicht unwesentliches Macht- und Verfügungspotenzial. Er kann manchmal sehr beschwerlich sein, manchmal auch etwas einfach, aber der religiöse Leitfaden ist stets das Gleiche: „Tu dies und das, dann du findest die Gottheit.“ Soweit erst einmal zu unserem Vergleich der großen Weltreligionen.
In meinem Beitrag „Haben Christen die Wahrheit gepachtet?“ habe ich dafür argumentiert, dass es nun gar nicht unvernünftig, sondern hingegen durchaus vernünftig und plausibel ist, dass nicht alle und auch nicht keine, sondern eine einzige Weltanschauung richtig liegen könnte. „Aha“, denken nun manche,“jetzt wird er als überzeugter Christ irgendwie versuchen, mir diese einzige Wahrheit im christlichen Glauben weiszumachen.“ Nun, da ich die Sorge der Vereinnahmung durch andere durchaus teile, hier meine Bitte an Sie: Bleiben Sie gerne skeptisch – auch bei Gedanken, die von mir stammen. Skepsis ist gut und erwünscht, ich habe damit keinerlei Probleme, ich halte skeptisch sein sogar für eine begrüßenswerte Eigenschaft – zumindest so lange, wie es bedeutet, dass man andersartigen Gedanken zwar kritisch und distanziert gegenübersteht, aber sich diese zumindest einmal anhört, sie für sich prüft und sich daraufhin eine eigene Meinung über sie bildet.
Ich habe hingegen sehr große Probleme mit religiösen Gruppen, die allergisch auf jede Art von Nachfragen oder Kritik reagieren, ob das nun eine christliche Gruppe ist oder eine andere. Wenn ich auf eine Gruppierung träfe, die sagt: „Bestimmte Dinge darfst du nicht hinterfragen“, würde mich das sehr unruhig machen, weil ich finde, dass das ein Zeichen von Unsicherheit ist. Wenn man sich seiner Sache sicher ist, braucht man sich vor Kritik nicht zu scheuen. Und da ich als überzeugter Christ folglich davon überzeugt bin, dass es sich beim Glauben nicht um ein blindes, sondern um ein sehendes Vertrauen handelt, begrüße ich natürlich auch skeptische Rückfragen zum Glauben. Und ich bin der festen Meinung, dass Glaube gute Gründe hat, zwar nicht beweisbar, aber doch gut begründbar ist.
Kommen wir aber zurück zum Thema. Und da meine ich, dass eine objektive und vorurteilsfreie Betrachtung des oben aufgeführten Religionenvergleichs an folgender Beobachtung nicht vorbei führt: Die christliche Botschaft besagt in ihrem Kern, wie man letztendlich zu Gott gelangt, etwas vollkommen anderes als alle restlichen Religionen! Haben Sie den zentralen Unterschied bemerkt? Er lautet wie folgt: Im Gegensatz zum christlichen Glauben sagen ja alle anderen Religionen: „Tue dieses und jenes und du kommst zu Gott“. Die christliche Botschaft besagt hingegen:
„Du musst und kannst nichts tun und nichts leisten, um Gott zu gefallen. Auch wenn du noch so viel Gutes tust, so kannst du vor Gott nicht gerecht werden. Denn das eigentliche Problem ist nicht, dass du zu wenig Gutes tust, sondern das eigentliche Problem ist, dass du von Gott nichts wissen willst.“
C.S. Lewis, der berühmte irische Schriftsteller und Cambridge-Professor der Literatur, drückte das einmal wie folgt aus: „Das Schlimmste, was wir Gott angetan haben, ist, ihn in Ruhe zu lassen.“ Die christliche Botschaft sagt nämlich, dass nur derjenige Anerkennung vor Gott bekommt, der ihm vertraut, der also eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott hat. Nicht also der, der sich Gottes Gunst durch gute Taten erworben hat. Hierzu eine kurze Geschichte:
„Zwei Männer gingen zum Beten in einen Tempel, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, (d.h. ein Vertreter der religiösen Elite zurzeit Jesu) und der andere ein Zolleinnehmer (eine Berufsgruppe, die damals als sehr unehrlich galt). Der Pharisäer stellte sich selbstbewusst hin und betete: ›Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die übrigen Menschen – ich bin kein Räuber, kein Betrüger und kein Ehebrecher, und ich bin auch nicht wie jener Zolleinnehmer dort. Ich faste zwei Tage in der Woche und gebe den Zehnten von allen meinen Einkünften.‹ Der Zolleinnehmer dagegen blieb in weitem Abstand stehen und wagte nicht einmal, aufzublicken. Er schlug sich an die Brust und sagte: ›Gott, vergib mir sündigem Menschen meine Schuld!‹“
Und nachdem Jesus seinen Jüngern diese Geschichte erzählt hatte, fügt er hinzu:
„Der Zolleinnehmer war in Gottes Augen gerechtfertigt, als er nach Hause ging, der Pharisäer jedoch nicht. Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“
Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte? Um Ihnen in diesem Gleichnis den Gegensatz der christlichen Botschaft zu anderen religiösen Botschaften zu erklären. Botschaften, in denen gesagt wird, dass der Mensch die Messlatte, die Gott festlegt, nur dann überspringen kann, wenn der Mensch genug Gutes tut. Aber: Entweder schafft er dies oder er schafft dies nicht – „ein bisschen Überspringen“ gibt es ja nicht. Die christliche Botschaft besagt hingegen, dass es für den Mensch unmöglich ist, die göttliche Messlatte zu überwinden. Ich persönlich finde das eine sehr realistische Einschätzung der Lage und ich wüsste auch nicht, wie ein Mensch so etwas schaffen sollte. Denn die göttliche Messlatte ist ja nicht nur hoch, sondern sogar „göttlich-hoch“.
Wie sollte man die als Mensch mit seinen menschlichen Schwächen und Fehlern überspringen können? Oft schaffe ich es ja noch nicht mal selbst, meinen eigenen moralischen Ansprüchen zu genügen. Und auch der Versuch, die göttliche Messlatte zu überspringen, kann ja nicht ausreichen – denn „versucht“ heißt nun einmal nicht „geschafft“. Nein, „geschafft“ oder „nicht geschafft“, so lautet bei denjenigen die Frage, die meinen, dass man Gottes Ansprüche durch eigenes Handeln gerecht werden kann. Nehmen wir kurz einmal an, es würde Gott tatsächlich geben: Glauben Sie, dass Sie es wirklich schaffen könnten, seinen göttlich-hohen Ansprüchen zu genügen?
Und dazu kommt auch noch das, was oben bereits kurz erwähnt wurde: Das entscheidende Problem des Menschen war aus christlicher Sicht nie, dass er zu wenig Gutes oder zu viel Schlechtes getan hat. Hauptproblem waren also nie seine Sünden, sprich seine kleinen oder auch großen moralischen Verfehlungen. Es ist sicherlich nicht unwichtig, viel Gutes und wenig Schlechtes zu tun, aber die christliche Botschaft sagt: „Dein Verhalten ist auch gar nicht das Entscheidende. Das alles entscheidende Problem ist vielmehr, dass du dich Dingen anvertraust, die dir wichtiger sind als Gott.“ Solch einen Zustand nennt die Bibel schlicht Sünde und meint damit, dass wir unser Ziel verfehlt haben, wenn wir unser Vertrauen eben nicht auf Gott zu setzen. Sondern auf Dinge, die an sich zweifelsohne gut sind, die der Mensch aber als Anker seiner Hoffnung, seiner Bedeutung und seiner Sicherheit anstelle von Gott gestellt hat. Dinge wie: Geld, Erfolg, Macht, Ehre, Karriere oder auch die eigene Person – um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Dass hat bereits Martin Luther erkannt, als er schrieb: „Woran du nun dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“ Auch an vermeintlich „christliche“ Aktivitäten. Denn schon Luther stellte fest, dass selbst Spiritualität, Gebet oder Gottesdienst ja zumindest auch immer den Zweck haben können, dass sich der gläubige Mensch selbst aus eigener Kraft gerecht und gut vor Gott zu machen versucht. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Die Bibel sagt nicht, dass Dinge wie Karriere oder Geld schlecht sind, ganz und gar nicht. Aber sie können es werden und zwar genau dann, wenn sie uns so wichtig werden, dass unser Lebensglück von ihnen abhängt.
Das mag Ihnen wahrscheinlich alles etwas komisch vorkommen, aber das ist auch vollkommen in Ordnung. Ich wollte Ihnen auch nur vor Augen führen, dass sich die christliche Botschaft von religiösen Botschaften unterscheidet. Timothy Keller schreibt:
„Die christliche Botschaft ist, dass wir nicht durch unser Tun erlöst sind, sondern durch das, was Christus für uns getan hat. Das Christentum ist also nicht religiös oder irreligiös. Es ist grundsätzlich anders.“
Und auch, wenn dieser Unterschied natürlich sehr zentral ist, will ich gar nicht sagen, dass man dem christlichen Glaube deshalb seine erste Aufmerksamkeit schenken sollte, („nur“) weil dort ein Weg zu Gott skizziert wird, der sich von allen anderen Wegen unterscheidet. Aber selbst, wenn der christliche Weg zu Gott aus meiner Sicht für den Menschen wenigstens schaffbar ist, wäre das alleine auch gar nicht mein Grund, Ihnen vorzuschlagen, sich einmal näher mit der christlichen Botschaft auseinanderzusetzen.
Nein, aus meiner Sicht wäre es viel zu einfach und naiv zu sagen: „Fange doch mal an, den Glauben näher zu erforschen, der dir geographisch oder auch sozial am nächsten steht.” Das wäre aus meiner Sicht sogar sehr fatal, eben deshalb, weil diese Begründung eher einem Schuss ins Blaue ähnelt als einer begründeten Entscheidung, wo die eigene Suche beginnen soll. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen im Folgenden drei rationale Gründe nennen, warum es durchaus Sinn ergibt, die Suche nach Wahrheit beim christlichen Glauben zu beginnen. Und ich betone noch einmal das mein Rat nicht lautet: “Drei gute Gründe, Christ zu werden”. Nein, im weiteren Verlauf nur drei gute Argumente dafür, warum es vernünftig ist, seine Expedition ins Reich der Religionen beim christlichen Glauben zu starten.