Vor der Hofstelle in Thann (1918)
Das Hausdach ist noch strohgedeckt
Eheleute Simon (1875-1940) und Maria Prechsl (1888-1964),
geb. Wöhrl, Kratzertochter aus Zolling
Die drei Schwestern Prechsl
Dienst im Orden der Niederbronner Schwestern
Aus der Familie Prechsl in Thann traten drei Schwestern in den Orden der Niederbronner Schwestern ein und stellten ihr Leben in den Dienst von Glauben und Nächstenliebe.
Schwester M. Dalmatia (Katharina Prechsl)
Geboren 1879 in Thann. Sie legte ihre Gelübde am 8. September 1899 in Neumarkt in der Oberpfalz ab. Danach wirkte sie viele Jahre als Krankenschwester in Füssen, wo sie mit großer Hingabe tätig war. Sie verstarb 1951.
Schwester Rogata (Magdalena Prechsl)
Geboren 1881. Ihre Profeß folgte am 8. September 1903 ebenfalls in Neumarkt. Im Orden übernahm sie verantwortungsvolle Aufgaben und diente als Oberin in Füssen, geschätzt für ihre Fürsorge und ruhige Führungsart.
Schwester Caterina (Therese Prechsl)
Geboren 1888. Sie trat jung in den Orden ein und legte ihre Gelübde am 8. September 1910 in Neumarkt ab. Auch sie war Oberin in Füssen und prägte das Gemeinschaftsleben durch ihre Beständigkeit, Güte und Pflichttreue.
Die drei Schwestern Prechsl stehen beispielhaft für die enge religiöse Verbundenheit ihrer Familie mit dem Orden und für ein Leben, das sich ganz dem Dienst an Gott und den Menschen widmete.
Dieses fein gestickte Kreuzstichbild stammt von Katharina Prechsl aus Thann, die später Ordensfrau wurde. Im Jahr 1894 fertigte sie die Arbeit mit großer Sorgfalt und verewigte ihren Namen im Stickgrund. Umrahmt von floralen Bordüren zeigt das Bild christliche Symbole wie das Christusmonogramm IHS, das Herz Jesu und das Marienmonogramm. Der gestickte Spruch über Leben, Sterben und die Hoffnung auf göttliche Führung war im 19. Jahrhundert weit verbreitet und diente als tägliche Glaubenserinnerung. Das Werk vereint Handarbeitskunst und tiefe Frömmigkeit – zugleich persönliches Zeugnis einer jungen Frau, die ihren Weg ins Kloster wählte.
Dieses fein gearbeitete Andachtsbild entstand 1899, noch vor der Hochzeit von Maria Wöhrl aus Zolling, die später Simon Prechsl aus Thann heiratete. Das Bild kombiniert eine kunstvolle Goldfadenstickerei mit einem eingearbeiteten Druck der Heiligen Familie. Der gestickte Spruch „Jesus, Maria und Joseph! Euch schenke ich mein Herz und meine Seele“ bringt die tiefe Frömmigkeit der jungen Frau zum Ausdruck. Solche Arbeiten gehörten im 19. Jahrhundert oft zur Aussteuer und dienten als Haus- und Ehesegen.
Im Jahr 1934 erhielten Simon und Maria Prechsl eine besondere kirchliche Auszeichnung, die in vielen gläubigen Familien der damaligen Zeit als großer Trost und als Zeichen hoher Wertschätzung galt. Ausgestellt wurde die Urkunde vom bayerischen Zweig des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung, dem sogenannten Ludwig-Missionsverein in München, und zwar im Auftrag von Papst Pius XI.
Die Urkunde bestätigt den beiden Eheleuten die Gewährung eines vollkommenen Ablasses in der Todesstunde. Nach katholischer Vorstellung bedeutet ein solcher Ablass, dass alle noch verbleibenden „zeitlichen Sündenstrafen“ erlassen werden – ein Geschenk, das traditionell mit der Hoffnung auf einen friedlichen Heimgang verbunden war.
Der Ablass wurde persönlich und namentlich erteilt und galt „in articulo mortis“, also für den Moment des Sterbens. Verbunden war er – wie damals üblich – mit den „gewöhnlichen Bedingungen“: Beichte, Kommunion, Gebet für die Anliegen des Papstes und die innere Abkehr von jeder Sünde.
Dass der Missionsverein die Urkunde vorschlug und beantragte, zeigt, dass Simon und Maria Prechsl zu jenen gehörten, die das Werk der Mission treu unterstützt hatten. Der Verein war seit 1922 ein offizielles päpstliches Werk und durfte solche Ehrenurkunden weitervermitteln. Für viele Familien der Zeit war das eine besondere Anerkennung ihres Glaubens und ihres Engagements.
Auch gestalterisch ist die Urkunde ein schönes Stück kirchlicher Kulturgeschichte:
ein hochwertiger Druck mit Goldschrift, feinen Ornamenten, dem päpstlichen Wappen und einem Medaillon mit dem Bild von Papst Pius XI.. Unterzeichnet wurde sie vom Präsidenten des Vereins und trägt das Datum 29. November 1934.
Insgesamt ist dieses Dokument ein stilles, aber eindrucksvolles Zeugnis der religiösen Verbundenheit der Familie Prechsl und ein Stück Heimatgeschichte aus einer Zeit, in der solche Urkunden im Leben gläubiger Menschen eine große Rolle spielten – als Ausdruck von Dankbarkeit, Hoffnung und tief verwurzelter Frömmigkeit.