Als Frauen spüren wir jeden Tag die Widersprüche dieses Systems am eigenen Leib. Wir sollen Vollzeit arbeiten und uns aber auch um Haus und Kinder kümmern. Wir sollen Kinder gebären und zu ordentlichen Arbeitskräften erziehen, aber nicht nach Geld oder Unterstützung oder Sicherheit fragen. Wir werden sexualisiert und zu Objekten der Lust gemacht, aber werden beschimpft, wenn wir unsere Sexualität ausleben. Unsere Unterdrückung ist nicht natürlich und auch nicht von Gott gegeben; sie hat mit der Entwicklung des Privateigentums ihren Anfang gefunden und wird durch uns auch ihr Ende finden.
Dieses Ende finden wir aber nicht mit Reformen oder freundlichen Bitten. Gegen dieses kapitalistische, patriarchale System, das jeden Tag gegen unsere Freiheit und Selbstbestimmung kämpft, müssen wir gemeinsam mit einer noch größeren Kraft zurückschlagen. Was es braucht, ist organisierter Frauenkampf, was es braucht, ist Frauenrevolution.
Sie ist kein abstraktes Konzept oder eine Unmöglichkeit, sondern ein strategisches Programm, und eine Realität, die schon ihre Umsetzung findet.
In Rojava haben die dortigen Frauen gezeigt, was tatsächliche Selbstbestimmung bedeutet. Sie leiten in eigenen Frauentruppen den Kampf gegen die faschistische Bedrohung des IS, gründen Dörfer für die Opfer sexualisierter und häuslicher Gewalt, organisieren Gerechtigkeit durch Frauengerichte, die Gewalt an uns mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Empathie betrachten. In jeder Instanz haben Frauen sowohl gleichgestellte Positionen als auch ihre eigenen Vertretungen, um ihre Anliegen nicht nur anzubringen, sondern auch umzusetzen.
Diese Errungenschaften sind genau jetzt aber bedroht: das neue syrische Regime hat zusammen mit freigelassenen IS-Kämpfern und türkischer Unterstützung vor kurzem mit ihrem Krieg gegen die Selbstverwaltung diese dazu gezwungen, sich in den syrischen Staat zu integrieren. Tausende wurden dabei verletzt, verschleppt oder getötet. Das neue syrische Regime wird sich mit der Selbstverwaltung der Völker und der Selbstbestimmung der Frauen nicht zufriedengeben. Obwohl die deutsche Regierung versucht, Al-Jolani als Demokraten und Verhandlungspartner darzustellen, wissen wir, dass er noch vor einigen Jahren für seine Schandtaten als Anführer der HTS gefahndet wurde.
Hier in Deutschland ist es unsere Aufgabe, nicht nur Solidarität mit den Frauen in Rojava zu schaffen und ihren Kampf zu verbreitern, sondern auch die Deutsche Regierung zur Rechenschaft zu ziehen und ihren Einfluss auf die Region strategisch zu schwächen.
Nur wir uns nicht mit Zugeständnissen zufriedengeben, wenn wir den Kampf für unsere Freiheit ernsthaft in die Hand nehmen, können wir ihn hier und dort gewinnen!
Hoch die Internationale Solidarität!