Rede von der Radical Pride zum feministischen Kampftag 2026 in Köln
Wir stehen hier heute im Namen der Radical Pride. Zusammen mit unseren Freund*innen von den Sexworkers of Cologne haben wir dieses Jahr einen eigenen Block auf die Beine gestellt – für Solidarität und Sichtbarkeit für Sexworker*innen und Queers. Das Motto vom feministischen Kampftag dieses Jahr lautet "Patriarchat entwaffnen, feministischen Frieden weltweit schaffen".
Wir sehen, wie die Gewalt des Patriarchats in Kriegen und entmenschlichender Politik unsere Existenzen angreift. Ob im Iran, wo die Menschen zu tausenden von den Mullahs, Israel und den USA massakriert werden. Ob in Palästina oder im Sudan, wo die Menschen einem Völkermord ausgeliefert sind. Ob im Kongo, wo Menschen und Rohstoffe ausgebeutet und kolonialistische Strukturen fortgeführt werden. Oder in Rojava, wo die feministische Revolution angegriffen wird. Krieg ist antifeministisch, egal wo auf der Welt.
Die Gewalt des Patriarchats richtet sich vor allem gegen unterdrückte Geschlechter, Frauen und Queers. Unsere Rechte als queere Personen, als be_hinderte, von Armut, Ausschlüssen und Diskriminierung betroffene Menschen, werden immer weiter angegriffen. In den USA wird trans* Personen die Fahrerlaubnis auf gewaltvolle Art entrissen und für ungültig erklärt. Hier in Deutschland fordern rechte Politiker*innen die Einführung eines Sondermelderegisters für trans* Personen. Wir alle wissen, was mit solchen Listen gegen Minderheiten in diesem Land passiert ist und dass wir dieses Vorhaben nicht zulassen dürfen. Diese Angriffe auf unsere Leben akzeptieren wir nicht!
Dass wir heute hier stehen und auf dieser Bühne sprechen können, haben wir all denen zu verdanken, die für unsere Rechte als queere Menschen gekämpft haben.
Wenn auf dem Christopher Street Day Trucks von der Bundeswehr und Konzernen, die in deutsche Aufrüstung und Waffenexporte investieren durch die Innenstadt rollen - geschützt von der Polizei - , dann macht uns das wütend! Wenn profit-orientierte Unternehmen, die sich als queer freundlich vermarkten, Parteien, deren Mitglieder sich offen gegen Abtreibung, gegen den Schutz vor sexualisierter Gewalt und gegen queere Rechte aussprechen, dann macht uns das wütend! Dazu noch laute Musik, Menschenmassen, Alkohol- und Drogenkonsum. Wenn trans* Personen auf CSDs angegriffen, beleidigt und zusammengeschlagen werden, dann macht uns das wütend! Und wir fragen uns: Sieht so Pride aus? Denn Pride bedeutet für uns, sich gegen all diese Angriffe zu wehren, uns miteinander sicher zu fühlen und sich für die Freiheit von allen Gefangenen, von Krieg und Gewalt betroffenen Menschen einzusetzen.
Wir wollen an die Ursprünge der Stonewall Riots auf der Christopher Streeterinnern.
Denn Pride war und ist ein Protest! Vor allem trans* feminine Schwarze, Indigene, Personen of Colour und Sexworker*innen haben sich gegen Razzien von Polizei und Staat gewehrt und für unsere Rechte gekämpft! Diese Kämpfe sind uns ein Vorbild und geben uns Hoffnung. Sie machen deutlich, wie wichtig es ist, für Selbstbestimmung, ein fürsorgliches Miteinander und ein Leben in Freiheit zu kämpfen!
Auf der Radical Pride versuchen wir einen Raum zu schaffen, in dem wir einfach sein dürfen, uns austauschen und uns selbst bedingungslos feiern – ohne Polizei, ohne Bundeswehr, ohne Kontrollen, ohne Parteien. Ein Fest, bei dem unsere Fürsorge füreinander, unsere Sicherheit, Teilhabe und unser aller Wohlergehen im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig denken wir an alle, die nicht da sein können. Sie sind bei uns – in unseren Gesprächen, in unseren Gedanken und politischen Forderungen.
Das ist aber nur ein Stein im großen Mosaik unserer Utopie für eine gerechtere Welt!
Wir als Radical Pride wollen das Patriarchat entwaffnen – nicht, indem wir uns spalten lassen, denn das Patriarchat lebt von Vereinzelung, von Konkurrenz und dem Kampf gegeneinander. Sondern in dem wir uns verbinden, miteinander kommunizieren, uns gegenseitig zuhören und füreinander einstehen – auch dann, wenn es unbequem wird. Wir laden euch ein: Lasst uns miteinander reden.
Wir wollen Gewaltstrukturen entmachten – in Institutionen, in unseren Köpfen und in unseren Beziehungen. Wir wollen die Systeme abschaffen, die Ungleichheit produzieren und absichern. Wir wollen Räume gestalten, in denen Fürsorge stärker ist als Kontrolle und Solidarität stärker als Angst. Wenn wir uns solidarisieren und unsere Kämpfe verbinden, sind wir stark! Gegen Patriarchat und Unterdrückung. Für Menschenrechte, intersektional und über Landesgrenzen hinaus.
Daher sagen wir deutlich: Wir stehen hier in Solidarität mit den Kämpfen der Menschen weltweit: in Iran, Kongo, Kurdistan, Chiapas, Palästina, Sudan, Ungarn, Ukraine, USA, Venezuela und darüber hinaus. Für eine gerechtere Welt für alle.
Dafür kämpfen wir mit euch zusammen!
Schließt euch uns an, im Sexwork und Queer Soli Block!
Ihr findet uns bei den roten Luftballons.
QUEER, LAUT, INTERSEKTIONAL – UNSER KAMPF BLEIBT RADIKAL! (2x)