Bis zu 20.000 Menschen auf der Straße am 8. März in Köln
Am 8. März haben wir gemeinsam zwischen 18.000 und 20.000 Menschen den feministischen Kampftag in Köln auf die Straße getragen. Unter dem Motto „Patriarchat entwaffnen, feministischen Frieden weltweit schaffen“ haben wir laut, entschlossen und solidarisch demonstriert. Die von der Polizei genannten Zahlen von 9.000 bis 10.000 Teilnehmenden halten wir für deutlich zu niedrig und nicht realistisch.
Unsere Auftaktkundgebung begann um 14:30 Uhr auf dem Heumarkt und startete mit kämpferischen Redebeiträgen und einer entschlossenen Stimmung. Um 15:30 Uhr setzte sich die Demonstration in Bewegung. Schon zu Beginn war klar: Diese Demonstration wird größer, als wir es selbst erwartet hatten. Als die Spitze der Demo bereits den Neumarkt erreicht hatte, standen immer noch viele tausend Menschen am Heumarkt. Die enorme Beteiligung führte zu Verzögerungen im Demonstrationszug und zu möglichen Platzproblemen auf dem Neumarkt. Aufgrund dieser Situation entschied die Polizei kurzfristig, die geplante Route durch die Innenstadt zu ändern. Die Demonstration endete schließlich gegen 17:30 Uhr am Friesenplatz/Hohenzollernring statt , wie ursprünglich geplant, auf dem Neumarkt.
Was wir an diesem Tag erlebt haben, war eine kraftvolle, kämpferische und solidarische Demonstration.
Das zeigte sich auch auf der Auftakt- und Abschlusskundgebung, wo deutlich wurde, warum wir an diesem 8. März gemeinsam auf die Straße gehen. Insgesamt 14 Redebeiträge brachten unterschiedliche Perspektiven, Kämpfe und Erfahrungen zusammen. Einige dieser Reden werden wir in den kommenden Tagen noch einmal auf unserer Webseite veröffentlichen.
Die vielen Redebeiträge spiegelten die große Vielfalt feministischer Kämpfe wider – von Arbeitskämpfen über internationale Solidarität bis zu antirassistischen, queeren und antikapitalistischen Perspektiven.
Diese Vielfalt zeigte sich auch auf der Straße: Tausende Menschen brachten darüber hinaus ihre Forderungen auch auf Schildern, Transparenten und in Parolen auf die Straße. Die Demo war insgesamt geprägt von einer kämpferischen, solidarischen und vielfältigen Atmosphäre.
Uns war außerdem wichtig, die Demo möglichst barrierearm zu gestalten. Die Redebeiträge wurden vor Ort in Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt und für Menschen mit Gehbehinderungen standen Rikschas zur Unterstützung zur Verfügung.
Aufgrund der kurzfristigen Routenänderung durch die Polizei war die Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache auf der Abschlusskundgebung jedoch leider nicht mehr möglich, da die Übersetzerin von der Änderung überrascht wurde.
Auch der Aufbau der Demo in Blöcken, sollte die vielen unterschiedlichen feministischen Perspektiven und Kämpfe sichtbar machen.
Direkt hinter dem Lautsprecherwagen bildete ein FLINTA*-Block die ersten Reihen der Demo. In diesem Block gingen Frauen, Lesben, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Personen gemeinsam auf die Straße, um ihre Wut, Entschlossenheit und Solidarität im Kampf gegen patriarchale Gewalt und Diskriminierung sichtbar zu machen. Der Block schuf bewusst einen Raum für diejenigen, die besonders von patriarchaler Gewalt und Unterdrückung betroffen sind, um gemeinsam, laut und sichtbar an der Spitze der Demo zu gehen.
Neben dem FLINTA*-Block organisierten sich weitere Blöcke mit unterschiedlichen politischen Perspektiven und Schwerpunkten.
Dazu gehörten unter anderem ein Gewerkschaftsblock, der feministische Kämpfe mit Arbeitskämpfen verbindet und auf Lohnungleichheit, prekäre Beschäftigung und die unsichtbare Last unbezahlter Sorgearbeit aufmerksam machte.
Ein antikapitalistischer Block stellte den Zusammenhang zwischen patriarchaler Unterdrückung, kapitalistischer Ausbeutung und Aufrüstung in den Mittelpunkt.
Ein internationalistischer Block betonte die Solidarität mit feministischen Kämpfen weltweit und stellte die Forderung nach einem globalen feministischen Frieden in den Vordergrund.
Ein Sexwork- und Queer-Solidaritätsblock machte außerdem auf die Kämpfe von Sexarbeiter*innen gegen Stigmatisierung und Kriminalisierung sowie für Selbstbestimmung und ihre Rechte aufmerksam.
Auch ein familienoffener Block, der insbesondere Eltern mit Kindern eine Teilnahme ermöglichen sollte, war Teil des Demozuges. Zusätzlich gab es einen All-Gender-Block, der sich ausdrücklich an alle Allies richtete, die feministische Kämpfe solidarisch unterstützen möchten.
Ein besonderer Teil der Demo war außerdem der Leere Block, gestaltet vom Netzwerk „Wir wollen uns lebend“ – Kölner Netzwerk gegen Feminizide und geschlechtsspezifische Gewalt. Der Leere Block ließ bewusst Platz im Demozug für all diejenigen, die nicht mit uns auf der Straße sein können. Er erinnerte an Frauen und TINA*-Personen, die durch patriarchale Gewalt ihr Leben verloren haben und machte die Lücke sichtbar, die sie hinterlassen.
Die Demo blieb durchweg friedlich und entschlossen. Viele kreative Schilder und Transparente, Chor- und Trommelgruppen sowie gemeinsame Parolen prägten das Bild des Demozuges.
An zwei Stellen entlang der Route wurde Pyrotechnik und Feuerwerk gezündet, die Aktionen blieben ebenfalls friedlich und wurden von vielen Teilnehmenden als Ausdruck der kämpferischen Atmosphäre wahrgenommen.
Trotz der insgesamt solidarischen Stimmung kam es jedoch auch zu Störungen und Vorfällen am Rand der Demonstration. Bereits während der Aufstellung am Heumarkt kam es zu Belästigungen von Teilnehmenden durch den rechten Streamer und AfD-Bezirksvertreter Felix Helleckes. Gegen ihn wurde nach Medienberichten bereits in der Vergangenheit per Strafbefehl eine Geldstrafe wegen Beleidigung und Verletzung des Rechts am eigenen Bild verhängt, nachdem er eine Kommunalpolitikerin gegen ihren Willen gefilmt hatte. Auch in diesem Jahr machte er es sich zur Aufgabe, die Demo zu stören.
Außerdem kam es nach der Demonstration zu polizeilicher Gewalt. Eine Gruppe von Demonstrierenden wurde bei der Abreise eingekesselt und an der Weiterreise gehindert. Die Polizei versuchte gewaltvoll, einzelne Personen zu isolieren. Dies konnte durch die entschlossene Reaktion der Demonstrierenden verhindert werden.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich später in der Innenstadt. Dabei wurde eine kleine Personengruppe über mehrere Stunden in einer Seitenstraße entfernt vom Demozug festgehalten. Obwohl die Maßnahme abgelegen war und sich bis spät in den Abend zog, haben sich ein dutzend Menschen vor Ort solidarisiert und ihnen beigestanden.
Diese Angriffe auf uns sind Ausdruck wachsender staatlicher Repression und eines gesellschaftlichen Klimas, in dem antifeministische und faschistische Kräfte immer stärker auftreten.
Doch wir lassen uns davon nicht einschüchtern! Unsere Antwort auf Repression ist mehr Solidarität und noch mehr feministischer Widerstand.
Gerade deshalb bleibt für uns klar: Unsere Kämpfe werden lauter, größer und sichtbarer.
Der 8. März ist für uns kein symbolischer Feiertag – er ist ein Tag des Widerstands. Widerstand gegen unsere Unterdrückung und die Repressionen die wir im Kampf erfahren. Die enorme Beteiligung in diesem Jahr zeigt, wie viele Menschen bereit sind, gemeinsam gegen patriarchale Gewalt, Krieg, Aufrüstung, Ausbeutung, Rassismus und Queerfeindlichkeit aufzustehen.
Diese Demonstration war mehr als ein einzelner Tag. Sie war Ausdruck einer wachsenden Bewegung, die sich nicht einschüchtern lässt und die ihre Kämpfe verbindet – auf der Straße, in Betrieben, in Nachbarschaften, in politischen Gruppen und Initiativen.
Diese Energie brauchen wir auch auf den kommenden Demonstrationen und Aktionen. Deshalb: Organisiert euch! Schließt euch zusammen, vernetzt euch und beteiligt euch an den vielen feministischen und antifaschistischen Gruppen hier in Köln. Nur gemeinsam können wir laut und entschlossen gegen Antifeminismus, Rassismus und rechte Angriffe auftreten.
Eins ist sicher, wir kommen wieder! Auch im nächsten Jahr werden wir am 8. März gemeinsam auf die Straße gehen.