Meinungen zur Sprache

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Der Sprachwanderer
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Schwierigkeiten oder eher Lösungen?

Nehmen wir zum Beispiel die Wörter der Sprache: Die meisten mögen uralischen Ursprungs sein und daher befremdlich aussehen bzw. klingen. Aber Beispiel heißt példa und das kommt auf direktem Weg aus „Bild”. Und was könnten erkély, torony, kastély, tánc, sógor oder nímand wohl bedeuten?

Darüber hinaus gibt es eine Menge zum Deutschen spiegelbildliche Begriffe, z.B.: A beképzelt manus felvágottat eszik egy krumplis|zsákon (Der eingebildete Typ [Mann] ißt Aufschnitt auf einem Kartoffelsack).

Die Aussprache

Wie kriegt man bloß so viele Buchstaben in ein einziges Alphabet (.hun)? Indem man einige paarweise einsetzt wie im letzten Wort des obigen Satzes (zs), also all die Buchstabenkombinationen mit s, y oder z am Ende. Nun, an meinem Bildschirm sehe ich auch laufend solche Paare…

À propos zs: der ist ja bekannt aus Garage (garázs). Für dzs würde ein Engländer dagegen Manager (menedzser) als Beispiel aufbieten. Wenn wir mit den palatalisierten gy, ny, ty aus dem Slawischen Probleme haben, dann bekannterweise die Sprecher slawischer Sprachen mit unseren ö und ü (die Ungarn sind da noch präziser, indem sie auch noch die langen Varianten ő und ű unterscheiden).

J.Lo függőággyal

J.Lo Ah ja, die langen Laute! Das kennen die Tschechen (z.B. balkón; Akzent) und Finnen (z.B. madjaari; Verdoppelung) auch, nur ist das Ungarische eine Kombination aus beiden – als Beispiel diene der Titel des Bildes nebenan: darin sind die Laute g, gy, á und ő alle lang auszusprechen.

Während ein Laut wie das ungarische a nur in einigen süddeutschen beziehungsweise süd-österreichischen Dialekten gesprochen wird, ist die Vokalharmonie ziemlich weit verbreitet, ist sie doch von fast allen uralischen und altaischen Sprachen bekannt. In anderen Worten*: megtanulható!

Die eigenartige ungarische Wort- und Satzmelodie hat den selben Ursprung wie die Vokalharmonie. Nicht nur ist die Schrift sehr phonetisch, sondern folgt auch die Aussprache sehr einfachen Regeln: alle Silben werden ausgesprochen (keine Reduktion), und die Betonung liegt immer auf der ersten (bzw. allerersten) Silbe.

Die richtige Betonung mag – wie für jede neue Sprache – schwierig sein, aber sie wird wenigstens nicht zur Festlegung des Sinnes einer Aussage gebraucht: megtanulható!

Die Grammatik

Wegen der agglutinierenden Sprachbauweise könnte Ungarisch auch LEGO®-Sprache heißen. Wenn man es jedoch mit ähnlichen Sprachen vergleicht, stellt man fest, das es den größten Baukasten dieser Art darstellt. Eigentlich gewinnt man dadurch enorm an Ausdrucksmöglichkeiten (siehe unter den Fähnchen oben): megtanulható!

Bei den vielen Kombinationsmöglichkeiten der ungarischen Sprache tut sich jede lateinisch beeinflusste Grammatik schwer. Aber da muß man durch, will man die innere Logik dieses LEGO®-Spiels verstehen. Man muß bloß alles umgekehrt bauen, aber das kann man sich leicht merken: megtanulható!

Dieses verkehrte Bauen ist gar kein Thema, da Ortsbestimmungen im Ungarischen – wie in jeder uralischen Sprache – äußerst präzise erfolgen können: megtanulható!


Die Nennwörter

Grammatikalisch betrachtet, benehmen sich ungarische Nomina recht seltsam. Zum einen haben sie keine Geschlechter. Zum zweiten werden sie zwar trotzdem ausgiebig dekliniert, aber das Plural ist nie da, wo man es erwartet.

So findet zum Beispiel die Übereinstimmung zwischen Attributen und ihren Substantiven gemäß der oben angesprochenen eigenwilligen Logik in Situationen statt, die den deutschen Gepflogenheiten genau entgegengesetzt sind.  Aber einmal verstanden, gilt es für alle solche Übereinstimmungen: megtanulható!

Pronomina scheinen unendlich viele Formen anzunehmen. Diese folgen jedoch ganz einfachen, logischen Bildungsregeln. Das auswendige Lernen von Vokabeln ist im Ungarischen zwar wenig hilfreich, aber das Kennen und Anwenden von solchen Regeln läßt die Vielfalt der Sprache beherrschen: megtanulható!

Zugegebenerweise muß man auch dann umdenken, wenn man Besitzverhältnisse auf Ungarisch wiedergeben will. Doch wieder ist die Logik dahinter einfach, obwohl die Möglichkeiten vielschichtig sind: megtanulható!

Esperanto-KöniginÜbrigens, in Ungarn hält man viel von Esperanto…

Die Tätigkeitswörter

Ist die Deklination von Nomina, Adjektiven und Adverbien schon erfrischend anders, so ist die Konjugation von Verben fast einzigartig. Im Gegensatz zu indoeuropäischen Sprachen glänzt hier das Ungarische mit einer Ökonomie an Paradigmen (.pdf), die trotzdem alle in diesen Sprachen bekannten Verbkategorien – und noch einige mehr – umfasst: megtanulható!

Eine weitere nette Eigenschaft der Konjugation: Es gibt nur zehn wirklich unregelmäßige Verben, die auch noch miteinander zu tun haben. Also, wirklich: megtanulható!

Etwas ungewöhnlicher ist da das Fehlen von den 3. Personen des Verbes „sein” (ist, sind) in manchen Sätzen. Solche Nominalprädikate kommen auch in anderen Sprachen vor. Wie es zu erwarten ist, gibt es hierfür eine logische Erklärung mit einer einfachen Regel zu ihrer Anwendung: megtanulható!

Obwohl Verbalpräfixe auch im Deutschen verwendet werden, ist ihre Anwendung im Ungarischen – wie könnte es auch anders sein – um einiges ausgefeilter. Das Grundmuster ist aber noch immer relativ einfach: megtanulható!

Ganze Sätze

Das, was die ungarischen Verbalpräfixe so außergewöhnlich macht, ist die Tatsache, daß sie öfters vom Verb abgetrennt werden als die deutschen, wobei die Vorgehensweise noch überschaubar bleibt: megtanulható!

Dies wiederum ist die Folge einer sehr einfachen Grundregel, die garantiert, daß die wichtigste Aussage in einem Satz ohne Änderung der Betonung immer eindeutig erkennbar bleibt. Und es ist auch gut so, weil die Wortfolge vom Sprecher ja frei nach eigenem Gutdünken gewählt werden kann: megtanulható!

Ein sehr nützlicher Nebeneffekt dieser Festlegung ist, daß geschriebene ungarische Texte eindeutiger sind, obwohl sie von zu Hause aus viel differenzierter sind. Wenn man sie denn verstehen könnte…

Die Lösung besteht darin, sich ins Gedächtnis zu rufen, daß Ungarisch funktionell einer Programmiersprache (megtanulható!) ziemlich ähnlich ist, und nur mit einem methodischen Vorgehen – ein bißchen wie ein Computer es machen würde – verstanden werden kann. Wenn man erst einmal weiß, worauf man dabei achten muß, dann: megtanulható!

Lesen hilft bei der Grammatik, aber Hören ist unerlässlich zum Kennenlernen der Aussprache. Also, sehen sie ruhig auch mal ein wenig fern!

Zusammenfassung

Ungarisch ist ohne Zweifel gut darin, komplizierte Inhalte extrem komprimiert und implizit wiederzugeben. Das berühmteste Beispiel dürfte das mit der Liebe sein: szeretlek ich liebe dich. Ein anderes, hier behandeltes lautet: a niueiéiért.

Zwinkernder Smiley Ungarisch ist also eine lohnende Herausforderung. Kurz, um es mit Jacob Grimm, dem Märchenerzähler zu halten:

„Die ungarische Sprache ist logisch, vollkommen, ihr Aufbau übertrifft jede andere Sprache.”



Anmerkung:
Die Aussage megtanulható! bedeutet so viel wie „Es ist zu lernen.” Sie dient als Verweis auf die entsprechenden Seiten innerhalb dieser Website.