2004

Unterwegs im Werra-Meissner-Kreis

Nachdem  2001 anläßlich der 10-jährigen Partnerschaft mit der Gemeinde Floh-Seligenthal eine Fahrradfahrt dorthin stattgefunden hatte, war diese Initiative der Auslöser für nachfolgende Körler Radtouren. In diesem Jahr war die Radlergruppe vom 10. bis 12. September überwiegend im Werra-Meissner-Kreis unterwegs, um dort wieder einmal oder auch erstmals einen Eindruck vom schönen Werratal zu genießen. Von vorerst 30 angemeldeten Teilnehmern (Obergrenze wegen der nicht einfachen Organisation der Übernachtungen) mußten zum gemeinsamen Bedauern einige wegen Verhinderungen kurzfristig absagen. Dennoch waren wir mit 24 RadlerInnen wieder eine starke Gemeinschaft, nicht zuletzt zählt noch dazu unser nettes Begleitteam  Annemarie und Gerhard Stöcker und Dieter Zimmermann. Durch deren Unterstützung muß man am Fahrrad nur die Tagesausrüstung mitführen, um notwendige Reparaturen zu ermöglichen und um den sich ergebenden Wetterbedingungen anpassen zu können.

Nicht wesentlich ist, ob an einem Tag 50 oder 100 km auf gerader Strecke und dann möglichst noch mit Rückenwind geradelt werden. In Anpassung an unsere bergige Region ist z.B. die Überwindung von Höhenmetern maßgeblich, insbesondere auch das persönlich richtige Verhalten, sich nur bis zur Leistungsgrenze herauszufordern.

10. September: In der Spätsommerzeit forderte uns die Sonne pünktlich um 09:00 Uhr zum Start am Körler Rathaus auf und hat uns tagsüber mit optimalen Wetterbedingungen begleitet. Durch Melsungen, Adelshausen, Mörshausen haben wir recht schnell Spangenberg erreicht, dort war am Ortsausgang in Richtung Pfieffe / Bischofferode eine kleine Auffrischungspause angebracht. Wir alle waren auf den bevorstehenden Anstieg nach der Durchfahrt von Bischofferode gut vorbereitet. Völlig problemlos wurde diese Passage teilweise auch im Schiebegang überwunden (keine Schikane für Radfahrer, wie manchmal vermutet wird), schon ging es wieder schnell bergab und Hetzerode und Mäckelsdorf waren durchquert. Nach Friemen waren wir zur geplanten Mittagspause am Sportplatz in Waldkappel eingetroffen und wurden dort bestens von unserem Begleitteam für die zweite Tageshälfte versorgt.

Nach Bischhausen fuhren wir auf dem Hessischen Fernradweg R5 und haben in Reichensachsen kurz angehalten. Auf dieser landschaftlich besonders geprägten R5-Strecke nach Eschwege geht es wieder straff bergauf und man sollte nicht vergessen, zwischendurch anzuhalten und sich umzudrehen, um die herrlichen Panorama-Ansichten wahrzunehmen, z.B. zum Meissner. Da auch dieser Anstieg gut geschafft wurde, war es uns allen plötzlich zu lahm, schon am frühen Nachmittag in die sehenswerte Stadt Eschwege herab zu rollen.

Einstimmig wurde vom R5 abgebogen und durch Ober-/Niederdünzebach und dann über den Werratalradweg vorbei an gut angelegten Teichen nach Wanfried gefahren. Eine angenehme

Kaffeepause mußte sein, bis es entlang der Werra zum Tagesziel nach Eschwege ging. Absolut passend stießen wir um 17:00 Uhr am Stadtrand auf einen schönen Biergarten und konnten dort bei Sonnenschein nur eine Stunde verbringen. Anschließend waren wir mit gut 80 Tageskilometern in dem Schlosshotel angekommen, um uns dort einzuquartieren, zentral in Eschwege. Mit weiteren stimmungsvollen Stunden im Hotel und in der Stadt hatte der Tag einen langen Ausklang, mehrheitlich natürlich bis in den folgenden Tag hinein.

11. September: Nach angenehmer Übernachtung und gutem Frühstück saßen wir um 10:00 Uhr auf dem Fahrradsattel und konnten bequem in die Pedalen treten. Zielort war nach ca. 45 km Witzenhausen mit einer weiteren Übernachtung im dortigen Burghotel. Dieser Zwischentag war als Entspannung und Einstellung auf die wieder herausfordernde Rückfahrt nach Körle vorgesehen. Bei bewölktem Himmel und zwischenzeitlichen Sonneneinstrahlungen radelten wir ab Eschwege zunächst bis vor Grebendorf und dann entlang dem wunderschönen Werratal durch Jestädt bis nach Kleinvach. Es ist schon ein deutlicher Unterschied, denselben Streckenabschnitt  mit einem Kfz oder einem Fahrrad zu befahren, um einen intensiven Eindruck von der Landschaft zu genießen. Von dort fuhren wir mit Überquerung der Werra  nach Bad Sooden, wo eine frühe und wie immer gute Mittagsversorgung zur Verfügung stand. Hier wurde vereinbart, dass jeder für sich oder in Gemeinschaft  2 Stunden Zeit nehmen konnte für eine Visite in den beiden Stadtteilen Bad Sooden und Allendorf. Als Treffpunkt war um 14:00 Uhr  in dem schönen Fachwerkstädtchen Allendorf  am Brunnen vor dem Tore festgelegt. Warum ausgerechnet an dieser Stelle ?

Pünktlich um 14:00 Uhr hatten sich alle RadlerInnen an dem Treffpunkt Am Brunnen vor dem Tore in Allendorf  versammelt. Anwesend war jetzt auch unser Bürgermeister Mario Gerhold, der am ersten Tag wegen einer Familienfeier nicht teilnehmen konnte. Jetzt kam die Aufklärung auf uns zu, was dieser Schauplatz zu bedeuten hat. Fast alle kannten wir zumindest die ersten Zeilen dieses Volksliedes „Am Brunnen vor dem Tore…“. Fritz Ochs und Günther Maifarth wiesen mit Fingerzeig zum Allendorfer Stadttor darauf hin, dass dieser Schauplatz den Dichter Wilhelm Müller (1794 – 1827) zu seinen Versen inspiriert hat, die dann von dem Komponisten Franz Schubert (1797 – 1828) betont wurden. Mit Anstimmung von Fritz Ochs wurden alle Verse vom Anfang bis zum Ende gesungen, laut unterstützt von zwei älteren Radlern, die zufällig bei uns standen. Die in Körle aufgewachsenen und hier eingeschulten und jetzt über 60-jährigen Radtour-Teilnehmer konnten alle Verse auswendig singen, während andere Mitsänger die Verse auf der Bronzetafel ablesen mußten. Der Hauptlehrer der Körler Schule, Herr Stöber und aus Allendorf stammend, hatte seinerzeit dieses Lied seinen Schülern eingeprägt. – Später war noch zu erfahren, dass laut Stadtchronik ein Unwetter im Frühling 1912 die ca. 700 Jahre alte Linde zerstört hatte und seitdem an gleicher Stelle die derzeitige Linde steht.

Danach ging es von Allendorf auf dem Werratalradweg weiter in Richtung Witzenhausen. Gerade hatten wir das dem Land Thüringen zugehörige Dorf Lindewerra  erreicht, fielen die ersten Regentropfen. Vorausschauend hatten wir uns in eine Gaststätte begeben und dort gemütlich das 1-stündige Regenschauer abwarten können. Bis nach Witzenhausen war es geradezu ein Katzensprung, wo wir im Burghotel mit traditionell integrierter Brauerei unsere Übernachtung hatten. Sehr gut ausgewählt. Nach einem deftigen und schmackhaften Abendessen mußte etwas Bewegung sein und in Gruppierungen ergab sich eine Stadtbegehung, die bald in einem anlockenden Biergarten endete. Auch hier war es besonders stimmungsvoll bis fast in den nächsten Tag hinein.

12.September: Nach wiederum guter Übernachtung und Frühstück begann die Rückfahrt nach Körle um 09:00 Uhr. Von Witzenhausen  ging es nach Ermschwerd und dann wieder richtig zur Sache, also ansteigend auf der Landstraße nach Hubenrode und weiter ansteigend an dem Forsthaus Neufriemen vorbei auf geschotterten Waldwegen serpentinenartig bis auf eine Höhe von

480 m und danach endlich phasenweise steil bergab ins Niestetal. Von Nieste aus mußte man sich wieder bergauf anstrengen, um zu unserer Mittagsversorgung zu gelangen. Nach dieser letzten Aufstärkung lief es bei starkem Gegenwind, aber sonst guter Wetterlage bergab nach Oberkaufungen. Über Helsa, Füstenhagen und Quentel zog es uns nach Körle, zunächst zur freundschaftlichen Einladung von Marianne und Klaus-Dieter Kraß in deren parkähnlichen Garten und das präzise renovierte Fachwerkhaus in Unter-Empfershausen. Dieser Abstecher hat sich wirklich gelohnt und uns zusätzlich gestärkt. Für einige auch ein Anstoß, den Stoß (manche empfinden ihn als Stößchen) als letzte Steigung locker zu befahren. Die Radtour endete mit genüsslichen Speisen in der Körler Gaststätte zur Krone.

Insgesamt sind bei dieser Radtour  ca. 4220 km abgestrampelt worden, auf die Einzelperson bezogen 180 km. Wie im Vorjahr waren einige nicht einfache Abschnitte zu überwinden, worauf insbesondere die älteren Teilnehmer aus Sicht der Altersrelation stolz sein dürfen. 


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