Fotografie mit Fokus auf Nachhaltigkeit
Marion Heuscher, Livia SchärMittwoch, 05.07.2023Fotografie mit Fokus auf Nachhaltigkeit
Marion Heuscher, Livia SchärMittwoch, 05.07.2023Die Fotografie, eine Kunstform mit ökologischem Fussabdruck: Eine Schülergruppe erforscht die Verbindung zwischen Fotografie und Nachhaltigkeit. Von der Geschichte der Fotografie bis zur Entwicklung von Fotos werden ökologische Auswirkungen und alternative Lösungen diskutiert. Mit dem Ziel, das Bewusstsein zu schärfen, wie Fotos den CO2-Ausstoss beeinflussen, wollen die Teilnehmer*innen zukünftig ihren Fotokonsum überdenken und umweltfreundlichere Wege der Fotografie entdecken.
Brigitte Ochensberger begann am Montagmorgen mit einem theoretischen Teil, der die Geschichte der Fotografie, Qualitätsfotografie und vieles mehr umfasste. Es wurde insbesondere darüber diskutiert, wie Fotografie mit nachhaltiger Entwicklung zusammenhängt. Anschliessend widmeten sich die Kursteilnehmer*innen dem praktischen Teil: der Fotografie. In Kleingruppen wählte die Schülerschaft ein Thema aus, das mit Nachhaltigkeit in Verbindung steht, und fotografierte entsprechende Objekte oder Figuren. Eine Teilnehmerin erzählt: «Unser Schwerpunkt ist die Wasserverschmutzung.» Eine andere Schülerin wählte das Thema «Foodwaste», da es einen grossen Einfluss auf die Allgemeinheit habe. Viele Schüler*innen mochten diesen Teil am meisten, da er auch der Hauptgrund für ihre Anmeldung zum Kurs war. «Ich interessiere mich schon lange für Fotografie und könnte mir auch vorstellen, in diesem Bereich beruflich tätig zu sein», verrät uns Kira Stokes (26a).
Fotochemie
Am zweiten Tag steht die Entwicklung der Fotos auf dem Programm. Dabei werden drei Arten der Fotografie genauer untersucht: Cyanotypie, Diazotypie und Schwarz-Weiss-Verfahren. Mathias Düggeli leistet mit seinem chemischen Fachwissen Unterstützung. Da mit giftigen Substanzen gearbeitet wird, ist das Tragen eines Laborkittels und einer Schutzbrille obligatorisch. Für die Teilnehmer*innen ist es wichtig, präzise und sauber zu arbeiten, da bereits kleine Fehler einen grossen Unterschied machen können und gegebenenfalls das Ergebnis verfälschen könnten. Mithilfe einer detaillierten Anleitung können die Schüler*innen relativ selbstständig im Labor arbeiten. Jede Art der Fotografie erfordert eine spezifische Vorgehensweise bei der Fotoentwicklung. Substanzen werden abgewogen, gemischt und verschiedene Säuren sowie andere Chemikalien werden verwendet. Schliesslich entsteht eine Flüssigkeit, die von den Hobbyfotograf*innen in ein Glas mit Eis gestellt wird. «Wir brauchen das Eis, um die Temperatur möglichst niedrig zu halten. Das Thermometer misst die aktuelle Temperatur und dient uns zur Überprüfung», erklärt uns Claire Clavadetscher (25c). In den letzten beiden Tagen wird die Gruppe die Schränke der Schule weiss streichen, um sie moderner aussehen zu lassen, Plakate herstellen und eine Ausstellung vorbereiten.
Schüler*innen bei der Arbeit mit giftigen Chemikalien (Foto: Marion Heuscher)
Ökologischer Fussabdruck
Mit der Erfindung der Fotografie entstand eine neue Form von Kunst. Nicht nur die Wissenschaft profitierte von dieser Erfindung, die ganze Bevölkerung fand Freude am neuen Tool. Leider ist vielen nicht bewusst, dass auch die Fotografie einen ökologischen Fussabdruck hinterlässt. Und dieser ist nicht gerade klein.
Das erste kommerziell nutzbare Fotografieverfahren war die «Daguerreotypie», benannt nach ihrem Erfinder Louis Daguerre. (1) Sie wurde jedoch bald durch Silbergelatineabzüge ersetzt. Schnell wurde die Fotoindustrie zur wichtigsten Abnehmerin für Silber. (2) Silber wird aus Silberminen gewonnen, welche viele ökologische Probleme mit sich bringen, darunter das Verschmutzen von Luft und Wasser kombiniert mit übermässigem Verbrauch von Holz. (1) Der Anstieg des Silberpreises in den 70-er Jahren förderte die Entwicklung der Digitalfotografie, welche sich bis heute stetig verbessert und weiterentwickelt. (1) Doch auch diese brachte neue ökologische Probleme mit sich. Das Silber wurde durch seltene Erden ersetzt, welche für die Herstellung von Smartphones und Datenspeichern verwendet werden. Dazu kommt noch der grosse Energieverbrauch der Digitalfotografie. Mit der Möglichkeit, unzählige Bilder pro Minute zu machen, und diese innerhalb von Sekunden zu speichern oder zu versenden, verflog das überlegte Fotografieren. Wie viele unnötige Bilder hast du schon gemacht? Jeder kleine Schnappschuss steuert zu einem höheren CO2-Ausstoss bei. All diese blindlings geschossenen Bilder führen jährlich zu einem CO2-Ausstoss von über 350'000 Tonnen. (1) Stellt sich nun die Frage, wie man die Fotografie umweltfreundlicher machen kann.
Ausblick in die Zukunft
«Uns als Kursleitung ist es wichtig, die Schülerschaft auf diesem Gebiet zu sensibilisieren», teilt uns Mathias Düggeli mit. Den meisten Menschen sei ihr Verhalten gar nicht bewusst bzw. der Grossteil wisse gar nicht, welch grosser ökologischer Fussabdruck er mit Fotografie hinterlasse. Er möchte den Schüler*innen mit auf den Weg geben, möglichst sparsam mit Fotos umzugehen. Hinsichtlich der digitalen Fotos gibt uns Herr Düggeli mit auf den Weg, nicht zu häufig ein neues Handy zu kaufen oder wenn, dann auf ein Fairphone zurückzugreifen. Denn obwohl ein iPhone nur 130 Gramm schwer sei, brauche es 34 Kilogramm Erz für die Metallgewinnung. Zudem würden bei der Herstellung viele Konfliktmineralien verwendet, diese kommen aus Ländern, in denen Krieg herrsche oder Ländern, in denen Kinderarbeit praktiziert und toleriert wird. Grundsätzlich werde es aus Ländern gewonnen, in welchen unter drastischen und menschenverachtenden Bedingungen gearbeitet wird, was wir Menschen auf die leichte Schulter nähmen.
Die Kursteilnehmer*innen Claire Clavadetscher (25c) und Kira Stokes (26a) nehmen sich vor, sich zukünftig anders zu verhalten: «Man ist sich nun viel mehr bewusst, wie viele Fotos man macht, wie dies mit nachhaltiger Entwicklung zusammenhängt und dass das zu einem höheren CO2-Ausstoss führt.» Diese Erkenntnis sei nun präsenter als zuvor und sie möchten in Zukunft ihren Fotokonsum möglichst reduzieren.