Schon kurz nachdem ich RoboCiraptor im Herbst 2024 fertiggestellt hatte, gab es einige Dinge, die ich im Nachhinein gerne anders und besser gemacht hätte, aber seinerzeit nicht mehr ändern konnte, ohne das ganze Modell wieder auseinander zu nehmen. Deshalb entschied ich mich zu einer kompletten Neukonstruktion des Dinosauriers aufgrund meiner Erfahrungen beim Bau der ersten Version. Man kann von den Vorgängermodellen immer sehr gut lernen und so zum Beispiel einen höheren Grad an Integration und Ordnung in die Konstruktion bringen. Oder auch einfach Gewicht sparen. In diesem Fall wollte ich aber in erster Linie die Proportionen verbessern und ein realistischeres Aussehen erreichen. Die Schnauze war mir damals etwas zu kurz geraten und die Beine hätten ebenfalls länger sein können. Die Beine hatten damals auch noch keine Kniegelenke, denn die habe ich erst später für TechnoBot entwickelt. Der Schwanz war mir im Nachhinein ebenfalls etwas zu kurz geraten und trotz aller Mühe, die ich darauf verwendet hatte, war der Schwerpunkt immer noch etwas zu weit vorne. Mit seinen gut drei Kilogramm war der Roboter auch insgesamt sehr schwer geraten.
Ausgehend von verschiedenen Abbildungen und Modellen, die ich als Vorlagen herangezogen hatte, entschied ich mich beim ersten Dinosaurier für eine etwas aufrechte Haltung von 20°, um den Schwerpunkt nicht zu weit nach vorne über die Füße hinaus wandern zu lassen. Das hat den Bau wegen des dafür notwendigen Abwinkelns der Beine sehr kompliziert gemacht, am Ende aber doch nicht so viel gebracht, wie erhofft. Allerdings wusste ich zu dem Zeitpunkt auch noch nicht, wie sich die verschiedenen Massen von zum Beispiel der Batterie, dem Schwanz oder dem Kopf später auf die Gewichtsverteilung beim fertigen Modell auswirken würden.
Bei diesem zweiten Versuch habe ich die Beine weiter vorne am Körper angebracht. Auch der Schwanz ist jetzt um zwei Segmente (ca. 3,5 Zentimeter) länger geworden, wodurch das Problem des zu weit vorne liegenden Schwerpunktes nun endlich behoben ist. Der Dino hat jetzt eine etwas dynamischere, waagerechte Körperhaltung und ist besser ausbalanciert.
Um die Beinkonstruktion von TechnoBot hier verwenden zu können, musste ich im Körper Platz schaffen für ein zweites Paar Exzenter zur Steuerung der Kniegelenke. Dadurch war auch eine völlige Neukonstruktion des Körpers nötig: der Platz unterhalb der Welle zur Beinsteuerung ist jetzt von den neu hinzugekommenen Exzenter für die Kniesteuerung belegt. Dadurch mussten die ursprünglich hier eingebauten Kipphebel für die Steuerung des Schwanzes nach oben und zum Ende des Körpers wandern. Der Motor wiederum, der vorher an dieser Stelle eingebaut war, musste nun nach vorne zur Batterie verlagert werden.
Auch die Form des Rückens und dessen Verkleidung habe ich bei diesem Modell verbessert. Durch den Wegfall des nach oben ausladenden Getriebes von RoboCiraptor konnte ich jetzt eine geschwungene und gleichmäßige Verkleidung aus Formed Slotted Strips und Narrow Strips 5 Hole herstellen. Sie bedeckt den ganzen Rücken vom Hals bis zum Schwanz und weist dazu über dem Becken eine leichte Wölbung auf, wie beim „lebenden“ Dinosaurier.
Wer schon meine Texte zu den vorigen zweibeinigen Robotern gelesen hat, kennt die Entwicklung von RoboMan mit der mechanischen Steuerung zum Kippen der Füße, hin zu TechnoBot mit seinen Kniegelenken. Auf diesen Entwicklungen baut der neue Dinosaurier nun ebenfalls auf.
Die flachen Füße von RoboCiraptor habe ich bis zu den Knöcheln hinauf verlängert, um ihnen das typisch vogelartige Aussehen zu geben, das auch bei den Raptoren anzutreffen war. Ich habe verschiedene Formen für die Füße ausprobiert und herausgefunden, dass die Größe der Fußsohlen, wie sie schon beim Vorgänger war, mindestens nötig ist, um einen guten Stand zu gewährleisten. Trotzdem wollte ich für ein natürlicheres Aussehen aber unbedingt die Fußgelenke schmaler machen. Beim Prototyp sieht man, dass der erste Versuch mit den Fußgelenken von RoboMan nicht gut aussah. Sie waren zu klobig und ich habe die ehemals kardanische Aufhängung daraufhin komplett neu konstruiert. Die Gelenke bestehen jetzt nicht mehr aus Verbindungsbügeln und Achsen, sondern aus drei Scharnieren je Bein. Dadurch gehen die drei Beinsegmente der Unterschenkel harmonisch in die Füße über. Unterhalb dieser „Knöchel“ werden die Füße dann wieder breiter, was die erforderliche Standfestigkeit gewährleistet.
Den Übergang des Knöchels zum Fuß bezeichne ich hier mal als Mittelfuß. Er besteht aus drei senkrechten Stützen. Seitlich tragen zwei 4-Loch Bänder das Gewicht des Dinos. Hinten an der Ferse gibt es nur eine Stütze, die durch Winkel und Unterlegscheiben in der Höhe einstellbar ist. Dadurch ist es sehr einfach möglich, den Schwerpunkt des Dinos über seinen Füßen genau einzustellen. Damit die “großen Zehen“ nicht zusammenstoßen, sind die Füße zusätzlich noch etwas nach aussen ausgestellt. Sie sind also in vertikaler Richtung verdreht gebaut.
Sowohl die Oberschenkel, als auch die Unterschenkel und die Füße haben jetzt jeweils eine Höhe von vier Löchern. Die Dreiteilung der Beine durch die Kniegelenke ist allerdings sehr Teile-intensiv. In jedem Bein sind alleine 30 Standardflachbänder verbaut: 2x8-Loch, 5x5-Loch, 17x4-Loch und 6x3-Loch. Dazu kommen noch diverse Double Angle Brackets, Slotted Strips, Curved Strips und Stellringe. Insgesamt stecken in den beiden Beinen über einhundertzwanzig Einzelteile. Schrauben, Muttern und Scheiben nicht mitgerechnet.
Schon zu Beginn der Arbeit an diesem Modell habe ich relativ schnell gemerkt, dass ich das sequenzielle Getriebe hier nicht mehr einbauen konnte, weil der Platz durch die hinzugekommenen Exzenter im hinteren Bereich nicht ausgereicht hat. Da ich das Getriebe aber inzwischen in zwei Modellen verbaut habe (AstroDog und RoboCiraptor), fand ich es nicht schlimm, es diesmal zugunsten eines einfacheren und damit leichteren Getriebes wegzulassen. Ein weiterer Vorteil könnte sein, dass es nun für interessierte Schrauber auch leichter ist, den Dino nachzubauen.
Die eher seltenen und nicht standardmäßigen 3x11 Loch Getriebeplatten für den seitlichen Rahmen des Getriebes habe ich diesmal ganz puristisch aus zwei Paar 3x6 Loch Platten zusammengesetzt. In der Mitte, wo die Platten miteinander verschraubt sind, stehen dadurch natürlich keine Löcher mehr für Getriebewellen zur Verfügung, was die Möglichkeiten beim Bau des Getriebes etwas einschränkte. Ein Paar abgewinkelte 3x3 Platten bilden einen Sockel für den Kopf und verlängern so den Körper weiter nach vorne und oben. Zusammengehalten werden die beiden seitlichen Rahmenteile einmal vorne am Kopflager, direkt dahinter durch den Motor und auch am Ende des Körpers. Der Raum zwischen den seitlichen Platten beträgt 47 mm, was genau reicht, um den Batteriehalter dazwischen aufzunehmen.
Das Getriebe selbst besteht nur noch aus fünf Zahnrädern. Der Motor mit 60 UpM überträgt seine Kraft mittels Kronrad mit 25 Zähnen auf ein 19er Ritzel. Auf dessen quer angeordneter Welle ist links außen am Getriebe ein 25er Ritzel befestigt, das wiederum ein 50 Zähne Zahnrad darunter antreibt. Dieses fungiert durch einen Threaded Pin als Kurbelantrieb für die Bewegung der Arme. Ein mit Ösen versehener Eisendraht stellt die Verbindung zum linken Arm her. Der rechte Arm wird durch eine Verbindungswelle einfach mitbewegt.
Der Dino geht vorwärts und bewegt dabei die Arme und den Schwanz, dreht den Kopf und macht das Maul auf und zu. Das sind im Prinzip die gleichen Bewegungen, die auch RoboCiraptor ausführen kann. Der Unterschied ist, dass die Funktionen jetzt zwar alle gleichzeitig, aber mit zwei verschiedenen Geschwindigkeiten ablaufen. Während die Bewegungen von Kopf und Armen auf 39 UpM übersetzt sind, ist das Laufen noch weiter auf 26 UpM verlangsamt. Das macht die Bewegungsabfolge trotz des fehlenden Pausengetriebes nicht allzu gleichförmig.
Auf der gleichen Welle wie das 50 Zähne Zahnrad befindet sich rechts außen am Getriebe ein Short Arm Crank mit Threaded Pin. Zwei gebogene Eisendrähte führen weiter zum Kopf. Einer davon dreht den Kopf hin und her. Ein zweiter Draht führt zu einem Umlenkhebel vor dem rechten Arm. Von diesem führt ein weiterer Draht zum Unterkiefer und macht so das Maul auf und zu.
Das oben schon erwähnte 19er Ritzel im Körper treibt weiter ein ebenfalls querstehendes 57 Zähne Zahnrad auf der Exzenterwelle dahinter an. An den beiden Enden dieser Welle befinden sich zwei 1“ Bush Wheel als Exzenter für das Kippen der Füße, den Vortrieb der Beine und die Bewegung des Schwanzes. Innenliegend sind zwei 130a Eccentric zum Beugen und Strecken der Kniegelenke montiert.
Anstatt außen am Getriebe, wie bei RoboCiraptor, sind die Hebel für die Bewegung des Schwanzes jetzt innen im Körper angebracht. Sie befinden sich genau in einer Linie mit den Stahldrähten, die durch den Schwanz verlaufen. Neu ist auch, dass nun die Stahldrähte zur Steuerung dienen. So konnte ich auf die beiden Bowdenzüge verzichten, was den ganzen Mechanismus leichtgängiger macht.
Auch beim Kopf war es von großer Bedeutung, Gewicht zu sparen, denn ein zu schwerer Kopf hätte den Schwerpunkt wieder nach vorne verlagert. Ich habe mich also hier von allzu großer Detailtreue verabschiedet und nur die nötigsten Strukturen gebaut, um den Kopf als Raptorenkopf erkennbar zu machen. So fielen zum Beispiel die doppelt vorhandenen Single Arm Cranks für das Scharnier des Kiefers dem Rotstift zum Opfer. Es gibt auch nur noch ein Zahnradpaar in der Mitte des Kopfes. Ich habe es geschafft, den Öffnungswinkel des Kiefers ein gutes Stück zu erweitern, sodass der Dino jetzt etwas „gefährlicher“ aussieht.
Der Hinterkopf, der beim Öffnen des Kiefers zusammen mit dem gesamten Oberteil des Schädels nach hinten gedreht wird, taucht in den verlängerten Hals ab.
Der längere Hals besteht jetzt aus zwei kreisförmig gebogenen 9-Loch Bändern übereinander, was ihn viel realistischer aussehen lässt. Ebenso ist die Schnauze jetzt länger und schmaler und es gibt über den Augen die für Raptoren typischen Überaugenwülste.
Anders als bei RoboCiraptor, wollte ich diesmal nicht extra farbige Teile kaufen oder gar selbst lackieren, um eine bestimmte Optik zu erreichen. Deshalb habe ich wieder auf die Farbe Gelb in Kombination mit verzinkten Teilen zurückgegriffen. Von diesen Teilen habe ich am meisten zur Verfügung und ich habe sie auch schon bei meinen anderen Robotern oft verwendet. Die Farbgebung dieses Dinos ist also eher ein Ergebnis von Sparsamkeit und Zufall, als von besonderer Planung. Ich bin mit diesem Zufallsergebnis aber trotzdem ganz zufrieden.
Da meine Roboter immer wieder mal nachgebaut werden, habe ich diesmal bewusst darauf geachtet, möglichst nur Standard Meccano Teile zu verwenden. Das betrifft in erster Linie das Märklin Zahnrad 10438 mit 38 Zähnen und sechs Löchern, das ich früher gerne als Exzenter für die Steuerung der Beine verwendet habe. Das Teil ist im Ausland selten und schwer zu beschaffen. Genau wie TechnoBot kommt dieser Roboter nun ohne dieses Zahnrad aus.
Als Stromversorgung dient wie auch schon bei RoboCiraptor ein Batteriehalter für 8xAAA Batterien. Ein PWM Controller ist an der Unterseite des Körpers montiert und dient sowohl als An- und Ausschalter als auch zur Geschwindigkeitskontrolle. Die Rückenabdeckung lässt sich mit wenigen Handgriffen abnehmen, um an das Getriebe zu gelangen. Und auch die Klappe auf der Unterseite lässt sich durch entfernen einer Schraube ganz einfach nach vorne klappen, um die Batterie zu wechseln.
Basierend auf den Beinen von TechnoBot und den Füßen von RoboCiraptor hatte ich versucht, ein neues dreiteiliges Bein mit Kniegelenk für den zweiten Saurier zu konstruieren. Dieser erste Prototyp hatte noch nicht die richtigen Proportionen. Auch der Fuß mit dem kardanischen Gelenk sah nicht gut aus.
Erst nach drei oder vier Versuchen hatte ich die endgültige Form für das Bein gefunden. Da mir das Knöchelgelenk beim Prototyp zu wuchtig war, kam ich irgendwann auf die Idee, drei Scharniere No. 114 als Gelenk zu verwenden. Dadurch wurden die Knöchel schmaler. Auch das Spiel im Gelenk ließ sich so reduzieren.
Das linke Bein von innen gesehen
Das linke Bein von außen gesehen
Der linke Fuß von unten gesehen
Der Kopf besteht im Prinzip aus zwei Teilen: dem Unterkiefer und dem Oberkiefer mit dem Schädel. Die beiden Teile sind jedoch nicht durch ein klassisches Gelenk miteinander verbunden, sondern sind untereinander angeordnet und rollen mittels 19er Ritzel aufeinander ab, wenn der Kiefer sich öffnet und schließt.
Rechte Seitenansicht des Kopfes. Die Zähne aus "Pawls" sind so angeordnet, dass sie beim Schließen nicht aneinanderstoßen. Beim Öffnen des Kiefers taucht der Hinterkopf in den Hals ein.
Auf diesem Bild kann man gut die beiden 19er Ritzel im Kopf erkennen. Wenn das Getriebe über die gebogenen Drähte den Unterkiefer herunterzieht, wird der Schädel über die gegenläufige Bewegung der Ritzel nach oben gedreht. Dadurch ist der Öffnungswinkel des Kiefers erheblich größer, als wenn nur der Unterkiefer bewegt wird.
Rechte Seite des Körpers von innen gesehen. Links befindet sich das Lager für den Kopf, rechts daneben bildet ein 3-Loch Girder die Aufnahme für den Motor. Ganz rechts befindet sich das Lager für den Schwanz. Der 5-Loch Verbindungsbügel bildet die Befestiungspunkte für die Rücken- und Bauchabdeckungen.
Rechte Körperhälfte von außen gesehen. Die drei "threaded pins" sind Arm- bzw. Beinlagerungen.
Fertiger Körper ohne Arme, Beine und Kopf. 0,7 mm starker Stahldraht ist auf beiden Seiten durch die Schwanzglieder gefädelt und am Ende fest verschraubt. Am vorderen Ende im Körper ist er zu Ösen gebogen. Die beiden Umlenkhebel hinter der Hauptwelle steuern die Drähte.
Körper von unten gesehen. Rechts im Bild befinden sich zwei Scharniere direkt unterhalb des Kopflagers. Wenn man die letzte Schraube links im Bild entfernt, läßt sich der Bauch samt Batteriefach nach vorne aufklappen.
Bauch im aufgeklappten Zustand. Rechts im Bild zwischen den Seitenplatten ist der Motor zu sehen. In der Bildmitte mit einem 57 Zähne Zahnrad ist die Hauptwelle zur Steuerung der Beine zu sehen.
Die beiden Arme von der linken Seite aus gesehen. Der Linke Arm wird mittels Draht angetrieben. Der rechte wird dur ch die Verbindungsachse mitgenommen.
Die Rückenabdeckung: "215 Formed slotted strips" sind abwechselnd mit schmalen 5-Loch Bändern angeordnet, damit sie sich nicht gegenseitig behindern.
Der Dino Rücken ohne Abdeckung. Gut zu sehen die Hauptwelle, die sowohl die blauen Exzenter für die Knie, als auch die Beine und den Schwanz antreiben.
Ohne den Kopf sieht man gut das Rollenlager. Der Dino ist perfekt ausbalanciert. Für dieses Bild ohne Kopf hatte ich Mühe, dass der Dino nicht nach hinten umfiel.
Die sieben Segmente des Schwanzes. Die schwarze Schnur dient als Stütze. Ansonsten würde die Schwanzspitze durch die Schwerkraft etwas nach unten sinken und auch die Reibung in den sieben Lagern unnötig erhöhen.
In diese Einzelteile läßt sich der Dino in einer Minute zerlegen.
Robosaurus: Maxiamle Ausdruckskraft mit einem Minimum an Teilen. Letztlich geht es bei meinen Modellen auch immer darum, Gewicht zu sparen. Drei Kilogramm sind für die kleinen Getriebemotoren sehr viel. Wenn ein Modell mehr oder weniger fertig ist, frage ich mich als erstes: Und was kann ich wieder entfernen, ohne Nachteile bei Funktion oder Optik?