Bei diesem Modell handelt es sich um einen Nachbau des berühmten Mercedes-Benz SSK von 1929. Dieser Wagen war der letzte nach konventionellen Konstruktionsprinzipien gebaute Rennwagen von Mercedes, bevor man ab 1934 die Silberpfeile ins Rennen schickte, von denen es keine „Straßenversionen“ mehr gab.
Ich hatte mich beim Bau zunächst nur auf das Chassis konzentriert. Erst mit Abstand von ein paar Monaten hatte ich mich dann doch entschlossen, den Wagen komplett mit Karosserie aufzubauen.
Ich hatte schon öfter mal Chassis von Oldtimern gebaut und dabei immer viel Zeit auf eine realistische und schön geschwungene Form des Rahmens verwendet. Dabei hat mich meistens gestört, dass bei dem durch die 3,5“ Räder vorgegebenen Maßstab die beiden Längsträger mit einem halben Zoll (ca. 12,7 mm) schon relativ breit waren, wenn man die Winkelträger standardmäßig als liegende U-Träger verwendet hat. 12,7 mm im Modell wären zwar in der Realität auch nur rund 10 cm, aber weil im Modell ja immer noch die Schraubenköpfe und Muttern dazu kommen, wird der Platz innerhalb des Rahmens für Bauteile wie Motorblock, Tank oder Sitze schnell zu eng. Außerdem sind die Leiterrahmen bei dieser Bauart nicht besonders verwindungssteif. Aus diesen Gründen bin ich hier neue Wege gegangen und habe, um die Breite der Längsträger zu reduzieren, die Baurichtung um 90° gedreht. Dafür habe ich bis zu fünf Lochbänder hochkant nebeneinander geschichtet und miteinander verschraubt, was einer Breite von nur 6 mm entspricht anstatt 12,7 mm bei der konventionellen Bauart. Zudem vergrößert sich die lichte Innenbreite auch um diese 12,7 mm bei gleicher Außenbreite, weil auf jeder Wagenseite 1/4“ an freiem Platz hinzukommt durch den Wegfall der Winkelträger. Für das seitliche Profil der Längsträger, das möglichst genau dem Vorbild entsprechen sollte, habe ich mir nach einer alten Konstruktionszeichnung aus dem Internet eine maßstabsgetreue Zeichnung angefertigt. Die Lochbänder wurden darauf passend ausgelegt und mit langen Märklin Schrauben so oft und so fest wie möglich verschraubt. Nach meiner Erfahrung ist diese Art den Rahmen zu bauen im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise tatsächlich etwas verwindungssteifer. Besonders das Verdrehen entlang der Längsachse hat damit ein Ende. Dass der Rahmen aus grünen Märklin Flachbändern gebaut ist und nicht aus Meccano liegt einzig daran, dass ich zum Zeitpunkt des Baus noch nicht über genügend Meccano Teile verfügte. Ich baue sonst am liebsten mit Meccano in Zink, aber ich finde jetzt, da der Wagen fertig ist, das grüne Chassis sogar sehr schön. Die geschwungene Form des Rahmens setzt sich gut von der silberfarbenen Karosserie ab.
Für den Kühler probierte ich diverse Teile aus dem Meccano Sortiment aus, um den Charakter des Mercedes SSK Kühlers möglichst genau zu treffen. Das besondere dieser Kühlerform ist ihre Dreidimensionalität. Denn während andere bekannte Hersteller von Luxuswagen, wie zum Beispiel Bugatti oder Rolls Royce, damals zwar auch schöne, aber eben vorne flache, sozusagen zweidimensionale Kühlerformen hatten, gibt es beim Mercedes Kühler der 30er Jahre einen vertikal verlaufenden Knick von etwa 50° zusätzlich zur nach oben gewölbten Kuppelform. Hilfreich war hier besonders das Teil „133c Obtuse Corner Bracket 3x2“, mit dem sich die abgeflachten Ecken gut darstellen ließen. Die textile Front des Kühlergrills habe ich selbst hergestellt. Dazu habe ich auf einem Papprahmen ein Leinwandgewebe aus Metallfaden gewebt. Ungefähr 4 Fäden/cm, um noch ein wenig Schwarz vom Hintergrund durchscheinen zu lassen. Dieses Gewebe habe ich dann auf schwarzes Polyesterdrahtgewebe geklebt, zurechtgeschnitten und mit Löchern zum Einschrauben versehen.
Da für ein 4-Gang-Getriebe der Platz nicht ausgereicht hätte, habe ich das 3-Gang-Getriebe aus dem Meccano Magazine von Februar 1933 als Ausgangspunkt genommen. Das passt vom zeitlichen Rahmen sehr gut, nur entsprechen die lediglich drei Gänge nicht der damaligen Realität, denn der SSK hatte natürlich vier Gänge und einen Rückwärtsgang. Aber die Modellvorlage ist zumindest aus der Zeit des Wagens, was ich auch schön finde. Ich habe das Getriebe um 1/2“ kürzen müssen, damit es gerade eben noch in den verfügbaren Raum zwischen Hinterachse und Motorblock passt. Dadurch ist allerdings der Rückwärtsgang weggefallen. So blieb ein Getriebe mit „symbolischen“ drei Vorwärtsgängen, die man beim hin- und herschieben des Modells schalten und betrachten kann. Das Getriebe beruht auf einer nicht standardmäßigen Paarung von Zahnrädern mit entweder 19 oder 25 Zähnen, weshalb es so schön klein ist.
Ausgehend von meinem SSK Chassis, kam dann etwa ein halbes Jahr später doch noch der Wunsch auf, den kompletten Wagen mitsamt Karosserie aufzubauen. Meine erste Überlegung war, in welcher Farbe ich die Karosserie machen sollte. Das Original war ja weiß, aber diese Farbe kam für mich nicht infrage, da es weder bei Meccano noch bei Märklin weiße Bleche gibt und eine Lösung mittels Blechen aus dem Baumarkt für mich auch ausschied. Ich erinnerte mich daran, dass es bei Märklin früher blaue Bleche gab, die auf der Rückseite silberfarben waren. Da mein SSK sowieso ein Hybrid aus Meccano und Märklin Teilen ist, war die Sache damit entschieden: Silberfarben sollte er werden, weil Silber zumindest eine Farbe ist, die damals bei den Nachfolgern dieses Modells, den Silberpfeilen, üblich war und daher zeitlich ganz gut passt. Schnell hatte ich die nötigen Verkleidungsplatten zusammen bekommen und konnte mit ersten Testbauten beginnen. Der Bau der Karosserie an sich war eine interessante und lehrreiche Erfahrung in Sachen Proportionen und Bauen nach Vorbild.
Wie immer der erste Schritt: Die maßstabgerechte Zeichnung entsprechend der Reifen. Hier der erste Versuch, die Kurven des Chassis in Märklinteile umzusetzen.
Besonders der Bereich über der Hinterachse war schwierig. Und stabil sollte es ja auch sein.
Fertiger Rahmen von vorne links gesehen. Drei Querstreben verbinden die beiden seitlichen Rahmenhälften. Die vordere der drei dient später als Träger für den Motorblock.
Fertiger Rahmen von hinten links gesehen.
Hier sieht man noch ein Differenzial aus Märklin Teilen an der Hinterachse ...
... das habe ich dann später geändert und ein schöneres Differenzial aus Meccano gebaut.
Für die Textilbespannung des Kühlergrills habe ich ein Gewebe aus Metallfäden hergestellt...
...und auf eine schwarze Polyesthergaze aufgeklebt.
Der Kühlergrill beim Zusammenbau.
Die Rückseite. Hier sieht man das Polyesthergewebe von hinten.
Der Motorblock im Bau.
Der Motorblock mit angedeutetem Kompressor und Vergaser. Das Getriebe ist nun auch angeflanscht. Der Zylinderkopfdeckel fehlt noch.
Beim SSK war das Lenkgetriebe am Motorblock angeflanscht. So auch bei meinem Modell.
Von unten sieht man die Kühlrippen der Ölwanne und den Kompressor.
Die fertige Hinterachse mit Differenzial.
Das Hinterachsgehäuse noch ohne Differenzial.
Das Getriebe von unten gesehen. Links im Bild die Indexierung der drei Gänge mittels Schnurlaufrollen und Klinke.
Das Getriebe von der linken Seite gesehen. Das Gummiband zieht die Klinke an die Schnurlaufrollen und sorgt so für die Indexierung der Gänge.
Fertiges Chassis von links gesehen.
Das fertige Fahrzeugheck mit dem Tank.
Die Auspuffharfe auf der rechten Seite des Wagens besteht aus Spiralfedern aus Stahl. Das sind keine Meccano Teile.
Fertiges Chassis
Fertiger Wagen mit Karosserie. Auf den unten folgenden Bildern sieht man die ersten Versuche zum Bau einer Karosserie.
Beim ersten Versuch wollte ich die beiden Hälften der Motorhaube noch aus jeweils einem Stück gestalten, ohne die seitlichen Scharniere.
Hier der Rahmen als Träger für die Bleche in geschlossenem Zustand...
...und in geöffnetem Zustand.
Hier der fertige erste Versuch. Mir gefielen die sichtbaren Lochbänder nicht. Deshalb machte ich einen zweiten Versuch...
...und verlegte die Verstärkungen nach innen. Dann fiel mir allerdings erst auf, dass die rechte Seite der Motorhaube sich so nicht öffnen lassen würde, weil die Auspuffrohre durch die Motorhaube hindurchgeführt werden mussten. Sie brauchte also auf jeden Fall ein zusätzliches Scharnier, um beim Öffnen senkrecht an den Rohren entlang gleiten zu können .
Also habe ich nochmal von vorne angefangen und ein Schnittmuster für eine geteilte Haube gemacht. Diesmal mit den Aussparungen für die Auspuffrohre auf der rechten Seite.
Hier sieht man die rechte Hälfte der Motorhaube in geöffnetem Zustand. Die Aussparungen in der Seitenwand passen genau über die drei Auspuffrohre.
Und die linke Hälfte.
Zum Schluß noch das Heck des Wagens. Es bildet eine Einheit mit den Sitzen und lässt sich mit wenigen Handgriffen komplett aus- und einbauen. Im Bild die Aussparung für die Reservereifen.
Die Sitze. Der untere Teil des Heckmoduls liegt auf dem hinteren Chassisbogen auf.
Ab hier kommen Detailfotos des fertigen Wagens.