Dampftraktoren, oder Traction Engines, wie sie auf englisch heißen, sind ein bisschen wie Dinosaurier: Lange ausgestorben und nur noch im Museum zu sehen. Groß und schwerfällig sind sie auch. Aber sie sind auch faszinierend. Als ich sie vor ein paar Jahren auf einem Dampftraktortreffen in der Nähe von Hamburg zum ersten Mal sah, kam bei mir sofort der Wunsch auf, so eine Maschine aus Meccano zu bauen. Allerdings musste ich mich dabei für eine der vielen Möglichkeiten entscheiden, denn hier gibt es viele Unterschiede, bedingt durch die Herkunft der Fahrzeuge. Aufgrund meiner Recherchen, und weil ich mir den Bau einer Seiltrommel, wie es die deutschen und englischen Dampfpflüge oft hatten, ersparen wollte, ist mein Modell also einer Zugmaschine für Transportaufgaben auf Straßen nachempfunden. Vor allem in Großbritannien waren diese Maschinen über viele Jahrzehnte im Einsatz.
Fotos und technische Zeichnungen von Dampftraktoren gibt es in Hülle und Fülle im Internet. Je nachdem, von welchem Hersteller die Fahrzeuge stammten, gab es kleine Unterschiede in den Proportionen bezüglich der Kesseldurchmesser und dessen Länge sowie den Raddurchmessern und Breiten. Außerdem wurden besonders im englischsprachigen Raum schon viele Meccano Modelle von Dampftraktoren gebaut. Die Bilder davon waren natürlich auch sehr hilfreich. Ich habe mir bei diesem Modell die Anfertigung einer maßstabsgerechten Zeichnung erspart und stattdessen frei und ohne spezielles Vorbild gebaut, wie es mein Teilevorrat und die Farben daraus hergaben.
Die einzelnen Baugruppen sind in erster Linie der Kessel, das Mittelteil (hier wegen der enthaltenen Zahnräder und dem Motor der Einfachheit halber Getriebe genannt), der Fahrerstand mit dem Akkufach darunter, die Dampfmaschine selbst und natürlich die Räder. Ein paar Anbauten wie Schornstein, Trittbretter, und Vorderachse gibt es dann auch noch.
„Die letzte Schraube“
Erste Probebauten offenbarten auch gleich die zu erwartenden Schwierigkeiten meines Unterfangens: Sowohl der Kessel, als auch der Zylinder und der hintere Teil des Fahrzeugs sind geschlossene Hohlkörper. Beim Versuch, diese von außen zu verschließen, hat man immer das Problem der „letzten Schraube“. Wie soll man diese von innen mit einer Mutter kontern, wenn der Hohlkörper (z.B. der Kessel) schon geschlossen ist? Der eleganteste, aber auch teuerste Weg, dies zu tun, ist ein Bauteil namens „Threaded Boss“ mit der Teilenummer 64. Das ist ein kleiner Messingzylinder, etwas länger als ein Stellring, mit Mutterngewinde in der Längs- und Querachse. Damit hat man viele Möglichkeiten, ein Mutterngewinde für die letzte(n) Schraube(n) an geeigneter Stelle im Hohlkörper zu platzieren. Später braucht man dann von außen nur noch eine Schraube an der Stelle einzusetzen und das Modell kann sauber verschlossen und auch jederzeit wieder unproblematisch und schnell geöffnet werden, ohne irgendwelche Muttern von außen in den Hohlkörper einfädeln zu müssen.
Bei diesem Modell wurden insgesamt 23 von diesen „Threaded Bosses“ zum Schließen von Hohlkörpern verwendet. Näheres dazu später im Text. Hier nur ein Überblick über die Verwendungen:
Kessel 8 Stück (jeweils 4 Stück am vorderen und hinteren Ende)
Verbindung von Kessel und Getriebe (4 Stück)
Zylinder (5 Stück, davon 3 auf dem Kessel und 2 im Zylinder)
Akkufach (2 Stück)
Trennwand Getriebe/Fahrerstand (4 Stück)
Mein Modell kann also in gewisser Weise auch als Übungsobjekt zum Thema „geschlossene Hohlkörper“ gesehen werden.
Der Kessel:
Der Kessel besteht aus flexiblen Meccano Platten. Im Gegensatz zu den eher weichen Märklin Platten sind sie stabiler und zu einem Rohr verschraubt sogar sehr verwindungssteif. Das Kesselrohr besteht aus vier hintereinander gereihten Ringsegmenten. Ein Segment wird wiederum aus vier zu einem Ring verschraubten 5x5 Loch Platten gebildet, was einen Umfang von 16 Loch ergibt. Vorne befindet sich ein blaues Segment, um die Rauchkammer optisch abzusetzen, dahinter drei rote Segmente. Mehrere kleine Platten haben gegenüber wenigen großen Platten den Vorteil, dass an viel mehr Stellen am Kessel Anbauten, wie Trittbretter, Dampfzylinder, Schornstein oder Threaded Bosses, anzubringen sind, ohne in die Platten zusätzliche Löcher bohren zu müssen.
Ich habe mit dem Bau des Kesselrohres am hinteren Ende mit einer runden 2 ½“ Platte als Träger der „Threaded Bosses“ für die spätere Befestigung an der 5x7 Loch abgewinkelten Platte am Getriebeteil begonnen. Vier 15er Lochbänder laufen durch den insgesamt 17 Loch langen Kessel längs hindurch als zusätzliche Verstärkung. Sie beginnen und enden an den runden Platten. Die einzelnen flexiblen Meccano Platten sind wie in Klinkerbauweise beim Holzbootsbau übereinander von oben nach unten und von hinten nach vorne geschichtet und verschraubt worden. Während des Zusammenfügens der einzelnen Platten waren dann die sechs Winkel für die Trittbretter aus Holz und die drei „Threaded Bosses“ für den Zylinder anzubringen. Nachdem die letzten vier blauen Platten an ihrem hinteren Ende mit einer umlaufenden Reihe von Zierschrauben fixiert waren, musste ich noch den Sockel für die Vorderachse und die Gewindestange für den Schornstein von innen befestigen. Erst danach konnte ich die vordere runde 2 ½“ Platte mit den „Threaded Bosses“ als Gegenstück für die letzten vier Schrauben in den Kessel einpassen. Die Muttern der letzten Reihe Zierschrauben am vorderen inneren Kesselrand dienen als „Anschlag“ für die Rauchkammertür, die aus einem alten Blechrad besteht. Es wird von außen auf eine Gewindestange gesetzt, die von der Nabe der runden Platte dahinter gehalten wird.
Um durch das Festziehen der vielen Schrauben auf dem Kessel die flexiblen Platten nicht platt zu drücken, habe ich bei jeder dieser Schraubverbindungen zwischen der Kesselinnenwand und den darunterliegenden 15-Loch Bändern noch eine kleine Unterlegscheibe eingefügt. Diese sorgt für eine kleine Abstufung in den Zwischenräumen und verhindert, dass die Platten an der Stelle durch die Schraube und Mutter flachgedrückt werden.
Den entscheidenden Teil der „Entwicklungsarbeit“ an diesem Kesselrohr hatte ich schon ein Jahr zuvor erledigt, als ich mich zum ersten Mal mit der Konstruktion eines Kesselrohrs beschäftigte. Beim erneuten zweiten Versuch konnte ich nun von den Erfahrungen profitieren und die Fehler aus dem ersten Versuch vermeiden. Der Bau dieses Kesselrohres war vergleichbar mit Socken stricken: Einen Fehler, den man am Anfang gemacht hat kann man später unmöglich wieder korrigieren, es sei denn, man „ribbelt alles wieder auf“. Auf den Kessel bezogen bedeutet das, alles Schraube für Schraube wieder zurückzubauen bis zu der Stelle, die man korrigieren möchte. Grund dafür kann schon eine zu lose Schraubverbindung in einem der vorderen Segmente, eine falsche gelegte Schuppung der flexiblen Platten oder eine Änderung der Anbauteile im Nachhinein sein. Das unterscheidet dieses Modell sehr von anderen Bauten wie Fahrgestellen oder Kranen, bei denen man später meist noch Änderungen und Korrekturen ohne große Komplikationen vornehmen kann.
Das Getriebe:
Eigentlich reicht der Kessel bei den großen Vorbildern viel weiter in den hinteren Teil des Dampftraktors hinein und mündet in die Feuerbüchse, die vor der Hinterachse mit einer Feuertür endet. Da mein Modell keine Feuerbüchse hat, sondern stattdessen von einem Getriebemotor mit 150 UpM angetrieben wird, ist an der Stelle des verlängerten Kessels samt Brenner hier der Motor.
Das Getriebeteil besteht im Grunde nur aus je einer hochkant gestellten Platte je Seite und einer abgewinkelten Platte als Boden. Eine abgewinkelte Platte an der Frontseite wird erst später zusammen mit dem Kessel mittels „Threaded Bosses“ befestigt. Ein 7-Loch „Flat Girder“ je Seite, mit den Langlöchern an der Oberkante der Seitenwände verschraubt, sorgt für einen vergrößerten Lochabstand zwischen der Vorgelegewelle und der Ausgangswelle wegen der nicht standardmäßigen Zahnradpaarung.
Dieser simple, nach oben offene Hohlkörper hat genügend Festigkeit, um den Kessel und alle anderen Anbauten zu tragen. An der Vorderseite des Getriebes befindet sich neben der Lenkspindel auch noch eine mittels Zugstange zu öffnende Frischluftklappe.
Da die Kurbel- und Getriebewellen alle quer zur Fahrtrichtung verlaufen, sollte der Getriebemotor möglichst auch in Querrichtung sitzen. Der beste Platz dafür war relativ weit unten an der inneren linken Fahrzeugseite, wo er über eine 3x3 Lochplatte, die als Halterung für den Motor dient, von innen an die linke Seitenwand geschraubt ist. Die Motorwelle geht durch die Seitenwand hindurch nach außen. Die Kraft des Motors wird an der linken Außenseite entlang über eine Kombination aus 19er Ritzel und 25er Kronrad um 90° nach oben abgewinkelt und anschließend genauso wieder um 90° zurückgeleitet. Ein weiteres 19er Zwischenrad stellt die Verbindung zur Kurbelwelle her. Die Kurbelwelle treibt dann weiter über ein 38er Ritzel auf der rechten Fahrzeugseite die Vorgelegewelle für das Zweiganggetriebe an.
Im ersten Gang ist das Übersetzungsverhältnis hier 19/95 Zähne (1:5), und im zweiten Gang 38/75 Zähne (1:2). Im Anschluß wird die Kraft vom großen 95er Zahnrad nochmal auf ein 75er Zahnrad übertragen (1.26:1), das etwas weiter hinten und tiefer an der rechten Wagenseite sitzt. Eine Welle stellt von hier aus eine Verbindung auf die linke Wagenseite her, wo ein 19er Ritzel wiederum einen senkrecht darunter befindlichen Zahnring mit 133 (1:7) Zähnen antreibt. Der Zahnring ist der äußere, angetriebene Teil (Käfig) des Differenzials, das sich bei dieser Art von Fahrzeugen im Allgemeinen nicht in der Wagenmitte, sondern zwischen einem Hinterrad und der Wagenseitenwand befindet. Die beiden Übersetzungen der Gangschaltung sowie die Übersetzung zum Differenzial münden am Hinterrad in einem Vorwärtstempo von 5,4 UpM (150÷5x1,26÷7) im ersten Gang bzw. 13,5 UpM (150÷2x1,26÷7) im zweiten Gang.
Fahrerstand und Akkufach:
Das Getriebeteil habe ich nach hinten erweitert, um den Fahrer/Heizerstand und das Heck bilden zu können. Wiederum eine abgewinkelte Platte verläuft als „Fußboden“ waagerecht durch die Wagenmitte und bildet dadurch gleichzeitig auch die obere Begrenzung für das darunter gelegene Akkufach. Auch die Abgrenzung zum vorderen Teil des Getriebes stellt eine abgewinkelte Platte her, die auch wieder mittels vier „Threaded Bosses“ senkrecht zwischen den Seitenwänden der Getriebeeinheit von außen fixiert ist. In der Mitte der Platte befindet sich als kleines Extra eine runde Messingplatte mit acht sichtbar angebrachten Sechskantmuttern, die eine Feuertür darstellen soll.
In das abgerundete Heck unterhalb der Fahrerebene ist eine Klappe integriert, die zur Entnahme oder dem Ein- und Ausschalten des Akkus geöffnet und geschlossen werden kann. Auch hier kommen wieder die „Threaded Bosses“ zum Einsatz, um die Klappe unauffällig von außen verschließen zu können.
Der Fahrer und der Heizer haben auf ihrer Plattform die Bedienelemente des Getriebeteils direkt vor sich:
Einen Hebel für die Zweigangschaltung rechts oben.
Einen Hebel zum Öffnen der Frischluftklappe links außen.
Das Lenkrad zum Steuern der Vorderachse rechts außen.
Um den Traktor in Bewegung zu setzen, muss ein kleiner Mikroschalter links neben dem Gangschaltungshebel umgelegt werden. Dieser schließt den Stromkreis zwischen Akku und Motor.
Ein Handrad zum betätigen der Bremse auf der linken Seite.
An dieser Stelle war nun der Moment gekommen, den Kessel und das Getriebe miteinander zu verbinden. Das verbindende Element ist dabei die schon erwähnte 5x7 Loch abgewinkelte Platte. Sie wird zunächst mit vier Schrauben an den „Threaded Bosses“ des Kessels fixiert. Anschließend wird dann der Kessel wiederum mittels der abgewinkelten Platte von außen an den 2- und 4-Loch Winkelträgern am Getriebeteil fixiert. Dass an der Stelle keine durchgehenden 7-Loch Winkelträger montiert sind liegt daran, dass eine Lücke für die seitlichen Schrauben bleiben muß, die den Kessel mit der abgewinkelten Platte verbinden.
Die Dampfmaschine:
Die Maschine ist bei diesem Modell gewissermaßen zweigeteilt. Die Kurbelwelle samt Schwungrad ist konstruktiv ein Teil des Getriebes. Dagegen ist der Zylinder mit Ventilsteuerung fest auf dem Kessel montiert.
Bezüglich des Aussehens des Zylinders war ich lange etwas unsicher. Da es unter den verschiedenen Vorbildern aber letztlich alle möglichen Formen von eiförmig über oval bis eckig zu sehen gab, habe ich mich dann für eine Mischung aus einem runden Zylinder und eckiger Ventilsteuerung entschieden. Auch hier war wieder die Herausforderung, den Hohlkörper so zu gestalten, dass er am Ende erstens leicht von außen zu schließen war und zweitens auch an leicht zugänglicher Stelle von innen her auf dem Kesselrücken zu befestigen sein sollte. Demzufolge wird also beim Zusammenbau erst der noch geöffnete Zylinder mittels dreier „Threaded Bosses“, die schon von innen mit dem Kesselrücken fest verschraubt wurden, auf diesem befestigt (zwei für den Zylinder, einer für die untere Führungsstange des Kreuzkopfes). Im Anschluß wird dann der Zylinder selbst seinerseits von außen mit zwei Schrauben verschlossen.
Als kleines Extra verfügt der Zylinder über ein angedeutetes Überdruckventil und einen Fliehkraftregler an seiner rechten Seite. Der Regler wird von einem 1“ Schnurlaufrad direkt von der Kurbelwelle aus über eine Transmissionsspirale angetrieben.
Ein anderes wichtiges Bauelement einer Dampfmaschine ist die Kurbelwelle. Die Kurbel besteht hier aus zwei parallel angeordneten 3-Loch Kupplungen und treibt die Pleuelstange an. Auf der gleichen Welle befindet sich auch die Ventilsteuerung in Form eines kleinen Meccano Exzenters (130a). Dabei läuft der Exzenter dem Kolben um ca. 90° voraus, wie bei einer richtigen Dampfmaschine. Die Pleuelstange besteht aus zwei „Short Threaded Couplings“ als Gelenke und einer Gewindestange, die wiederum von einer „Rod Connector“ genannten Hülse verdeckt ist. Die Pleuelstange ist wie bei vielen ihrer Vorbilder mit einem Kreuzkopf ausgestattet, der in Führungsschienen (je einem 7-Loch „Narrow Strip“ oben und unten) vor- und zurückläuft. Die Pleuelstange ist im Zylinder geführt, ohne jedoch mit einem Kolben verbunden zu sein.
Das Schwungrad:
Um ein möglichst filigranes Schwungrad mit sechs Speichen zu bekommen, habe ich gebogene Lochstreifen doppelt und überlappend in sechs Segmenten zu einem Kreis gelegt und anschließend verschraubt. Als Speichen dienen lange „Threaded Pins“ von Meccano. Zur Verbindung mit der Nabe habe ich sechs „Rod and Strip Connectors“ verwendet. Sie sind mit ihrem gelochten Ende mit Lochscheiben als Nabe verschraubt.
Die Räder:
Beim Bau der Räder habe ich mich bei der Traction Engine von Norman Gilbert aus dem Meccano Magazine No.4 von 1978 als Vorlage bedient. Ich fand sie besonders schön, weil sie gekreuzte Speichen haben. Der grundsätzliche Aufbau ist dabei für die Vorder- und die Hinterräder gleich:
Jeweils zwei aus gebogenen Flachbändern (Vorne 4x “89a Curved Strip“ und hinten 8x “90 Curved Strip“) hergestellte Ringe pro Rad werden mittels „Double Angle Strips“ zu einer Felge verbunden, auf der dann wiederum rund gebogene und zu einem Ring verschraubte 3x11 Loch flexible Platten als Radreifen montiert sind. Vorne beträgt die Breite der Lauffläche 3 Loch und hinten 4 Loch. Der Radreifen des Vorderrades hat einen Umfang von 26 Löchern, der des Hinterrades von 36 Löchern. Die „Felgen“ aus gebogenen Flachbändern sind zwischen den äußeren Muttern des Radreifens nur geklemmt und nicht verschraubt.
Beim Hinterrad wurden die beiden nebeneinanderliegenden Radreifen so weit übereinander geschoben, dass die blauen 4-Loch Streifen, die das Profil bilden, diagonal auf den Radreifen geschraubt werden konnten. Für die Naben kamen bei den Hinterrädern Lochscheibenräder mit Nabe und acht Löchern zum Einsatz, bei den Vorderrädern eine kleine Lochscheibe mit 6-Löchern außen und eine große Lochscheibe ohne Nabe innen.
Aus der Anzahl der Löcher in den Naben ergaben sich hinten 16 Speichen aus schmalen 6er Lochstreifen und vorne 12 Speichen aus 4er Lochstreifen pro Rad. Die Lochstreifen mussten an den Enden abgewinkelt werden.
Das linke Hinterrad ist direkt mit dem äußeren Kegelrad des Differenzials verschraubt. Deshalb ist es auch lose auf der Hinterachse montiert, während das rechte Hinterrad fest mit der Welle verbunden ist. Um das Differenzial zu sperren muß man das linke Hinterrad mittels Sperrstift auf der Hinterache fixieren.
Es gibt eine Feststellbremse am linken Hinterrad. Da es bei den großen Vorbildern alle möglichen Bremsmechanismen gab (von Bremsen die nur auf ein Rad wirkten über beidseitig wirkende bis zu gebremsten Getriebewellen) habe ich mich hier für die einfachste Möglichkeit entschieden:
Ein Handrad am Heck der Traktors wirkt dabei über eine Leitspindel auf einen Umlenkhebel, der wiederum einen Vierkantriemen aus Leder über einem 3,5“ Schnurlaufrad stramm zieht. Da das Schnurlaufrad auf der Hinterachse befestigt ist wirkt die Bremse somit auf das rechte Hinterrad.
Baukastenfremde Teile:
Noch ein kleiner Nachsatz zu den hier verwendeten baukastenfremden Teilen:
Der Schornstein ist ein Werk eines befreundeten Metallwerkers. Er war so freundlich, mir nach meinen Angaben ein passendes Teil aus Messingblech zu biegen und zu löten. Der Schornstein verjüngt sich leicht nach unten, sodass er unten am Kessel in den Rand eines „Flanged Wheel“ hineinpasst. Am oberen Ende liegt ebenfalls ein solches Rad auf der Kante auf und bildet zusammen mit einem schwarzen Gummiring den Abschluss.
Die Spindel für den Kettenantrieb der Lenkung besteht aus einem Kleiderbügeldraht, den ich um eine Meccano Welle herumgewickelt habe. Zur Fixierung habe ich Sekundenkleber in die Rillen laufen lassen. Damit die Kette beim Lenken nicht auf der Spindel rutscht, habe ich sie mit einem Draht darauf befestigt. Die Rückstände des Sekundenklebers auf der Welle lassen sich beim Auseinanderbau leicht wieder entfernen.
Der 12V Getriebemotor ist aus chinesischer Produktion und hat 150 UpM. Beim englischen Händler „MeccanoSpares“ gibt es 3x3 Loch Platten mit passenden Bohrungen als Adapter.
Die Reifen auf den Vorderrädern bestehen aus stabilem Kernleder, dass ich in Streifen geschnitten und mittels Löchern und Schnur zu einem Ring verbunden habe.
Das zu einem Riemen mit quadratischem Querschnitt zugeschnittene Kernleder der Bremse passt exakt in die Kerbe eines 3,5“ Schnurlaufrades.
Schuppenartig über- und hintereinander gelegte 5x5-Loch-Bleche bilden den Kessel. Die runde Platte am Ende zeigt später zum Getriebeteil, ist also hinten am Kessel. Die vier Winkel sind auf der Gegenseite in threaded bosses geschraubt. An den Verbindungsstellen zwischen den 15er Lochstreifen und den flexiblen Platten befindet sich immer eine kleine Unterlegscheibe, damit die Platten beim Anziehen der Schrauben an der Stelle nicht plattgedrückt werden.
Von innen ist der Kessel durch vier 15-Loch Bänder verstärkt. Was man auf diesen Bildern nicht sehen kann, weil ich sie erst später eingebaut habe, sind zwei 1x5x1 Verbindungsbügel, die ich auf Höhe des Zylinders gekreuzt quer und hochkant zur Stabilisierung eingezogen habe und zusammen mit den 15er Lochstreifen verschraubt habe.
Die rückwärtige Kesselseite. Hier wird später eine 5x7 geflanschte Platte befestigt, die wiederum am Getriebeteil montiert wird.
Diverse Winkel und threaded bosses sind schon beim Zusammenbau des Kessels mit eingeschraubt worden. Da man später nicht mehr an diese Schraubverbindungen herankommt, ist gute Planung Pflicht! Die drei threaded bosses oben auf dem Kessel sind für den Zylinder und die Laufschiene des Kreuzkopfes.
Die "letzte Schraube" zum Verschließen des Kessels von vorne. Das Vorderachslager mußte etwas heruntergezogen werden, um an die Schraube heranzukommen. Insgesamt sind aber auch hier vier threaded bosses in der zweiten Lochreihe des vorderen Kesselabschnittes versteckt. Die Gewindestange dient später zum Anbringen der Rauchkammertür.
Im Bau befindlicher Zylinder.
Der Fliehkraftregler ist montiert und der Zylinder kann verschlossen werden.
Der fertige Zylinder mit der Kolbenstange und dem unteren Teil des Kreuzkopfes.
Der fertige Zylinder von unten gesehen
Fertiger Kessel mit montiertem Zylinder, Schornstein, Trittbrettern und Vorderachslager. Auch für den Schornstein wurde eine lange Gewindestange im Kessel angebracht.
Der noch geöffnete Zylinder. Auch hier kommen threaded bosses zum Einsatz, um ihn von außen zu verschließen.
Kessel von vorne gesehen. Die runde Platte ist mittels vier threaded bosses mit den Kesselwänden verschraubt und gibt ihm Stabilität. Die geschlossene Reihe Muttern dient später als Auflage für die Rauchkammertür.
Kessel samt Anbauteilen fertig zur Montage am Getriebe. Die 5x7 geflanschte Platte wurde mittels vier threaded bosses am Kessel angeschraubt.
Getriebe von vorne rechts gesehen.
Getriebe von vorne links gesehen. In der Bildmitte der Motor. Die Kurbelwelle oben im Bild ist schon eingebaut. Die Pleuelstange wird erst später mit dem Kreuzkopf verbunden, wenn der Kessel angeschraubt wurde.
Das Getriebe von hinten rechts gesehen.
Getriebe von hinten links gesehen. Das Differenzial ist schon an seinem Platz, aber die Bremse fehlt auf diesem Bild noch.
Kessel und Getriebe beim Zusammenbau. Die 5x7 geflanschte Platte links im Bild wurde zuerst mittels vier threaded bosses am Kessel befestigt. Anschließend wird sie von außen mittels weiterer vier threaded bosses am Getriebeteil befestigt. Dies ist der Moment des Zusammenbaus.
Man sieht hier, dass die Kraft des Motors als erstes nach aussen auf ein 1/2" Ritzel mit 19 Zähnen geleitet wird und dann über ein Kronrad nach oben gelangt. Das hat den Grund, dass durch das Getriebe weiter oben kein Platz für eine Kraftübertragung innerhalb des Gehäuses möglich war.
Ausserdem sieht man, dass die Winkelstangen zur Montage des Kessels geteilt sind in 2x2 Loch und 2x4 Loch. Das hat den Grund, dass an der gegenüberliegenden geflanschten Platte schon zwei Schrauben an der gleichen Stelle den Kessel an Ort und Stelle halten.
Der Dampftraktor noch ohne Räder von links gesehen.
Der Dampftraktor noch ohne Räder von rechts gesehen.
Das Differenzial sitzt über der Bremse. Eine Besonderheit gibt es hier allerdings dadurch, dass das Differenzial auf der linken Fahrzeugseite sitzt und nicht wie bei heutigen Fahrzeugen üblich in der Mitte.
Die Welle, die im Bild zu sehen ist, geht komplett durch das Fahrzeug hindurch und ist nicht geteilt, wie man vermuten könnte. Die Teilung zwischem rechtem und linkem Hinterrad geschieht also nicht innerhalb des Differenziales wie sonst, sondern dadurch, dass das linke (dieses) Hinterrad lose auf der Welle läuft und über sein Bevel Gear mit dem Getriebe verbunden ist...
...Das Innere der beiden Bevel Gears ist dagegen fest mit der Welle und damit mit dem rechten Hinterrad verbunden.
Blick auf die Bremse bei entferntem Differenzial. Durch Drehen der Spindel (ganz rechts im Bild) wird der Lederriemen gespannt und das rechte ! Hinterrad gebremst.
Blick in den Fahrerstand und auf die angedeutete Feuerbüchse mit der Ofenklappe.
Blick auf das Getriebe von schräg rechts.
Die Zahnräder sind bezeichnet in der Reihenfolge von re. n. li. und von hi. n. vo.:
19, 38 (Märklin)
19
38 (Meccano), 19, 38 (Meccano)
95, 75 (Märklin)
75 (Märklin)
Hier ist unten im Bild gut die Frischluftklappe und der Mechanismus zum öffnen und schließen zu erkennen.
Die Vorderachse
Das Schwungrad aus gebogenen Lochstreifen von aussen gesehen. "Rod connectors" und "Axle pins" bilden die Speichen.
Das Schwungrad von der Innenseite gesehen.
Unterschiedlich große Lochscheiben mit sechs Löchern bilden die Vorderradnabe. Dementsprechend unterschiedlich sind die schmalen 4-Loch-Streifen gebogen. Sie dienen als Speichen.
Sechs Speichen sind mit dem äußeren (kleinen) Teil der Vorderrabe verschraubt. Dieses Teil wird an der Innenseite der Felge montiert.
Hier im Bild ist die Außenseite der Felge mit dem Innenteil der Nabe zu sehen.
Fertiges Vorderrad von außen gesehen. Auf dem lose aufliegenden Radreifen aus flexibler Platte ist noch ein Streifen aus dickem Rinderleder aufgebracht, damit das Rad nicht über die Verbindungsschrauben des Radreifen holpert.
Die hintere Felge ist vier Loch breit und mit diagonal verlaufenden 4-Loch-Streifen in der Kontrastfarbe Blau als "Profil" versehen. Die Breite von vier Loch ergibt sich dadurch, dass zwei Reihen 3-Loch flexible Platten um ein Loch überlappend nebeneinander gelegt wurden. Der Radreifen liegt auf der Felge nur locker auf und wird durch die seitlichen Muttern der Profilstreifen gehalten.
Fertiges rechtes Hinterrad von aussen gesehen. Die Hinterräder sind nach dem gleichen Prinzip gebaut wie die Vorderräder, allerdings mit gleichgroßen Lochscheiben mit acht Löchern für die Innen- und Außenseite, sowie schmalen 6-Loch Streifen als Speichen. Natürlich gibt es hier dann auch 16 statt 12 Speichen pro Rad. Wie man an der Stellschraube auf der Nabe sehen kann, wird dieses Rad fest mit der Hinterachse verbunden.
Fertiges rechtes Hinterrad von innen gesehen. Es unterscheidet sich vom linken Hinterrad dadurch, dass es an der Innenseite als Flansch ein Lochscheibenrad statt eines Bevel Gears hat.
Linkes Hinterrad mit Differenzialsperre.
Um das Differenzial zu sperren, muss man den äusseren und den inneren Teil der Sperre zueinander in Flucht bringen und mit einer kurzen Welle blockieren.
Blick unter den Kessel, wo sich die Lenkkette und darunter eine Frischluftklappe für den Brenner befindet. Die Spindel für den Vortrieb der Kette besteht aus einem Stück Draht eines billigen Kleiderbügels, wie sie in Wäschereien verwendet werden. Den habe ich einige Male eng um die Welle gewickelt und anschliessend Sekundenkleber in die Fugen zwischen Draht und Welle laufen lassen. Hält und funktioniert wunderbar.
Blick von hinten links auf die Bremsspindel und das linke Hinterrad.
Die erste Version von 2022 mit Trittbrettern aus Holz und einem Schornstein aus rohem Messingblech.
Rechtes Hinterrad. Die aus Flachbändern gebauten Räder sind wunderschön, aber sehr Teileintensiv. Für die vier Räder braucht man insgesamt 156 gebogene oder schmale Flachbänder und 204 Schrauben und Muttern. Ausserdem 22 Stück 3x11 flexible Platten und 24 1x3x1 schmale Verbindungsbügel. Also alles in allem rund 400 Einzelteile.
Linkes Hinterrad. Die beiden Teile der Differenzialsperre sind fast annähernd zueinander ausgerichtet. Man sieht den inneren roten Teil etwas auf der linken Seite neben dem äußeren Teil hervorblitzen.
Das Lenkgetriebe
Die Dampfmaschine von oben gesehen
Im Oktober 2026 habe ich den Traktor überarbeitet. Der Kohlenbehälter hinten ist nun nach aussen abgebogen und der Schornstein sowie die Rauchkammertür einheitlich blau lakiert. Ausserdem gibt es einen Fahrer und einen Eimer. Die hölzernen Trittbretter habe ich entfernt und gegen blaue Kesselringe ausgetauscht.