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WENDE IM JULI 2016: PFARRE PACHTET SCHLÖSSL DOCH - RENOVIERUNG WIRD GESTARTET
http://www.dfz21.at/dfz/loretto-schloessl-in-jedlesee-wird-neuer-pfarrhof/


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WIEN SOLL ODER MUSS WACHSEN, UND DIE PROGNOSTIZIERTEN ZWEI MILLIONEN EINWOHNER WERDEN  WÄHLERSTIMMEN UND GELD BRINGEN. STATT MIT PLANUNG DAFÜR GEHT ES IM WOHNBAU FREILICH VIELFACH MIT WILDWUCHS UND PUREM GEWINNSTREBEN ZU. WÄHREND DIE EHEMALIGE KAISERSTADT MIT ZENTRUM UND RINGSTRASSE PROTZT, WERDEN KLEINERE KULTURGÜTER, HISTORISCH GEWACHSENE ENSEMBLES UND DAMIT DAS TYPISCHE FLAIR VON STADTTEILEN INSBESONDERE IN RANDLAGEN VERNICHTET UND DURCH WELTWEIT AUSTAUSCHBARE, GESICHTSLOSE WOHNBLÖCKE ZUBETONIERT. DAS ZERSTÖRT LETZTLICH DIE LEBENSQUALITÄT  ALLER. KRITISCHE BÜRGERMITBESTIMMUNG BLEIBT FARCE. NUR EIN BEISPIEL VON VIELEN IST HIER AUF DIESER WEBSITE DOKUMENTIERT:


DIE ZERSTÖRUNG DES MARIA THERESIEN-SCHLÖSSLS UND VON DESSEN GARTEN IM ORTSKERN VON ALT-JEDLESEE IN WIEN-FLORIDSDORF

Mittelbar betrafen die Folgen der Verbauung der Schlössl-Gründe im ältesten Floridsdorfer Bezirksteil Jedlesee noch 2015/2016 auch im gegenüber liegenden Grünland (Esp - Erholung und Sport, siehe Flächenwidmung unten auf dieser Seite) die Anrainer der Lorettowiese. Sie protestierten gegen geplante "Ersatz-Sportfächen" für den verlorenen Tennisplatz - siehe UNERWÜNSCHTE NEBENWIRKUNGEN. Im November 2013 konnten sie sogar einen Bescheid des Wiener Sportamts (MA 51) an das Stift Klosterneuburg ausforschen: Aus diesem Dokument geht nun klar hervor, dass schon 2007 das Ende jeglichen Sportbetriebs gemäß der damals auch hier noch gültig gewesenen Grünland-Widmung (Esp) zugunsten einer Verbauung zwischen der Stadt Wien und dem Chorherren-Stift Klosterneuburg praktisch eine ausgemachte Sache war. Die Gründung und die Arbeit der ehemaligen Bürgerinitiative Jedlesee ab Mai 2008 sowie das streng geheime Mediationsverfahren von Mai bis November 2009 waren demnach reine Verschwendung von Zeit, Energie und finanziellen Mitteln. Die ausschlaggebenden P0litiker und das Stift hatten dies zwangsläufig von Anfang an gewusst - im Gegensatz zu den weiter im Unklaren gelassenen Bürgern. Vielleicht müsste sich Papst Franziskus sogar außerhalb seines unmittelbaren Bereichs demnächst auch noch für das Profitstreben katholischer Klöster ohne Rücksichtnahme auf ein größeres Ganzes im Sinn von Umwelt und "Schöpfung" interessieren. Alles in allem ist dies nur ein zusätzlicher Beweis, dass Österreich in Sachen Trennung von Religion(en) und Staat noch großen Aufholbedarf hat sowie bei  Transparenz von Politik und Verwaltung im internationalen Vergeich zurecht einen der schlechtesten Plätze hält.

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Der Konflikt um die Liegenschaft des Stifts Klosterneuburg in Jedlesee im 21. Wiener Gemeindebezirk erweckte sogar wissenschaftliches Interesse: An der Universität für Bodenkultur in Wien widmete sich ihm eine gegen Jahresende 2012 approbierte Masterarbeit (AKADEMISCHE ANALYSE). Sie bestätigt u.a., dass der Wunsch von rund 2.300 engagierten Bürgern durch deren vermeintliche Vertreter bei der Mediation 2009 von Anfang an konterkariert wurde.

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Im April 2013 waren die Wohnblöcke fertiggestellt und die Besiedlung voll im Gang - siehe FOTO-DOKU: Jedlesee ruinieren Ein bezahlter Beitrag in der Wohnbeilage des "Kurier" vom 30. September 2012 pries die Wohnblöcke mit höchst idealisierter Architekturskizze an, während unter den Anrainern
bereits eine neue Bezeichnungfür die Verbauung des ehemaligen Schlössl-Gartens  die Runde machte: "Stift Mammon-Siedlung" (MEDIENECHO). Eine Kurzfassung des gesamten Konflikts um die zerstörerischen Verbauungspläne des Liegenschaftseigentümers Stift Klosterneuburg im Herzen des ältesten Bezirksteils von Wien-Floridsdorf ist unter Überblick Schlössl-Gründe: Bilanz einer Niederlage abrufbar. Nostalgische Aufnahmen von dem, was für immer verloren ist, finden sich unter Alt-Jedleseer Erinnerungsbilder. Die FOTO-DOKU zeigt die nun durch neue Wohnblöcke verstellte Hinteransicht des Schlössls. Sie belegt zudem den weiteren Verfall des kleinen Barockbaus.  Außerdem wird veranschaulicht, wie auf eine Fassade beschränkter Denkmalschutz und zeitgemäßer Wohnquaderbau nach dem Motto "Faust-auf's-Aug" aufeinanderprallen. Die "Kronen Zeitung" berichtete in ihrer Wien-Ausgabe am 3. August 2011 über die bevorstehende Verbauung und den zu befürchtenden Abbruch des Schlössls wegen des fortschreitenden Verfalls - siehe MEDIENECHO.


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Die GEMEINDERATSWAHL 2015 brachte eine knappe, blaue Mehrheit von 36,27 Prozent gegenüber 35,03 Prozent für die SPÖ im Sprengel der 2013 bezogenen Siedlung. Deren Errichtung war vom Stift Klosterneuburg gefordert und insbesondere vom damaligen, roten Bezirksvorsteher, am Ende mit Unterstützung aller anderen Bezirksparteien, inklusive Gründland-Umwidmung betrieben worden. Die Wohnbauten wurden von einem SP- und einem VP-nahen Unternehmen errichtet.

Der erste Block links unten im Plan mit der strukturieren Rückseite stellt das Schlössl dar, unmittelbar
dahinter nach oben bis zur roten Linie die nunmehrige Verbauung von dessen ehemaligem Garten.


Wiener Gemeinderat beschloss: Bauland statt Grünland

Wohnblöcke-Siedlung statt Garten des Maria Theresien-Schlössls

Jedleseer Barockbau aus dem 17. Jhdt. ist seit Frühjahr 2013 zubetoniert

... nicht nur dieser Wohnblock, sondern die ganze Siedlung wurde auch 2013 fertiggestellt. Das Schlössl war, seines Gartens beraubt und weiter dem Verfall preisgegeben, de facto keiner vernünftigen Nutzung mehr zuzuführen, und Alt-Jedlesee endlich "zeitgemäß" gesichtslos geworden - aber für den Grundherren  und die Vermieter langfristig profitabel.

2.300 Unterschriften und alle Argumente gegen die vom Grundbesitzer Stift Klosterneuburg und vor allem der Wiener SPÖ betriebene Umwidmung waren vergeblich. In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschloss der Wiener Gemeinderat einstimmig am 30. Juni 2010 gemäß der ebenfalls einstimmigen Empfehlung der Floridsdorfer Bezirksvertretung vom 21. April 2010, den ehemaligen Garten des Maria Theresien-Schlössls in Floridsdorf-Jedlesee von Grünland in Bauland umzuwidmen. Ein Gutachten der MA 22 (Umweltschutz) zu Flora und Fauna im betroffenen Areal hätte gemäß Vereinbarung im Mediationsverfahren vor dem Gemeinderats-Beschluss vorliegen sollen. Es kam nicht zustande. Die hier u.a. verbreitet gewesenen und in Wien unter Naturschutz stehenden Igel oder Weinbergschnecken wurden von Baggern und Baumaschinen vernichtet. Im Herbst 2011 wurde im vollen Umfang mit der geplanten Errichtung der Wohnblöcke für rund 140 Wohneinheiten begonnen.

Im Interesse „zeitgemäßen und leistbaren Wohnens“ bzw. insbesondere wirtschaftlicher Vorteile für Stift und Bauwirtschaft wird das barocke, ebenerdige Herrschaftshaus aus dem 17. Jahrhundert zu einer Ruine, die nur noch als architektonischer Fremdkörper stört. Das kleine, denkmalgeschützte Schlössl konnte über drei Jahrhunderte sein Erscheinungsbild bewahren. Seit dem Frühjahr 2013 ist es zwischen zwei Tiefgaragen-Einfahrten und vor dem ersten, fünfgeschoßigen Wohnblock der neuen Satelliten-Siedlung nur noch ein läppisches Kulissen-Versatzstück. Niederösterreichisches Kulturerbe hat ganz einfach in Wien ungeachtet aller Anrainerproteste nichts Besseres verdient.

Diese Homepage hatte bis zuletzt ebenso verzweifelt wie chancenlos gegen die Verbauungspläne zu argumentieren versucht. Zugleich hat sie den Konflikt um die Schlössl-Gründe in Alt-Jedlesee seit April 2008 dokumentiert. Sie wird nun plangemäß kaum mehr weiter aktualisiert werden. Eine letzte Chance hätte allenfalls eine faire und sachliche BÜRGERBEFRAGUNG ÜBER DIE ZUKUNFT DES MARIA THERESIEN-SCHLÖSSLS UND DIE BEREITS LAUFENDE VERBAUUNG VON DESSEN EHEMALIGEM GARTEN im Bezirk sein können. Sie hätte freilich von der Zivilgesellschaft ohne jegliche Unterstützung der etablierten, politischen Parteien im Vorfeld durchgesetzt werden müssen. Der in diesem Sinne nötige, massive Druck von Bürgern auf die Politik war vor den Wiener Wahlen vom Oktober 2010 utopisch und blieb es danach ebenso. Zu sehr hat die Bevölkerung schon seit den Zeiten der Habsburger Subordination und Resignation verinnerlicht.

Gratulation all jenen, die es sich und einander gerichtet haben!

Herzlichen, aufrichtigen Dank denen, die bis zuletzt für eine ökologisch, sozial und kulturell verträgliche Lösung, für die Erhaltung eines weiteren bedrohten Stücks Grünland und für die Bewahrung der letzten Reste des alten Ortskerns von Jedlesee eingetreten sind – wenn auch erfolglos.

Sissy Danninger   

Und das ist die Vorgeschichte:




Anmerkungen in eigener Sache:
Diese Website ist nicht zu verwechseln mit der Homepage der Bürgerinitiative (BI) Jedlesee
(www.jedlesee-erhalten.at*), auch wenn insbesondere ältere, von mir verfasste Texte da wie dort zu lesen sind. Mit dem Beginn des Mediationsverfahrens im Mai 2009 mußten sich alle Beteiligten strengster Vertraulichkeit unterwerfen. Damit wurde die zuvor von der BI erhobene Forderung nach Öffentlichkeit dieser Gespräche obsolet. Zugleich mußte sich auch die BI verpflichten, für die Dauer des Verfahrens keinerlei Aktivitäten zu setzen und auf ihrer Homepage nur noch die offiziellen, gemeinsam mit den Mediatoren erstellten Mitteilungen ("öffentliche Informationen") zu veröffentlichen. Ich unterschrieb dieses Diktat nicht, sistierte mit Mai 2009 meine überflüssig gewordene Mitarbeit im Informationsbereich und zog mich sowohl aus dem Kernteam als auch aus der Delegation der BI bei diesen Gesprächen zurück. Daran, dass ich als Unterzeichner der BI-Unterschriftenliste und engagierte Bürgerin weiterhin wie ursprünglich auch die BI für die Erhaltung der Grünlandwidmung der Schlössl-Gründe und entsprechende Nutzung sowie die dringend nötige Generalsanierung des Maria Theresien-Schlössls eingetreten bin, hatte sich nichts geändert. Die Hagelschäden und deren Nicht-Sanierung haben mich Mitte August 2009 veranlasst, diese private Homepage fortzuführen und allen Interessierten online zugänglich zu machen. Ich bemühte mich, sie bis zum  Abschluss des formal-demokratischen Umwidmungsverfahrens und dem entsprechenden Beschluss des Gemeinderats nach meinem Wissensstand zu aktualisieren, und ergänze sie sporadisch auch noch weiter. (sd)

*) Bei einem Check Mitte Mai 2012 war diese Website nicht mehr auffindbar und offenbar gelöscht. Damit war es auch mit der angekündigt gewesenen, fortlaufenden Kontrolle der Umsetzung der Ergebnisse des Mediationsverfahrens nach einer letzten Aktualisierung vom Juli 2011 endgültig vorbei. Im Frühjahr 2012 hatte sich vor dem Check vom 12.Mai noch die isolierte Startseite aufrufen lassen, aber die Links hatten nicht mehr reagiert.

Die BI Jedlesee hörte, wenn nicht bereits mit dem Beginn der Mediation im Mai 2009, dann spätestens mit dem 23. November 2009 zu existieren auf. An diesem Tag endete das Mediationsverfahren im Sinne der Pläne des Stiftes Klosterneuburg. Alle Beteiligten stimmten der Umwidmung der Schlössl-Gründe zu Bauland und der Realisierung des Wohnblöcke-Projekts des Stifts mit geringfügig vermindertem Bauvolumen (rund 140 statt 180 Wohneinheiten) zu. Die mit fünf Geschoßen höchsten dieser Blöcke (Bauklasse II) wurden direkt hinter dem ebenerdigen Maria Theresien-Schlössl im alten Ortskern von Jedlesee errichtet. Bei diesen Gebäudehöhen orientierte man sich nicht am Schlössl, sondern am Nachbargrundstück Anton Bosch-Gasse 1. Hier wurde, unabhängig vom Disput um die Stiftsgründe daneben, im Sommer 2011 anstelle eines Einfamilienhauses mit Garten eine Wohnblöcke-Siedlung mit 38 Miet- und Eigentumswohnungen fertiggestellt. Immerhin soll nun laut Mediationsresultat - irgendwann bis Ende 2017 (!) - sogar das desolate Schlössl (ohne präzise Nennung des dafür finanziell Verantwortlichen) saniert werden, wenn es bis dahin noch steht. Auch die BI-Vertreter, deren von rund 2.300 Unterzeichnern gestützte Forderung auf Erhalt der Grünlandwidmung gelautet hatte, unterschrieben das Abschlusspapier zugunsten der Verbauung. Sie konnten zugleich für einige von ihnen kleine, persönliche Vorteile erreichen. Jede Form von Rückkoppelung zu den Unterstützern vor der Unterschriftsleistung war ihnen gemäß der Arbeitsvereinbarung für das Mediationsverfahren untersagt gewesen.



Ortsbild in Alt-Jedlesee durch neue Wohnblöcke weiter verschandelt
Stift Klosterneuburg erhielt von Wien die gewünschte Bauland-Widmung


Vorderansicht des Maria Theresien-Schlössls in Alt-Jedlesee (2008)

Direkt hinter dem im 17. Jahrhundert erbauten, ebenerdigen Maria Theresien-Schlössl im alten Ortskern des einstigen Dorfes Jedlesee in Wien-Floridsdorf, dem 21. Bezirk, wurde noch eine neue Wohnblock-Siedlung im Grätzl errichtet. Das betroffene Areal von etwas mehr als 20.000 Quadratmeter (zwei Hektar) grenzt außerdem an letzte, kleine Einfamilienhäuser sowie an eine Wiese, die Teil des streng geschützten Wiener Wald- und Wiesengürtels ist.

Grundeigentümer ist hier, wie in großen Teilen Floridsdorfs und auch der Bundeshauptstadt insgesamt, das Stift Klosterneuburg. Die Fläche lag seit 2003 brach, als der dort 1970 eröffnete Floridsdorfer Tennisclub den Betrieb und damit auch die Pachtzahlungen an das Stift einstellte. Nun wollten die Klosterneuburger Chorherren diesen Besitz endlich möglichst gewinnbringend nutzen. Dazu war primär eine Umwidmung des Areals von Grünland, konkret "Erholung und Sport", in Bauland durch die Stadt Wien erforderlich - und diese erfolgte auch Ende Juni 2010.



Hinteransicht (2008): Hier drohen neue 08/15-Wohnblöcke sowie laut
neuer Flächenwidmung sogar direkt an der Schlössl-Rückseite ein Zubau
 für Zwecke der Pfarre, der höher als das historsche Gebäude sein wird*)

Die in Wien sowie im Bezirk (bis zu den Wahlen vom 10. Oktober 2010) mit absoluter Mehrheit regierende SPÖ war jedoch auf massiven Widerstand der betroffenen Bevölkerung gestoßen. Für ihre Forderung "Kein Bauland statt Grünland" hatte die im April 2008 gegründete "Überparteiliche Bürgerinitiative Jedlesee" rund 2.300 Unterschriften (Stand Mai 2009. zugleich Ende der Aktion mit Beginn der Mediation) sammeln können (siehe auch unter: So hatte es begonnen).

Von Anfang an hatte die BI Jedlesee Unterstützung der politischen Parteien gesucht. Erfolg war ihr dabei jedoch nur bei den Grünen beschieden gewesen. Vorsprachen bei und Gespräche mit Vertretern anderer Parteien hatten diese nicht umstimmen können. Briefe und Mails waren teils unbeantwortet geblieben oder nur unzureichend beantwortet worden. Versuche zur Kontaktaufnahme mit dem Stift Klosterneuburg waren lange Zeit überhaupt gescheitert. Erst beim Mediationsverfahren "mit offenem Ausgang" von Mai bis November 2009 sollten die Kontrahenten zusammenkommen - und die Gegner der Verbauung am Ende (oder möglicherweise von Anfang an) den Kürzeren ziehen. Die Baurechtsverträge zwischen Stift und Sozialbau sowie ÖVW (Österr. Volkswohnungswerk) waren jedenfalls vor dem Beginn der Mediation im Mai 2009 und damit deutlich vor der Baulandwidmung der Sportfläche am 30. Juni 2010 bereits unter Dach und Fach.

Schon lange davor, spätestens im Sommer 2008, war ein Architektenwettbewerb mit der Vorgabe gelaufen, nicht weniger als 180 Wohneinheiten auf dem Areal dieser Schlössl-Gründe unterzubringen. Das Resultat wurde mit Rücksicht auf die Nationalratswahlen vom 28. September 2008 von der Bezirksvorstehung bis in den Oktober 2008 geheim gehalten. Als dann endlich die Präsentation des Siegermodells mit acht Wohnblöcken zu jeweils vier bis fünf Geschoßen erfolgte, begann sich das Blatt etwas zu wenden. Nicht nur die Mitglieder der Initiative reagierten bei der Präsentation im Oktober 2008 geschockt. Auch Vertreter der Oppositionsparteien FPÖ und ÖVP zeigten deutliche Ablehnung. (Dies hinderte sie allerdings im April 2010 ebenso wie die Grünen nicht mehr daran, der Empfehlung für die Verbauung in der Bezirksvertretung Floridsdorf zuzustimmen.)



Architekten-Fotomontage: Projekt blau umrandet hinter Kircherl und Schlössl

Am 5. November 2008 wurde in der Bezirksvertretung ein Allparteien-Antrag (Allparteienantrag 5. November 2008) einstimmig angenommen, der die Einberufung eines Runden Tisches aller am Projekt Beteiligten sowie der Bürgerinitiative durch den Bezirksvorsteher verlangte. Dabei sollte unter neutraler Moderation das Vorhaben der Umwidmung mit offenem Ausgang neu diskutiert werden. Am 19. Mai 2009 begann schließlich das streng vertrauliche Mediationsverfahren. Die BI mußte für dessen Dauer alle Aktivitäten - von eigenständiger Weiterführung ihrer Homepage über Informationen per Rundmails an die knapp 200köpfige Interessentengruppe bis zu öffentlichen Auftritten und zur Fortsetzung ihrer Unterschriftensammlung - sistieren. Das Verfahren ging am 23. November 2009 mit der Zustimmung der verbliebenen fünf BI-Vertreter zur Verbauung zu Ende - siehe auch Mediation beendet: Schlössl-Gründe werden verbaut sowie Mediationsresultat: Endlich öffentliche Diskussion nötig. Auch die Grünen gaben ihre Forderung nach Erhaltung der Grünland-Widmung der Schlössl-Gründe auf und stimmten der (nun laut Mediationsresultat im vom Schlössl am weitesten entfernten Bereich leicht reduzierten) Verbauung zu. Die nach dem Ende des Mediationsverfahrens erwartete, nun endlich unzensurierte, öffentliche Diskussion war nie entstanden. Mitschuld daran war nicht zuletzt die auffallende Zurückhaltung der Grünen selbst, die durchaus deren dringendem Wunsch nach der im Gefolge der Wahl vom Oktober 2010 schließlich auch erreichten Koalition mit der SPÖ in der Stadtregierung entsprach.

Alter Flächenwidmungsplan (aus dem Internet kopiert am 22. November 2009): Hellgrün markiert die Grünland-Widmungen.
Die Fläche nördlich des Schlössls bis zum Kammelweg (Esp - Erholungsgebiet Sport) wurde auf Wunsch des Stifts Klosterneuburg Bauland.
Der hellgrüne Bereich südlich ist die Lorettowiese, auf der für 2013 "Ersatz-Sportflächen" für "Streetball" und eine "Skateranlage" geplant
wurden. Blaugrün kennzeichnet Flächen des Schutzgebietes Wald- und Wiesengürtel (Sww). Die mit kleinen, blauen Punkten gerasterten
Flächen  markieren Schutzzonen, darunter das Haus Bosch-Gasse 1, das 2010 zugunsten des Baus von 38 Miet- und Eigentumswohungen
bis auf eine Potjemkin'sche Fassade zerstört wurde  (siehe Ensembleschutz durchlöchert).


*) Mit dem Ende September 2010 gefassten Beschluss der Pfarre, auf eine Nutzung des Schlössls zu verzichten, ist dieser Zubau wohl hinfällig geworden. Die Zukunft des Gebäudes erscheint insbesondere im Hinblick auf die Begündung dieser Ablehnung mit dem desolaten Zustand der Bausubstanz und den hohen Renovierungskosten (Kopie aus der betreffenden  Ausgabe des "Lorettoboten" vom November 2010 unten) allerdings ungewisser denn je. Die Garantie des Stifts Klosterneuburg für eine Revitalisierung  bedeutet somit offensichtlich keine Finanzierung - nicht einmal jene der seit Jahren vom Stift verabsäumten Instandhaltung der Bausubstanz. Als Verantwortlicher für diese Garantie wird das Stift zwar nirgends in den "öffentlichen Informationen" aus der Mediationsrunde, aber immerhin, wenn auch versteckt, in deren Abschlussvereinbarung unter  http://www.publicmediation.at/de/menu20/ genannt. Das Wort "Finanzierung" kommt auch hier nicht vor. Der vielfach befürchtete, am Ende dann sogar legale Abbruch des denkmalgeschützten Schlössls aus wirtschaftlichen und technischen Gründen könnte damit noch ein Stück näher gerückt sein.