Wespen und Hornissen gehören zu unserer heimischen Natur und erfüllen wichtige Aufgaben im Ökosystem. Sie jagen zahlreiche andere Insekten und tragen damit zu einem natürlichen Gleichgewicht bei.
Ein Nest am Haus, im Rollladenkasten, unter dem Dach, im Garten oder in einem Schuppen sorgt trotzdem schnell für Unsicherheit. Gerade wenn Kinder, Haustiere oder Personen mit einer bekannten Insektengiftallergie betroffen sind, sollte die Situation in Ruhe und fachkundig beurteilt werden.
Nicht jedes Nest muss entfernt oder bekämpft werden. Häufig lässt sich mit einfachen Maßnahmen ein Zusammenleben für die wenigen Monate bis zum natürlichen Ende des Volkes ermöglichen.
Einfluglöcher sollten nicht verschlossen und Nester nicht erschüttert, geöffnet oder eigenständig mit Insektenspray behandelt werden.
Viele Wespenarten sind außerhalb ihres Nestbereichs friedlich. Direkt am Nest verteidigen die Tiere jedoch ihre Brut und können auf Störungen entsprechend reagieren.
Hinzu kommt, dass je nach Wespen- oder Hornissenart unterschiedliche gesetzliche Schutzbestimmungen gelten.
Deshalb gilt grundsätzlich:
Erst bestimmen – dann entscheiden, welche Maßnahme sinnvoll und rechtlich zulässig ist.
In Deutschland kommen zahlreiche unterschiedliche Wespenarten vor. Die meisten interessieren sich überhaupt nicht für Kuchen, Getränke oder Grillfleisch.
Vor allem die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe begegnen uns regelmäßig an Speisen und Getränken.
Auch diese Tiere dürfen jedoch nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden.
Andere Arten unterliegen darüber hinaus einem besonderen Schutz.
Die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) steht unter besonderem Artenschutz.
Sie ist wesentlich friedlicher als ihr Ruf vermuten lässt. Ein Hornissennest muss deshalb nicht automatisch entfernt werden.
Ist eine Entfernung oder Umsiedlung dennoch notwendig, beispielsweise aufgrund einer konkreten Gefährdung, notwendiger Bauarbeiten oder einer besonderen Situation vor Ort, gelten zusätzliche artenschutzrechtliche Vorgaben.
In solchen Fällen sollte vor einer Maßnahme eine fachkundige Beratung erfolgen und gegebenenfalls die zuständige Untere Naturschutzbehörde einbezogen werden.
Wespen- und Hornissenvölker sind einjährig.
Im Frühjahr gründet eine Königin ein neues Volk. Während des Sommers wächst das Nest und erreicht – abhängig von der Art – seine größte Stärke.
Im Herbst endet der natürliche Lebenszyklus des Volkes. Die Arbeiterinnen und die alte Königin sterben ab. Nur junge begattete Königinnen überwintern an geschützten Stellen und gründen im folgenden Frühjahr ein neues Volk.
Ein altes Wespen- oder Hornissennest wird im nächsten Jahr nicht wieder von demselben Volk bezogen.
Deshalb kann es besonders im späteren Sommer häufig sinnvoll sein, ein Nest noch einige Wochen zu tolerieren, anstatt es aufwendig entfernen zu lassen.
Neben unserer heimischen Europäischen Hornisse kommt inzwischen auch die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) in Rheinland-Pfalz vor.
Sie ist eine invasive Art und darf nicht mit unserer heimischen Europäischen Hornisse verwechselt werden.
Typische Merkmale sind unter anderem:
überwiegend dunkler bis schwarzer Körper
auffälliger orange-gelber Bereich am Hinterleib
gelbe Beinenden
insgesamt deutlich dunkler als die Europäische Hornisse
Bei einem Verdacht empfiehlt es sich, das Tier aus sicherer Entfernung zu fotografieren.
Sichtungen der Asiatischen Hornisse sollten über den ArtenFinder Rheinland-Pfalz gemeldet werden.
Auch hier gilt: Ein Nest sollte nicht eigenständig geöffnet, entfernt oder bekämpft werden.
Einzelne Wespen beim Essen bedeuten nicht automatisch, dass sich ein Nest in unmittelbarer Nähe befindet.
Hilfreich ist:
Speisen und Getränke möglichst abdecken
Essensreste zeitnah entfernen
Trinkgefäße vor dem Trinken kontrollieren
bei Kindern Mund und Hände sauber halten
Wespen nicht anpusten
hektische Bewegungen vermeiden
Abstand zu bekannten Nestern halten
Wespen stechen normalerweise nicht grundlos. Probleme entstehen hauptsächlich dann, wenn sich Tiere bedroht fühlen oder ihr Nest verteidigen.
Beraten statt vorschnell bekämpfen.
Unser Ziel als Verein ist es, über Wespen und Hornissen zu informieren und dabei sowohl die Sicherheit der Menschen als auch den Schutz unserer heimischen Insekten zu berücksichtigen.
Nicht jedes Nest kann bleiben – aber ebenso wenig muss jedes Nest entfernt werden.
Eine fachkundige Einschätzung hilft dabei, die richtige Vorgehensweise zu finden.
Zum jetzigen Stand verfügt unser Vereinsmitglied Sascha Hoffmann über eine Ausbildung zum Wespen- und Hornissenberater.
Bei Fragen zu Wespen, Hornissen oder einem Nest kann über den Bienenzuchtverein Kontakt aufgenommen werden. Je nach Situation kann bereits anhand aussagekräftiger Fotos eine erste Einschätzung erfolgen.
Kontakt:
imkerei.hoffmann@outlook.de
https://www.bienenlaedle-kandel.com/
Ergänzende, interessante Informationen:
Wespe töten – Droht ein Bußgeld oder ist das erlaubt?
Aktion Wespenschutz, sehr informationshaltige Webseite