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Wölfe


Kommentar: Das waren keine Wölfe - das waren bestimmt wieder diese vielen freilaufenden Hunde,
die ja schon seit Jahren die Schafe, Damhirsche und Kälber fressen!





AZ vom 15.12.2018


Kommentar zum Angriff auf Friedhofsmitarbeiter:

Ja, es war ein Wolf! Was denn sonst?

01.12.2018 von AZ-online.de

Die einen mögen sie, die anderen verdammen die Wölfe in Deutschland. Viele brauchen sie nicht. Aber wenn sie schon mal da sind ... Und so lange sie uns nichts tun ...

Einig sind sich die meisten: Wölfe, die sich an Menschen gewöhnen, sind ein Problem. Sollte der Friedhofsmitarbeiter im Landkreis Rotenburg wirklich von einem Wolf gebissen worden sein, wird das die Politik mal wieder in Aufruhr versetzen. Was ist wichtiger – Artenschutz oder Schutz von Menschenleben?

Aber erstmal muss bewiesen werden, dass es ein Wolf war. Es könnte ja auch ein Schäferhund gewesen sein. Und das Rudel, das der Mann in der Nähe gesehen hat, waren vielleicht andere Schäferhunde. Bestimmt!

Die Schafe und Wildtiere, die täglich gerissen werden, müssen auch erst fachmännisch begutachtet werden, um sicher sagen zu können: Ja, es war ein Wolf! Was denn sonst? Laufen auf einmal überall in Wald und Flur verwilderte oder ausgebüxte Schäferhunde herum? Diese ganzen Wolfskompetenzleute sind doch überflüssig. Der Gipfel ist der Wolfs-Rettungswagen in Niedersachsen, der zum Einsatz kommt, wenn ein Wolf im Straßenverkehr verletzt wird.

Wie wird das wohl weitergehen? Wenn verhaltensauffällige Wölfe geschossen werden dürfen – welcher Jäger will sich den Hasstiraden danach aussetzen? Und wo will er sich auf den Problemwolf „ansetzen“? Das Gleiche gilt, wenn der Wolf ins Jagdrecht kommt und die Jäger es „richten“, sprich die Population eindämmen sollen. Ein Wolf ist kein Reh, das einen festen „Einstand“ hat, wie der Jäger die Reviertreue nennt. Die wenigsten Weidfrauen und -männer haben je einen Wolf zu Gesicht bekommen. Sie können sich den Hintern breit sitzen – und werden am Ende schuld sein, wenn das mit der Wolfsregulierung nicht klappt.

„Böse“, wie die Gebrüder Grimm den Wolf in ihrem Märchen „Rotkäppchen“ bezeichnen, sind die Raubtiere nicht. Es ist ihre Natur zu fressen. Aber die Moral von der Geschicht´ kommt der Realität heute doch sehr nah. Der Wolf ist ein intelligentes Tier – erst frisst er die Großmutter und dann will er mit einer List das junge Rotkäppchen verspeisen. Am Ende ist es der Jäger, der es „richtet“ ...

Von Ulrike Meineke





AZ vom 30.11.2018



AZ vom 29.11.2018



Da hat der Wolfsberater ja mal wieder Glück gehabt, das nicht der Wolf, sondern der nicht korrekte Zaun schuld war. "Der Wolf findet immer die Lücke von 1 %!" Und Entschädigung bekommt nur wenn alles zu 100 % richtig gebaut ist. Also hoch genug (aber da springt er ja auch noch drüber) und tief in der Erde vergraben muss der Zaun sein - sonst ist halt der Tierhalter schuld (wie immer!).

Die Menschen und Nutztiere zählen für die Wolfsbefürworter anscheinend nicht, nur das ach so seltene Tierchen "Wolf", das sich ungehemt vermehrt und Angst und Schrecken verbreitet.

Wann werden diese sog. Wolfsbefürworter endlich wach, das ein Raubtier wie der Wolf nicht in unsere eng besiedelte Landschaft mehr passt? In der russischen Taiga und Tundra ist viel Platz, jagt das Raubtier doch da hin!


AZ vom 02.11.2018





Länder ringen um Lösungen

Wolf reißt Kalb bei Niendorf: Das Rind war erst knapp einen Tag alt

20.10.2018

Das von Wölfen bei Niendorf gerissene Kalb war knapp einen Tag alt. Foto: privat

loh/dpa Niendorf/Berlin. Ein knapp einen Tag altes Deutsch-Angus-Kalb ist in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auf einer Weide im Bienenbütteler Ortsteil Niendorf von einem Wolf gerissen worden.

„Der Riss ist nicht untypisch für einen Wolf“, sagt Wolfsberater Theo Grüntjens. Da ein Wolf zudem von einer anderen Wolfsberaterin in der Nacht zu gestern am Kadaver beobachtet wurde, geht Grüntjens mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich um einen Riss durch das Raubtier handelt.

Unterdessen beschäftigt sich auch die deutsche Politik mit dem Thema Wolf. Die Länder Niedersachsen, Sachsen und Brandenburg fordern ein nationales Wolfsmanagement. Nach ihrem Willen sollte ein nationales Konzept Standards bei Herdenschutz, Schadensausgleich und beim Umgang mit auffälligen Wölfen setzen. Es sei für die Menschen und speziell für Tierhalter nicht nachvollziehbar, dass in jedem Bundesland andere Regelungen angewendet oder Gesetze unterschiedlich ausgelegt werden, argumentieren sie. Ein einheitlicher Rahmen würde Entscheidungen bundesweit nachvollziehbar machen und für mehr Rechtssicherheit sorgen – auch für Mitarbeiter von Behörden, falls sie im Einzelfall über einen Abschuss auffälliger Wölfe entscheiden müssen.

Der NABU hingegen kritisiert, dass zum wiederholten Mal der Fokus in der Wolfsdebatte auf den Schutzstatus und leichtere Entnahme von Wölfen gelegt wird. „Die Sicherheit des Menschen steht auch für den NABU an erster Stelle. Wölfe, die für Menschen kritisches Verhalten zeigen, können allerdings auch unter der momentanen Rechtslage schon entnommen werden“, so Bundesgeschäftsführer Leif Miller, „Auffälliges Verhalten ist der absolute Ausnahmefall.“

Für den Besitzer des Kalbes, Landwirt Hartmut Schaper, war der Fund ein Schock.


25 Wölfe im Kreis Uelzen: Population verdoppelt sich alle drei Jahre

28.09.2018

„Kurti“ (links) galt als verhaltensauffällig und wurde als einer der ersten Wölfe in Niedersachsen getötet.
© Archivfoto: dpa

Uelzen. Mit seinem neuen Vorstoß zur Regulierung des Wolfsbestandes hat das niedersächsische Landeskabinett der Diskussion über den angemessenen Umgang mit dem Raubtier neue Dynamik gegeben.

Als einer der Ersten meldete sich gestern der Uelzener Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer (CDU) zu Wort. „Dort, wo keine anderen Abwehrmaßnahmen mehr nützen, ist die einzig richtige Antwort auf die zunehmende Bedrohung, dass ein gefährlicher Wolf erlegt werden darf.“

Laut Hillmer sind im Landkreis Uelzen aktuell 25 Wölfe registriert, alle drei Jahre verdoppele sich ihre Zahl. „Mit 18 Wölfen pro 1000 Quadratkilometer haben wir eine Wolfsdichte, die auf die Fläche berechnet zehn Mal höher ist als in Russland“, rechnet der CDU-Abgeordnete vor. Weidetierhalter klagen schon seit Längerem über die wachsende Bedrohung durch Wolfsrisse. Im Landkreis Nienburg wurde jüngst ein Wald-Kindergarten zum Schutz eingezäunt (AZ berichtete). „Wir wollen nicht dabei zusehen, wie Kindergärten und Schafsherden weiträumig umzäunt werden, damit der Wolf überall frei umher laufen kann. So wollen wir auf dem Land nicht leben müssen“, sagt Hillmer dazu. Niedersachsen hatte am Dienstag angekündigt, eine Initiative zum Umgang mit dem Wolf in den Bundesrat einzubringen. Der strenge Schutz der Tiere solle gewahrt bleiben. Um ernste Schäden abzumildern und die Bürger zu schützen, müsse es aber möglich sein, problematische Tiere zu töten. Gerade auf dem Lande sei die Akzeptanz für den Wolf der Schlüssel für einen erfolgreichen Artenschutz, erklärte Umweltminister Olaf Lies (SPD). Wölfe kennen keine Landesgrenzen – deshalb sei eine bundesweite Regelung nötig.

Von Thomas Mitzlaf


Protest in der Wesermarsch

Zahl der vermuteten Wolfsrisse stark gestiegen

13.05.2018

Schäfer sollen für Wolfsopfer entschädigt werden
© dpa

Hannover - Die Wölfe in Niedersachsen sorgen für Ärger: Immer mehr Wolfsrisse werden von Tierhaltern gemeldet - was aber nicht bedeutet, dass Wölfe wirklich in allen Fällen verantwortlich waren. Zum Protest gegen den Wolf versammelten sich Weidetierhalter in der Wesermarsch.

Niedersächsische Tierhalter haben in diesem Jahr bisher weit mehr mutmaßliche Wolfsrisse gemeldet als im in den ersten Monaten von 2017. Bis Ende März mussten Behörden in 51 Fällen bei toten oder verletzten Nutztieren überprüfen, ob ein Wolf die Tiere biss. 2017 waren in diesem Zeitraum 37 Fälle gemeldet worden, in 24 Fällen wiesen die Behörden nach, dass tatsächlich ein Wolf die Tiere verletzte oder tötete. In diesem Jahr konnte das Umweltministerium 23 Wolfsrisse nachweisen, 24 Fälle werden noch untersucht.

Gegen die ungehinderte Verbreitung der Wölfe in Weidegebieten protestierten am Samstag mehr als 300 Menschen in Stadland. Wölfe in der Küstenregion seien nicht vereinbar mit der Weidehaltung, sagte der Geschäftsführer der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland, Manfred Ostendorf. Auch Politik und Gesellschaft trügen Verantwortung, wenn Hunderttausende Rinder oder Tausende von Schafen im Stall bleiben müssten. Dann werde es keine Weidemilch mehr geben.

Die Veranstalter, neben dem Landvolk auch die Landfrauen, die Deichverbände und die Schafzüchter, forderten wolfsfreie Zonen und klare Regelungen. Wölfe seien als Raubtiere mit einer ausgeprägten Weidehaltung und der Haltung von Schafen an den Deichen nicht vereinbar. Die Deichverbände seien in Sorge um den Küstenschutz, der ohne Schafe an den Deichen in Gefahr gerate. Wolfssichere Zäune gebe es nicht, und die Errichtung von wolfsabweisenden Zäunen würde allein in den Landkreisen Friesland und der Wesermarsch über 300 Millionen Euro kosten, kritisierten die Veranstalter der Kundgebung.

Rund 150 Wölfe streifen durch niedersächsische Wälder

Nach Angaben der Landesjägerschaft streifen derzeit rund 150 Wölfe durch niedersächsische Wälder. 2013 ließen sich 16 Nutztierschäden nachweisen, 2017 waren es 144 Fälle mit teils mehreren Tieren. Unlängst wurde bekannt, dass Niedersachsen die finanzielle Unterstützung für Nutztierhalter, die ihre Herden vor Wolfsrissen schützen wollen, ausweiten will. Künftig sollen demnach auch Tierhalter mit kleinen Beständen und Hobbytierhalter Förderung für Schutzzäune und Herdenschutzhunde erhalten können.

Wenn Tierbesitzer einen Wolfsangriff vermuten, sollten sie schnell den für ihre Region zuständigen Wolfsberater alarmieren. "Wichtig ist eine gute Dokumentation des Fundes", sagte die Sprecherin des niedersächsischen Wolfsbüros, Bettina Dörr. Manchmal sei schon die Fundsituation ziemlich eindeutig, häufig seien jedoch langwierige DNA-Untersuchungen notwendig, um einen Wolfsbiss nachzuweisen.

dpa


Weidetiere schützen

Kundgebung gegen Verbreitung der Wölfe

12.05.2018

Kundgebung "Wolfsfreie Zonen · Zum Schutz unserer Weidetiere"
© dpa

Stadland - Mehr als 300 Teilnehmer einer Kundgebung an der Küste haben gegen die ungehinderte Verbreitung der Wölfe in Weidegebieten protestiert.

Wölfe in der Küstenregion seien nicht vereinbar mit der Weidehaltung, betonte Manfred Ostendorf, Geschäftsführer der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland, am Samstag in Stadland im Landkreis Wesermarsch. Er mahnte, auch Politik und Gesellschaft trügen Verantwortung, wenn Hunderttausende Rinder oder Tausende von Schafen im Stall bleiben müssten. Dann werde es keine Weidemilch mehr geben. Wenn sich erst ein ganzes Wolfsrudel bilde, dann sei es zu spät.

Die Veranstalter, neben dem Landvolk auch die Landfrauen, die Deichverbände und die Schafzüchter, forderten wolfsfreie Zonen und klare Regelungen. Wölfe seien als Raubtiere mit einer ausgeprägten Weidehaltung und der Haltung von Schafen an den Deichen nicht vereinbar. Die Deichverbände seien in Sorge um den Küstenschutz, der ohne Schafe an den Deichen in Gefahr gerate. Wolfssichere Zäune gebe es nicht, und die Errichtung von wolfsabweisenden Zäunen würde allein in den Landkreisen Friesland und der Wesermarsch über 300 Millionen Euro kosten, kritisierten die Veranstalter der Kundgebung.

Die ostfriesischen Milchschafzüchter Günter Lindeburg (l) und Robert Winterhalter stehen bei der Kundgebung "Wolfsfreie Zonen · Zum Schutz unserer Weidetiere" auf dem Deich und halten Schilder hoch, auf denen "Wir machen Deiche sicher" und "Die Küste muss wolfsfrei bleiben" steht.
© dpa

Nach Angaben der Landesjägerschaft streifen derzeit rund 150 Wölfe durch niedersächsische Wälder. 2013 ließen sich 16 Nutztierschäden nachweisen, 2017 waren es 144 Fälle mit teils mehreren Tieren. Unlängst wurde bekannt, dass Niedersachsen die finanzielle Unterstützung für Nutztierhalter, die ihre Herden vor Wolfsrissen schützen wollen, ausweiten will. Künftig sollen demnach auch Tierhalter mit kleinen Beständen und Hobbytierhalter Förderung für Schutzzäune und Herdenschutzhunde erhalten können.

dpa




Landwirt holt Rinder zum Schutz in Stall – nun nimmt Neuland sein Fleisch nicht an

Ein Öko-Züchter in der Wolfs-Falle

08.03.2018

Reinhard Dehrmann aus Bahnsen hat aus Angst vor dem Wolf seine Rinder vorzeitig in den Stall geholt. Nun sinkt sein Einkommen, denn er bekam vom Verein Neuland eine Vermarktungssperre.
© Schossadowski

Bahnsen. Spaziergänger bangen um ihre Sicherheit, Eltern haben Angst um ihre Kinder, Weidetierhalter schlagen angesichts zunehmender Risse Alarm. Die Ausbreitung des Wolfes in der Region erfüllt viele Bürger mit großer Sorge.

Die wachsende Population des Raubtieres hat aber noch weitere Auswirkungen. Einer der Leidtragenden ist Landwirt Reinhard Dehrmann aus Bahnsen.

Er hält 120 Rinder und vermarktet sein Fleisch seit etwa zehn Jahren über den Verein Neuland, der sich für besonders tiergerechte Haltung einsetzt. Doch jetzt hat er Ärger mit Neuland, genauer gesagt mit dem Nachfolge-Unternehmen „Artgemäß“, das nach der Insolvenz der Neuland GmbH Produktvermarktung in Bad Bevensen gegründet wurde und mit Neuland einen Lizenzvertrag abgeschlossen hat. Der Grund für den Streit: Dehrmann hat seine Jungtiere im vorigen Herbst aus Angst vor dem Wolf vorzeitig in seinen Stall geholt. Deshalb hat ihn Neuland mit einer Vermarktungssperre belegt. Denn Dehrmann hat damit die Vorgabe des Vereins, dass die Tiere mindestens 100 Tage im Jahr auf der Weide stehen müssen, nicht erfüllt.

Seitdem könne er das Fleisch seiner Rinder nur noch an die Viehvermarktung verkaufen. Und die zahle ihm weniger Geld als Neuland. „Das beschert mir Mindereinnahmen von etwa 15.000 Euro“, beklagt der Landwirt. Doch er habe seine Tiere bewusst vorzeitig in den Stall geholt. Immer wieder habe er in der Nähe seiner drei Herden Wolfsspuren entdeckt. Zudem hätten Anwohner ihm von Wolfssichtungen berichtet.

Die ihm auferlegte Vermarktungssperre kann Dehrmann nicht nachvollziehen. Er wünscht sich aufgrund der Wolfsproblematik mehr Verständnis und eine Ausnahmeregelung von Neuland. „Es muss endlich was geschehen. Wir Weidetierhalter sind am Existenzminimum“, betont er.

Neuland sei grundsätzlich zu Ausnahmegenehmigungen bereit, sagt Vorstandssprecher Jochen Dettmer. Diese müssten Landwirte aber beantragen, bevor sie ihre Tiere in den Stall holen. Das habe Dehrmann nicht getan.

Von Bernd Schossadowski




AZ vom 29.12.2017





AZ vom 19.12.2017



Landesbehörde verteidigt Vorgehen nach jüngster Sichtung des Wildtieres in Dörmte

Wolfsbegegnungen „grundsätzlich nicht ungewöhnlich“

21.09.2017

Symbolfoto
© Archiv / dpa

bs Dörmte. Lässt das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die Einwohner von Dörmte nach der jüngsten Wolfssichtung im Stich? Dieses Gefühl haben viele Bürger.

Denn nachdem ein Wolf am 7. September mitten durch Dörmte gelaufen ist und von einem Einwohner aus seinem Auto heraus beobachtet wurde (AZ berichtete), hat das Wolfsbüro erklärt, dass es in diesem Fall keine Maßnahmen vor Ort ergreifen werde.

Herma Heyken, Pressesprecherin des NLWKN, verteidigt das Vorgehen ihrer Behörde. „Meldungen über Wölfe nehmen die Kollegen im Wolfsbüro sehr ernst, auch die damit verbundenen Ängste“, versichert sie. Die Meldungen würden gemeinsam mit der Landesjägerschaft und den örtlichen Wolfsberatern untersucht und vom Wolfsbüro abschließend bewertet. Sollte es fachlich erforderlich sein, würden „die notwendigen Maßnahmen veranlasst“, erklärt die Sprecherin.

Wolfssichtungen aus Fahrzeugen würden allerdings anders bewertet als Begegnungen zu Fuß. Denn Wölfe brächten Autos nicht automatisch mit Menschen in Verbindung und würden Fahrzeuge daher nicht unbedingt meiden. „Eine sofortige Maßnahme war aufgrund der angesprochenen Meldung nicht notwendig. Die Region steht aber unter intensiver Beobachtung, und ein intensives Monitoring wurde veranlasst“, teilt Heyken mit.

In einigen Fällen gebe es eine Ortsbegehung mit dem lokalen Wolfsberater oder dem Wolfsbüro, um weitere Informationen zum Sachverhalt zu ermitteln. Nicht aber im konkreten Fall in Dörmte. „Ein Ortstermin am 7. September war kurzfristig nicht möglich“, erläutert Heyken.

Sie betont: „Auch in Gebieten, in denen Wölfe leben, kann man sich weiterhin frei bewegen. In einer Region, in der Wölfe leben, kann es immer wieder passieren, dass sich die Wege von Menschen und Wölfen kreuzen. Das ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich.“


Bürger haben Angst um ihre Kinder – und wappnen sich mit Tränengas

Wolfssichtung in Dörmte: Spaziergang nur noch mit Pistole

19.09.2017

Vor Kurzem ist ein Wolf um die Bushaltestelle in Dörmte herumgeschlichen – nur wenige Minuten, nachdem dort der Schulbus abgefahren war. Jetzt sorgen sich die Bürger um ihre Kinder. Vom Wolfsbüro des Landes fühlen sie sich im Stich gelassen. Foto: Schossadowski
Vor Kurzem ist ein Wolf um die Bushaltestelle in Dörmte herumgeschlichen – nur wenige Minuten, nachdem dort der Schulbus abgefahren war. Jetzt sorgen sich die Bürger um ihre Kinder. Vom Wolfsbüro des Landes fühlen sie sich im Stich gelassen. 
© Schossadowski

Dörmte. Wenn sich Bettina Gieseke mit ihren beiden kleinen Kindern und ihrem Hund auf den Weg durch Dörmte macht, ist sie gut ausgerüstet. „Ich gehe oft mit einer Schreckschuss- und Tränengaspistole spazieren“, erzählt die junge Mutter. „Dafür habe ich extra den kleinen Waffenschein.“

Die Angst vor dem Wolf ist bei Bettina Gieseke groß – und bei vielen anderen Dörmtern auch. Denn vor wenigen Tagen ist ein Wolf mitten durch den Ort gelaufen und wurde dabei von einem Anwohner beobachtet.

Wie wird sich das Wildtier verhalten, wenn es plötzlich ihrem Hund gegenübersteht? Das fragt sich Bettina Gieseke nun voller Unbehagen. Wird der Wolf dann zum Angriff übergehen? „Auf jeden Fall ist es für mich und meine Kinder gefährlicher, wenn ich mit unserem Hund unterwegs bin“, meint die Dörmterin.

Um 7.45 Uhr morgens hat ein Anwohner das Tier gesehen, wie es um das örtliche Buswartehäuschen herumschlich. Nur wenige Minuten zuvor war dort der Bus mit den Schulkindern abgefahren. Ein weiterer Augenzeuge war Landwirt Dirk Meyer. Er fuhr mit seinem Auto hinter dem Wolf her, der schließlich in einem Maisfeld verschwand. „Wenn es in einem Dorf nicht mehr sicher ist für die Kinder, dann weiß ich auch nicht mehr“, sagt Ortsvertrauensmann Holger Wünsch. Der Nachwuchs wisse doch gar nicht, wie er sich bei einer Begegnung mit dem Wolf zu verhalten habe.

Die Dörmterin Edeltraud Wittvogel ist ebenfalls in Sorge. „Man traut sich schon gar nicht mehr in die Feldmark. Viele hier haben einfach nur noch Angst“, schildert sie. Seit dem Auftauchen des Wolfes in dem 100-Seelen-Ort lasse eine Mutter ihr Kind nicht mehr allein zur Bushaltestelle gehen, erzählen Anwohner. Stattdessen fahre sie es mit dem Auto dort hin und warte so lange, bis der Bus kommt. „Und mein Nachbar geht nicht mehr walken“, berichtet Wünsch.

Was viele Bürger nicht verstehen können, ist die Reaktion des Wolfsbüros, das beim niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) angesiedelt ist. Als Meyer sich dort nach der Sichtung des Wolfes meldete, sei ihm nur gesagt worden: „Sie müssen das weiter beobachten. Wenn sich das häuft, werden wir handeln.“ Konkrete Maßnahmen, zum Beispiel eine Untersuchung vor Ort in Dörmte, würden aber erst mal nicht ergriffen. Deshalb haben einige Einwohner den Eindruck, dass das Land sie in dieser Angelegenheit im Stich lässt. „Es ist schon Verzweiflung zu spüren, dass keiner einem hilft“, sagt Wünsch.

Die AZ hat zu dem Sachverhalt auch das NLWKN angefragt, gestern bis Redaktionsschluss aber keine Auskunft dazu bekommen.

Von Bernd Schossadowski



Isegrim jagt Reh ins Maisfeld und wird dabei fotografiert

Gehören zum Alltag: Immer mehr Begegnungen mit dem Wolf im Kreis Uelzen

14.09.2017

Diese Aufnahme entstand am Almstorfer Fuchsberg.
© Waldemar Golnik

ib Almstorf. Wölfe gehören immer mehr zum Alltag im Landkreis Uelzen – Waldemar Golnik konnte jetzt beobachten und fotografieren, wie eines der Raubtiere am Almstorfer Fuchsberg ein Reh hetzte und in ein Maisfeld jagte (Foto).



Streit über ersten Wolfs-Rettungswagen

02.05.2017

Wolfsberater Helge Stummeyer neben einem Transportwagen für Wildtiere.
© Julian Stratenschulte/dpa (Archiv)

Hannover - Von Christina Sticht. Der Jahrhunderte lang verteufelte Wolf ist nach Deutschland zurückgekehrt. Immer häufiger werden die streng geschützten Tiere Opfer von Verkehrsunfällen. In Niedersachsen soll ein speziell angefertigter Rettungswagen verletzte Wölfe transportieren.

Das Gefährt wurde von einer Firma in Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Wolfsberater der Region Hannover, Helge Stummeyer, entwickelt. Im Umkreis der Landeshauptstadt lebt noch kein Rudel, nur einzelne Tiere wurden gesichtet. "Aber man kauft ja auch nicht erst das Feuerwehrauto, wenn es brennt" sagt der Jäger, der zu den landesweit etwa 130 ehrenamtlichen Wolfsberatern zählt.

Ende Januar verkündete die Region Hannover stolz die Inbetriebnahme des 10.000 Euro teuren Spezialanhängers. Die Kommunalpolitiker von CDU, SPD und Grüne hatten sich einstimmig für die Anschaffung ausgesprochen. Wo genau der Rettungswagen stationiert ist, verrät Stummeyer nicht. Es ist ein sensibles Thema. "Der Wolf kriegt's nur aufs Fell", sagt er. Viehhalter haben Angst vor Schafs- oder Kälberrissen, die Landes-CDU fordert angesichts der wachsenden Zahl der Rudel eine von Jägern geregelte Obergrenze für Wölfe.

Doch zurzeit ist der Abschuss der geschützten Raubtiere verboten. Anders als bei Rehen oder Wildschweinen darf kein Jäger oder Polizist ein angefahrenes Tier töten. Zur Unfallstelle muss laut Gesetz erst ein Amtstierarzt kommen, der den Wolf untersucht und entscheidet, ob er schmerzlos erlöst oder gesund gepflegt werden soll.

Wagen auch für Entnahmen

Vor diesem Hintergrund kam Stummeyer die Idee mit dem Rettungswagen. Der Anhänger aus Aluminium hat Scheinwerfer und eine gelbe Signalleuchte. Das Tier könne damit vom Unfallort in Sicherheit gebracht werden, um über das weitere Vorgehen in Ruhe zu entscheiden, meint der Wolfsberater. Der Wagen könne auch bei Entnahmen, also behördlich angeordneten Tötungen, zum Einsatz kommen - vor einem Jahr wurde ein von Tierschützern Kurti getaufter Rüde auf Anordnung des Umweltministeriums erschossen, weil er zu wenig Scheu vor Menschen zeigte.

Derzeit wartet der neue Wagen noch auf seinen ersten Einsatz. Dabei kann er auch von den Nachbarkreisen Celle, Nienburg und Heidekreis angefordert werden, in denen bereits Rudel leben. Die Zahl der in Niedersachsen verunglückten Tiere ist noch überschaubar. Seit Januar 2015 wurden 14 Wölfe im Straßenverkehr getötet, davon allerdings 4 seit November 2016, zuletzt bei Visbek im Landkreis Vechta.

Dem Leiter des Wolfcenters Dörverden, Frank Faß, ist ein Fall aus Sachsen bekannt, in dem ein angefahrener Wolf gesund gepflegt wurde. "Es soll auch einen zweiten Fall in Deutschland gegeben haben", sagt der Experte. Über den womöglich sogar weltweit ersten Wolfsanhänger will er sich kein Urteil erlauben. "Ich habe ihn noch nicht gesehen."

Jäger finden Anhänger unsinnig

Der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, hält dagegen das als Krankenwagen für Wölfe verspottete Gefährt für Unsinn. Zum einen seien die Anfahrtswege zu lang, zum anderen werde er bald schon nicht mehr notwendig sein. 

"Der strenge artenschutzrechtliche Schutz des Wolfes wird in den nächsten Jahren erheblich relativiert", vermutet der CDU-Landtagsabgeordnete. "Die Wolfspopulation ist nicht mehr darauf angewiesen, dass wir um jedes einzelne Tier kämpfen." Außerdem sei Tierschutz nicht teilbar, meint Dammann-Tamke. Für angefahrene Feldhasen oder Rehe gebe es schließlich auch keine Rettungswagen.

Der für die Wölfe zuständige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) findet die Initiative von Wolfsberater Stummeyer dagegen nicht schlecht. "Werden Tiere nicht jagdbarer Arten hilflos und fluchtunfähig aufgefunden, besteht eine aus dem Tierschutzrecht abgeleitete Verpflichtung, deren Leiden zu mildern oder zu beenden", sagt Behördensprecher Achim Stolz. "Dabei kann die Vorhaltung einer Transportmöglichkeit für verletzte Wölfe hilfreich sein."

dpa




Vorsitzender der Jägerschaft Stendal kritisiert öffentliche Darstellung

„Wolfsproblem fußt auf Lügen“ – Vergrämen schwierig

27.03.2017

Die Anzahl der in Deutschland frei lebenden Wolfsrudel vergrößert sich. Ein Thema nicht nur für Jäger.
© dpa

Stendal. „Beim Thema Wolf kommt die Gesellschaft der Realität immer näher. “ Mit diesen Worten eröffnet Bernhard Engelmann, Vorsitzender der Jägerschaft Stendal, seine Ausführungen zu Isegrim.

Es sei ein Thema, zudem er sich anlässlich der Jahreshauptversammlung am Samstagvormittag noch einmal äußern müsse. Und Engelmann kritisiert die öffentliche Darstellung der Wolfssituation scharf. „Das Wolfsproblem fußt auf drei großen Lügen“, so Engelmann.

Es sei zum einen überall zu lesen, dass der Wolf vom Aussterben bedroht sei und geschützt werden müsse. „Der Wolf war noch nie vom Aussterben bedroht“, stellt Engelmann klar. Auch mit der Schilderung, dass der Wolf auf eine natürliche Art und Weise nach Deutschland zurückgekehrt sei, erklärt sich der Groß Schwechtener nicht einverstanden. „Der Wolf ist eine Kulturlandschaft zurückgekehrt, die ihm eine bessere Nahrungsversorgung liefert als noch vor 150 Jahren“, sagt Engelmann. Es sei „ein Märchen der Zuwanderung“, welches sich durch ständige Wiederholung in vielen Medien in den Köpfen der Menschen festgesetzt habe.

„Drittens, unsere Wölfe sollen reinrassige Tiere sein“, führt Engelmann weiter aus. Als Beispiel zeigt er den Anwesenden im „Haus am See“ ein Bild aus einer Zeitschrift. Zu sehen ist ein Tier, das einem Wolf zwar ähnlich ist, aber laut Engelmann keiner ist. „Entweder hat derjenige, der das Bild ausgesucht hat, einfach keine Ahnung. Oder die Darstellung ist absichtlich falsch.“

Dem erfahrenen Jäger sind die Wolfsrisse und die damit verbundenen Schäden natürlich bekannt. „Eine Umzäunung ist quasi unmöglich.“ Ein Areal von mehreren Zehntausend Hektar zu umzäunen, würde nach Engelmanns Kalkulation einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. „Das ist doch Wahnsinn.“ Und auch das Vergrämen sei problematisch. Darunter versteht man das Vertreiben von Tieren, etwa mit Gummigeschossen oder akustischen Signalen. „Das funktioniert praktisch nicht“, so der Jäger.

Von Mike Höpfner



Landrat erneuert bei der Kreisjägerschaft Kritik an Umweltminister Wenzel

Wolf soll mehr Scheu haben – „Es fehlt schlicht an politischem Willen“

27.03.2017

Laut offiziellen Schätzungen leben 80 Wölfe im Land. Sie beschäftigen auch die Kreisjägerschaft.
© Archivfoto: dpa

Bad Bevensen. Wie geht es weiter im Umgang mit dem Wolf? Das Thema dominierte auch die Mitgliederversammlung der Kreisjägerschaft Uelzen am Freitagabend in Bad Bevensen.

Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge wies darauf hin, dass der Mufflonbestand in der Göhrde gerade dem Wolf zum Opfer falle. Ein Versuch, die Tiere einzufangen, sei abgebrochen worden.

Offiziellen Schätzungen zufolge leben derzeit rund 80 Wölfe im Land. Die Zahl des Fallwildes – die Jäger zählten allein zehn tote Wölfe – und dazu die um 30 Prozent gestiegenen Sichtungen des grauen Jägers – deuten für die Versammlung aber darauf hin, dass es noch mehr Wölfe geben könnte.

Landtagsabgeordneter Jörg Hillmer (CDU) ist überzeugt, dass man es im Landkreis mit einer auffälligen Wolfspopulation zu tun habe, „die nah an den Menschen herankommt“. Der Wolf brauche „etwas mehr Respekt vor dem Menschen.“ Gleichzeitig kritisierte er die Landesregierung, die „knickerig“ mit den Weidetierhaltern umgehe. Er forderte eine Umkehr der Beweislast bei Rissen von Weidetieren.

Landrat Dr. Heiko Blume (CDU) erneuerte seine Kritik an Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). „Die Akzeptanz der Menschen für den Wolf nimmt ab“, stellte er fest. Es könne nicht sein, dass sich die Menschen in der Landschaft nicht mehr frei bewegen könnten. „Vielmehr muss der Wolf eine Scheu vor dem Menschen haben“. Er verwies auf die Resolution des Uelzener Kreistages. In dem Sieben-Punkte-Plan hatte sich der Kreistag unter anderem für die Vergrämung von Wölfen und ihre Aufnahme ins Jagdrecht eingesetzt.

Die SPD- Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann sprach sich bei den Jägern für die Entnahme von Problemwölfen aus. Sie forderte zu Überlegungen auf, ab welchen Wolfsbeständen eine Regulierung notwendig sei.

Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Nikolaus Walther beklagte mangelnde Initiative der Parteien auf Bundesebene: „Es fehlt schlicht an politischem Willen.“


"Situation hat in dieser Woche eine neue Qualität erreicht"

Kommentar: Der Mensch weicht dem Wolf

03.03.2017

Der Fleischfresser weiche zurück, sobald er sich in der Nähe großer, lärmenden Zweibeiner befände. Das zumindest wurde stets behauptet. Ein Video beweist nun das Gegenteil.
© Privat

Die Kommentare sind wieder ebenso zahlreich wie emotional. Es gibt nur ein Dafür oder Dagegen und der AZ wird einmal mehr Stimmungsmache vorgeworfen. Weil wir in dieser Woche schon wieder mehrfach groß berichtet haben über das Thema Wolf. Und auch in dieser Kolumne geht es erneut darum, bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Monate.

Aber eigentlich spiegelt die Häufigkeit der Berichterstattung nur eines wieder: Kaum ein Thema beschäftigt die Menschen in der Region so sehr wie die Rückkehr dieses Raubtieres. Und die Situation hat in dieser Woche eine neue Qualität erreicht. Eine Walkerin, eine erwachsene Frau also, die am helllichten Tag am Ortsrand unterwegs war, wurde mit einer Situation konfrontiert, die ihr so unheimlich war, dass sie sich nicht mehr traut, diesen Sport auszuüben. Wohlgemerkt: Sie traut sich nicht mehr, vormittags auf einem Feldweg spazieren zu gehen. Der Fall ist bekannt geworden, weil zufällig ein Schäfer mit seinem Trecker vorbeikam, der Sportlerin half und den Vorfall mit dem Handy filmte.

Dann folgte das übliche, reflexartige Procedere: Wolfsbefürworter und -gegner prügeln verbal gnadenlos aufeinander ein. Hetze ersetzt Argumente.

Der Sache dienlich ist es nicht, deshalb lohnt ein Blick auf die Fakten: Auch der Wolfsberater vor Ort, ein ausgewiesener Experte also, bestätigt, dass es nicht normal ist, wenn sich das Raubtier bis auf 30 Metern Menschen annähert und auch keinerlei Scheu zeigt, wenn es angebrüllt wird. Und niemand soll sagen, er würde locker weiter spazieren, wenn er in unmittelbarer Nähe einen oder mehrere Wölfe sieht. Und was kommt aus Hannover? Das Umweltministerium duckt sich weg, wieder einmal. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Der grüne Umweltminister ist mit seiner Politik des Beschwichtigens längst gescheitert, die Antworten, die zum Thema Wolf in den vergangenen Monaten aus der Landeshauptstadt kamen, könnte man in Teilen durchaus als Verhöhnung der Menschen auf dem Lande sehen, zu denen der Wolf schon bis an den Ortsrand und in unmittelbare Nähe von Spielplätzen kommt.

Nun wird in politischen Kreisen längst offen diskutiert, dass die Grünen ihren größten Wählerstamm in den Großstädten sehen. Und dort gilt ein bisschen Wolfsromantik offenbar durchaus als sexy. Das werde sich erst schlagartig ändern, wenn der erste Wolf am Kröpcke, also mitten in Hannovers Innenstadt gesichtet würde, hatte CDU-Ministerpräsidentenkandidat Bernd Althusmann jüngst vor Uelzener Bauern prophezeit.

Doch so lange wird die Landesregierung das Thema nicht aussitzen können. Denn man unterschätzt offenbar völlig den Sprengstoff, den die Wolfsproblematik birgt. In Ebstorf soll der Waldkindergarten aus Angst vor dem Wolf verlegt werden, in den Dörfern sind die Menschen längst auf den Barrikaden. Und man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass angesichts steigender Wolfs-Population die Zahl der Zwischenfälle weiter steigen wird. Und bis zur Landtagswahl im Januar 2018 wird das Erdbeben in der Provinz weiter zunehmen und irgendwann auch die Landeshauptstadt erschüttern.

Wünschenswert wäre ein sachlicher, pragmatischer und nicht ideologisch verbrämter Umgang mit diesem so wichtigen Thema. Es ist immer leicht daher gesagt, aber hier trifft es zu: Das hat diese Landesregierung gründlich verbockt. Es wieder gerade zu biegen, ist längst eine Herkulesaufgabe.

Von Thomas Mitzlaff




Raubtier 30 Meter entfernt

Wolf nähert sich Läuferin – Experte: „Eine Grenze überschritten“

02.03.2017

Standbild aus einem Video: Laut Wolfsberater Klaus Bullerjahn war der Wolf 30 Meter entfernt – untypisch für das Tier.
© Privat

Weste. Nach der Wolfsbegenung bei Weste am Dienstagvormittag ist auch für Wolfsberater Klaus Bullerjahn eine Grenze überschritten: „Es besteht Handlungsbedarf“, betont er auf AZ-Nachfrage. Ein einzelnes Raubtier war direkt auf eine Nordic-Walkerin zugelaufen.

Ein Landwirt kam zufällig mit seinem Trecker vorbei und konnte womöglich Schlimmeres verhindern. Die Entfernung zum Wolf betrug etwa 30 Meter, bestätigt Wolfsberater Bullerjahn. „Alles was unter 100 Meter ist, ist nicht typisch für den Wolf.“

(Hinweis zum Video: Am Anfang des Videos ist das Datum "28. Februar 2016" eingeblendet. Das ist leider falsch. Das Video entstand am 28. Februar 2017. Wir bitten um Entschuldigung.)

Nach dem Vorfall war Bullerjahn selbst vor Ort, um die Entfernung anhand von Spuren im Acker nachzumessen. Aufmerksam auf die Begegnung wurde Bullerjahn durch ein Video, das bereits im Internet kursierte. Es zeigt den Vorfall und die dramatischen Versuche von Manuel Häusler-Schröder, einem Schäfer und Landwirt aus Weste, den Wolf durch lautes Brüllen und Lärm zur Flucht zu bewegen. Die völlig verängstigte Nordic-Walkerin fand Schutz auf seinem Trecker.

Bullerjahn: „Das Tier schien gänzlich unbeeindruckt. Ein Fluchtversuch war jedenfalls überhaupt nicht zu erkennen.“ Würde ein Wolf fliehen, erklärt der Wolfsberater, würde er dies in die entgegengesetzte Richtung tun. Der gefilmte Wolf tat jedoch genau das Gegenteil.

Die Vorgänge um die Wolfsrisse in Oetzendorf im November und in Brockhimbergen im Dezember bezeichnete Bullerjahn bereits als „beobachtenswert“. Nach der Begegnung bei Weste müsse jetzt endlich gehandelt werden. Deswegen habe Bullerjahn noch Dienstagabend ein Protokoll der Vorkommnisse an Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel gesendet.

Schäfer Häusler-Schröder, der die Raubtier-Begegnung nahe Weste mit seinem Handy filmte, befürchtet, dass ihn „jetzt viele böse Nachrichten“ erreichen werden. Von Menschen, „die das herunterspielen wollen“. Aber die seien nun einmal nicht dabei gewesen. „Da ist man einfach voller Adrenalin.“

Von Michael Koch




Brüllen und Lärm wirken nicht: Raubtier kommt bis auf 30 Meter heran

Schock-Moment: Läuferin vom Wolf überrascht – Schäfer hilft

02.03.2017

„Nicht laufen! Nicht laufen!“ – Mit lauter Stimme warnt Landwirt und Schafhalter Manuel Häusler-Schröder die Nordic-Walkerin im Handy-Video davor, die falsche Bewegung zu machen. Sie rettet sich auf den Trecker. Der Wolf (kleines Foto unten) kam unmittelbar auf sie zu.
© Privat

Weste. Dieses Zusammentreffen mit einem Wolf wird er nie wieder vergessen: „Das war schon eine Hausnummer!“, sagt Manuel Häusler-Schröder aus Weste. Seine Anspannung ist immer noch in seiner Stimme zu hören, er holt mehrfach tief Luft.

Dabei ist die unfreiwillige Begegnung mit dem Raubtier bereits einen Tag her. Geistesgegenwärtig reagierte Häusler-Schröder und bewahrte somit eine Nordic-Walkerin womöglich vor Schlimmerem.

Lesen Sie auch: Meinungen zur Wolfsbegegnung bei Weste gibt es viele, aber was sagt ein Experte? Dass ein Wolf Menschen so nahe kommt, da ist für Wolfsberater Klaus Bullerjahn klar "eine Grenze überschritten".

(Hinweis zum Video: Am Anfang des Videos ist das Datum "28. Februar 2016" eingeblendet. Das ist leider falsch. Das Video entstand am 28. Februar 2017. Wir bitten um Entschuldigung.)

Auf 30 Meter hat sich der Wolf herangetraut. Das sei absolut untypisch für diese Tiere, so Wolfsberater Klaus Bullerjahn.
© Privat

Was war passiert? Dienstagvormittag, Landwirt und Schafhalter Häusler-Schröder ist mit seinem Trecker auf der Kreisstraße 16 zwischen Westersunderberg in Richtung Weste-Siedlung unterwegs. Er sieht vor sich eine Nordic-Walkerin, denkt sich nichts weiter und überholt sie. „Wie üblich beim Überholen, schaut man ja auch in den Rückspiegel“, erzählt der junge Mann. Da bemerkt der Schäfer auf einmal, dass die Nordic-Walkerin aufgeregt mit ihren Stöcken Zeichen gibt. „Dann sehe ich den Wolf. Direkt auf sie zugehen, nicht laufend, gehend – ruhig und zielgerichtet“, beschreibt der Wester das Geschehen. Er hält sofort an, zückt sein Smartphone, um den Wolf zu filmen, und ruft der verängstigten Frau zu, sie solle zu seinem Traktor kommen. „Komm mal her. Nicht laufen!“, ruft er ihr zu. Als sie es dennoch macht, wiederholt der Schäfer eindringlich: „Nicht laufen! Nicht laufen!“ Die Frau kann sich schließlich auf den Trecker retten.

Dann beginnt Häusler-Schröder aus Leibeskräften zu brüllen: „Hau ab!“ Und noch einmal energischer ruft er: Komm, hau ab!“ 

„Ich war voll Adrenalin“, erinnert sich der Landwirt an die Situation. „Ich wollte unbedingt, dass er verschwindet.“ Immer wieder brüllt er den Wolf an, macht Lärm. Aber das scheint das Tier gar nicht zu interessieren. Zu diesem Zeitpunkt ist der Wolf keine 30 Meter mehr von dem Trecker entfernt. Das ergaben Messungen von Wolfsberater Klaus Bullerjahn, der noch am Abend des Vorfalls den Ort des Geschehens aufsuchte.

Während der aufgebrachte Schäfer alles versucht, den Wolf mit Brüllen und Lärm auf Distanz zu halten, ist die Nordic-Walkerin vollkommen aufgelöst. „Sie war fertig mit den Nerven“, erinnert sich Häusler-Schröder. „Mein Gott, mein Gott“, habe sie gesagt und sei steif vor Angst gewesen. Sie konnte sich auf den Trecker retten, aber sogleich schoss es ihr durch den Kopf: „Was wäre passiert, wenn ich alleine gewesen wäre?“ Der Landwirt erinnert sich an diesen „emotionalen Moment“: „Bevor ich angehalten habe, war der Wolf ja genau in ihre Richtung unterwegs.“

Auf dem Trecker und im Beisein von Häusler-Schröder beginnt die Frau zu weinen. Der Landwirt brüllt unentwegt weiter in Richtung Wolf, der Treckermotor läuft. Der Wolf ist dabei, die Kreisstraße 16 zu überqueren, verschwindet über ein Feld. Im Hintergrund sind auf dem Video Gebäude zu sehen. Während der gesamten Begegnung, die ja im Video dokumentiert ist, zeigt das Tier keinerlei Angst oder Scheu, reagiert nicht auf Geschrei oder Lärm.

Die unfreiwillige Begegnung mit dem Wolf hat Folgen: Schäfer Häusler-Schröder wird seine rund 80 vom Aussterben bedrohten Leineschafe vorerst nicht außerhalb seines Hofs grasen lassen: „Für mich wäre ein Verlust von 20, 25 Tieren durch den Wolf ein Desaster. Dann könnte ich mit meiner Zucht einpacken.“ Und die Frau? Es war ihre Stammstrecke. Regelmäßig ist sie dort mit ihren Nordic-Walking-Stöcken unterwegs gewesen. Das hat jetzt ein Ende. Sie möchte mit ihrem Namen nicht in die Zeitung. Sie hat einfach nur noch Angst.

Von Michael Koch



Bild der Frau 08/2017


Von Woche zu Woche

Kommentar: Ein Krankenwagen für den Wolf

04.02.2017

Die Krankenversorgung in Deutschland ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, unterteilt in privat und gesetzlich Versicherte. Ein Umstand, den Sozialdemokraten und Grüne gerne bei jeder Gelegenheit heftig kritisieren. Doch ausgerechnet im rot-grün regierten Niedersachsen wird jetzt eine weitere Zwei-Klassen-Gesellschaft in der medizinischen Versorgung eingeführt – bei den Wildtieren.

Wer etwa das Pech hat, als Reh oder Wildschwein durch die heimischen Wälder zu streifen und beim Überqueren einer Straße von einem Auto angefahren zu werden, wird, bei entsprechend schwerer Verletzung, vom Jagdberechtigten oder einem Polizisten von seinem Leid erlöst. Wer aber als Wolf identifizert wird, darf sich in der Region Hannover bei einem entsprechenden Leiden als VIP-Patient fühlen. Denn mit etwas Glück kommt der eigens angeschaffte Wolfs-Krankenwagen zum Einsatz. Und darin fehlt es dem verletzten Tier an nichts, sogar an eine Heizdecke ist gedacht.

Wenn man nun mal den nebensächlichen Umstand vernachlässigt, dass es in und um Hannover praktisch noch keine Wölfe gibt und die Wahrscheinlichkeit, dass einer angefahren wird, entsprechend gering ist, muss man ernüchtert feststellen, dass in diesem unserem Bundesland offenbar einiges aus den Fugen gerät. Wir haben mittlerweile Wolfsbeauftragte, wir haben ein Wolfsbüro, wir haben Wolfsberater, es soll eine Task Force eingerichtet werden, die rund um die Uhr bei Wolfsrissen zum Einsatz kommt.

Waldkindergärten trauen sich nicht mehr in Wälder oder statten Vierjährige mit Trillerpfeifen aus, Wölfe, die sich auf Weiden in Wohngebieten wagen, dürfen sich dort hemmungslos austoben und werden nicht gestoppt, stattdessen zahlt das Land fleißig Entschädigungen an Weidetierhalter.

Und wenn man denkt, der Wahnsinn könnte kaum noch gesteigert werden, schafft man nun Wolfskrankenwagen an. Was kommt als nächstes? Eine eigene Wolfsklinik?

Allmählich, dieses Eindrucks kann man sich nicht erwehren, gehen den Regierenden in diesem Lande alle gesunden Maßstäbe verloren. Wer als gesetzlich Versicherter für sein Kind einen Termin bei einem Facharzt braucht, muss ein Jahr warten; wenn er denn überhaupt einen Termin bekommt. Unsere Notaufnahmen platzen aus allen Nähten, weil die Politik offenbar unfähig ist, im Gesundheitssystem endlich nachzujustieren. Aber eines können wir: Verletzte Wölfe durch die Gegend kutschieren. Da wird sofort Abhilfe geschaffen, unbürokratisch und schnell.

Und dabei kann man durchaus diskutieren, ob diese Form der Verhätschelung wirklich im Sinne des Raubtieres ist oder ob sich damit nur realitätsferne Naturromantiker beweihräuchern wollen.

Ein Wolf, dem die Gedärme aus dem Leib quellen, gehört an Ort und Stelle von seinem Leid erlöst, wie es in den Straßengräben Deutschlands jede Nacht mit Wildtieren geschieht. So aber bleibt dann letztlich doch die Frage, ob es wirklich Glück ist, wenn man als Wolf in Deutschland durch die Wälder zieht...

Von Thomas Mitzlaff




Sat1-Regional hat am 19. Jan. 2017 über den Wolf in Brockhimbergen berichtet

Hier der Link:

SAT1-Regional




Umweltminister lässt gestern in Uelzen viele Fragen zum Thema Wolf offen

Wenzel bleibt vage – „Der Mann ist beratungsresistent“

12.01.2017


Zahlreiche Einwohner und Medienvertreter empfingen Umweltminister Stefan Wenzel am Uelzener Kreishaus.

© Huchthausen

Uelzen/Landkreis. Mit Wolfsgeheul wird er empfangen und verabschiedet: Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) ist gestern, wie angekündigt, auf Einladung von Landrat Dr. Heiko Blume ins Uelzener Kreishaus gekommen, um mit Vertretern der Kreispolitik sowie aus der Landwirtschaft, mit Weidetierhaltern und Bürgermeistern einiger Gemeinden über die Wolfsproblematik zu reden.

Und zahlreiche Vertreter der verschiedensten Initiativen auf dem Land sind zum Kreishaus gekommen, um lautstark – wie Wölfe heulend – auf ihre Sorgen mit den in der Region zunehmend präsenter werdenden Raubtieren aufmerksam zu machen.


Mit Transparenten und nachgeahmtem Wolfsgeheul empfingen viele Menschen aus der Region den Umweltminister gestern am Uelzener Kreishaus.

© Huchthausen

Es sei ein intensives Gespräch gewesen, bestätigen Wenzel und Blume im Rahmen einer anschließenden Pressekonferenz unisono. Ein zufriedenstellendes und ergiebiges war es aus Sicht der Kreis-Vertreter jedoch nicht unbedingt. „Es hätte an manchen Stellen etwas konkreter sein können“, sagt der Landrat später im AZ-Gespräch. Man habe dem Minister klar gemacht, so Blume, dass Spielräume im Artenschutz großzügiger genutzt werden müssten und langfristig eine Regulierung des Bestands der Raubtiere ermöglicht werden solle. Der Umweltminister betont unterdessen wiederholt, dass man die Sorgen der Bevölkerung sehr ernst nehme und führte als Beleg ins Feld, dass man im April vergangenen Jahres den zu wenig scheuen Wolf „Kurti“ im Munsteraner Rudel zum Schutz des Menschen getötet hatte. „Und wir werden das auch wieder tun, wenn es notwendig ist“, so Wenzel.

Außerdem wolle man die Möglichkeiten der sogenannten Vergrämung von Wölfen deutlich verbessern, und man sei bei der besseren Unterstützung von Weidetierhaltern „auf verschiedenen Ebenen unterwegs“, versichert der Minister. Überdies sei man bei einer Umweltministerkonferenz der Länder überein gekommen, den Bund zu beauftragen, den Erhaltungszustand des Wolfs zu prüfen.

Den Schafzüchter und Vorsitzenden des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsen, Jochen Rehse aus Klein Bünstorf, hat das Gespräch vor allem sauer gemacht. „Wir sind noch kein Stück weitergekommen“, sagt er.

„Der Mann ist beratungsresistent“

Weidetierhalter vermissen von Umweltminister Wenzel konkrete Aussagen zum Thema Wolf

Es wird zurzeit jede Menge geprüft im Hannoveraner Umweltministerium. Die Besenderung von Wölfen, ihre Vergrämung, um sie von Weiden und Menschen fern zu halten, und bessere Schutzmaßnahmen für Nutztiere, an denen sich das Raubtier immer wieder mal vergreift. „Ich kann es nicht mehr hören“, sagt Jochen Rehse. Der Schafzüchter aus Klein Bünstorf und Vorsitzende des Landesschafzuchtverbands Niedersachsen war gestern in Uelzen Teilnehmer des Krisengesprächs mit Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel zum Thema Wolf. Und Rehses Miene ist im anschließenden AZ-Gespräch finster. „Der Mann ist beratungsresistent“, sagt er über Wenzel.

Die Aussagen des Ministers, dies und jenes werde geprüft, man nehme die Sorgen der Bevölkerung sehr ernst und die Weidetierhalter seien vornehmlich in der Pflicht, ihre Tiere mit geeigneten Maßnahmen gegen Wolfsangriffe zu schützen, machen Jochen Rehse wütend. „Das habe ich schon zig Mal von ihm gehört, das ist wie ein auswendig gelernter Theatertext. Und immer wieder ist herauszuhören: Wir Weidetierhalter sind zu dumm.“


Ernste Mienen in der Pressekonferenz nach dem Krisengespräch gestern im Uelzener Kreishaus (von links): Jochen Rehse, Umweltminister Stefan Wenzel, Landrat Dr. Heiko Blume und Wriedels Bürgermeister Werner Harneit.

© Bräutigam

In der vorangegangenen Pressekonferenz hatte Rehse betont, was es für die Züchter und Weidetiere bedeute, wenn der Wolf zugeschlagen hat. Die Psyche der Tiere und Tierhalter gerate völlig durcheinander. So hätten die überlebenden Damwildtiere nach dem großen Wolfsriss vom vergangenen Dezember in Brockhimbergen zehn Tage lang nichts gefressen, schildert Rehse. Woanders gebe es Totgeburten bei Schafen oder Tiere, die gar nicht mehr trächtig werden – was wiederum wirtschaftlichen Schaden für die Züchter bedeute. Das Schlimmste für Jochen Rehse sei jedoch, „dass es in der Bevölkerung eine Abweisung gegen uns Schäfer gibt“. So habe sich ein betroffener Schäfer nach mehreren Wolfsrissen in Südergellersen (Kreis Lüneburg) fragen lassen müssen, wann er endlich weiterziehe. Denn seitdem die Schafe da seien, seien auch die Wölfe da. „Das ist eine Situation, mit der können wir überhaupt nicht leben“, sagt Rehse, „und das kann auch so nicht gewollt sein.“ Deswegen laute die Forderung der Weidetierhalter, Wölfe, die Herdenschutzmaßnahmen überwinden, konsequent zu entnehmen. „Auch zum Schutz der Wölfe, die sich an die Spielregeln halten.“

Rehse stellt gestern ausdrücklich fest: „Wir wollen nicht, dass die Wölfe ausgerottet werden, sondern wir wollen eine Situation haben, wo wir als Weidetierhalter auch mit dem Wolfsbestand leben können.“ Und dem stimmte Wriedels Bürgermeister Werner Harneit zu: „Wir wollen einen Zustand, der verträglich ist hinsichtlich der Akzeptanz in der Bevölkerung.“ Und an eben dieser Akzeptanz ist auch Umweltminister Wenzel sehr gelegen, wie dieser gestern mehrfach betont. Das allerdings hat Jochen Rehse ebenfalls schon öfters gehört.



Bürger machen mit Hinweisschildern auf Wölfe aufmerksam

In Brockhimbergen: Schwieriger Alltag mit den Wölfen

11.01.2017


© Privat

ib Brockhimbergen. Wenn es dunkel wird in Brockhimbergen, dann wird vielen Einwohnern des kleinen Ortes mulmig: Seitdem Wölfe vor einem Monat mehr als 20 Stück Damwild auf einer Weide am Ortsrand gerissen haben, sehen die Brockhimberger die Raubtiere fast täglich.

Den Alltag von Bürgern wie Joann Evers, Nadine Gafcke mit Tochter Lea, Hendrik Friederichs und Pascal Erbstößer (von links) beeinträchtigt das enorm. Sie haben an den Ortseingängen jetzt kleine Zusatzschilder installiert: „Vorsicht freilebende Wölfe“ ist darauf zu lesen.

„Ein diffuses Gefühl von Unsicherheit“

Brockhimbergen. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Hendrik Friederichs. Ein Zeichen setzen dafür, wie schwierig der ganz normale Alltag inzwischen in Brockhimbergen geworden ist. Denn seitdem Wölfe im Dezember am Ortsrand mehr als 20 Damwildtiere gerissen hatten, ist für Friederichs und seine Nachbarn nichts mehr wie zuvor. Sie haben jetzt an allen fünf Ortseingängen von Brockhimbergen Schilder aufgehängt, auf denen „Achtung freilebende Wölfe“ steht.

 „Es herrscht im Ort so ein diffuses Gefühl von Unsicherheit“, beschreibt er die Lage, „denn es vergeht kaum ein Tag, an dem kein Wolf gesehen wird. Sie sind ständig da.“ Friederichs und seinen Mitstreitern liegt daran, zu verdeutlichen, dass nicht nur die Weidetierhalter mit der Anwesenheit des Wolfs fertig werden müssen, „auch wir als ganz normale Bürger sind betroffen“, betont er und schildert die Sorge einer jungen Mutter, die bislang ihr Kind sorgenfrei auf dem Hof am Ortsrand spielen ließ. Damit aber sei es nun vorbei, berichtet Hendrik Friederichs. Kinder im Ort seien kaum noch unbeaufsichtigt im Freien. Friederichs gehört zu jenen Freiwilligen, die gleich nach der Wolfsattacke auf die Damwildherde von Jochen Strampe einen Elektrozaun um die Weide gezogen und nächtelang die Weidetiere bewacht hatten. Denn die Wölfe kamen, wie berichtet, immer wieder zurück. „Ob man da in die Hände geklatscht hat, um sie zu vertreiben, oder nicht – das hat die überhaupt nicht interessiert“, berichtet er. Er selbst gehe nur noch mit einem unguten Gefühl joggen, seitdem er von der Allgegenwart der Raubtiere wisse. „Und schon gar nicht im Dunkeln.“ Unter den Aktiven, die jetzt die Hinweisschilder an den Ortseingängen angebracht haben, ist auch der Organisator des Göhrdelaufs, berichtet Hendrik Friederichs. „Der macht sich natürlich auch seine Gedanken, wie die Veranstaltungen überhaupt ablaufen soll.“

Die Realität, glaubt der Brockhimberger, habe die Theorie inzwischen eingeholt: „Vor einem Jahr hieß es noch, man werde den Wolf gar nicht zu Gesicht bekommen“, erinnert Friederichs. „Aber das ist nicht so. Hier ist er ständig da.“

 




Nach Raubtier-Attacke: Dorfbewohner setzen Jagdpächter unter Druck

Belagerungszustand in Brockhimbergen: Und abends sind die Wölfe wieder da

15.12.2016

Wunderschön, klug und mit außergewöhnlichem Sozialverhalten – dennoch sorgt der Wolf derzeit in Niedersachsen für heftige Diskussionen. In Brockhimbergen fühlen sich die Bürger von mehreren Wölfen belagert.
Wunderschön, klug und mit außergewöhnlichem Sozialverhalten – dennoch sorgt der Wolf derzeit in Niedersachsen für heftige Diskussionen.
In Brockhimbergen fühlen sich die Bürger von mehreren Wölfen belagert.
© dpa

Brockhimbergen. „Wir werden hier schon als Idioten beschimpft, weil wir nichts tun.“ Fritz Kramer hat es satt. Der Jagdpächter in Brockhimbergen will sich nicht länger von den Einwohnern des Orts unter Druck setzen lassen.

Denn die fordern ihn und seine Jägerkollegen dazu auf, endlich etwas gegen die Wölfe zu unternehmen, die seit dem Angriff auf eine Damwild-Herde immer wieder in Erscheinung treten. „Wir sind hier im Belagerungszustand“, beschreibt Kramer die Situation.

Einen großen Wolfsrüden sowie zwei kleinere Wölfe seien in der Nähe der Damwild-Weide in Brockhimbergen so gut wie jeden Abend zu sehen, berichtet Kramer. Und das hat sich mittlerweile herumgesprochen: Es gebe einen regelrechten Wolfs-Tourismus im Ort, sagt der Jäger. „Wolfs-Watching“, nennt er das Verhalten der Menschen, die aus Neugier nach Brockhimbergen kämen, um dort einmal das Raubtier aus der Nähe sehen zu können. Und das enttäuscht die Zweibeiner, vor denen es offensichtlich nur wenig Scheu hat, nur selten.

„Wir sehen hier jeden Abend Wölfe“, betont Fritz Kramer. Der Blick durch die Nachtsichtgeräte habe ihm und den anderen Brockhimbergern erst bewusst gemacht, wie präsent die Raubtiere seien. „Mit mehreren Leuten wechseln wir uns ab und bewachen die Weide“, so Kramer. Wenn die Wölfe den Abstand zu sehr verringern, klatschen die Menschen so lange in die Hände, bis das Raubtier abzieht. „Wir versuchen hier schon, ihn topfschlagend auf Distanz zu halten“, so Kramer. „Er geht dann auch. Aber 20 Minuten später ist der Wolf wieder da.“

Nicht nur Fritz Kramer, die Damwild-Züchter und alle Helfer lässt die aktuelle Situation dünnhäutig werden. „Hier im Ort ist keine gute Stimmung“, sagt der Jagdpächter. „Die Bürger sagen zu uns: Knallt die endlich ab! Auch solche, die bisher geschwärmt haben, was für ein schönes, edles Tier der Wolf ist.“ Fritz Kramer gibt den Einwohnern jedes Mal zu denken, dass er dies auch als Anstiftung zu einer Straftat verstehen könne. „Denn wir dürfen den Wolf nicht schießen, und wir werden es auch nicht tun“, betont er. Die Aufregung der Menschen jedoch kann er verstehen. „Die Leute sind fertig. Wenn das so weitergeht, ist das ganze Dorf reif für die Psychiatrie.“

Von Ines Bräutigam



Verbände fordert Gestaltung des Jagdrechts

Nach Wolfsriss in Brockhimbergen: Tabulose Debatte soll her

13.12.2016

Eines der von den Wölfen gerissenen Damwildtiere.
© Bräutigam

ib Brockhimbergen. Der Angriff von Wölfen auf eine Damwild-Herde in Brockhimbergen (AZ berichtete) hat nicht nur kreisweit Entsetzen ausgelöst. Das Landvolk Niedersachsen teilt mit, dass die Halter von Weidetieren sich inzwischen an der Grenze der Belastbarkeit sähen. Trotz immenser Anstrengungen könnten weitere Übergriffe durch den Wolf nicht verhindert werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auch wollten die Weidetierhalter nicht länger den grausamen Anblick der durch den Wolf gerissenen oder verstörten Tiere ertragen. „Die Tierhalter sind psychisch und physisch ausgelaugt“, resümiert Hartmut Schlepps für das Landvolk. „Im Wettlauf gegen weitere Wolfsübergriffe sind sie ohne echte Bestandsregulierung des Wolfes dauerhaft zum Verlierer verdammt.“ Man wolle den Wolf nicht großflächig bejagen oder ausrotten, sondern auffällig gewordene Tiere abwehren und auch abschießen dürfen.

Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert jetzt von Umweltminister Stefan Wenzel „eine der Situation angemessene und tabufreie Diskussion über wirklich wirksame Schritte zum Schutz der bedrohten Weidetierhaltung“. Der AbL-Landesvorsitzende Ottmar Ilchmann verwies abermals darauf, dass es unrealistisch sei, die Flächen ganzer Weidetierhaltungs-Betriebe und sogar ganzer Regionen mit Zäunen einzugrenzen: „Es führt kein Weg um eine tabufreie Debatte vorbei, wie die Weidetierhaltung nicht nur mit Zäunen, sondern vor allem durch eine sachgerechte Gestaltung des Jagdrechts – und die damit verbundene Vergrämung – aufrechterhalten werden kann.“

Wie berichtet, hatten wohl mehrere Wölfe am vergangenen Freitagmorgen 20 Tiere einer Damwild-Herde in Brockhimbergen getötet und drei weitere so schwer verletzt, dass diese erlöst werden mussten. Besonders aufwühlend: Eines der verletzten Tiere lag stundenlang am Boden. Während Halter Jochen Strampe der festen Überzeugung gewesen sei, nichts an den Ergebnissen des Geschehens verändern zu dürfen, betont Wolfsberater Klaus Bullerjahn, dass das Tier sehr wohl hätte erlöst werden dürfen.

Im Visier der Wölfe: Züchter bewachen Tag und Nacht ihre Weide

Die insgesamt 23 toten Damtiere wurden auf Anhänger verladen und zum Abdecker gefahren.
© Privat

„Wir sind dazu angehalten, nichts an den Tatsachen zu verändern“, sagt Jochen Strampe. Und daran habe er sich gehalten. Nach dem Angriff von Wölfen auf seine Damtier-Zucht vom vergangenen Freitagmorgen hatte er, wie berichtet, ein verletztes Tier stundenlang liegen lassen müssen – in der festen Überzeugung, es nicht erlösen zu dürfen. Ein Irrtum, wie Wolfsberater Klaus Bullerjahn gestern im AZ-Gespräch betont. „Es gibt nirgendwo eine entsprechende Vorschrift.“ Irgendwann konnte Jochen Strampe es auch nicht mehr ertragen: Als der ganze Rummel um seine gerissenen Tiere vorbei war und alle gegangen waren, habe er sein verletztes Tier erlöst. „Es wäre mir auch egal gewesen, was der Wolfsberater dann gesagt hätte.“ Doch der habe ihm bestätigt, genau das Richtige getan zu haben.

Dieser Fall offenbart, viele Unsicherheiten es anscheinend derzeit bei den Weidetierhaltern gibt, wenn es um den Wolf geht. „Da mag etwas in den falschen Hals gekommen sein“, vermutet der zuständige Wolfsberater Klaus Bullerjahn. Denn zurzeit sei es so, dass ein verletzter Wolf – beispielsweise nach einem Unfall – erst dann erlöst werden dürfe, wenn ein Amtsveterinär dies so entschieden habe. Im Falle von verletzten Weidetieren gelte das ausdrücklich nicht, betont Bullerjahn, um künftige Irritationen zu vermeiden. Fakt sei: „Für eine DNA-Probe muss kein Tier liegen bleiben.“ Nur Hunde sollten nicht auf die Weide gelassen werden, um keine Spuren zu verfälschen.

Die DNA-Proben von dem Vorfall in Brockhimbergen würden jetzt zwar ausgewertet, aber für den Wolfsberater ist schon jetzt ganz klar: „Das waren Wölfe.“ Möglicherweise sogar das Vierer-Rudel aus der Göhrde, bestehend aus einer Mutter und deren drei Jungen, das vermutlich schon am 21. November bei Oetzendorf fünf Schafe gerissen hatte. Parallelen seien durchaus vorhanden: Die Raubtiere hätten am Morgen zugeschlagen und zeigten sich am Tage – auch in Gegenwart von Menschen.

Und genau diese wenig vorhandene Scheu sei ein Problem. „Da sind wir an einem Punkt, den wir uns nicht lange angucken können“, meint Klaus Bullerjahn und bedauert, dass es diesbezüglich keine Initiative des Landes gebe. „Da fehlen Visionen“, sagt er.

Jochen und Gina Strampe fehlt in diesen Tagen vor allem Schlaf. Die Züchter der angegriffenen Damwild-Tiere in Brockhimbergen schlagen sich seit Freitag jede Nacht um die Ohren und beaufsichtigen ihre Weide. Jochen Strampe hat zwar die Fläche verkleinert und eine Elektrolitze in Bodennähe gezogen, um zu verhindern, dass sich die Wölfe nochmals unter dem Zaun hindurch buddeln. So ganz traut er der Maßnahme aber nicht.

Und dass die Wölfe sich nach wie vor für Strampes Damwild interessieren, davon durften sich er, seine Frau Gina und einige junge Leute aus dem Ort eindrücklich überzeugen: Nachdem man gemeinsam die Elektrolitze gezogen habe, sei man in der Dunkelheit noch einmal mit einem Nachtsichtgerät auf die Weide gegangen. „Da stand ein Wolf oben auf dem Feld“, so Strampe, „und als wir uns umdrehten, stand auf der Straße, etwa 20 Meter entfernt, ein weiterer Wolf.“ Auch am Freitagmittag habe jemand mit seinem Handy einen Wolf fotografiert, der in Sichtweite auf einer Feldkuppe stand. „Er hat beobachtet, wie wir alle bei den toten Tieren auf der Weide standen.“




20 Damwild-Tiere in Brockhimbergen gerissen

Weidetierhalter fordern Konsequenzen: „Die Problemwölfe müssen raus“

10.12.2016

Zwei Meter hoch ist der Zaun, der die Weide sichert. Aber er konnte die Wölfe nicht abhalten.
© Bräutigam/Montage: Koch

Brockhimbergen. Die Weide von Jochen Strampe ist ein Schlachtfeld. Gestern Morgen haben Wölfe auf der gut zwei Hektar großen Fläche am Ortsrand von Brockhimbergen ein Blutbad unter Strampes Damwild-Herde angerichtet: 20 Tiere wurden getötet, einige von ihnen fast aufgefressen, drei weitere Tiere wurden verletzt. Eines von ihnen siecht am Zaun dahin.

Doch erlöst werden darf es nicht – erst muss ein vom Land Niedersachsen beauftragter Experte DNA-Proben nehmen. Und der lässt gestern Stunden auf sich warten. „Es ist zum Heulen“, sagt Strampes Frau Gina.

„Der Alptraum ist wahr geworden“, fasst es der Leiter des betroffenen Hegerings Himbergen, Andreas Kröpke, zusammen. Was ihn und alle anderen Bürger, Weidetierhalter und Jäger, die sich gestern auf der Weide versammeln, besonders bestürzt: Das tierische Gemetzel fand direkt am Ortsrand statt – die Wohnhäuser stehen gleich auf der anderen Straßenseite.

Seit Stunden liegt dieses junge Damwild schwer verletzt am Zaun. Erlöst werden darf es erst, wenn DNA-Proben gezogen wurden.
© Bräutigam

Für Jochen Strampe, der auch Vize-Vorsitzender im Verband der landwirtschaftlichen Wildhalter Niedersachsens ist, ist das Maß jetzt voll. „Es heißt immer, wir müssen lernen mit dem Wolf zu leben. Aber es muss genau anders herum sein.“ So hitzig die Debatte der Anwesenden auf der Weide gestern Morgen auch ist – niemand habe etwas gegen den Wolf, heißt es immer wieder. Das unter Schutz stehende Tier müsse aber Respekt vor dem Menschen lernen und dürfe sich nicht unkontrolliert weiter ausbreiten. „Dem Wolf mache ich keinen Vorwurf“, bringt es Jagdpächter Fritz Kramer auf den Punkt, „aber der Politik.“ Besonders enttäuscht ist Jochen Strampe von Umweltminister Stefan Wenzel. Erst vor wenigen Tagen habe er ihn auf einer Veranstaltung aufgefordert, endlich tätig zu werden und den Abschuss von Problemwölfen zu erlauben. „Die Antwort war, er habe schon 100 Anzeigen von Naturschützern, und das reiche ihm“, berichtet Strampe. Außerdem säßen letztlich seine Wähler in der Stadt und nicht auf dem Land.

Für Rudolf Michaelis von der Interessengemeinschaft Weidetierhalter Nord/Ost Niedersachsen sind das Schläge ins Gesicht. „Es reicht!“ schimpft er. „So geht es nicht weiter!“ Und den Verweis auf Schutzzäune können er und die anderen auch nicht mehr hören. „Das bringt nichts“, sagt Michaelis, „die Problemwölfe müssen raus.“ Auch in Brockhimbergen haben sie sich von dem zwei Meter hohen Drahtflechtzaun nicht aufhalten lassen. Obwohl der in die Erde eingelassen ist, buddelten sie sich an zwei Stellen darunter durch.

Manuel Häusler-Schröder wird bei dem Anblick der kreuz und quer über die Weide verteilten toten Tiere ganz anders. Er steht mit anderen Bürgern am Zaun und verfolgt das Geschehen. „Ich habe nur zwei Kilometer entfernt in Weste eine Schafherde mit 120 Tieren stehen, 80 davon sind hochtragend, die Lammzeit beginnt“, sagt er. Häusler-Schröder züchtet die vom Aussterben bedrohten Leineschafe. „Wenn man so was sieht, schläft man sehr schlecht.“

Schlecht schlafen werden wohl auch Jochen und Gina Strampe. „Die Wölfe kommen bestimmt zurück. Die sind schlau und haben gelernt, dass es hier etwas für sie gibt.“

Von Ines Bräutigam

Trotz mannshohem Zaun: Wölfe töten 20 Tiere im Blutrausch