Wer weiß, dass er sich für ein Grundeinkommen ausspricht, ist Grundeinkommens-Befürworter.
Es kann bedeuten, dass jemand das ganze Jahr über, sich nicht mit diesem Gedanken beschäftigt, denn die Person ist ja für ein Grundeinkommen. - Wozu sich dann noch dauernd damit beschäftigen?
Wenn dann alle vier Jahre Wahlen sind, kann man Grundeinkommen wählen, wenn das möglich ist, oder eine Partei, der man zutraut, dass sie irgendwann PRO-Grundeinkommen sein wird.
Das heißt, man kann für ein Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE) eingestellt sein, ohne auch nur den kleinen Finger für diese Idee rühren zu müssen. - Und umgekehrt gibt es Menschen, die tagtäglich für diese Idee sich einsetzen.
Der Unterschied des persönlichen Einsatzes, ist somit gigantisch. Und dennoch sind beide Personen PRO-Grundeinkommen orientiert.
Wer soll das vorhersagen. Das weiß kein Mensch. – Und dennoch. Es ist anzunehmen, dass Menschen, die sich aktiv für diese Idee engagieren, eine Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens eher befördern.
Die politische Entwicklung in den Ländern Europas und weltweit, kann sich verschlechtern. Totalitäre, diktatorische Regime, Parteien und Funktionäre können die Situation für die Menschen in den Ländern beeinträchtigen. – Gibt es hoffnungsvolle Beispiele für politische Entwicklungen? Dort, wo die Politik die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens aufgreift, scheinen die Gesellschaften auf dem richtigen Weg zu sein. – Und dort, wo die Idee der Arbeitsideologie gepflegt wird, wie in Deutschland, scheinen die Gesellschaften sich zum Nachteil hin zu entwickeln.
Und vieles wird in Zukunft von den Bürgerinnen und Bürgern der Länder selbst abhängen. Es wird ein »Loslösungsprozess« von der Politik stattfinden. Dort, wo er nicht passiert. werden die Menschen von Bürgern zu Arbeitswesen umerzogen. Wir haben dann integrierte, durch Fortbildung und Arbeitszwang ruhiggestellte Arbeitswesen, die keine Bürger mehr sind.
Und dort, wo die Bürger sich aus der Umklammerung durch die Parteiendiktatur befreien können, werden sie frei sein, mit einem Grundeinkommen und einer eigenen, neuen Verfassung für die Menschen, die die Gestaltungsvorherrschaft der Parteien in den Ländern beendet, und die Bürgersouveränität wieder herstellt, beziehungsweise neu begründet.
Von der heutigen Parlamentarischen Demokratie ist nicht viel zu erwarten. Sie funktioniert nicht mehr so, wie sie vielleicht im letzten Jahrhundert funktionierte. Die Parteien repräsentieren nicht mehr die Bevölkerung. Sie orientieren sich an eigenen Vorstellungen, was gut und richtig für die Gesellschaften ist. Dadurch sind sie den Bürgern entfremdet. – Wenn beide Volksparteien jeweils knapp 10% Stimmenverluste bei der Bundestagswahl hatten, und dennoch »im Namen des Volkes« das Land regieren wollen, dann haben wir nur noch eine pervertierte Form von Stellvertreter-Demokratie. Dann vertreten die Politiker nicht mehr »stellvertretend« für den Bürger seine Interessen, sondern irgendetwas anderes. - Der Wahlzirkus ist eine Farce und repräsentiert nicht die Bürgeranliegen.
Wer dann dennoch sich in der Parlamentarischen Demokratie für ein Grundeinkommen einsetzen will, tut dies aus persönlichen Gründen. - In welcher Form sich jeder Bürger für ein Grundeinkommen einsetzt, ist Privatsache. Ob der Weg, den jemand geht, das Grundeinkommen voranbringt, kann nicht allgemeingültig beurteilt werden. – Aber jeder kann für sich überlegen, welche Form von Unterstützung der Grundeinkommens-Idee besonders effektiv ist und die Idee sichtbar voranbringt.
Nun ist es so, dass wir immer wieder Grundeinkommens-Befürworter haben, die nur auf den Lohn schauen. Ja, sie schauen eigentlich so auf die Gesellschaft, wie die heutigen Arbeitsideologen, nur dass sie dieses Denken in die Grundeinkommens-Diskussion übertragen. Sie fragen, wo ist denn der »gute Lohn«, wenn das bestehende Einkommen bloß »bedingungslos« gemacht wird? Sie fragen, wo sind denn die Einkommenssteuern, die vom Lohn abhängig sind. Und sie scheinen ein Grundeinkommen gar nicht attraktiv zu finden, wenn es nicht »oben drauf« auf bestehende Einkommen kommt.
Liest man die Beiträge solcher Grundeinkommens-Befürworter, dann fällt auf, dass sie nicht über »Hartz4« reden und dieses Thema völlig ignorieren.
Und es ist nicht, »mehr Geld vom Arbeitgeber« zu haben, denn das wäre wieder das heutige Denken.
So haben wir auch Grundeinkommens-Befürworter, die weiterhin den Tunnelblick auf den Lohn ausüben. Der Lohn, die Erwerbseinkommen sollen es richten. Aber das ist nicht die Grundeinkommens-Idee. – Die Grundeinkommens-Idee besagt, dass der Mensch ein bescheidenes, aber menschenwürdiges Leben haben soll, ohne Arbeitszwang! – Genau das würde mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen erreicht. – Wer aber sagt, das Grundeinkommen soll zu mehr Einkommen und hohen Löhnen führen, der überträgt das heutige Denken der Arbeitsideologen auf die Grundeinkommens-Gesellschaft. Und das ist nicht die Absicht.
Was ist, wenn einige Personen eine gute Idee für die Gesellschaft haben, und man erzählt dann in der Öffentlichkeit, »Hallo Leute, diejenigen, die diese Idee haben, sind Juden!«. Und dann tut man so, als sei es nur eine neutrale Info. Ist es das wirklich? Oder sagt man das nur, weil man Vorbehalte schüren will, gegen Menschen zum Beispiel dieser Gruppe? – Deswegen ist es schon seltsam, wenn Leute betonen, wer zu welcher Gruppe gehört, oder dieser zugerechnet wird.
Grundsätzlich ist es doch so, dass wir Menschen alle irgendeine spirituelle Orientierung haben oder zumindest suchen. – Ja, es mag Menschen geben, die an nichts glauben, nichts Geistiges sich vorstellen. Aber ist das die Mehrheit? Wenn das aber so ist, dass die meisten Menschen in irgendeiner Weise, spirituell, geistig, religiös oder esoterisch sich ein Weltbild und Menschenbild erarbeitet haben, oder sich daran orientieren, dann würde es doch komisch aussehen, dass man Personen bloßstellt, an den Pranger stellt oder auf sie zeigt in der Öffentlichkeit, so als ob man sie anklagen oder wegen irgendetwas beschuldigen will. – Oder wer würde Grundeinkommens-Befürworter, die bei der KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung) sind, bloßstellen und sie als »Anhänger des Katholizismus« hervorheben? – So aber kann man bei manchen Leuten die Ressentiments durch die Hintertür eintreten sehen.
Das Grundeinkommen würde genau dieses Verfahren beenden. Auf der Basis eines Grundeinkommens können die Menschen dann neu überlegen, was und wo sie, wie lange am Tag oder im Monat arbeiten wollen. Diese Freiheit gibt ihnen das Grundeinkommen.
Ist eine Steuerneugestaltung notwendig, wenn das Grundeinkommen eingeführt wird? – Es ist zumindest möglich, bereits heute über die Steuern zu diskutieren. Gegner der Konsumsteuer verschweigen einen wichtigen, den entscheidenden Grund, warum eine Ausgabensteuer besser, als eine Einnahmensteuer ist: die Einkommenssteuer bestraft Arbeit. Die Ausgabensteuer tut das nicht.
Es sollte erwünscht sein, dass möglichst viele Menschen motiviert sind, zu arbeiten. Genau das wird erreicht, wenn wir die Arbeit nicht bestrafen, mit Einkommenssteuern. – Wer aber als Reicher viel konsumiert und die Arbeit anderer Leute in Anspruch nimmt, der sollte dafür mehr Steuern bezahlen.
Auch sollte nicht immer so schnell geglaubt werden, Geldbesitz würde zu irgendetwas berechtigen. Wir leben von der Arbeit der anderen. Aber die anderen sind frei, für uns zu arbeiten. Wenn sie es nicht wollen, nützt auch kein Geldbesitz.
Damit ist gemeint, in einer Grundeinkommens-Gesellschaft bewerten wir Bürgerinnen und Bürger selbst die Dinge. Wir entscheiden selbst, ob wir etwas arbeiten wollen, weil wir etwas sinnvoll finden.
Aber die Grundeinkommens-Gesellschaft ist keine Monade. Nicht umsonst wird weltweit über das Grundeinkommen debattiert. Wird sich in einem Land eine Grundeinkommen-Umsetzung als sinnvoll herausstellen, dann wird es Gespräche geben, mit anderen Ländern, und es werden Angleichungen und Anpassungen aneinander stattfinden.
Je weniger konkret wir uns das Grundeinkommen denken, um so eher ist es möglich, uns mit anderen Grundeinkommens-Befürwortern zu verbinden. – Je konkreter und spezifischer wir uns das Grundeinkommen vorstellen, umso schwieriger wird das, etwa, wenn man sich in der Sache zerstreitet oder gar sektiererisch seine Vorstellungen vertritt.
Wenn Grundeinkommen Vertreter inhaltlich unterschiedliche Vorstellungen haben, können sie dennoch gemeinsam eine Demonstration PRO-Grundeinkommen besuchen. Workshops, Diskussionsrunden zum bGE? Wenn man von den eigenen Standpunkten überzeugt ist, sollte man für sie eintreten. - Dadurch ergeben sich aber immer wieder Situationen, die sich wiederholen. Die Gegenseite spult ihre altbekannten Ansichten ab, und man selbst antwortet in der Weise, die für viele Zuschauer, Zuhörer oder Leser ebenfalls schon bekannt ist.
In einer linken Diskussionsrunde wurde einmal etwas Interessantes gesagt. Es ginge um die »Deutungshoheit« in der Öffentlichkeit, zum Grundeinkommen. Man müsse erreichen, dass man selbst als kompetenter im Umgang mit dem Thema »Grundeinkommen« da steht und in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, als die anderen Vertreter der Idee. – Eine solche Vorstellung ist verlockend. Ich glaube aber eher, dass Personen, die sich auf so ein Kalkulieren einlassen, sich selbst demaskieren, wie sie die Mitbürger sehen, wie sie Politik begreifen, wie ihrer Meinung nach, Gesellschaftsgestaltung funktioniert.
Und so ist es mir lieber, eine offene und ehrliche Diskussion zu erfahren, unterschiedliche Positionen zum Grundeinkommen zu lesen, darüber nachzudenken, vielleicht auch dann wieder die eigenen Gedanken dazu abzufassen, und zu erleben, wie die ganze Gesellschaft sich gedanklich weiter entwickelt.