Meine Sorge bei einem allgemeinen Grundeinkommen wäre vor allem, dass vieles teurer werden könnte. Wenn die Menschen mehr zur Verfügung haben, erhöhen sich eventuell auch Preise und Mieten. Und dann wäre der positive Effekt vom Grundeinkommen verpufft.
http://www.zeit.de/arbeit/2017-09/grundeinkommen-erfahrungen-drei-menschen-ein-jahr/komplettansicht
Diese Überlegung ist berechtigt.
Als Erstes können wir natürlich selbst darüber nachdenken, wie die Sache einzuschätzen ist.
Wie ist es denn heute? Können heute die Preise der Produkte und Dienstleistungen in beliebige Höhe steigen? Was sind überhaupt Preise?
Der Preis ist eine Verteilungsregel. Mit ihr wird festgelegt, wer welche Produkte leicht erhalten kann, und es wird festgelegt, welche Produkte und Dienstleistungen rar sind, rar gemacht werden, um den Erhalt zu erschweren.
Außerdem ist der Preis eine »Abrechnung«, für die mit der Bereitstellung der Ware verbundenen Arbeit. Mit dem »Preis« wird die Arbeit, die zur Bereitstellung der Ware führte, bezahlt.
Und der Preis gibt Auskunft, wer noch Ansprüche erhebt, auf das Produkt selbst, beziehungsweise an den geldlichen Gegenwert des Produktes.
Der Preis ist ein Hinweis zum Produkt, oder sein geldlicher Gegenwert.
Der Preis kann als Preisstrahl dargestellt werden.
Jeder, der auf das Produkt selbst Anspruch erhebt, oder auf seinen geldlichen Gegenwert, wird in dem Preisstrahl abgebildet. So der Produzent, der Mitarbeiter und sein Lohn, aber auch der Staat, in Form von »Steuern«. Die Steuern sind entweder arbeitsbezogen, oder verbrauchsbezogen. Wer arbeitet zahlt Steuern, oder wer verbraucht zahlt Steuern.
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Eine Wirtschaft, in der die »existenzsichernden Güter« nicht bezahlbar sind, macht keinen Sinn. Sie dient nicht seinen Bewohnern. Diese Gesellschaft wäre für niemanden hilfreich. Gibt es eine solche Volkswirtschaft überhaupt?
Nehmen wir jetzt die Mietpreise. Sind diese zu hoch? Ja. Es fehlen tatsächlich »preiswerte Unterkünfte«, preiswerter Wohnraum. Wie kommt das, dass die Mieten so hoch sind?
Ein Grund ist das Fehlverhalten der Politiker. Im letzten Jahrhundert, in den 60er Jahren, wurden viele »Sozialwohnungen« gebaut, weil die Politik diese Vorgänge mit Gesetzen und Geldmittel unterstützte. Heute wird seit Jahren ein neuer sozialer Wohnungsbau gefordert, aber es passiert nichts.
Ein weiterer Grund sind »Zinsen«. Wer Wohnraum mit Leihgeld geschaffen hat, muss dieses Geld plus Zinsen dem Geldgeber zurückzahlen. Diese Zinskosten werden vom Vermieter auf die Miete umgelegt. Und dadurch wird das Mietobjekt teurer.
Ein weiterer Punkt ist die »Spekulation«. Geld ist heute mit Leichtigkeit herstellbar. Es werden dazu keinerlei »Spareinlagen« benötigt. Geld wird geschaffen, in dem ein Kredit vergeben wird.
Siehe dazu »Die Geldschöpfung aus dem Nichts« und das Thema »Vollgeld«. [1]
Dieses Geld wird mit Vorliebe in Grund-und-Boden investiert. Das heißt, es werden Grundstücke aufgekauft. Dem bisherigen Eigentümer kann fast jeder Preis gezahlt werden. - Geld ist ja im Überfluss vorhanden. [2]
Die Hersteller des Geldes (Giralgeld) sind heute die Privatbanken. Sie sind es auch, die es sich leisten können, immer mehr Grundstücke aufzukaufen. Oder sie geben das Geld an »Investoren«, die dies erledigen. – Das Geld steckt dann »im Boden«. Wer jetzt diesen Boden nutzen will, muss den aufgeblähten Preis zahlen, den der neue Eigentümer haben will. Der Wert des Bodens leitet sich dann aus dem Preis ab, der für ihn bezahlt wurde.
Das Problem bei der Bodenspekulation ist, dass der Boden knapp ist. Grund-und-Boden ist eine knappe Ressource. Die Erde-Boden-Fläche ist nicht beliebig vergrößerbar.
Was kann man zu knappen Ressourcen sagen? Sie können nur der Allgemeinheit gehören und dürfen nicht in Privatbesitz sein. Knappe Ressourcen dürfen insbesondere dann nicht in Privatbesitz sein, wenn alle Bürgerinnen und Bürger dieses Güter für ihre Existenz brauchen.
Eine knappe Ressource ist auch »Energie«. Bodenschätze müssen fair unter uns Menschen auf der Erde verteilt werden, sodass jeder das bekommt, was er zum Leben braucht.
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Nun komme ich zum letzten Punkt. – Wie eben gesagt, ist Wohnraum für unsere Existenz notwendig. Wir können nicht einfach auf der Straße leben. Das macht die Menschen auf die Dauer krank. Und sie sterben früher.
Das Bedingungslose Grundeinkommen (bGE) meint die »existenzsichernden Güter«. Diese sind Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. Wer sich das Grundeinkommen nur als »Geldleistung« vorstellt, wird dem Thema nicht gerecht.
Bedingungsloses Grundeinkommen = Geld = Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie = Existenzsichernde Güter = bescheidenes, aber menschenwürdigen Leben
Wir reden praktischerweise immer über »Geld«, weil der Austausch von Gütern und Dienstleistungen so viel leichter zu bewerkstelligen ist, als wenn wir einen reinen Tauschhandel betreiben würden. Aber das, wovon wir leben, sind immer nur die Güter und Dienstleistungen.
Für ein »bescheidenes, aber menschenwürdiges« Leben, brauchen wir die existenzsichernden Güter.
Wir brauchen diese Güter einfach. Manche Menschen besorgen sich diese Güter auch mit Gewalt, weil sie in einer Notlage sind, und diese Güter benötigen, für ihr Dasein. – Daran sehen wir, wie wichtig diese Güter für unsere Existenz sind.
Die Aufgabe einer Gemeinschaft ist es demnach, dafür zu sorgen, dass die »notwendige Produktion«, die die existenzsichernden Güter meint, kostenlos oder sehr preiswert ist. Sowohl die Wirtschaftsteilnehmer, die Produzenten, Händler, Verteiler, als auch die gemeinschaftliche Verwaltung haben die Aufgabe, mittels Methoden und Regeln (Gesetzen) dafür zu sorgen, dass die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit diesen Gütern reibungslos geschieht. - Dies kann über den Markt geschehen, aber auch mittels einer »geplanten Wirtschaftsaktivität«.
Wichtig ist nur das Ergebnis. Die Bürgerinnen und Bürger in einer Grundeinkommens-Gesellschaft brauchen die existenzsichernden Güter. Sie müssen diese erhalten. Und zwar »bedingungslos«.
Und damit ist auch Direkte Demokratie gemeint.
[1]
Bernd Senf, Bankgeheimnis Geldschöpfung - Monetative als Lösung?
https://www.youtube.com/watch?v=qgSntQ9CjnA
Wie Geld geschaffen wird, und welche Konsequenzen das hat, und wie das heutige Geldsystem sinnvoll reformiert werden sollte, damit beschäftigen sich die Vollgeld-Gruppen in England, Schweiz und Deutschland.
England
Schweiz
Die Vollgeld-Initiative in der Schweiz will nächstes Jahr über eine Volksabstimmung erreichen, dass das Schweizer Geldsystem reformiert wird.
https://www.vollgeld-initiative.ch/
Deutschland
[2]
Diese Wahrheit, dass Geld im Überfluss vorhanden ist, widerspricht auch der üblichen Behauptung der Politiker, es sei kein Geld da.