Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn das BGE eingeführt würde?
Wenn sich alle auf der faulen Haut ausruhen, können nicht mehr alle Arbeitsstellen besetzt werden.
Wessen „Arbeitsstellen“? Die, der Unternehmer?
Unternehmer sind Privatpersonen. Warum sollen Privatpersonen ein Recht darauf haben, andere Leute anzustellen? In einer Grundeinkommens-Gesellschaft wird „zusammengearbeitet“, sofern wir das aus freien Stücken tun wollen. Jemand betreibt ein „Projekt“ und wir Mitbürger können entscheiden, ob wir bei diesem Projekt mitwirken wollen.
Ob ein Arbeitsplatz „notwendig“ ist, entscheiden die Kunden des Unternehmens, indem sie die Leistungen in Anspruch nehmen, oder nicht, und die Mitarbeiter, in dem sie mitarbeiten oder nicht.
Der Fachkräftemangel würde sich verstärken.
Das ist Sache der Unternehmen, auf den Bedarf an Mitarbeitern aufmerksam zu machen, in der Öffentlichkeit, gegenüber der Verwaltung, und dann kann die Gesellschaft gegensteuern, sofern Arbeitsplätze wichtig sind, für die Versorgung der Bevölkerung. Sucht das Unternehmen aber Fachkräfte für fragwürdige Tätigkeiten, muss es sich selbst um Nachwuchs-Mitarbeiter kümmern.
Aber auch und gerade Jobs für gering Qualifizierte könnten nicht mehr besetzt werden.
Wieso können die nicht mehr besetzt werden? Wer nur ein Grundeinkommen hat, möchte womöglich noch etwas hinzuverdienen, stundenweise, tageweise. All das ist möglich, mit einem Grundeinkommen im Rücken.
Niedriglohnsektoren, allen voran soziale Dienstleistungen, würden endgültig zusammenbrechen, weil sich erst recht niemand mehr findet, der dort für wenig Geld viel arbeitet.
Genau andersherum wird die Situation sich gestalten. Wer die soziale Arbeit wichtig findet, wer in diesem Bereich Gutes tun will, der kann es endlich, auch wenn die Arbeit nicht sonderlich gut bezahlt w. Denn der Mitarbeiter hat noch ein Grundeinkommen.
Wichtig ist auch noch etwas anderes: Heute können die Mitarbeiter in allen Branchen, auch im Sozial- und Gesundheitsbereich ausgenutzt und ausgebeutet werden, weil diese Mitarbeiter abhängig sind von dem kärglichen Einkommen und dann werden die schlechten Arbeitsbedingungen zähneknirschend akzeptiert. Genau das wäre in einer Grundeinkommens-Gesellschaft nicht mehr nötig. Der angehende Mitarbeiter kann sogar „seine“ Arbeitsbedingungen nennen und wenn der Arbeitgeber diese nicht erfüllen kann, braucht die Arbeit nicht aufgenommen werden.
In der Folge könnte die Wirtschaft ins Stocken geraten, weil weniger produziert wird.
Wie viel soll produziert werden? Jedes Land sollte seine eigenen Bewohner versorgen können, mit allem, was zu einem bescheidenen, aber menschenwürdigen Leben nötig ist.
Export? Wirtschaftswachstum? All das ist nicht mehr nötig. Der Produktionswahn kann gestoppt werden. Der übertriebene, oft sinnlose Umweltverbrauch kann eingeschränkt werden, was uns allen zu Gute käme.
Nur die Produktion der existenzsichernden Güter ist wichtig.
Oder es würde noch mehr in Billiglohnländern produziert, mit den bekannten Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Umwelt.
In einer Grundeinkommens-Gesellschaft würde viel mehr im eigenen Land produziert, weil, mit einer Konsumsteuer kombiniert, sich das Arbeiten im eigenen Land wieder lohnen würde. Durch den Wegfall der Einkommenssteuer wird arbeiten endlich wieder belohnt. Der Bürger erhält den ganzen Lohn, statt nur den Netto-Lohn. Außerdem führt die Konsumsteuer=Mehrwertsteuer dazu, dass die Einfuhren nicht mehr preisgünstiger sind, da auf sie der volle Mehrwertsteuer-Satz in Anwendung kommt. Während gleichzeitig Ausfuhren preisgünstiger würden, weil weder Einkommenssteuer noch Mehrwertsteuer die Ausfuhr verteuern würde.
Diejenigen, die trotzdem noch arbeiten gehen wollen (oder müssen), haben eine schlechtere Position, was Gehaltsverhandlungen, Status etc. angeht, da die (Lohn-)Arbeitgeber argumentieren, dass ja niemand arbeiten gehen müsse.
Warum „müssen“ die Grundeinkommens-Bezieher arbeiten gehen? Das Grundeinkommen deckt alle Kosten, die die Existenzsicherung betreffen.
Wer sitzt nun am längeren Hebel. Die Arbeitgeber oder die Arbeitnehmer, in einer Grundeinkommens-Gesellschaft? Ein Projekt, ein Unternehmen gelingt nur, wenn alle Mitwirkenden „an einem Strang“ ziehen, also sich bereitfinden, bereit erklären, gemeinsam dieses Projekt zu realisieren. Beide Seiten müssen sich also überlegen, wie viele Zugeständnisse sie machen wollen, damit das Projekt zustande kommt und nicht vorher scheitert.
Wenn das BGE nur in einem Land allein eingeführt würde (was ich nicht für sinnvoll halte), könnte Migration aus anderen Ländern die Folge sein. Um das zu verhindern, müsste der Empfängerkreis beschränkt werden auf die BürgerInnen des Landes. Was wahrscheinlich in der heutigen EU-Gesetzgebung nur schwer möglich und außerdem wenig solidarisch wäre.
Grundeinkommen ist schon heute, bevor es überhaupt irgendwo umgesetzt ist, ein weltweites Anliegen, mit großem Zuspruch. Siehe der aktuell stattgefundene Kongress in Portugal zum Bedingungslosen Grundeinkommen.
Das Grundeinkommen wird weltweit, wird in Europa umgesetzt werden. Auch wenn erste Versuche in diese Richtung abgewehrt wurden, der Zug fährt in diese Richtung. - Die Versklavung der Bürgerinnen und Bürger im heutigen System, in Deutschland „Hartz4“ genannt, ist unerträglich und wird ein wesentlicher Grund sein, für die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens. Aber selbstverständlich auch die gigantischen Produktionskapazitäten, bei immer weniger Arbeitseinsatz, führen unweigerlich in eine Grundeinkommens-Gesellschaft, wenn wir nicht vorher an Armut und Geldmangel zugrunde gehen wollen, oder sich Bürgerkriege entwickeln.
Das BGE kostet natürlich eine Menge. Mögliche Finanzierungswege, etwa über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, gingen zulasten der EmpfängerInnen und würden es wieder schwieriger machen, von z.B. 1000 Euro im Monat zu leben.
Die Finanzierung des Grundeinkommen geschieht über Steuern. Steuern sind der Anteil an der Wertschöpfung, der allen Bürgerinnen und Bürgern zu Teil werden soll.
Wer heute bereits Einkommen hat, zum Beispiel bei einem angenommenen Grundeinkommen von 1000 Euro, 1500 Euro Lohn, der besitzt ein Grundeinkommen.
Es steckt in den 1500 € Lohn drin. Tausend Euro von den Fünfzehnhundert, werden zu „Grundeinkommen“. Am Preis ändert sich nichts, weil es die gleiche Wertschöpfung sein muss, aber das Geld kommt von der Gemeinschaft, statt vom Arbeitgeber. Und es ist bedingungslos, statt bedingt.
Und wer heute weniger als 1000 Euro Einkommen hat, der würde in einer Grundeinkommens-Gesellschaft endlich menschenwürdig leben können, weil durch Steuerumschichtungen der Differenzbetrag gedeckt wird.
Kaufkraft, Preise und Mieten sind in Deutschland regional sehr unterschiedlich (erstrecht in der gesamten EU). Es stellt sich die Frage, ob ein einheitliches BGE gerecht wäre.
Das ist ein spannendes Thema. Ich gebe zu, dass hier noch Diskussionsbedarf besteht. - Die Gesellschaft muss dafür sorgen, das die existenzsichernden Güter zu einem fairen Preis für alle Bürgerinnen und Bürger beziehbar sind. Es wäre ein Fehler, beim Grundeinkommen nur an Geld zu denken.
Grund-und-Boden darf nicht zu Spekulations- und Selbstbereicherungszwecken missbraucht werden. „Eigentum verpflichtet.“ - Auch die Energiepreise müssen genau überprüft werden, ob sie missbraucht werden. Da sollten die Grundeinkommens-Befürworter noch stärker sich mit beschäftigen.
Da das BGE jeder in gleicher Höhe von Geburt an erhält, könnten Paare auf die Idee kommen, nur deshalb Kinder zu zeugen. Das würde schon an Kindesmissbrauch grenzen.
Ja, den Fantasien ist keine Grenze gesetzt. Fangen wir einfach mal an, mit den realistischen Problemen.
Ich habe wirklich versucht, mehr Nachteile zu finden, es ist mir aber nicht gelungen. Vielleicht wenigstens noch eine negativ angehauchte Anmerkung: Wie gesagt halte ich das BGE nur für sinnvoll, wenn es in mehreren Ländern gleichzeitig eingeführt wird – etwa EU-weit. Das würde aber noch länger dauern, falls es je so weit käme.
Das Grundeinkommen ist eine weltweite, zündende Idee. Ich bin gespannt, in welchem Land sie zuerst umgesetzt wird. :-)