Tja, die Rundmühle ist wirklich ein glattes, kleines Spiel, um sich Zeit zu vertreiben. Hoffentlich habt ihr gewonnen!
Langsam plusterte sich der Stoff zu einem wurstförmigen Freiballon auf und schwebte drei Meter über uns. An dünnen Drähten hing ein Drahtkäfig, der ebenfalls mit Stoff ausgekleidet war. Ungläubig zeigte ich auf diesen kabinenartigen Bauch.
"Dieser stoffige Untersatz soll uns alle drei tragen?"
"Geeignet für bis zu 20 Personen", pries Kasper das Vehikel an.
"Das würde dann doch etwas eng", bemerkte Anni.
"Was ist los, kommt ihr?", fügte sie an.
Zögerlich stieg ich in das Gestell und setzte mich in den stoffigen Bauch. Das Material war so dünn, dass man hindurchblicken konnte. Anni setzte sich neben mich und nahm meine Hand.
"Wird doch glatt", fand sie.
Kasper fummelte vorne an einer Steuereinrichtung herum. Er murmelte etwas von "tangentialem Luftausstrom am Ballonäquator" und nickte zufrieden. Dann fragte er: "Bereit?"
Wir bejahten und mit einem Ruckeln hob sich das Gefährt in die Höhe. Kasper führte das Vehikel an den Rand der Höhle. Langsam glitten wir der Wand entlang nach oben.
"Hat das Ding einen Namen?", fragte Anni den beschäftigten Kasper.
"Ist eine Fitzsimmons-Fähre. Macht euch bereit, damit die anderen zusteigen können."
Langsam stellte ich mich auf und knüpfte die Eingangsluke auf. Als wir auf der Höhe des Höhlenausgang schwebten, sprang Vianney rasch durch den Spalt ins Innere und kämpfte sich durch die Stoffschichten. Dann setzte er sich zu uns. Vianney war alleine.
"Wo sind die anderen?", fragte ich ihn. Vianney schüttelte den Kopf.
"Je ne sais pas. Nach der Kammer kamen ganz viele Gänge. Ein Labyrinth. Sie waren gerade noch vor mir. Dann waren sie weg."
Er schien erschöpft.
"Danke für die Rettung, Vianney", meinte ich. "Ohne dich sässen wir noch in dieser Todeshöhle."
"Ich bin froh, nicht mehr alleine zu sein. Die alte Frau hatte es ziemlich eilig, weiterzukommen. Ich konnte nicht mithalten."
Ich blickte zu Anni. Diese hatte allerdings nicht zugehört, sondern starrte gebannt durch den Stoff.
"Schaut nach draussen", flüsterte sie.
Weit hinter uns lag das Meer und wurde durch eine ausgedehnte Küstenlinie begrenzt, die in der Ferne verschwand. Unter uns erstreckte sich der Urwald in alle Richtungen. Gewaltige Vulkane und die ersten Zacken einer mächtigen Bergkette ragten in den Himmel. Mir stockte der Atem.
"Das ist keine Insel. Das ist ein Kontinent."
Wir schwebten weiter ins Landesinnere. Geschickt navigierte uns Kasper durch die verschiedenen Luftströme. Mit einem Mal wurde es kühl. Ich fröstelte.
"Kannst du bitte die Heizung aufdrehen?", rief Anni Kasper zu.
"Wir sind sehr weit oben. Packt euch gut ein."
Wir rutschten näher zusammen. Als sich auf der Innenseite der Stoffwände aber Eiskristalle bildeten, wurde es mir zu viel.
"Bitte Kasper, kannst du tiefer fliegen?"
"Wir erfrieren!", fügte Vianney an.
Kasper nickte belustigt.
"Na gut! Aber unten hat's Nebel!"
Kasper zog an verschiedenen Drähten und bewegte einige Hebel, dann ertönte ein Zischen über uns. Dann sank die Fitzsimmons-Fähre in der Luftsäule. Das Eis an den Wänden schmolz und der Stoff wurde feucht. Es wurde nun ungemütlich in der Kabine. Dann tauchten wir in eine dicke Nebeldecke ein.
"Ich sehe genau nichts. Wir landen, es ist zu gefährlich."
Mit diesen Worten liess Kasper das Gefährt weiter absacken. Dann tauchte das Kronendach des Dschungels unter uns auf. Unsanft schlitterten wir zwischen den Bäumen hindurch und prallten auf den Urwaldboden. Die Fähre fiel in sich zusammen und wir bahnten uns durch den Stoff den Weg nach draussen. Kasper rollte über den Freiballon wie über einen Schlafsack, um die restliche Luft herauszupressen. Dann nahm er die Drähte auseinander, faltete den Stoff zu einem kleinen Paket zusammen und verstaute es in Vianneys Rucksack.
"Und diesem Ding haben wir unser Leben anvertraut", meinte Vianney.
Wir liefen durch den Dschungel, der hier um einiges durchgängiger war. Ich bot an, Vianneys Rucksack für eine Weile zu tragen, aber er lehnte ab.
"Merci, ich habe mich an ihn gewöhnt."
Der Boden wurde trockener. Wir stiegen eine kleine Anhöhe hinauf. Plötzlich sahen wir uns am Rande eines grossen Tals wieder, das wohl ein Seitenarm des grossen Flusses in die Landschaft gegraben hatte. Kreisförmig um den Fluss erkannte ich Bauten aus hellem Stein.
"Eine Stadt!", stellte ich fest.
Wir liefen beschwingter ins Tal hinein. Ein Pfad aus weissen Pflastersteinen kreuzte unseren Weg und wir folgten ihn. In kleinen Schlangenbewegungen führte er uns zu einer Brücke, die über den Fluss führte. Majestätisch säumten Säulen die Brücke und die Stadt, die sich auf der anderen Seite erhob. Grazile Türme warfen das Licht der untergehenden Sonne zurückt.
"Magnifique", flüsterte Vianney.
Wir überschritten die Brücke. Bei näherem Betrachten fiel mir auf, dass die Stadt schon bessere Tage gesehen hatte. Steine lösten sich aus den Konstruktionen. Einige waren ganz in sich zusammengestürzt.
"Hier wohnt niemand mehr", stellte Anni fest.
"Was hier wohl passiert ist?", fragte ich.
Wir beschlossen, im Schutz der alten Ruinen zu nächtigen. Vianney packte sein Malzeug aus dem Rucksack "um die wunderschöne Stadt einzufangen". Derweil nahm Kasper Anni und mich zur Seite.
"Bitte sagt mir, was los ist. Wo sind wir hier?", fragte er.
Ich druckste etwas herum.
"Warum fragst du uns das?", meinte Anni sicher.
Kasper lächelte geduldig.
"Hört jetzt auf, mir etwas vorzuspielen. Zuerst das mit den Sternen. Dann kam dieses Tier. Und dann wolltet ihr dringend ins Landesinnere. Was gibt's hier?"
Ich hatte mich schon lange entschieden, Kasper zu vertrauen. So erzählte ich ihm von unserem Auftrag. Anni zog zischend Luft ein, als ich Kasper auch den Kompass zeigte, doch sie beruhigte sich wieder.
"Ihr habt ja richtig viele Informationen bekommen", lachte Kasper. "Das heisst, ihr wisst auch nicht viel mehr?"
"Ja", gab ich zu.
"Na dann hoffe ich, wir erkennen unsere Aufgabe, wenn wir am Ziel sind!", sagte Kasper.
"Und ja", meinte er zu Anni, die gerade eine Bemerkung machen wollte, "nach alldem sind wir ein Wir."
Plötzlich rief Vianney hinter uns. Wir eilten zu ihm.
"Hier ist irgendwer", meinte er. "Ich habe einen Schatten gesehen!"
Wir blickten uns um. Grosse Geröllblöcke lagen herum und die Ruinen zeigten Unmengen von Nischen, in denen man sich verstecken konnte.
"Psst", flüsterte es neben uns. Ich zuckte zusammen. Ein Mädchen mit langen schwarzen Haaren zupfte an meinem Hemd.
"Kommt mit", flüsterte sie und verschwand weiter in die Stadt.
"Warte!"
Wir eilten ihr nach. Mühelos hüpfte sie auf eine Mauer rannte weiter, kroch zwischen umgestürzten Säulen hindurch und sprang über Geröllblöcke. Nur knapp konnten wir mithalten.
"Warte!", rief ich nochmals, als ich sah wie Vianney weiter zurückfiel.
"Wohin bringst du uns?", fragte ich das Mädchen keuchend.
"Ich bringe euch zu meinem Volk. Aber vorher muss ich euch etwas zeigen."
Wie unsere Heldinnen und Helden, die durch die versunkene Stadt kraxeln, dürft auch ihr eure Fortbewegungs-Skills unter Beweis stellen! Baut dafür auf einer Strecke im Haus oder draussen einen Parkour. Wenn ihr die Möglichkeit habt, könnt ihr die Umgebung (z.B. eine Schaukel oder einen Baum) einbinden. Der Parkour sollte zudem folgendes enthalten:
etwas zum Untendurch-Kriechen (eine gespannte Schnur, ein Holzring zum Durchsteigen, etc.)
etwas zum Balancieren (ein Brett, ein Ast, etc.)
etwas zum Springen (Tücher mit Abstand dazwischen, Steinblöcke, etc.)
Stoppt die Zeit, die ihr für den Parkour braucht. Was ist euer Rekord? Wenn ihr wollt, könnt ihr ein Foto von euch und dem Parkour an info@pfadistmauritius.ch senden:)