Gabriel hat das Schiff als erster identifiziert (die Aurora) und Noah A. hat das die Kabine "Seelefant" für unsere Forscherinnen gefunden - dann kann die Reise ja jetzt weitergehen!
Zum Glück ist ist am Quai gestern Kasper zu uns gestossen und hat uns auf die "Aurora" in die richtige Kabine geführt.
"Ihr teilt das Zimmer mit Luise und Vianney", flüsterte Kasper, "sie schlafen bereits". Wir stellten unser Gepäck an die Wand und richteten uns auf dem Kajütenbett ein.
"VIANNEY!"
Ein Schrei riss uns aus dem Schlaf. Ich schreckte hoch. Neben dem Bett stand eine ordentliche junge Frau, deren Lackschuh in roter Farbe getränkt war.
"Ich hab's dir gesagt! Räum deine hässliche Farbe aus meinen Augen!", keifte sie. "Und versorg gefälligst dein Gepäck!"
Ich lehnte mich über den Rand des Bettes. "Das wäre dann unseres."
Die Frau fuhr herum und erkannte mich und die schlaftrunkene Anni.
"Oh. Das tut mir leid. Seid ihr neu dazugekommen?", fragte sie verlegen. Die Frau stellte sich als Luise vor und erklärte, dass sie die Zofe von Lady Davenport sei, die im angrenzenden Zimmer schlief.
"Ich werde die Lady bitten, ob ich zurück in ihr Zimmer ziehen darf. Dieser nichtsnutzige Künstler ist wirklich für nichts zu gebrauchen! Habt ihr Vianney schon kennengelernt?"
Während Luise ihre Siebensachen ins Zimmer von Lady Davenport zügelte, verliessen Anni und ich die Kabine. Wir traten auf Deck. Die Morgensonne spiegelte sich im ruhigen Hafen und es roch leicht nach Fisch. Ein einsamer Angler versuchte sein Glück am steinigen Landungsplatz.
"Magnifique, n'est-ce pas? Ist das nicht ein schönes Bild?", fragte jemand, der sicherlich dieser Vianney war. Er lehnte mit dem Rücken an den Deckaufbau und versuchte mit einem Grafitstift die Szene einzufangen. Anni schritt zu ihm und warf eine Blick auf die Zeichnung. Sie pfiff anerkennend.
"Nicht schlecht! Die Sonne vielleicht ein wenig weiter links, dann stimmt's!", meinte sie fröhlich.
Verdutzt blickte Vianney zu Anni. Dann musste er lächeln.
"Mais, ich denke so ist's schöner."
Ein Signalhorn ertönte. Eilig kramte Vianney seine Skizzen und Stifte zusammen.
"Es geht los", meinte er und führte uns zum Oberdeck. Einige Personen warteten bereits. Auch Kasper stand dort und winkte uns freudig zu.
Wir gesellten uns dazu. Ein Moment herrschte angespannte Stille. Dann trat ein leicht herrisch wirkender Mann einen Schritt nach vorne und ergriff das Wort:
"Willkommen zu dieser Expedition, meine Damen und Herren. Es ist mir eine Ehre, Sie alle dabeizuwissen."
Er stellte sich als Alfred Schneisener vor, der Leiter dieser Reise.
"Sie alle bringen unterschiedliche Qualität mit sich. Und gemeinsam werden wir der Welt zeigen, dass die Kontinente einst an einem Stück waren."
Dann mussten wir uns alle in einem Satz vorstellen.
Eine ältere Dame begann: "My dear, ich bin Lady Davenport. Ich werde einen Heldenroman über ihre Entdeckungen verfassen - sie alle werden berühmt!"
Schneisener nickte zufrieden und ich wurde nervös. Plötzlich fühlte ich mich klein und untauglich.
Luise stellte sich als die Zofe von Lady Davenport vor.
"Kasper Kristensen - ich bin der Kapitän dieses hübschen Schiffs", meinte Kasper stolz.
Vianney erklärte danach, er würde die Entdeckungen der Forschenden abzeichnen. Luise warf ihm dabei einen bösen Blick zu.
Dann war ich dran. Ich war zunehmend nervös geworden.
"Ich bin Rosa Hofer", sagte ich etwas zu leise. Kasper nickte bestärkend und ich räusperte mich. "Ich werde untersuchen, ob alte Tierarten in Südamerika und Afrika vorkommen - das wäre ein Beweis, dass die Kontinente einmal zusammengehört haben."
Anni lächelte und führte weiter.
"Ja, ich mache das selbe. Nur eher mit ausgestorbenen Dingen - Anni Nyffeler". Bis auf Schneisener lachten alle.
Das Schiff verliess langsam den Hafen von Calais. Fast konnten wir einen Blick auf England erhaschen. Mit einem Mal schien meine Anspannung zu verfliegen. "Komm Anni, wir stellen uns ganz nach vorne!"
Unsere Haare flatterten im Fahrtwind und ein Gefühl grenzenloser Freiheit durchfuhr mich. Ich breitete meine Arme aus. Nach einer Weile fragte ich Anni: "Und was tun wir jetzt?"
"Wir könnten schauen, was dieser Künstler so treibt".
Wir suchten das Deck ab, bis wir Vianney gefunden hatten. Er hielt ein langes Fangnetz in die Wellen, die unser Schiff in das Meer schnitt. Ziemlich ungeschickt zog er es heraus. Ein kleines Fischlein war darin, welches Vianney behutsam in ein Wasserglas transferierte. Dann holte er Papier und Stift heraus und begann, das Tier abzuzeichnen.
"Ich muss üben", meinte Vianney entschuldigend. (Ich getraute mich nicht, Vianney darauf hinzuweisen, dass er die Stacheln vor der Rückenflosse dieses "Dreistachligen Stichlings" etwas zu prominent skizziert hatte.)
"Möchtest du nicht lieber mit uns "magische Karten" spielen? Rosa erklärt es dir sicher gerne."
Die Stunden vergingen, während wir gemeinsam spielten. Am Nachmittag hatte auch Kasper noch ein Ründlein mit uns gespielt, bis er schleunigst wieder ans Ruder rannte.
Irgendwann wurde es dunkel und ich müde. Ich machte mich auf den Weg zur Kajüte. Unter Deck war es dunkel und ich suchte in meiner Hosentasche nach Zundhölzli. Plötzlich knallte eine Türe. Ich fuhr zusammen. Mit klopfendem Herzen zündete ich eine Kerze an. Ich leuchtete den Korridor aus und da entdeckte ich zwei Zettel am Ende des Ganges.
"Anni!"
Ich stürmte auf sie zu. Sie sass alleine an Deck und blickte in die Ferne. "Wo ist Vianny?", fragte ich.
"Gegangen", meinte Anni, "hast du ihn nicht angetroffen?"
"Nein. Schau mal hier". Ich zeigte ihr das Telegramm und die Karte mit den Buchstaben. Sie studierte das Papier einen Moment.
"Etwas stimmt hier nicht", stellte sie beunruhigt fest. Sie stand auf. "Komm, wir gehen ins Zimmer."
Anni schloss die Türe hinter uns. Ich zündete eine Petroleumlampe an, die bedrohliche Schatten an die Kajütenwand warf.
"Versuche, das Telegramm zu entschlüsseln. Ich werfe nochmal ein Blick in unsere Kiste". Ich kramte in meinem Koffer.
"Und danach kommt diese an einen sichereren Ort", bemerkte Anni.
Ich nahm den Kompass in die Hand. Die Nadeln drehten sich noch immer. Danach breitete ich die Karte auf dem Boden aus. Während unten die falsch gezeichneten Kontinente dargestellt waren, zeigte der oberste Kartenviertel den Himmel. Ganze Konstellationen und Sternbilder waren abgebildet.
Ich stutzte plötzlich.
"Anni, wir haben etwas übersehen."
Gleichzeitig klopfte es an der Türe.
(Pfadis und Pios)
(Wölfe, Pfadis und Pios)
Versuche mit deiner Familie das Kartenspiel "magische Karten", dass Rosa und Anni gespielt haben.
2. Nimm dir Zeit und schau einmal in Ruhe den Nachthimmel an. Findest du den Nordstern? Welche Sternzeichen erkennst du?
Falls du ein "Pfaditechnik"-Buch besitzt, findest du auf Seite 206 eine Sternkarte (im Thilo S. 200-203 und im Technix S. 163 - 164).
Eine Sternkarte und weiteres spannendes Wissen über den Nachthimmel im April findest du auch auf dieser Seite: