Lara ist die Abteilungs-Rätselknackerin! Ja genau, "folgt den Sternen Arktur, Spika und Regulus". Und die Vigenere-Verschlüsselung war für Pfadis und Pios wohl zu mühsam, hm?
"Wer ist da?", fragte ich. Meine Stimme zitterte.
"Vianney. Ich möchte schlafen. Warum ist die Türe zu?", tönte es dumpf durch das Holz.
"Ein Moment."
Hektisch faltete ich die Karte zusammen. Anni griff danach und steckte sie zusammen mit dem Kompass in meine Hosentasche. Die Kiste versteckten wir im Koffer. Dann öffneten wir die Türe, liessen den verdutzen Vianney ins Zimmer und schoben uns an ihm vorbei in den Korridor.
An Deck angekommen, zeigte mir Anni sofort die entschlüsselte Nachricht.
"Aber wer hat es auf uns abgesehen?", fragte ich.
"Und wieso - was stand eigentlich auf der Karte?"
"Dass wir den Sternen Arktur, Spika und Regulus folgen müssen"
"Und welche sind das?", fragte Anni. Ratlos starrte ich in den Himmel.
"Fragen wir Kasper", schlug ich vor.
"Können wir ihm trauen?", fragte sie. Nicht ganz überzeugt folgte Anni mir zum Steuer.
Trotz der späten Stunde stand Kasper aufrecht am Steuer und lächelte fröhlich in die Ferne. Der will bestimmt nichts Böses, dachte ich, als ich ihn so sah.
"Noch wach?", stellte er fest, als er uns entdeckte.
"Wie du. Schläfst du eigentlich nie?", fragte Anni.
"Nein."
Ich runzelte zweifelnd die Stirn, fragte ihn dann aber nach den Sternen.
"Ah ja, das Frühlingsdreieck, so nennt man diese Sterne zusammen", erklärte Kasper. "Seht ihr den Grossen Wagen hinter uns? Dort etwas nach rechts unten, das ist das Sternbild Bärenhüter. Der helle Stern ist Arktur. Die anderen zwei sind dort und dort", erklärte er motiviert. Ich versuchte die Sterne zu erkennen, es ging mir aber etwas zu schnell.
"Kannst du unser Schiff in diese Richtung bringen?", fragte Anni.
Kasper blickte uns prüfend an. "Was heckt ihr aus?"
"Wir haben einen Auftrag bekommen. Mehr können wir dir nicht sagen", antwortete ich zurückhaltend.
"Ich auch - er lautet, bringe das Schiff nach Süden. Ich müsste weit nach Osten abdrehen."
"Es ist wichtig", bat ich ihn.
Kasper dachte kurz nach. Dann lachte er.
"Nur wenn ihr hierbleibt und mich unterhaltet." Kasper zog das Steuerrad nach links.
Für Kaspers Unterhaltung mussten allerlei peinliche Geschichten aus Anni und meinem Leben herhalten. Ich erzählte vom einzigen Mal, als ich in einer edlen Oper war. Ich hatte mich schon geschämt, mit meinen Kleidern unter diese geschniegelten Leute zu gehen. In einem besonders ruhigen Moment bekam ich dann einen so starken Hustenanfall, das das Stück unterbrochen werden musste.
Kasper lachte herzhaft, betonte aber gleichzeitig, dass ich ja nichts dafür könne.
"Danke für den Hinweis", sagte ich. Langsam verfärbte sich der Horizont gelb und kündigte den baldigen Morgen an. Die Sterne am Himmel verblassten und Kasper warf einen Blick auf seine Geräte, um den Kurs zu überprüfen. Er hielt inne.
"Was ist denn los?", fragte Anni.
"Mein Kompass geht nicht mehr. Die Zeiger drehen sich nur."
Anni und ich blickten uns an. Ich nestelte in meiner Hosentasche und holte unser kaputtes Messinggerät heraus. Die Nadeln unseres Kompass standen still. Zum ersten Mal auf dieser Reise zeigten sie in eine Richtung.
"Was ist hier los?", brummte eine tiefe Stimme. Ich zuckte zusammen und liess den Kompass in den Hosensack gleiten. Schneisener war unbemerkt hinter uns getreten.
"Warum sind Sie schon auf?", fragte er Anni und mich.
Ich wollte gerade antworten, als ein Schrei die Stille durchfuhr. Vianney brüllte wie am Spiess. Wir rannten in seine Richtung. Ein Ruck ging durch das Schiff und wir fielen zu Boden. Dann erstarrte ich. Über die Deckkante schlängelten sich riesige fleischige Tentakel.
"Was ist das?", flüsterte Anni fassungslos.
"Das gibt es nicht."
Ein riesiger Krake schlang sich wie eine Ranke um die Aurora. Seine Fangarme wanden sich um den Schiffsbauch, als wollten sie die Aurora erdrosseln.
"Alle an Deck", donnerte Schneisener. Seine Stimme überschlug sich. Gleichzeitig begann sich das Schiff nach hinten zu neigen. Ich warf mich um einen Masten, um nicht zu rutschen. Ich sah wie Anni sich am Decksrand festhielt. Kasper klammerte sich um das Steuerrad. Ein weiterer Schlag ging durch das Schiff. Mit einem ohrenbetäubenden Splittern brach die Aurora entzwei. Anni wurde von Deck geschleudert und versank sofort in den Wellen. Haltlose Panik durchflutete mich und ich nahm kaum war, wie ich selber in die Flut gezogen wurde.
Das erste was ich spürte, war ein brennender Schmerz in meinen Augen. Ich versuchte sie zu öffnen. Eine Mischung aus gleissendem Sonnenlicht und Salz brachte mich zum Tränen. Ich versuchte meinen Oberkörper zu heben und stemmte mich hoch. Mein ganzer Körper schmerzte, Salz brannte in meinem aufgeschürften Bauch. Mit zusammengekniffenen Augen sah ich mich um. Ich sass an einem Strand, der bald in einen dichten Wald überging. Ich hatte keine Ahnung, wo ich war.
Ich stand auf und ging einige Schritte. Der grobe Sand knirschte unter meinen Füssen. Dann hörte ich in der Ferne Stimmen. Voller Hoffnung ging ich in die Richtung.
Als Erstes erkannte ich Luise, die eilig um Lady Davenport herumwuselte und ihre Kleidung richtete. Der alten Dame schien der Schiffbruch nichts angehabt zu haben. Laut sprach sie: "Das schändliche Scheusal hüllte die stolze Aurora in eine infernalische Umarmung, welche sie um den letzten, wehmütigen Hauch ihres Überlebenswillens beraubte." Zufrieden nickte Lady Davenport und schrieb den Satz in ihr Notizbuch. Als sie mich erblickten, rannte Luise auf mich zu und warf sich in meine Arme.
"Noch eine Überlebende", seufzte sie erleichtert.
"Habt ihr Anni gesehen?" Ich klang heiser.
Lady Davenport blickte mich aufmunternd an.
"Wir machen uns nachher auf die Suche. Vielleicht sind noch andere an diesem Strand verteilt."
Ich lief los und meine Gedanken liefen Sturm. Ich flehte inbrünstig, dass ich Anni finden würde. Und ich begann mich zu fragen, wie um alles in der Welt wir an diesem Ort überleben sollten.
Unten findet ihr eine Art Überleben-in-der-Natur-Challenge für Wölfe resp. für Pfadis und Pios. Diese Aufgaben gilt es zu lösen bis zum 18. April um 24:00. Schickt das ausgefüllte Dokument per Mail zurück an info@pfadistmauritius.ch - zusammen mit den Fotos. Die besten Ergebnisse werden - sofern von euch gestattet - auf unseren sozialen Kanälen geteilt. Vill Glück und mached uns stolz!
(Wölfe)
(Pfadis und Pios)