Danke für eure epischen und jähsen Pfadibilder der Survival-Challenge! Die Bilder werden in den nächsten Tagen auf diese Seite hochgeladen.
PS: Planänderung: Punkte können leider nicht verteilt werden, dafür sind eure Beiträge zu gut.
Nach drei Minuten hatten mich Lusie und Lady Davenport eingeholt.
"Nicht so eilig, Liebes", rief mir die alte Dame zu, die mit ihrem langen Kleid über den schmalen Streifen Strand huschte. Bald standen wir an einen mächtigen Fluss, der aus dem Innern des Dschungels heraus ins Meer mündete.
"Diesen Fluss überquere ich nicht", erklärte Lady Davenport. Mir war auch nicht wohl bei der Sache. Ich schlug vor, etwas Süsswasser zu trinken, aber bereute meine Idee sofort. Das Wasser schmeckte brackig.
"Gehen wir in die andere Richtung", sagte ich.
Wir wollten gerade umkehren, als auf der anderen Seite des Flusses ein markerschütterndes Krächzen durch den Wald schallte. Es knackte im Unterholz. Dann erschienen Anni und Kasper keuchend am Waldrang. Erleichterung und Angst machte sich in mir breit. Ohne zu zögern sprang Anni kopfüber in den Fluss. Kasper tat es ihr gleich. Gehetzt schwammen sie auf uns zu.
Erneut drang ein Krächzen durch den Wald. Eine gewaltige Kreatur tauchte zwischen den Bäumen auf. Es war eine Art Schlange mit schillernden Federn an der Seite. Lady Davenport und Luise erstarrten. Ich sah panisch zu Anni und Kasper, die sich näherkämpften.
Das Tier mass locker sieben Meter. Seine Seitenfedern begannen, sich in raschen Wellen zu bewegen. Die Kreatur hob ab und segelte über den Fluss. Luise kreischte. Rasend schnell kam das Tier näher. Kasper und Anni hatten soeben das Ufer erreicht. Wir rannten über den Sand, ohne uns noch einmal umzudrehen. Als wir genug Abstand zwischen uns und den Fluss gebracht hatten, hielten wir inne.
"Schön dich zu sehen, Rosa", keuchte Anni und lächelte.
Die Sonne stand bereits tief. Luise las Treibholz im Sand zusammen und errichtete eine kleine Holzpyramide, während Kasper einen kleinen Unterstand aus flächigen Blättern aufstellte. Lady Davenport setzte sich sofort darunter und schrieb eifrig in ihr Notizbuch.
"Die Hybride aus Viper und Federvieh hetzte Heros Erben durch die wiegenden Wogen, den adonisgleichen Jüngling gleich die aphroditische Schönheit, durchaus nicht ungewillt, über deren diesseitiges Dasein zu richten", schwafelte die alte Dame.
"Schreiben Sie lieber, dass ich mir vor Angst fast in die Hosen gemacht habe", meinte Kasper, was ihm einen strafenden Blick von Lady Davenport einfing.
Unterdessen sassen Anni und ich etwas Abseits.
"Wo immer wir sind, wir sind richtig", flüsterte ich Anni zu. Ich nahm den Kompass hervor, der sich seit dem Schiffbruch in meiner Hosentasche befunden hatte.
"Er zeigt in den Wald", stellte Anni fest.
"Ja. Schlage vor, dass wir ein Floss bauen. Und dann flussaufwärts ins Landesinnere treiben." Ich war selber überrascht von meinem Vorschlag.
"Und wie erklärst du den anderen unser Vorhaben?"
"Ja gar nicht. Jemand von denen will uns immer noch böse", erinnerte ich Anni.
Sie zögerte.
"In Ordnung. Aber zuerst machen wir Vianney und Schneisener ausfindig."
"Nicht nötig." Ich deutete in die Ferne.
Tatsächlich schritt Schneisener erhobenen Hauptes auf uns zu. Vianney stolperte ihm hinterher. Er trug einen grossen Lederrucksack auf seinen Schultern und schleppte offensichtlich Schneiseners Ausrüstung.
"Tag", salutierte Schneisener wenig warm.
Wir winkten Vianney zu. Dies war zu viel für diesen und Vianney brach in den Sand zusammen. Anni und ich eilten sofort zu Vianney und versorgten ihn. Völlig unbeeindruckt setze sich Schneisener zu Lady Davenport. Er nickte Luise zu.
"Gutes Feuer. Vielleicht sieht es jemand und rettet uns", meinte Schneisener.
Ich nutzte die Gelegenheit.
"Anni und ich werden morgen früh ins Landesinnere aufbrechen. Es gibt sicher viel zu entdecken." Ich versuchte beiläufig zu klingen. Es funktionierte absolut nicht.
"Ich komme mit. Garantiert nicht bleibe ich an diesem Strand", fand Lady Davenport.
"Ich baue gern das Floss", meldete sich Kasper.
Hilflos blickte ich zu Anni. Sie zuckte mit den Schultern. Dann blickte sie zu Schneisener.
"Sie können ja hierbleiben", forderte Anni ihn heraus.
"Niemals. Und jemand muss meine Apparaturen tragen."
Vianney stöhnte.
Die ganze Nacht hatte Kasper am Floss gewerkelt. Bei Sonnenaufgang war es fertig.
"Gute Arbeit", gestand Anni Kasper gnädig zu. Tatsächlich erkannte ich einige Kreuz- und Parallelbünde aus geflochtenen Pflanzenfasern, mit denen viele Balken zu einem kleinen Schifflein zusammengebunden wurden.
"Alle mal anpacken", leitete Anni uns an. Wir schoben das Floss ins Meer. Dann zogen wir es den Strand entlang zum Fluss.
"Hoffentlich taucht dieses Viech nicht wieder auf", schauderte Luise und blickte sich um.
Nacheinander stiegen wir auf die Hölzer. Als Schneisener seinen Rucksack auf das Floss tragen lies, schwankte es bedrohlich, aber es hielt. Mit gebastelten Rudern schaufelten wir uns den Fluss hinauf ins Landesinnere. Riesige Bäume, bedeckt mit Schlingpflanzen und Blüten in allen Farben, säumten den Rand des Stromes. Beeindruckt starrte ich in den Dschungel und merkte erst spät, wie alle um mich herum still geworden waren.
"Was ist los?" Ich blickte zu Anni. Sie deutete auf das Wasser.
Unter uns trieben gigantische, leuchtende Quallen. Ihre Schirme waren bestimmt so gross wie drei erwachsene Frauen aneinander. Unendlich lang erscheinende Quallententakel durchzogen die Wassersäule. Ich malte mir sofort aus, wie ich ins Wasser fiel.
"Wo sind wir hier", hauchte Vianney neben mir ensetzt.
"Die gehören nicht in einen Fluss, oder?", fragte mich Kasper zaghaft.
"Absolut nicht."
Schneisener stand auf und das Floss schwankte. Fast hätte ich laut geschriehen.
"Reich mir mal das Funopondoaerisometer", brummte Schneisener zu Vianney. Dieser kramte in den Tiefen des Rucksacks, bis er eine Schachtel herausgefischt hatte.
"Celui-ci? Dieses hier?", fragte Vianney. Schneisener nickte und nahm ihm das seltsame Messgerät aus der Hand.
"Was kann das?", fragte Anni interessiert.
"Es zeigt die Tiefe des Flusses", antwortete er. In der Schachtel befand sich ein kleines Messinggewicht an einem dünnem Faden.
"Aus Spinnenfaden gewobenes Garn. Stark wie ein Drahtseil", murmelte Schneisener. Er liess das Gewicht über die Flosskante gleiten. Alle zehn Meter war ein kleiner Knoten im Faden und Schneisener zählte sie stumm. Wir wurden zunehmend unruhig.
"Wie tief?", fragte ich angespannt.
"Sind bei 150 Metern."
Die Schnur wurde weiter ins Wasser gezogen. Schneisener gelangte an das Ende des Fadens.
"Weiter geht's nicht. Das Gewicht hängt einen Kilometer unter uns im Wasser."
Das Schiff schwankte. Schneisener fiel flach auf den Bauch. Noch immer hielt er den Faden in beiden Händen und wurde von ihm an den Flossrand gezogen.
"Loslassen", schrie ich. Irgendetwas zog mit gewaltiger Kraft am anderen Ende des Fadens. Für einmal tat Schneisener wie geheissen. Das Floss hörte auf zu schaukeln.
Neben mir wimmerte Vianney.
"Ich möchte nicht wissen, was da unter uns alles haust."
"Ich möchte an Land", beschloss Lady Davenport. Niemand hatte etwas dagegen. Wir trieben auf den Dschungel am Flussrand zu. Dann zogen wir das Floss an Land. Wir steckten bis zu den Knöcheln in sumpfigem Urwaldboden.
"Da ist eine Lichtung", stellte Anni fest. Wir drangen tiefer in den Dschungel ein. Es ging etwas bergauf, der Boden wurde trockener und tatsächlich lichtete sich der Wald bald.
"Qu'est-ce que c'est? Was ist denn das?", fragte Vianney und deutet in die Lichtung. Einige kleine, etwa fünf Meter hohe Pyramiden aus Steinen hoben sich vom Waldboden ab. Wir traten näher. In diesem Moment hörte ich ein Summen direkt neben meinem Ohr.
"Autsch!" Kasper zog sich einen Holzsplitter in der Grösse eines Zahnstochers aus dem Hals.
"Das sieht aus wie ein Pfeil", stellte er fest. Ich blickte mich um und traute meinen Augen nicht. Auf die Lichtung strömten Menschen. Zumindest sahen sie aus wie Menschen, aber sie waren etwa so gross wie meine Hand. Sie setzten winzige Blasrohre an ihre winzigen Münder und hüllten uns in einen schmerzhaften Regen aus Holzpfeilchen.
"Aufhören!", donnerte Schneisener. Verdutzt hielten die kleinen Menschlein inne. Dann ertönte ein schriller Laut. Die Menschlein formten einen Gang in die Menge und liessen jemanden durchtreten.
"Das ist sicher die Anführerin", flüsterte ich, als die kleine Frau mit ihrem Kleid samt Kragen aus unzähligen, glänzenden Federchen auf uns zutrat. Ihre Stimme war in Anbetracht ihrer Grösse bemerkenswert laut - doch ich verstand kein Wort. Sie sprach in zischenden und leicht singenden Lauten zu uns.
Wir waren alle ziemlich ungläubig, als Kasper verständisvoll nickte und dann die selben Geräusche von sich gab. Die Anführerin wirke erfreut und das Volk jubelte.
"Was ist los?", fragte ich Kasper.
"Nun, wir sind ihre Gefangene. Aber sie lassen uns gehen, wenn wir ihnen helfen, ihre Stadt wieder aufzubauen. Eine Flutwelle hat sie letzte Woche komplett zerstört."
"Und warum haben sie gejubelt?", fragte Schneisener argwöhnisch.
"Na, weil ich ja gesagt habe!", erklärte Kasper grinsend.
"Wenn's weiter nichts ist", meinte Anni fröhlich und krempelte die Arme hoch.
Weil die Challenge so gut gelöst wurde, machen wir diese Woche wieder eine Aufgabe statt ein Rätsel - diesmal etwas lockerer. Aber ihr habt es gehört: Das Waldvolk braucht dringend menschliche Arbeitskräfte!
Baut aus Naturmaterialien (falls möglich, sonst drinnen) eine möglichst mächtige, eindrückliche Zwergenstadt! Macht davon ein Foto und schickt es an info@pfadistmauritius.ch. Wir freuen uns!