Habt ihr die Botschaft schon vernommen? Aktivitäten können wieder stattfinden - also ist bald Schluss mit Pfadiersatz vor dem PC!
Meine Mühe mit der Höhe war Augenblicklich verflogen. Zügig schritten wir über den sandigen Vulkanboden auf Lady Davenport, Schneisener und Luise zu, die am Rande des Kraters standen. Bedrohlich rumpelte der warme Boden unter uns. Luise bemerkte uns und drehte sich überrascht zu uns um.
"Ihr lebt! Was für ein Glück!", rief sie. Auch Lady Davenport wirkte erfreut und lächelte. Dann fiel mein Blick auf den Spaten in ihrer Hand.
"Wofür ist der?", fragte ich betont arglos. Lady Davenport schien plötzlich sehr ernst. Ich spürte, wie sich Vianney neben mir verkrampfte.
"Wir müssen uns beeilen. Wohin zeigt der Kompass?", fragte mich die alte Dame.
"Wofür ist die Schaufel?", hakte ich nach.
"Du wirst es bald sehen. Aber wir müssen hier weg, der Vulkan fliegt jeden Moment in die Luft."
"Sie hat Recht", sagte Anni und deutete auf ein Lavarinnsal, das wie aus einer Quelle einige Meter entfernt aus dem Boden trat.
"Hör zu, Rosa. Ich werde dir alles erklären. Aber jetzt brauche ich den Kompass."
"Nein, es reicht jetzt. Ohne Erklärung kein Kompass."
Lady Davenport schwieg einen Moment und blickte unruhig zum Rande des Vulkankraters, der unablässig dicken Rauch in den Himmel stiess. Dann begann sie zu erzählen.
"Mein Bruder und ich kommen aus gutem Hause. Die hohe Gesellschaft von England ging in unserem Haus ein und aus. Auch der König besuchte uns manchmal."
Sanfte Ascheflocken fielen um uns zu Boden. Vianney hörte gebannt zu, blickte aber immer wieder verunsichert herum. Der Boden zitterte. Lady Davenport sprach jetzt schneller.
"Ich war zu Besuch in unserem Elternhaus, als ein hoher Beamter namens Travis Liverpool meinem Bruder im Nebenzimmer ein Geheimnis erzählte. Er berichtete von einer aufregenden Fahrt und einem unbekannten Kontinenten. Von den Reichtümern, die er gesehen hat."
"Und dann haben Sie beschlossen, hierherzukommen und sich zu bereichern", fiel ich Lady Davenport wütend ins Wort. Sie blickte mich verdutzt an.
"Wo denkst du hin? Dieser Liverpool erzählte, dass der Schweizer Bundesrat und auch Frankreich darüber Bescheid wissen, aber schweigen werden. Mein Bruder und Travis begannen, eine grosse Abenteuerreise für das nächste Jahr zu planen. Ich nahm am selben Abend Kontakt mit dem Bundesrat auf."
Ich erinnerte mich, dass Lady Davenport ein Telegramm aus der Schweiz erhalten hatte.
"Es musste schnell gehen. Er organisierte mir einen Platz auf einem Forschungsschiff, das zur richtigen Zeit in die richtige Richtung fuhr. Und auch euch. Dank euch und der Karte haben wir den Kontinent gefunden."
"Und weshalb musste es schnell gehen?"
"Der Kontinent ist bald kein Geheimnis mehr! Bald kommen Scharen von Schatzsuchenden und anderen geldgierigen Menschen, welche die Reichtümer des Kontinentes ausbeuten wollen! Das müssen wir verhindern."
"Aber was können wir denn tun?"
Ein entschlossener Ausdruck trat auf das Gesicht von Lady Davenport.
"Wir zerstören den Zugang zum Kontinent. Und dafür brauchen wir den Kompass."
Ich blickte zu Anni. Sie wirkte von der Geschichte ebenso überzeugt wie ich. Trotzdem zögerte ich. Vianney trat unruhig von einem Fuss auf den anderen.
"Und warum haben Sie eine verschlüsselte Aufforderung bekommen, uns den Kompass zu stehlen?"
Lady Davenport blickte mich fragend an.
"Wie bitte?"
"Das Vigenère-Telegramm von Calais."
"Ich weiss nicht, wovon du sprichst. Ich habe in Calais eine Nachricht vom Bundesrat mit Dank bekommen."
Ich starrte Lady Davenport an, dann blickte ich unschlüssig zu Anni.
"Ach seis drum", fluchte hinter mir eine Stimme. Ich hörte ein Wimmern und fuhr herum. Ich erstarrte. Luise stand hinter Schneisener und hielt ihm einen Dolch an die Kehle.
"Halt endlich dein Maul und gib der Alten den Kompass", flüsterte Luise.
"Ihr drei geht zum Kraterrand, wo ich euch sehen kann", herrschte Luise Vianney, Kasper und Anni an.
"Was soll das, Luise?", fragte Kasper ruhig.
"TU WAS ICH SAGE", kreischte Luise. Sie blickte auf das Messer an Schneiseners Hals. Stumm trottete Vianney voraus, dicht gefolgt von Anni und Kasper.
"Und ihr", hauchte sie eisig zu Lady Davenport und mir, "ihr grabt endlich. Falls unser Alfred das Abendrot sehen soll."
Ich nahm den Kompass aus der Tasche. Die Nadel bewegte sich stark, als ich ihn in der Luft verschob.
"Wir sind ganz nah." Meine Stimme zitterte.
"Gut für euch."
Ich folgte der Nadel. Plötzlich drehte sie sich wieder um die eigene Achse. Lady Davenport begann zu schaufeln.
"Warum, Luise?", murmelte die alte Dame leise vor sich hin.
"Was haben Sie gesagt?"
"Ich frage mich, warum du das tust, Luise. Du warst eine ordentliche Zofe."
Luise lachte hysterisch.
"Dachten Sie wirklich, es hat Spass gemacht? Die ganze Heuchelei, die Erniedriegung, das eingefrorene Lächeln", sie spuckte zu Boden, "endlich ist es vorbei."
"Und warum bist du nicht gegangen? Das Geld hattest du doch nicht nötig?"
Luises Gesicht verzerrte sich zu einem Grinsen.
"Wegen Ihrer Geheimnisse. Die sind Gold wert. Unsere Bank wird auf diesem Kontinent einen neuen Markt erschliessen, die Siedler und Firmen mit Krediten versorgen und in Geld schwimmen." Luises Augen glänzten. Sie beugte sich zu Lady Davenport.
"Und dank Ihnen werden wir diesen Kontinent beherrschen", flüsterte sie der alten Dame ins Ohr. Eisern schaufelte Lady Davenport weiter. Plötzlich ertönte ein dumpfer Schlag. Mit den Händen schabte ich warmen Sand zur Seite. Bald hatten wir die Apparatur freigelegt. Es war eine Art Glaskiste. Darin befanden sich unzählige Zahnräder aus Messing und Eisen, die ineinandergriffen und wild rotierten. Ein monotones Surren ging von der Maschine aus. Ich hatte noch nie ein derartiges Gerät gesehen. Einige Meter entfernt pfiff Kasper beeindruckt.
"Was ist das?", fragte ich leise.
"Es ist ein Myonenkonsolidator! Er bewirkt Verschiebungen der Raumzeit und stabilisiert den Zugang zu diesem System und zeigt eine magnetische Anomalie", entfuhr es Kasper. Er verstummte sofort, als er Luises Blick sah. Dann lächelte sie.
"Nein, Kasper. Das ist die Macht über diese Welt."
Zäher Rauch hüllte den Vulkankegel ein. Der Boden zitterte und es krachte. Ich zuckte zusammen. Offenbar war auch Luise erschrocken, denn an Schneiseners Hals klaffte ein feiner Schnitt. Er brüllte. Ich blickte mich um. Plötzlich nahm ich im Augenwinkel eine Bewegung war. Ich fuhr gerade noch rechtzeitig herum. Anni stürzte auf Luise zu und schlug ihr den Dolch aus der Hand. Er fiel zu Boden. Schneisener war erstarrt und fasste sich panisch an die Kehle. Dann lies er sich fallen, griff nach dem Messer und schleuderte es in den Krater. Auf allen Vieren kroch er von Luise weg. Gleichzeitig näherte sich Kasper. Doch Luise versetze ihm einen derart heftigen Tritt in den Magen, dass er zu Boden ging. Anni packte Luise an der Hüfte und warf sie von den Beinen. Luise griff nach Annis Armen. In einer geschickten Drehung setzte sie sich auf ihren Bauch. Anni war Luise völlig ausgeliefert.
Ich blickte auf die Maschine unter mir. Mit einem Ruck zog ich sie aus der Erde. Lady Davenport packte die andere Seite. Mit Mühe schleiften wir das Gerät Richtung Krater.
Luise blickte entsetzt zu uns. Dann liess sie Anni los und jagte auf uns zu. Sie hatte Lady Davenport erreicht und packte sie am Rock. Die alte Dame riss sich los, Luise hielt lediglich das Manuskript in den Händen. Flach stürzte sie zu Boden. Vianney hatte ihr ein Bein gestellt.
Wir zogen ein letztes Mal stark an der Maschine und liessen sie flach über die Kante gleiten. Unnatürlich langsam fiel sie dem orangen Grund zu.
"Was habt ihr getan", hauchte Luise.
Ein gigantisches Donnern jagte durch den Berg. Dann gab der Boden unter uns nach. Mit einem ohrenbetäubenden krachen zerbarst der Vulkan.