Durch die staubigen Vorhänge drückte das Licht. Ich schreckte auf und suchte in meiner zerknitterten Bluse vom Tag zuvor nach der Taschenuhr. Fast hätte ich das Treffen mit Dr. Blanquet verschlafen! Schnell packte ich meine Notizen in die Ledertasche, stürmte nach draussen und schwang mich auf das Velo. Bei der Dorfkirche hätte ich beinahe den Ammann über den Haufen gefahren (er rief mir einige wüste Sachen nach).
Ich raste in ins Städtlein hinein, bretterte über die Mittlere Brücke und stellte das Fahrrad an einer Linde ab.
"Ich muss zu Dr. Blanquet", keuchte ich der argwöhnischen Dame entgegen, welche die Tür offenhielt. Der aufdringliche Geruch ihres Duftwassers hing mir in der Nase, als ich mich an ihr vorbei ins Wohnzimmer quetschte.
Anni stand bereits vor dem Schreibtisch des Professors. Wie immer war sie makellos gekleidet. Die gebügelte Bluse war sorgfältig in ihren Seidenrock geheftet und ihre goldene Brille verlieh ihr eine derart kluge Ausstrahlung, wie ich sie mir heimlich für mich wünschte. Sie strahlte mich an.
"Da hatte wohl jemand eine kurze Nacht", flüsterte sie und deutete auf meine Augenringe. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen.
"Hm-Hm", räusperte sich der Professor. "Wer möchte Tee?"
"Ich hoffe, ihr beide habt gestern noch lange die Bücher studiert, die ich euch zustellen liess", meinte Dr. Blanquet, während er dampfenden Grüntee in hellblaues Porzellangeschirr goss.
"Nun, ich kenne jetzt alle Versteinerungen von Südamerika und Afrika", lachte Anni.
Auch ich hatte die ganze Nacht Schriften gelesen. Bis ich auf dem Schmöker Tapire und andere tropische Tiere eingeschlafen bin.
"Ich erwarte auch nichts anderes von euch. Ihr seid meine besten Schülerinnen. Nur deshalb wurdet ihr für diese Aufgabe ausgewählt.", meinte der Professor streng.
Jetzt wurde ich unruhig. "Und was ist genau unsere Aufgabe?"
Dr. Blanquet holte einen Brief von seinem Schreibtisch.
"Wir gehen also auf ein Schiff mit Forschern aus aller Welt?", fragte ich.
"Und beweisen, dass Afrika und Südamerika wie zwei Puzzleteile ineinanderpassen", stellte Anni fröhlich fest.
Der Professor betrachtete uns eindringlich. "Nicht nur".
Er ging zum Regal, räumte einige Bücher zur Seite und zog eine kleine Kiste hervor.
"Diese ist zusammen mit dem Brief gekommen. Darin sind geheime Informationen. Ihr braucht sie für eure Reise."
Ich versuchte sie zu öffnen, sah dann aber zwei Schlösser mit Buchstaben, welche die Schachtel versiegelten.
Ratlos blickte ich zu Dr. Blanquet, der mir zwei Zettel in die Hand drückte.