Diese Seite enthält Informationen über sexuellen Missbrauch. Das Thema kann belastend oder retraumatisierend sein, besonders wenn du selbst Erfahrungen damit gemacht hast.
Falls du dich unwohl fühlst, überlege, ob du weiterlesen möchtest. Du bist nicht allein – es gibt Unterstützung. Wenn du Hilfe brauchst, kannst du dich an eine Vertrauensperson wenden oder Unterstützung bei der Opferhilfe Schweiz finden.
Achte auf dich und deine Gefühle. 💜
Ich setze mich auf den Boden, halte mir die Hände vors Gesicht und mache die Augen zu. Welt-Verschwindung. [...] Dann kommt das Zittern. [...] Ich drehe mich um und kotze mein komplettes Frühstück aus [...] Ich weiss nicht, wie lange ich so dasitze, vielleicht fünf Minuten, vielleicht fünfzig. [...] Ich wünschte, ich wäre nie aufgestanden heute Morgen. [...] Die Angst macht mich schwindelig, Schwindel-Angst [...].
(Eva Rottmann, Fucking fucking schön, S. 94 f.)
Lou widerfährt auf der Fahrt nach Berlin etwas Schreckliches. Holger nimmt sie ein Stück mit und belästigt Lou dabei sexuell. Lou ist wie gelähmt. Lous Gedanken spiegeln die Panik und das Gefühl der Hilflosigkeit wider, das viele Betroffene in solchen Momenten erleben.
Sexuelle Übergriffe sind ein ernstes gesellschaftliches Problem, das viele Menschen betrifft. Oft fällt es Betroffenen schwer, sich in solchen Momenten zu wehren oder danach darüber zu sprechen. In der folgenden Aufgabe setzt du dich mit dieser Thematik auseinander, um besser zu verstehen, was in solchen Situationen passiert, wie man reagieren kann und wo es Unterstützung gibt.
Auf der Fahrt nach Berlin wird Lou von Holger sexuell belästigt. Dieses Erlebnis wühlt Lou auf und löst gemischte Gefühle und Symptome aus. Finde heraus, wie sich solche Übergriffe für Betroffene anfühlen.
Notiere dir Textstellen, in welchen Lou beschreibt, wie sie sich während des Übergriffs fühlt (S. 90/94):
Was löst Holgers übergriffiges Verhalten in Lou aus?
Welche körperlichen Symptome erlebt Lou in dieser Situation?
Sieh dir das Video „Sexueller Missbrauch ohne Anzeige?!🙅♀️🚫Betroffene erzählen!“ an.
Vergleiche die Schilderungen der Betroffenen im Video mit den Erlebnissen von Lou. Mach dir hierzu Notizen.
Was hat der Missbrauch in den Menschen im Video ausgelöst (psychisch & körperlich)?
Welche Folgen hatte der Missbrauch längerfristig?
Wie haben die Menschen aus dem Video und Lou auf den Missbrauch reagiert?
Diskutiert in Kleingruppen und notiert eure wichtigsten Erkenntnisse:
Was kann jeder Einzelne tun, um sexuelle Gewalt zu verhindern?
Welche Rolle spielen Zivilcourage und gesellschaftliche Aufklärung?
Beteiligte Person:
Erfahre im Interview, was die Sexualpädagogin Marlen Riedel bezüglich Lous Erlebnis zu sagen hat.
Lies unter folgender Frage nach:
Gibt es eine Person oder Situation im Buch, die du aus sexualpädagogischer Sicht besonders spannend fandest?
Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt noch nie einen Jungen geküsst, Flaschendrehen ausgenommen. Ich küsste ihn zurück und fühlte mich sehr erwachsen. Er schob seine Hand unter mein Kleid und legte meine Hand auf seine Hose. Eines kam zum anderen, vielleicht fand ich es aufregend, vielleicht dachte ich, so laufen diese Dinge eben, ich weiss es nicht mehr genau. Plötzlich kniete ich vor ihm, und er machte seine Hose auf. Er hielt meinen Kopf fest und schob ihn vor und zurück, sein Ding war viel zu gross für meinen Mund, es stiess im Rachen gegen meine Mandeln, und ich hatte Mühe, den Brechreiz zu unterdrücken. Es dauerte eine Ewigkeit, bis es vorbei war. Ich schluckte das Sperma, obwohl ich es am liebsten auf den Fussboden der Umkleide gespuckt hätte, es schmeckte widerlich. Der Verkäufer machte seine Hose zu, küsste mich auf den Mund und sagte, er müsse jetzt wieder arbeiten. Ich verliess den Laden, spülte mir in der Toilette des Einkaufszentrums ungefähr zweihundert Mal den Mund aus und dann fuhr ich nach Hause.
(Eva Rottmann, Fucking fucking schön, S. 108)
Mit dreizehn Jahren wurde Leyla zum ersten Mal von jemandem dazu bewegt, Oralsex zu haben. Das Ganze fand in einer H&M-Umkleide statt. Einen Ausschnitt der Szene aus Leylas Sicht findest du oben.
Sucht im Buch heraus, mit welchen Worten und Aussagen Leyla ihre Gewalterfahrung konkret beschreibt. Dafür dürft ihr das oben stehende Zitat, aber auch weitere Textausschnitte nutzen. Streicht euch die Textausschnitte an oder schreibt sie heraus.
Obwohl Leyla fühlt, dass die Handlung für sie nicht in Ordnung ist, wehrt sie sich nicht ausdrücklich dagegen. Erklärt an Leylas Beispiel, warum der Spruch rechts in der Abbildung wichtig ist in allen sexuellen Handlungen.
Überlegt und besprecht: Was bedeutet das konkret, wenn man sich eine intime Situation mit einer Person wünscht? Was muss man beachten, bevor man eine Person z. B. anfasst, küsst, festhält usw.? Dieses Video zum Thema Consent kann euch dabei helfen.
Hinweis: Die Urheberin des Bildes (Frauenberatungsstelle Köln) hat auf ihrer Webseite noch mehr (genderunabhängige) Informationen zum Thema „Consent“ zusammengestellt. Die Seite ist auf dem Bild verlinkt und du darfst dich gerne darauf umsehen, wenn es dich interessiert.
Schaut euch die Grafik zu Meldungen sexualisierter Gewalt in der Schweiz an. Würde ein Fall wie der von Leyla dort auftauchen? Warum wohl (nicht)? Und falls nein, wie wäre es möglich, dass der Fall in die Statistik aufgenommen wird? Macht euch dazu Notizen.
Informiert euch darüber, ob Leylas Fall in eurem Land von Gesetzes wegen überhaupt als sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung eingestuft würde. Notiere dir auch dazu einige Informationen. Hilfe für die Recherche.
Beteiligte Person:
„Okay?“, fragt er und guckt mich an.
Es ist das erste Mal, dass jemand von uns beiden etwas sagt. Ich nicke und denke: Fuck, ja genau, Konsens, voll vergessen! Vielleicht hätte ich Tom mal fragen sollen, bevor ich sein Ding in den Mund nehme.
(Eva Rottmann, Fucking fucking schön, S. 159)
Ari macht sich während des ersten Mals Sex mit Tom Gedanken darüber, ob sie Tom hätte fragen müssen, ob sie ihm einen blasen darf.
Schau dir dieses Video zum Thema Konsens an.
Aus der Sicht der besten Freundin oder des besten Freundes:
Schreibe Ari eine Textnachricht für einen Messengerdienst, in der du ihr erklärst, was Konsens ist und was sie in dieser Situation am besten hätte tun sollen.
Und dann nimmt er seine Hand vom Lenkrad und legt sie auf meinen Oberschenkel. Zuerst verstehe ich es nicht. [...] Dann wird mir plötzlich eiskalt. [...] Ich will, dass Holger seine Hand wegnimmt. [...] Ich habe die Sätze im Kopf. Sie liegen ausformuliert in meinem Sprachzentrum herum. Aber ich kriege sie nicht heraus. Mein Mund bleibt einfach verschlossen. Ich bin wie gelähmt. Allgemeines Reaktions-Totalversagen. Ich kann nicht einmal mehr richtig atmen. [...]
In den Ohnmacht-Nebel in meinem Kopf drängt sich ein Gedanke, wie ein Alarm, ein Notsignal, ein Du-musst-jetzt-etwas-tun-Lou-Gedanke, ein Und-zwar-sofort-bevor-es-zu-spät-ist-Gedanke.
(Eva Rottmann, Fucking fucking schön, S. 90 f.)
Oft wird in unserer Gesellschaft betont, dass sich Opfer sexueller Übergriffe besser wehren oder anders verhalten hätten sollen. Doch die Verantwortung liegt nicht bei den Betroffenen, sondern bei den Täter:innen und der Gesellschaft, die Übergriffe ermöglicht oder verharmlost.
Eure Aufgabe: Erstellt in Kleingruppen ein aussagekräftiges Plakat, das darauf aufmerksam macht, dass nicht die Opfer sich ändern müssen, sondern dass die Täter:innen und die Gesellschaft aufgeklärt werden müssen.
Folgende Aspekte sollten auf eurem Plakat vorkommen:
Eine klare Botschaft, die zeigt, dass sexuelle Übergriffe verhindert werden müssen, indem Täter:innen Verantwortung übernehmen.
Einprägsame Slogans oder Aussagen, die zeigen, dass es nicht um Selbstverteidigung der Opfer, sondern um gesellschaftliche Veränderung geht.
Fakten oder Zahlen, die verdeutlichen, wie häufig sexuelle Übergriffe sind und warum Aufklärung wichtig ist.
Passende Bilder oder Symbole, die eure Botschaft verstärken.
Kreativität ist gefragt! Achtet darauf, dass euer Plakat eine starke Wirkung hat – es soll Menschen zum Nachdenken bringen und für das Thema sensibilisieren.
Präsentation: Stellt euer Plakat der Klasse vor.
Falls du selbst schon einmal einen sexuellen Übergriff erlebt hast oder dich dieses Thema stark belastet, bist du nicht allein. Es gibt Menschen, die dir zuhören und dir helfen können.
💙 Sprich mit jemandem, dem du vertraust – das kann eine Freundin, ein Freund, eine Lehrperson oder eine andere Vertrauensperson sein.
📞 Hole dir professionelle Hilfe – Beratungsstellen wie die Opferhilfe Schweiz sind für dich da. Du kannst anonym bleiben, wenn du möchtest.
🛑 Setze deine eigenen Grenzen – wenn du merkst, dass das Thema für dich zu viel wird, ist es völlig okay, eine Pause zu machen oder nicht weiterzumachen.
📢 Melde den Vorfall der Polizei – du bist nicht schuld an dem, was passiert ist, und du musst da nicht allein durch. Hilfe zu suchen, ist ein mutiger und wichtiger Schritt! 💙