In der Küche zur Nachhaltigkeit
Bild: Amy Burger
In der Küche zur Nachhaltigkeit
Bild: Amy Burger
Bewusst einkaufen, nachhaltig kochen
Amy Burger, Caitlyn Niederhauser
01.07.2026
Regional einkaufen, Lebensmittel bewusst auswählen und weniger verschwenden: Mit diesen Themen beschäftigten sich 22 Schülerinnen und Schüler vom GYMO und der FMS Oberaargau im Workshop Nachhaltiges Kochen. Gemeinsam wurde nicht nur gekocht, sondern auch hinterfragt, welche Auswirkungen unsere Ernährung auf Umwelt, Gesundheit und Budget hat.
«Nachhaltigkeit ist viel komplexer, als viele denken», erklärte der Workshopleiter Roman Stucker gleich zu Beginn. Viele würden Nachhaltigkeit nur mit Bio-Produkten oder einer guten Klimabilanz verbinden. Doch nachhaltige Ernährung bestehe aus weit mehr. Neben Umweltaspekten spielten auch die eigene Gesundheit, die faire Produktion der Lebensmittel sowie das verfügbare Budget eine wichtige Rolle. «Es gibt keine einfache Antwort und kein richtig oder falsch. Bio ist nicht automatisch immer die beste Lösung und regional ist nicht in jeder Situation nachhaltiger. Man muss verschiedene Faktoren berücksichtigen», führte Stucker aus.
Dass nachhaltige Ernährung heute wichtiger denn je ist, liegt laut der Workshopleitung auf der Hand. Essen betrifft jeden Menschen – jeden Tag. Gleichzeitig verursacht die Lebensmittelproduktion einen grossen Teil der Umweltbelastung und Food-Waste bleibt ein bedeutendes Problem. In der Schweiz wird rund ein Drittel aller Lebensmittel verschwendet oder geht verloren (weitere Informationen: SRF Beitrag zu Foodwaste in der Schweiz). Deshalb sei es wichtig, Menschen für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren.
Worauf man beim Einkaufen achten soll
Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops war die Frage, wie nachhaltiges Kochen im Alltag gelingen kann. «Unsere Gesellschaft ist auf Schnelligkeit ausgerichtet. Doch nachhaltiges Kochen braucht Zeit», erklärte Herr Stucker. Wer bewusst einkaufe, regional und saisonal bevorzuge und selbst koche, könne bereits einen grossen Beitrag leisten. Überrascht waren viele Teilnehmende von den Informationen rund um den Ressourcenverbrauch verschiedener Lebensmittel. Besonders eine Erkenntnis blieb vielen in Erinnerung: Rindfleisch benötigt deutlich mehr Wasser und Ressourcen als beispielsweise Avocados. «Ich hätte nie gedacht, dass Rindfleisch so viele Ressourcen verbraucht», erzählte eine Teilnehmerin. Ein anderer ergänzte: «Dass Avocados trotz des langen Transportwegs teilweise besser abschneiden können, hat mich wirklich überrascht.»
Natürlich stand auch das Kochen selbst im Mittelpunkt. Auf dem Menü standen ein Kokos-Curry mit Reis, ein Wassermelonen-Feta-Salat sowie ein Pfirsich-Tiramisu. Die Zutaten stammten möglichst aus der Schweiz und wurden regional sowie saisonal eingekauft. Für dieses Menü und alle weiteren standen lediglich fünf Franken pro Person zur Verfügung – ein Beweis dafür, dass nachhaltiges Kochen nicht zwingend teuer sein muss. Besonders gut gefallen hat den Teilnehmenden das gemeinsame Kochen. Einige freuten sich darüber, neue Rezepte kennenzulernen, andere waren stolz auf ihre ersten selbst zubereiteten Gerichte.
«Ich habe zum ersten Mal eine Sauce gekocht», erzählte ein Schüler lachend. Eine andere Teilnehmerin meinte: «Am besten gefallen hat mir, dass wir alles gemeinsam gekocht und danach zusammen gegessen haben.»
Trotz der vielen positiven Eindrücke sahen die Jugendlichen am Ende des Kurses auch Herausforderungen. Nachhaltige Produkte seien teilweise teurer, ausserdem brauche bewusstes Einkaufen und frisches Kochen mehr Zeit. Im hektischen Alltag sei das nicht immer einfach umzusetzen.
Nachhaltigkeit im Alltag umsetzen
Viele Schülerinnen und Schüler nahmen sich konkrete Vorsätze für den Alltag vor. Mehrere möchten künftig weniger Rindfleisch essen oder genauer darauf achten, woher Fleisch stammt und unter welchen Bedingungen es produziert wurde. Andere wollen beim Einkaufen nicht nur auf Bio-Siegel achten, sondern Herkunft, Regionalität und Fairness stärker berücksichtigen. Das Fazit einer Teilnehmerin lautete daher: «Ich werde in Zukunft bewusster einkaufen und darauf achten, dass Lebensmittel fair und nachhaltig produziert wurden.»
Die wichtigste Botschaft des Workshops fasste die Workshopleitung zum Schluss in einem einzigen Wort zusammen: Sensibilisierung. Ziel sei nicht, den Teilnehmenden starre Regeln vorzuschreiben, sondern ihnen zu zeigen, wie vielfältig nachhaltige Ernährung ist und wie bereits kleine Veränderungen im Alltag einen Unterschied machen können.
Reis mit Kokoscurrysauce
Bild: Amy Burger
Exkursion
Bild: Amy Burger